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Central-Verein-Zeitung · 1924-04-17 · 16 (17.4.1924) · p. Seite 209

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
16 (17.4.1924)
Date
1924-04-17
Page
Seite 209 (sequence 9)
Language
German
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llugenöerzieher — Jugenövergifter! f Von einem christüchen Lehrer erhaAen wir folgende , Inschrift: '"*T'' . Als ich neulich einen Vortragsabend besuchte *), in der Erzieher aus entgegengesetzten Lagern das so bedeutsame Thema „Schule und Antisemitismus" unter verschiedenen Gesichtspunkten, jedoch — wie allgemein festgestellt wurde — durchaus sachlich behandelten, kam mir eine Flugschrift in den Sinn, die mir gerade in jenen Tagen mit anderen Drucksachen ins Haus -gekommen war. Das Schriftchen heißt: „Wissenswertes für die deutschblütige Jugend" von Ernst Streit. *§Wr *■v-^;^ Im Gewände einer Erzählung, in der ein junges, christliches Mädchen aus Gram über den treulosen jüdischen Verehrer und aus Furcht vor den Folgen des Verkehrs Selbstmord begeht, tritt ein „national denkender Handlungsgehilfe auf, der mit ernster Ueberzeugung deutschvölkische Hochziele verfolgt". Er ist auf einem Sonn>- tagsfpaziergang in Gesellschaft einiger jungen Mädchen Zeuge, wie die arme Tote aus dem Wasser gelandet! wird, und erklärt seinen schreckensbleichen Begleiterinnen: „Es war ein Jahweopfer!" Auf ihre entsetzten Fragen hält er ihnen einen längeren „Ausklärungsvortrag" über Jbie Stelle in einem jüdischen Gesetzbuch": „Kein Opfer ist Jahwe (Jehova) so angenehm, wie vergossenes Blut von nichtjüdischen Mädchen. Der Jude legt diese Stelle in seiner eigenen Weise aus. Und so gewahren wir denn stets!, daß der Jude zur Befriedigung seines Triebes nur nichtjüdische Mädchen mißbraucht." — Daß die Erzählung in ihrem Gesamtinhalt von einer ausgeprägt antisemitischen Tendenz getragen ist, erwähne ich nebenbei; denn es ist nicht der Zweck meiner Auschrist, mich mit dem Für^und Wider des Antisemitismus auseinanderzusetzen. Aber diese — gelinde gesagt — frivole Fälschung des al t t e sta rn e n t a r ische n Gottes Legriffes! (eine Quelle des! Zitates ist nicht angegeben) muß den schärfsten Widerspruch jedes christlichen Volkserziehers — gleichviel ob katholisch oder evangelisch — heraussordern! Lehren wir doch in unserem Religionsunterricht unsere Kinder, daß der Begründer unserer Lehre nicht in die Welt gekommen ist, das Gesetz des alttestamenLarischen Gottes und seiner Propheten „auszulösen, sondern zu erfüllen!" Hören sie nicht in der Karwoche in dem Schmerzensrus des Sterbenden: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?" die ergreifende Klage des Psalmisten an den Gott des Alten Bundes!? (Ps. 22,2). — Und ist es nicht der jüdische, alttestamentarische Gott, der dem eifernden Elias nicht im Sturm, nicht im Erdbeben, nicht im Feuer, sondern int fttilen, sanften S au fe n als der Gott der All- Larrn Herzigkeit und der versöhnenden Menschenliebe erscheint? Und dieser Gott, den wir preisen: „Dir, dir, Jehova, will ich singen; denn wo ist doch ein solcher Gott wie du?" soll von den Juden daß Blut nichtjüdischer Mädchen als „Jahweopfer" verlangen? '{. r> „Schule rrM ÄnUMMMM) ÄMÄU ckenstaMrein vMnMtett Der» smmrÄMW in Bevll-N, übe« die rviv ausfiihrlW ibevichcheten. L Ich meine, es hieße dem Verfasser der Sudelschrist zuviel Ehre antun, sich nachhaltiger mit deren Widerlegung zu beschäftigen, wenn nicht — 'leider, leider — auch hier gerade das vielgebrauchte Wort zutrefsen würde: „Keine Dummheit ist so riesengroß, als daß sie nicht Gläubige fände!" Und wie sehr das gerade für unsere aus allen Fugen gehobene Zeit zutrifst, davon wissen auch wir Lehrer ein traurig Lied zu singen. — Wie stehen wir vor den .unserer Erziehung Anvertrauten da, wenn die wachsweichen, unkritischen Seelen der Jugend durch solch bösartiges Gift angesteckt werden? Welcher sorgsamen, langwierigen Pflege bedarf es, um diese Wunden zu heilen, um den Widerstreit der Empfindungen und all die Wirrnisse, in die das Gefühls- und GlaubenAeben der Kinder gestürzt werden, zu losen? — Als vor einiger Zeit im Berliner Westen ein kleines Mädchen ermordet aufgefunden wurde, wurde eine jüdische Familie, im gleichen Hause wohnhaft, finster und mißtrauisch von allen Seiten mit verdächtigenden Blicken beargwöhnt und atmete erst erlöst aus, als man den Täter — einen nicht jüdischen Gymnasiasten — entdeckt hatte. — Das sind die Früchte-und darum kam mir diese Flugschrift in den Sinn, als ich an jenem Vortragsabend so kluge und schöne Worte von Pädagogen von Ruf und Namen hörte, die alle — unbeschadet ihrer Einstellung zur Judensrage — darin einig waren, daß der Antisemitismus von den Erziehungsstätten der Jugend sernzuhalten ist. Nun, wohlan, hier heißLs! für jeden Erzieher: tua res agitur! Wollen wir die Seelen der uns anvertrauten Jugend vor dem bösartigen Gift einer solchen gewissenlosen Verhetzung behüten, ihnen ihr heiliges Jugendland rein und unbefleckt erhalten, dann müssen wir solche Gewächse, wo wir ihrer ansichtig werden, mit der Wurzel ausrotten und auch — die Gistsaat aus den Herzen, wo immer wir ihr Keimen spüren! & H. W. IWiHWI II WELTRUF Korpulenz - Fettleibigkeit L Dr. Hoffbauers Entfettungstabletten ein vollkommen unschädliches und erfolgreiches Mittel ohne Einhalten einer Diät Keine Schilddrüse. Kein Abführmittel. Ausführliche Broschüre gratis. Elefanten-Apotheke vw. Zigarrenversandhaus „Vehr", Mrth I. Vahern. Empfehle den Mitgliedern des C. D. ff. Zigarren, speziell Fabrikate von L. 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