Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 17 (24.4.1924)
- Date
- 1924-04-24
- Page
- Seite 225 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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225 <V. In großem Umfange beschästigte sich die Tagung mit der Erörterung dessen, was nun werden soll. Der Verfasser dieser Betrachtung hatte ein Referat über „Neue Wege der praktischen Ar-beit" übernommen und versuchte in diesem Referat zu zeigen, daß unsere Grun'dauffassung als Voraussetzung Praktischer Arbeit in der Richtung des uns gestellten Problems vertieft werden müsse. Wer das ' Judentum als soziologische Erscheinung begreifen wolle, müsse sich darüber klar sein, daß man mit Erklärungen im Rahmen von Religion, Stamm,.Volk usw. die Einbettung des Judentums im deutschen Wesen nicht vollkommen erfasse. Man müsse sich zum Beispiel in der sogenannten Blutssrage viel mehr mit den Erkenntnissen der neueren Biologie befassen und sie verarbeiten, nur jenen: unwissenschaftlichen Gerede, das heute unheilvoll auf die Menschen einwirke, entgegentreten zu können. Der völkischen Einstellung gegenüber, die es weder mit den Tatsachen geschichtlicher noch biologischer Art ernst nehme,.müssen wir mit den Waffen neuester Wissenschaft gerüstet sein. Die E i n s i ch t i n d i e S e e l e nl a g e der tt m - w e l t sei bedeutsam, weil man die Herrschaft des Wunschbeton.ten in den Gedan'kengängen unserer Gegner vielfach nicht genügend berücksichtige. Weite Kreise des deutschen. Volkes seien von einer P o l i t i> f de s R e s s e n t i m e n t s gegenüber der Umwelt und, psychologisch begreiflich, gegenüber der Minderheit der Juden beeinflußt. Das nötige uns zu einer starken P r o p a g a n da für den j ü d i f che n M e ns ch e n, sowohl 'bei der Erörterung religiöser, geschichtlicher, volkswirtschastticher, sozialer und Philofophislher Fragen nach außen hin, als in allen Angelegenheiten, die die sogenannte Innere Mission innerhalb de s Judentums betreffen.— Auf dem Gebiete des Aufbaus sind besonders die beiden Referate über Jugendfragen von Dr. Ludwig T'ietz und Dr. Charig zu erwähnen. Dr. Tietz hob hervor, daß eine Gemeinschaft junger Menschen, die sich die Heranbildung des jüdischen Menschen im Sinne der C. V.-Arbeit zur Aufgabe gemacht habe, in der. Deutschfüdischen Jugendgemeinschaft bereits vorhanden und in ihrer Arbeit nach innen und außen, wenn bisher auch nur aus Berlin und einige wenige Provinzorte beschränkt, erfolgreich gewesen sei. Die Jugend wolle mit Unterstützung der alten Generation arbeiten, aber ohne deren Bevormundung. Er ries die Anwesenden zu tätiger Unterstützung dieser Bestrebungen im ganzen Reiche aus. Dr. Charig unterstrich stärker die Möglichkeit der Heranziehung der Jugend für den Central-Berein im politischen Kampfe. Die Wicht des Central-Bereins fei, seiner Jugend geistige Waffenhilfe zu leisten. — Ueber „Jnnerjüdische Fragen" referierte Dr. Jsmar Freund. Die Beherrschung des geschichtlichen Stoffes und die rednerische Meisterschaft milderten die Schwere der Probleme, die er. aufzeigte und deren Lösung ernste Zukunstsarbeit verlangen wird. Das deutsche Judentum sehe sich zum ersten Male nach seiner Emanzipation' in einen Kamps auf Tod und Leben verwickelt. Es müsse und werde den Kamps bestehen.. Der Central-Berein werde sich seiner Führerstelle würdig zeigen. VI. Selbstverständlich diente die Hauptversammlung auch der Kritik des bisher Geleisteten. Sie war dem Hauptvorstande besonders willkommen, da sie sich in a u f b a u e n d e r Weise betätigte und Besserungen des Vorhandenen vornehmen wollte. Von vielen Seiten wurde der Ausbau unserer Zeitung verlangt. Sie sei in ihrem bisherigen Rahmen nicht weitgreifend genug. Sie müsse wissenschaftlich vertieft werden und insbesondere auch, gegebenenfalls durch ein Beiblatt, die Höhe der fluch „zersehenöer jüdischer" Geist? Die Funde aus El-Amarna. Nur widerstrebend und nur in der Abwehr spricht man es aus: Wieder einmal haben Juden an deutscher Kultur fördernd mitgearbeitet.' Wenn aber täglich in deutschvölkischen und deutschnationalen Reihen die Beschimpfung vom „zersetzenden jüdischen Geiste" breitgetreten wird, wenn für alles Unerfreuliche und Vaterlandsschädigende Juden und nur Juden verantwortlich gemacht werden, ist es nicht zu umgehen, mit gleicher Stärke auch auf hervorragende jüdische Deutsche hinzuweisen, die selbstlos an deutscher Kultur und damit an deutscher Weltgeltung mitschufen und deren Taten nie in völkischen Kreisen erwähnt werden. Vor kurzem hat das Berliner Alte Museum in seiner Aegyptischen Abteilung die Ausgrabungen von E l - A m a r n a der deutschen Öffentlichkeit neu erschlossen: Kunstwerke, Kulturwerte stellen sich dort dar, deren Hebung und Auswertung deutschem Gelehrtensleiß und deutschem Mäzenatentum zu danken ist. Wo auf der Welt kann man dieser Leistung, geboren in dunkelsten Jahren des Vaterlandes, ein Gleiches entgegenstellen? Die wissenschaftliche Einführung dazu, aus der Feder/'Professors Heinrich Schäfer („Mitteilungen der Deutschen Orient-Gesellschaft", Heft 63) schließt: * v „W enn bte Schätze, d i e unser neuerSaal birgt und um derentwillen er geschaffen ist, die Besucher erfreuen, so mögen sie aber mit uns dankbar v o r allen der Männer ged cn ken, durch die großenRevuen, wie zum Beispiel des vom katholischen Standpunkt aus geschriebenen „Hochland" erreichen. Diese Kritik bewies aus der anderen Seite, wie schwer sich im Leben Möglichkeiten und Wünsche einen, wie schwer eine finanziell so sehr zum Rechnen gezwungene Gemeinschaft wie die unselige auch nur einen Teil des Notwendigen in ihrem Aufgabenkreis erledigen kann und mit welcher Vorsicht auf der anderen Seite der Nahmen des geistig Möglichen bei der Tatsache gezogen werden müsse, daß, je größer der Umfang einer menschlichen Vereinigung, die sich zu einem bestimmten Zweck gebildet hat, ist, desto' größer auch der Reibungskoeffizient innerhalb dieser Gemeinschaft sich darstellt. Auseinandersetzungen Über die eigentlichen Ziele können Verschiedenheiten der Auffassung bei den einzelnen Gruppen bringen und damit die Geschlossenheit des Ganzen beeinträchtigen. Die Erörterung über die Zeitung, die in dem, was sie bringt, nach keiner Richtung hin angegriffen! wurde, und, wie Herr Dr. Paul Nathan hervorhob, schon dadurch den Beweis ihrer Güte erbracht hat und Anerkennung verdienen sollte, führte zur Einsetzung eines eckfgliederigen A u s s ch u s s e s , der die gegebenen Anregungen hoffentlich zu fruchtbaren Ergebnissen verarbeiten wird. VII. Eine grundlegende A e n d e r u n g der Satzungen fand statt, und zwar nach der Richtung hin, daß der Hauptvorstand sich in Zukunft. zu einem großen Teil aus Mitgliedern Zusammensetzen wird, die direkt von den Landesverbänden aus ihrem Kreise gewählt werden. Damit ist den Landesverbänden ein größerer Einfluß auf die Zusammensetzung des Vorstandes gewährleistet als früher. Schon die Wahl des Vorstandes, wie sie in dieser Hauptversammlung vorgenommeu wurde, hat in weitgehendem Maße die Wünsche derer befriedigt, die dieses Recht den Landesverbänden einräumen wollten. Hierdurch ist hoffentlich in bezug auf die Gestaltung der Satzungen für lange Jahre die notwendige Ruhe geschaffen worden. VIII. Was lehrt uns die Tagung? Sie zeigt, in welchem Maße die Notwendigkeit praktischer Arbeit gegeben ist. Sie tadelt die völlige Teil n a h nt s l osigkeit weiter j ü d i - s ch e r Kreise, die, wenn sie bleibt, zum Unglück der Gesamtheit und zum Unglück der Beteiligten führen muß/ Sie warnt uns, weil wir zu wenig'gearbeitet haben. Sie beweist uns, daß wir die Gefahr hätten rechtzeitig bekümpfen können, wenn wir opferwilliger, in der Teilnahme lebendiger und bei der Verwirklichung unserer Ideen tätiger .gewesen wären. Sie zeigt uns, daß wir afiei uns selbst nur dienen, wenn wir das Judentum als eine Gnade und nicht als ein Verhängnis betrachten. Sie gibt uns Mut für die Zukunft, aber nur dann, wenn wir die Zukunft unserer Persönlichen Wohlfahrt in der sittlichen Wohlfahrt des gesamten deutschen Volkes eingeschlossen erkennen., Die Ver- -b u tt de nheit z w ische n In b e n t u m u n d Deutschtu m i st ein Gegebenes. Das Wohl des Vaterlandes ist das erste Ziel, die Stärkung der Sittlichkeit unseres Menschentums in unseren eigenen Reihen das b e st e M i i k e l zum Erfolg e. Und schließen wir einst die Angen, können wir nicht in Frieden ruhen, wenn wir nicht unsere sittli ch e Energie u n d it n s e r e t a t s ü ch l i ch e A r b e n t vervi e l f -a ch -e n. Die Selbstsucht darf unsere Kreise nicht zersetzen. Mögen die, die das einsehen, dafür sorgen, daß die Zahl unserer Kämpfer der sittlichen Verpflichtung gegenüber den vielen Männern und Frauen und deren Willen entspricht, die bisher in unserer Arbeit den Hauptinhalt ihres Lebens erblickt haben. dieser Teil der Sammlung zustandegekommen ist: Karl Reinhardt, Ludwig Borchardt und James Simon, dessen eines Denkmal dieser Saal ist." Zwei Juden und ein Christ! Merktzs euch, Ihr Völkischen! Bescheidenheit ist eine Zier. K n ü p p e l - K u n z e i ft a 11 e t n derRetter. - . Mir waren bisher auf dem Holzwege. Nach aber ist vor dem 4. Mai Umkehr nicht zu spät. Die Freiheitsparteiler heben Ludendorfs aus den Schild. Die Nationalsozialisten besingen in Hitler ihren Mussolini. Bei den Deutschnationalen soll der „verjudete" Hergt Deutschlands Netter werden. Und keiner hat anNichardKunze gedacht! Richard Kunze (Gardelegen), der sich ebenso beharrlich dem Schützengraben wie dem Gerichtsbos contra „Berliner Tageblatt" fernhielt. Der bescheidene Mann stellt sein Licht nicht unter den Scheffel. Und wenn Deutschland ihn vergißt — er vergißt sich nicht. Er allein, so künden es seine Anschläge, kann Deutschland retten. Und stolz schmettert er es wörtlich heraus: „Alle anderen Parteien haben uns entweder belogen oder betrogen, oder haben vollständig versagt." Arme Völkische! Wen sollt ihr wählen? Die Deutschnationalen erklären die Freiheitsparteiler für Schädlinge und Zersplitterer. Die Freiheitsparteiler warnen flehentlich vor den „verjudeten" Helfferichs, Hergts und Genossen; und Kunze wird von ihnen mit Schimpf und Hohn bedacht. Und nun posaunrs Kunze: Ihr alle miteinander habt belogen, betrogen und vollständig versagt. — Eine schöne Gesellschaft!