Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 17 (24.4.1924)
- Date
- 1924-04-24
- Page
- Seite 224 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Nach -er hauptversammlang. Setrachtungen von Lu-Äig hsllänöer. Einen genauen Bericht über die Hauptversammlung roird die nächste Nummer unserer Zeitung bringen.'- Die Schriftleitun g. I. Wenn Hunderte von Abgeordneten, die von den Ortsgruppen unserer Vereinigung entsendet werden, die zum Teil weite Reise nach Berlin nicht scheuen, mn mehrere Tage hindurch zu sehen, m hören und zu b ernten, so erwarten diese opferwilligen Ätänner und Frauen von ihrer Reise dreierlei: Bete h r u n g, A n r e g u n g und S t ä r k u n g d es W i l l e n s. Man übersieht diesen letzten Umstand sehr häufig, und zwar iuuner dann, wenn man die Frage aufwirft: Was hat eine solche Versammlung Reue s geboten? Gewiß ist die Mitteilung wesentlicher Tatsachen und Ereignisse für die Wertung einer solchen Tagung von starker Bedeutung. Mindestens ebenso aber must der Umstand gewürdigt werden, daß alle, die innerlich beteiligt sind, in -ihrem Willen gestärkt, in ihrer Begeisterung erhöht und inder Erkenntnis der Wahrheit unserer guten Sache gefördert werden. Willen und Wissen sind Gegenstand der Beeinflussung durch die Hauptversammlung: in keinem dieser Punkte, darf sie versagen. Und das allgemeine Urteil der etwa vierhundert Teilnehmer an der Hauptversammlung lautet dahin, daß die Tagung nach dieser Richtung hin den Erwartungen entsprochen hat — die größte Freude und Genugtuung, die dem Vorstand des Central-Vereins, der die Tagung mit Liebe vorbereitet hatte, bereitet werden konnte. II. lieber den Vorabend im Herrenhaus' mit den großen Vortrügen der Herren Rabbiner Dr. Vogel stein (Breslau) und Justizrat Hugo 2 o n n e n s e l d (Berlin) ist berichtet worden, ^eine Bedeutung liegt darin, daß einmal von hoher Warte ans u n t e r wissenschaftlichen und sittlichen Gesichtspunkten die Kampfmittel unserer Gegner beleuchtet wurden. Auch hier standen die Referate unter dem doppelten Gesichtspunkt von Willen und Wissen, vielleicht noch unter einem dritten, unter dem des Solle ns. Dieser Gesichtspunkt des Solle ns wurde von Dr. Vogelstein durch die in diesen Tagen so nahegerückte Persönlichkeit Immanuel Kants in den Rahmen des Abends eingefügt. Dr. Vogelstein begann mit Kant und legte mit den Quadern Kantischer Ethük die Grundsteine seiner persönlichen Ausführungen, Justizrat Äonnepfeld die seinen mit denen Kantischer Erkenntnis. In den Sonuenfeldschen Ausführungen war von der S t a a t s a it f f a f { u n g des Cenbral - Vereins die Rede, und Sonneuseld selbst berührte einen Umstand, der von jüdischen Gegnern des Central- Vereins stets zu seiner Herabsetzung benutzt worden ist, nämlich die kurz vor der Revolution erfolgte Erklärung für Kaiser u n d Reich. Das Schwankende der Central-Vereins-Politik soll dadurch erwiesen sein, daß der E. V., der sich eben treu zum Kaiser bekannte, kurz danach die Stützung der Republik mit Entschiedenheit verlangt habe. Justizrat Sonneuseld zeigte den Gesichtspunkt, auf, unter dem die historische Stellungnahme des Ceutral-Vereius zu betrachten sei, und gab die Feststellung, daß die Frage „Monarchie oder Republik" als rein politisch ans unseren Erörterungen aus sche r d e. Die.Frage habe für uns zu lauten: Verfassungstreue oder Hochverrat. Aus seinem reichen - Wißen brachte Sonnenfeld die' Belege, daß Persönlichkeiten von überparteilichem Matz stets in Krisen des Vaterlandes die Frage nach der Staats form weit hinter die nach der Erhaltung des staatlichen Seins gestellt haben. Die Tagung im Herrenhause fügte sich in ihrer äußeren Gestaltung der Ruhe und der Feierlichkeit des Saales ein. So sehr sich auch die Zeiten änderten, seitdem die Her rem die hier zu beraten pflegten, selbst den Mitgliedern des benachbarten Wgeordnetenhauses die Benutzung des zum Herrenhaus gehörigen Gartens verweisen konnten, das Gute des alten Herrenhauses, seine Würde, hat sicherlich auch unsere Tagung bewahrt. Roch ein anderes, woran die statte erinnerte, die Auswirkung starker Persönlichkeiten konnte als Ergebnis der Vortrüge vermerkt werden und wird. unter den jüdischen Deutschen das Gefühl der notwendigen Verbundenheit zwischen dem alten Vorne h m e n und dem n e u e n N otwendigen geschaffen haben. III. In dem T e m p e l der Loge des Unabhängigen O r d e n s B ' n e B r i b h , dem schönsten und weihevollsten Tempel der Welt, über den die jüdischen Logen verfügen und in dem Wohltätigkeit, Bruderliebe und Eintracht in die Tat um gesetzt werden, fanden sich in dev Frühe des 13. April neben der Familie unseres verewigten Eugen Fuchs, neben unseren, vierhundert, Abgeordneten noch viele Freunde und Verehrer unseres verschiedenen Führers ein. Musikalische Darbietungen aus dem Harmonium, ein trefflicher Sologesang unseres Freundes, des Oberkan'tors Davids o h n, die Reden von Dr. Meier HF ld e s h e i m e r (Berlin) und Dr. S. Herzseld (Essen) gaben der stunde eine innere Weihe, daß diese Feier ein leuchtendes Mal im Leben der Teilnehmer zu'kuckließ. Die Feier entsprach dem Andenken von Engen Fuchs,"weil sie sich von L o b h u d e l e i e n u n d b i l l i g e n. Redens a x t e n völlig seruhielt. Eugen Fuchs suchte das Innerliche und das Innex ste tm Iu be n t it m un d im Deuts cht,u m. Dr. Hildesheimer leitete aus der gewaltigen Geistessonne des Judentums die Strahlen her, die Eugen Fuchs trafen, seine Persönlichkeit schufen und von ihm wieder aus die Umwelt wirkten und zu Menschen seiner Art bildeten. Er verstand es, in den Zuhörern die Persönlichkeit und den Segen dieser Persönlichkeit in ihren jüdischen Bindungen lebendig und wirkend zu gestalten. Die Ehrfurcht des alten traditionellen Judentums, das Achtunggebietende einer Jahrtausende währenden Vergangenheit erfüllten Hildesheimers Ausführungen und gaben ihnen Adel. An Hand der Fuchsschen Werke beleuchtete Herzfeld den Deutschen Eugen Fuchs. Er schilderte (ein Wollen an seinen Wertem Er gab in wenigen Minuten die klaren Gedankengünge. unseres Meisters in ihrem Zvesentlichen Jn-hälte wieder und zeigte uns, wie sehr in unserem Vaterlande das Wort Anerkennung finden müsse: D e r be steJ u d e ist der b e st e D e u ts che und der b e st e M e n s ch. Ein v 0 v s a c r u ni würde anbrechen, wenn diese Feierstunde, weit hinausragend über die Anzahl ihrer Teilnehmer, die Menschen beseelen und z n r Be si n n um g und zur Tat veranlassen würde. Wer von ehrlichen Völkischen dieser Feier bcigewohnt halte, hätte sicherlich seine Ueberzeugung An wichtigen Punkten einer Aenderung unterzogen. IV. Vom Tempel ging man in den B c r n t u n gssa a I und nahm zunächst die Berichte über die politische Lage in den gefährdeten Gebieten entgegen. Der Vorstand hatte als gefährdete Gebiete sowohl diejenigen bezeichnet, in denen besonders die Pogromst i nt m n n g verbreitet ist (Bayern, Oberschlesiem Pommern), als auch diejenigen, in denen ohne irgendwelche Judeugegnerschast das Deutschtum in seinem Innersten bedroht ist, das R n h x g e b i e t, d i e P f a l z. ^o mußte fick) auch hier das Inte resst der Zuhörer notwendig beiden Gegenständen unserer Beratung, dem Deutschtum und dem Judentum, zuneigen. Gewaltig wirkten die Worte unseres Freundes Kehr aus Kaiserslautern, als er die d e u t s ch e N o t der Pfalz sch Fl derte, als er die Treue der I i i den als e t w a s e b e n [ o o e l b st v e r st ä n d l i ch e s b e - z e i ch n e t ew i e die Treue d e r N ichtj u d en. Das Gelöbnis dieser Treue wirkte begeisternd und elementar auf. die Zuhörer, und manche, die immer behaupten, die Wiederholung solcher Gelöbnisse mache sie nicht beper, mußten wieder einmal sehen, daß es in der Welt des Menschlichen neben dem E r k e n n tu ein E r l e b e n gibt und daß dieses Erleben längst vorhandener Erkenntnisse immer wieder in erneuter Frische dem Menschen wohltut und ihn stärkt, ebenso wie er weiß, daß der Frühling die ihm bekannten Blüten bringen wird und um er sich doch jedesmal freut, wenn er sie sieht, und mag auch sein Leben noch so lange währen. Die Schilderungen ans Bayern, Oberschleflen und Pommern brachten einen Einblick in den. fu xcht bar en € r n ft der L a ge. Sie zeigten, wie das finstere Mittelalter seinen düsteren Schleier über uns zu legen droht. Der Vorsitzende der Tagung, Justizrät -.Dr. Brodnitz (Berlin)^ hatte bereits zu Beginn auf unsere Pflicht hingewiesen, die Dinge so zu sehen wie ste sind. Die dlnsführungen der Redner gaben ihm recht, wenn man sich, mit welchem Ernst gearbeitet werden muß, um die Zukunft zu sichern undum wenigstens der nachfolgenden Generation das Erbe der altem in edlerer und schönerer Form zu übermitteln. D t e S ch i l d erun g der tat s ä ch l i: ch -c.it Verhältn i sse fand eine d a n.k e u s lv e r t e E r g ä n z u n g durch einen am nächsten Tage mit Spannung erwarteten und mit besonderer Begeisterung aufgenom-menen Vortrag des Herrn Proseffor Dr. Julius Goldstein (Darmstadt), der, gerade von einer längeren Reise durch Amerika zurückgekehrt war. Eingehend schilderte er die dortigen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Verhültmsse . und legte int einzelnen dar, wie f r ein d dem a me r rka n i s che n - Volke bei aller seiner Vaterlandsli-ebe das Völkische in der änßerlichen Auswirkung unserer Judeuseinde sei. Herr Professor GoDstein wies darauf hin, daß es gerade Deu tsch'e -d i e {e r Kreise seien, die den Judenhaß in Amerika verbreiten, und es war von Bedeutung, in seinen Ausführungen den Nachweis zu erkenneir, daß die nationalistischen und militaristischen Gruppen der ganzen Wett gerade diejenigen, seien, w e l ch e D e u t s ch l a n. d i m; b esonde r em Maße vorltumde ten. Die in. der letzten Zeit so häufig genannte Organisation des tu Kux Klan sei nur in ihren N eb e n st r ö m u n g e n . judengegnerisch. Sie sei eiue die Katholiken in schlimmstem Maße - bedrohendL - Gemeinschaft, dep allerdings entgegen gesetzte Gemeinschaften mit Nachdruck eutgegewtreten. Goldsteins ausführliche Schilderuug der Tatsachen hat int Höchsten Maße zur Klärung der Beurteilung auch unserer politischen Bewegung bei getragen.