Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 16 (17.4.1924)
- Date
- 1924-04-17
- Page
- Seite 207 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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207 Die Wahlprogramme zur völkischen Frage. Eiue lehrreiche Zusammenstellung. Wenn man die Wahlprogramme der Parteien nach dem Gei ichtspunkt ihrer Stellung gegenüber der völkischen Frage prüft, so ergibt es sic^selbstverstnndlich, daß die Aufrufe der neueren völkischen Gruppen een A n t r s e m i t i s m u s und das Deuts chtum im völkischen Sinne als Mittelpunkt ihrer ganzen Ziele angeben. Die DeutschvöMsche Freihertspartei will keine Nechtspartei und keine Linkspartei sein, sondern über den -Parteien stehen, weil sie das Parteiunwesen beseitigen will. „Sie ist die politische Auswertung der großen deutschvölkischen Freiheitsbewegung und hat als notwendiges Nebel die Partei nnr gewählt, um zurzeit in den Parlamenten politische Machtpositionen zu gewinnen. Sie ist ein radikaler Gegner des Herl Ligen jüdischdemokratischenShstems und unterscheidet sich dadurch grundlegend von alle« anderen Parteien, auch von der in der Leitung jndenfreundlich eingestellten Dentschnationalen Bolkspartei." Und weiter heißt es in den Richtlinien: „Die Judenfrage ist der Kernpllnkt unseres gesamten Lebens. Die nach dem 1. August 1914 eingewanderten Juden haben wieder auszrnvandern, und zwar ohne das, was sie erschoben haben. Die eingesessenen Juden in Deutschland werden laut Art. 113 der Weimarer Verfassung als fremdvölkische Minderheit behandelt und genießen den Schutz des deutschen Staates. Sie werden eine kulturelle S e l b st v e r w a l - tung haben; sie werden aber weder Beamte, noch Abgeordnete, noch Richter, n o ch L ehre r, noch D o z e n t e n, noch Theaterleiter, noch Redakteure usw. sein können. Denn auch wir haben nicht den Ehrgeiz, im Judenstaat Palästina die erste Geige zu spielen. G a st v ö l k e r m ü s s e n bescheiden sei n, wenn es ihnen auch schwer fällt. Die Degeneration der Rasse, verursacht durch Blutmischung mit rafsefremden Elementen, hat bisher zum Untergang aller Völker geführt. Das Judenvolk hat auf Grund strengster Gesetze zur Reinhaltung der Rasse in der babylonischen Gefangenschaft sich vor dem Untergänge bewahrt. Durch jahrtausendelange Inzucht hat es seinem Blute eine Durchschlagskraft verschafft, welche dem germanischen Volke schon so verderblich geworden ist. Die Freiheitspartei betrachtet die Judenfrage daher, im Gegensatz zu allen anderen Parteien, allein vom Rassenstandpunkt aus. Sie sieht im Juden den Vergifter des germanischen Blutes, den Zerstörer des deutschen Volkes und den Vernichter der sittlich reinen imb hochstehenden deutschen Kultur. Nur durch streng durchgesührte Rassegesetze zur Reinhaltung und Reinigung des germanischen Blutes kann das deutsche Volk vor sicherem Untergänge bewahrt werden und seine hohe sittliche Kultur retten. I« diesem Punkt «verscheidet die Freiheitspartei sich gruudsützlich von alle« andere« Parteien, anch von der Dentschnationalen Volks- Partei." Die gleichen Gedanken liegen dem A u s r u f e d e r v a t e r l ä n d ischen VerbändeOstfalens zugrunde, die für die Reichstagswahlen ein überparteiliches Programm ausgestellt haben. Sie verlangen Fremdenpolitik unter der Losung: Deutschland für die Deutschen, und lehnen jede Form des Internationalismus ab, ,.die die eigene Volkskraft lähmt und die Eigenart des deutschen Volkstums phädigt. Beseitigung der Vormachtstellung des Judentums im öffentlichen Leben des deutschen Volkes/in Politik, Presse, Rechtspflege und Volkswirtschaft, geschichtliche, christliche und vaterländische Erziehung unserer Jugend." Die Dentschnationale Voltspartei. Die von der deutschen Freiheitsbewegung als judenfrenndl i ch bezeichnte Dentschnationale Volkspartei beginnt ihren Aufruf mit den Worten: „Wir wollen frei sein, wie die Väter waren! Diese Losung steht am Anfang und Ende aller dentschnationalen Politik, und frei von äußerer Fremdherrschaft; frei vom Marxismus, der uns Frieden, Freiheit und Brot versprach, aber Unfrieden, Knechtschaft und Not gebracht hat; frei von dem mit dem Marxisums allzeit verbündeten Judentum!" Auch sie verlangen natürlich das christliche Schulgesetz und rufen dann auf zum „Kampf gegen die Herrschaft und den zersetzenden Geist des Judentums ans allen Gebiete«: Deutschnational sein heißt deutschvölkisch sein. . . . Wer mit uns den auf reines dentsches Volkstum gegründeten christlichen, sozialen und monarchistischen Staat will, ist uns willkommen als Mitkämpfer für die große deutsche Rechte". ..... Die Deutsche' Volkspartei. .. , *‘ Von diesen Rechtsparteien scheidet sich bewußt die Deutsche V'v'lksiPartei, die zum Kampf um Deutschlands Aarferftehrmg nicht Heißsporne nützlich findet, „die durch Unbosormercheit uns immer wieder vom Ziel abdrängen. Reim, Männer und Frauen, die bedächtig und 'besonnen, aber mit stahlhnrtem Willen und in unbestechlicher Eesinuungstreue ihren Weg gehen, sind die berufenen Träger deutscher Hoff,nung und deutscher Zukunft. Sie gilt es zu sammeln, sie rufen wir auf zur Mitwirkung und zur -gemeinsamen Tat für Vaterland und Freiheit", In dem Wah-laufruf btt deutsche« Jentrumspartei heißt es: „Die Zentrninspartei will die deutsche Volksgomeinschaft. Wir setzen bewußt beiseite alle trennenden Unterscheid ungen, die unser Volk zerklüften. Wir wehren uns gegen eine neue Spaltung, hervorgerufen durch eine sogenannte „neugermanlsche" GeisteswM, die unser Volk verwirrt. Die Nationin. all ihren gesunden Kräften., in allen Stämmen« und Ständen zusammenzüfaffen und ihren Blick über die schmerzlichen Verluste hinweg auf ein klares, besonnenes, verantwortungsbewußtes politisches Handeln, hinzulenken, ist unser Ziel. Wir wenden, uns an alle Deutsche u, die mit uns der lieberzeugung sind, daß es für ein unglückliches Volk daraus ankomnren mu§, die ihm verbliebene Kraft zu sammeln -und weise für seine Befreiung und seinen Aufstieg gtt nutzen. Das deutsche Volk ist bedrängt, aber seine Zukunft, ist nicht verschüttet. Ein Volk, das in tausendjähriger Geschichte durch wechselvolle Schicksale strahlender Größe -und tiefen Verfalls sich hindnrchgerettet halt, wird nicht uutergehen." Die Deutsche demokratische Partei stellt in ihrem Ausruf fest, daß „nicht Brudermord -und Bürgerkrieg, nicht Marxismus oder lieberkapitalismus, nicht Putsche, Hochverrat und Meuterei" von der deutschen Not helfen könen. Der Weg zur deutschen Freiheit pl nur zu erhalten: 1. Durch Erhaltung der G r u chd lagen des Reichs. Nicht durch leichtferti'ge und frevelhafte Volksverführung, die 'das Schicksal des Vaterlandes zum Spielball von Wirrköpfen macht rmd das Vertrauere zur pokittschen. Bchonnenhett des deutschien' Volkes erschüttert, sondern, durch gemeinsame politische Arbeit, aller Volksgenossen, aufgebaut auf der demokratischen Gerechtigkeit der Weimarer Verfassung. 2. Durch Frieden und Einigkeit i m I n n e r n. Nicht durch Erneuerung der Klasse nkä-mpse von links und rechts, * is o-n d e x n durch gegenseitige Anerkennung von Pflicht und Recht, Leistung amd Gewinn, insbesondere Berücksichtigung der schweren Lage der Arbeitnehmer in unserem gehe-Mluton und bedrohten WirtschasLsleben. Sie verlangt nationale Erziehung im Geiste des neuere Vo'Lksstaats und warnt. Var „v e r a it t w o r t u ng sl o f e r Pflege eines leichtfertige« M i l i t a r i s -m u s". Die Vereinigte Sozialdemokratische Porter stellt fest, die Umwandlung der alten reaktionären Parteien in „Bolksparteien" habe nicht allsgereicht, das Volk zu täuschen. Nelle Namen, neue Gruppen tauchen auf. Heute nennen sich 'diejenigen „Freiheitspartei", die jede errungene Freiheit wieder riiotgirugig mache« wolle«; heute nennen sich diejenigen Nationalsozialisten rmd Vaterländische, die Ludeudorss, Hitler, Kahr und Minoux zu Diktatoren der deutschen Nation ansrufen wollen. Herrn Minoux, den ehemaligen Geschäftsführer von Stinnes, Herrn Ludendorff, der immer floh, wenn die eigene Person in Gefahr war, Herrn Kahr und Herrn Hitler, die sich gegenseitig des Verrats und des ehrlose« Wortbruchs beschuldige«. Das sind die Helden der neuen Freiheitsparteien. Eine wüste antisemitische Hetze soll die Aufmerksamkeit des Volkes ablenken von dem geMeiilgefährlichen' Treiben der Kriegs- und Jnflationsgewinnler. Die Kammurnsts« welchen sich in ihrem Aufruf an das werktätige deutsche Volk und stellen, nachdem sie den Verfall aller bürgerlichen Parteien rmd der Sozialdemokratie konstatiert haben, folgendes fest: „I e tz t ist v ö l k i s ch T r atin p f> g e w o r dc in Die VMischen buhlen hm die Gefolgschaft der arbeitenden Massen. Sie gaukeln ihnen vor eine alles emiHende Volks genieiiischaft, mizi na H o na-le Diktatur, die das Befreiungswerk nach innen rmd außen vollziehen werde. Sie predigen den Schafen- und Wölfen, die Einheit des Tierreichs. Sie hetzen gegen das jüdische Kapital, aber die christlichen Wucherer, Ausbeuter und Blutsauger wollen sie als „schaffendes Kapital" - erhalten, und schützen. Sie reden gegen die ZinMrechtscha.ft. aber sie stützen die Lohntnechtfchaft. Sie reden von „WerMgemeinischaften" und weinen, damit die Beseitigung der Gewerkschaften, der Betriebsräte, des Kollektivvertrages, des staatlichen Arbeiterschutz.es. Arbeiter! Schaut den Völkischen nicht anss M au l, f cha u t i h n e n a u f d i e F ä u st e!"