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Wissen und Waffen · 1924-04-03 · 2 (3.4.1924) · p. Seite 7

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Journal
Wissen und Waffen
Volume
[1. Folge] (1924)
Issue
2 (3.4.1924)
Date
1924-04-03
Page
Seite 7 (sequence 3)
Language
German
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Das M-jfche Zrkmöenrecht. Ein beliebter Angriffspunkt der antisemitischen Propaganda ist das. jüdische Fremde »recht. Angeblich macht die jüdische Religion einen grundsätzlichen. Unterschied zwischen Juden und Nichtjuöen hinsichtlich ihrer Behandlung in Rechts-, und Moralsragen. Die. Klärung bringen folgende Schristftellen: „Wenn ein Fremder in eurem Lande weilt, so sollt ihr ihn nicht kränken, unddu sollst ihn lieben wie dich selbst; denn Fremdlinge wart ihr-im Lande - Aeghpten . . (3. B. M. 19, 33—34.). - „Ein Gesetz für euch und den Fremdling, der unter euch weilt." (4. B. M. IS, 16.) . ■ ' ■ „Bedrücke nicht einen armen und bedürftigen Tagelöhner von deinen Brüdern oder deinen Fremdlingen, die in deinem Lande' in deinen. Toren sind." (S. B. M. 24, 21) „Wenn -du Leie hältst in deinem Weinberge, so sollst du keine Nachlese anstellen; dem Fremdlinge, .der Waise und der Witwe soll solches überlassen bleiben." (5. B. M. 24, 21.) „Und ich werde euch rufen znm G>;richt gegen . . . und die Unrecht, tun dem Fremdling." (Maleachi 3,5.) „Das-Wohlwollen für die Mitmenschen mutz sich auch auf den Heiden erstrecken, der vom Götzendienst nicht lassen will." (Talmud, Tr. Gittirr 45a-.) . „Man ernähre die Armen der Heiden gleich den Armen Israels, besuche die Kranken der Heiden gleich den Kranken Israels, weil das die Art' der Friedfertigkeit ist." (Gittin, 61.) „Der Mensch halte sich fern vom Raube, sei es beim Israeliten, sei es beim Nichtisraeliten . . ., weil, wer einen Nichtisraeliten bestiehlt, gleich dem ist, der einen Israeliten bestiehlt; wer einem Nichtisraeliten einen Eid leistet, einem Nichtisraeliten etwas ableugnet, das Blut eines Nichtisraeliten vergießt, gleich dem ist, der einem Israeliten einen Eid leistet, etwas ableugnet, sein Blut vergießt." (Tanna debe Elijah [10. Jahr.j „Rabba“, Kap. 28.) „Man soll auch den „Ger" (Fremdling) lieben, der gekommen, ist. sich unter den Schutz unseres Gottes zu stellen." (Marmonides, ' Mischne Thora hilchot Deot 6,4.) lieber Feindeslieb-e: „Triffst du den Ochsen deines Feindes oder seinen Esel, der irre geht, so bringe ihn demselben zurück. Siehst du den Esel deines. Feindes.unter feiner Last erliegen,, so sollst du ihm denselben nicht allein überlasten. Abnehmenft'ollst du die Last mit ihm zusammen" (2. B. M. 23, 4 u. 5.) - Der Talmud. W a s ist d e r Talmud? Kein Gesetzbuch — das ist die Thora — sondern eine Sammlung von Lehrmomungen, Fabeln, Parabeln, Legenden, Sentenzen von zahllosen Gelchrlen aus -der Zeit von 200 vor bis 500 nach Christi; gewissermaßen daS Protokollbuch einer sieben Jahrhunderte dauernden Diskussion über religiöse und allgemein-wissenschastliche Fragen ohne Verbindlichkeit und AllgemsingMtMit für das Judentum; ein treues Spiegelbild der geistigen Entwicklung in jenem Zeitraum, für das heutige Judentum von wesentlich historischer Bedeutung. — Der Schu-lchan-Äruch enthält Auszüge aus -der talmndischen- und n-achtalmudischen Zeit. ' > Gegner d e s T al m ud S. ' Ls ist clsrichtlich'sestgestellt, -daß Fritsch und Dinter kein Wort hebräisch verstehen. Rohling und Eckert, die Väter der neuzeitlichen Talmud-Hetze, sind als unglaubwürdig nnd wissenschaMch unzuverlässig entlarvt. — Rabbiner Josef Bloch "hat Roh-Mg 1883, öffentlich dos Meineids bezichtigt. Rohling hat .die Lingereichite Klage vor der Verhandlung zurückgezogen. Professor Strack 1892 gegen Rohling: „Dessen Uich, klage ich den K. Kr- Professor und Kanonikus August Rohling des Meineids und gi-ober,,Falschung an. Ich bin bereit, diese Anklage vor jsSem Gerichtshöfe zu begründen." Derselbe gegen Eckert (gest. 1912 als Professor am geistlichen Seminar zu Trier), dessen Ta-lmudlehren der. ^Deutsche Schutz- und Trutzbund" vertreibt:' „Eckert bann das Bvch — „Der Judenspiegetl im Lichte der Wahrheit, ein Gutachten - ichv." — gar nicht geschrieben haben. An vielen Stellen ist Eckerts BmrteÄung >deS „Jndenfpiegel" -derart, daß man nur schwanken -. bann, ob Eckert parteiisch der Wahrheit ins Gesicht schlägt oder ein . völliger Ignorant, also nicht Verfasser des Buches ist.- > Mtichristiamsmus. Wie der Hatz gegen die jüdische Religion ganz folgerichtig zum Haß gegen das Christentum führt, beweist: ' Alexis v. Koni g slow („Hammer", Oktober 1908): „Was tun wir - mit einem Christus, dessen Reich nicht von dieser Welt ist, in Zeiten, .wie die der Befreiungskriege? Einen Blücher, einen Gneisenau,. »«den Körner, einen ArNdt kann Deutschland allezeit brauchen, keinen, rlßtzristus. Der Gott, der bei-Leuchen, bei Leipzig, bei Sedan mr- -i mckusen wurde, war nicht der Gott der Liebe, auch nicht der Gott is-Abrahams. Gebt also, die'Bibel den Elenden und. Kranken, den ° benhockern und Gelehrten, die das Gesicht auf dem Rücken, a gal l („Im Lichte deutschen Glaubens"): . „Gott östlichen Sinne, .heißt sich erniedrigen bis hur Selbst-. .„>g. — Der Unsterblichkeitsglaube im christlichen Sinne insdruck der.Feigheit, der des germanischen Wesens der des Mutes." '-V' / .Miert Gr.rmpen («Antrstmvbismus uM Ehristenturn"): l.Nem, das Chrckbentu-m ist decke Antis-emititdnus hemmend und feindlich . i Größte christliche Frömmigkeit und Sittenlofigkeit sind vereinigt." -' Josef Sto-lzing („Ars arischer Weltanschauung zur WiedergeburtZ: „Judaismus. Christentum und wifsenschaMch-PhtlosvPhischer Materialisyms haben den arischen Urquell unseres SeinS verschwet/l — „IM der Rchnkirche schwang-sich, also Jahwe zum Allerweltherrscher über die Lebenden und die Toten auf." „D.en.t s ch e Z e i t u n g" (24. 12. 23. „Mische Ausgestaltung der -deutschen Kultur"): „Wir glauben an den «üott Jehova, jüdischen. Angedenkens, glauben an die. inlsis-ch-rs-raelck-ische. Mjrschshe einer Paulinischen Christologie, verehren den Jesus Messias, desten Gebote wrr nicht zu befolgen gedenken, und.lasten unsere nmoer sich an den Brüsten des mor-genländ-ischen Alten und Neuen Testaments in Schule, Kirche-und Haus -bis zur Erschlaffung vollsaugen." (Ludwig Fahren- Wie der Haß gegen die jüdisch-christliche Ethik zur nationalen und moralischen Selbstvernichtung führt, zeigt. Albert Gr im Pen, der, um die christliche - Sittenlofigkeit nachz-u-weisen, der deutschen Kriegführung diejenige der Japaner (!) als die edelmütige gegenüberstellt. (Siehe oben.) Die heilige Schrift. Unsere Bibel ist in neuerer Zeit in den antisemitischen Kampf verschärst hineingezogen worden. Fritz sch und Friedrich Delitzsch sind die Rufer im Streite. Gegensie, vornehmlich gegen „Die große Täuschung" von Delitzsch wendet sich säst die gesamte evangelische und katholische ThiWlog.enschaft. So u. a.: Franz Delitz sch (der Vater) („Neuer Kommentar ü-ber di« Genesis"): „Weil die Heilige Schrift das Urtundenbuch unserer Religion ist, deshalb ist unser Verhältnis zu ihr ein nicht bloß wissenschaftliches, sondern zugleich ein im höchsten Grade sittliches verantwortliches . . . Wir werden das Heilige nicht ruinieren mit vandalischem Behagen. Wir werden die Fundamente des Christentunis nicht unterminieren, um dem B-rahmosamadsch, d. i. dem brahmanischen oder buddhistischen. Nationalismus in die Hände zu arbeiten: denn was in den Hörsälen oder Büchern erklingt, schallt schließlich aus dem fernen Asien im Echo zurück und vereitelt die Arbeit unserer Mssionave." (Zitat aus „Jeschurun", 1917, Nr. 38.) Professor Strack („Täuschungen und Entstellungen"): „Dis große Täuschung" ist nicht eine wissenschaftliche Arbeit, sondern eine nach dem Muster von Th. Fritsch .Mein Beweisma-terial gegen Jahwe" abgefaßte Hetzschrift." Professor R o t h st e i n , Münster („Reformierte Kirchenzeit", 1920, Nr. 30/31): „ . . . Ter Vorwurf, den er mit seinem Worte von der „großen Täuschung" gegen das alttestamentl'ick^ Schriftwort schleudert, fällt tatsächlich mit aller Schärfe auf ihn zurück . . . Der Gott.Abrahams, Moses, Elias war kein anderer Gott, als der 'n Jesu, unserm Herrn und Heiland, offenbar geworden ist." Professor Niebergall (Marburg) „Kölnische Zeitung" vom- 6. Oktober. 1920): . . Damit tritt Israel gleichberechtigt neben Hellas, Rom und Deutschland. Denn in ihm ist unverlierbar der Klang sittlich-religiöser Frömmigkeit erschallt, der bis in unsere evangelischen Gesangbücher und in jede christliche Predigt hineinnachklingt." Friedrich Delitzsch selbst, 1914 („Psalmworte für die Gegenwart" in „Reden in schwerer Zeit"): „Die Psalmen sind jüdische Lieder . . . auch für die christliche Kirche das geistige Liederbuch geworden. Mit Recht, insofern die Christenheit sich als das „geistige Israel" auch ihrerseits zu denn Gotte bekennt, wie ihn die führenden Geister Israels in immer reinerer Weise geschaut , .. (Vom Verfasser gesperrt.) Mußjuüen. Es gibt Menschen, die ohne eigenes Zutun zu Juden gemacht werden, wenn die antisemitischen „Belange" es erfordern. Ein Schicksal, dem leicht niemand entgeht, der Antisemiten <mS irgendeinem, Grunde unsympathisch ist. Einige zurzeit wichtige Fälle:,- N o r t h c l i f f e als „englischer Ju,de deutscher Herkunft" (Fritsch, Ha-ndb.) ick aller Mund, ganz genau: „Geborener" Stern ans Fr-a-nksurt am Main. — Rach dem Degnerschen Zeitgenossenlexikon „Wer ist's?" ist der jetzt verstorbene Lord N-orthelisse „Charles William Harmsw-ovth, geboren 1865 in einem Vorort von Dublin als Sohn eines (christlichen. Schristl.) Advokaten". — Die Northcliffe-Presse („Times") ist übrigens antisemitisch angehaucht. Deutsche Antisemitenblätter haben ihre Aufsätze oft nachgedruckt. ■ ■ Karl Liebkne ch t, väterlicherseits angeblich Nachkomme Luthers, Mutter gab. Reh-, ebenfalls kristlich. » Dr. David, deutschchristlich, Bruder evangelischer Pfarrer. ' ■ Karl Kautskh, aus deutschkatholischer Familie Mchmens, im Kloster erzogen. Muestens: General de Metz, der einer Men katholischen Adelssamilie entstammt. Zu Juden gestempelt werden all« Dichter und sonstigen Künstler, deren „Richtung nicht paßt".- Hermann Essig, Kasimir Edschrnid, Kläbund. M-ehrnnk v. v. a.. Auch der Anthroposoph Rud. Steiner. So ist nach Fritsch die erotische Dichterin Marre-Mädele-ine. der verstorbene Samuel! Lublinski, 'mrWirklichkeit Frau v. Puttkamer geb. Günther. . .

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