Wissen und Waffen
- Journal
- Wissen und Waffen
- Volume
- [1. Folge] (1924)
- Issue
- 2 (3.4.1924)
- Date
- 1924-04-03
- Page
- Seite 6 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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. m-Der.. Kronprinz zur Lage, Sommer 1917: 6ommerai917-e-ßÖfle' ~ K r o n P r i n z e n - D e n ks chr i f t- 1. Die ungeheuren Blutopfer der drei Kriegsjvhre, die Aussicht auf weitere. schwere Verluste, -die Gemütsdeprefston, die Ernährunas- und Kohlennot hat Unlust in-weiten Volksschichten. nicht nur sozialdemokrat,scheu, erzeugt, die für die Fortführung des- Kampfes er-' sapveresd rst, zersetzend auf den monarchischen Gedanken gewirkt hat. wwvereso zersetzend auf den monarchischen Gedanken gewirkt hat Dre bestimmte Hoffnung auf schnelle Beendigung des U-Boot-Krieges nt unerfüllt geblieben — die ernsten Stimmungen sind somit erklärlich. ' 2. An 'eine neue Offensive darf also selbst im besten Falle nicht mehr gedacht werden; die Stellung ist zu halten bei intensivster Fortführung des U-Boot-Krieges für gewisse Zeit. .3. Ist diese erfolglos verstrichen, so besteht nach menschlichem Ermessen keine Aussicht mehr, dem Gegner den Frieden auszuzwingen: unsere Verluste sind nicht mehr zu ersetzen, der Gegner führt ständig neue Reserven heran. 4.'Unter diesen Umständen ist es geboten, den Kanipf abzubrechen. Jeder versäumte Tag kostet Tausenden von Soldaten das Leben. Die Leiden -er jüöischcn Deutschen im Ruhrgebiet. In letzter Zeit ist gelegentlich die längst widerlegte Behauptung ausgetaucht, daß die Juden im besetzten Gebiet nicht in vollem Maße ihre vaterländische Pflicht erfüllt hätten. Wir führen nachstehend aus der großen Anzahl der Fälle nur einige besonders markante auf, in welchen Juden für ihr vaterländisches Verhalten Maßregelungen zu erdulden hatten. Das Vorstandsmitglied'der Ortsgruppe Witten, Kaufmann Blank, wurde zu acht Tagen Gefängnis und einer Million Geldstrafe verurteilt, weil er sich geweigert hatte, Waren an die Franzosen abzugeben. Der Inhaber des Zeitungsverrriebes Herze in Mülheim a. d. Ruhr wurde zu einer hohen Geldstrafe verurteilt, weil er deutsche Zeitungen verkauft haben sollte. Der Teilhaber Rosen bäum der Firma Meyer & Günther in D o r tmund wurde am 14. Mai 1923 verhaftet und das Geschäft geschlossen. Obgleich Rosenbaum 74 Jahre alt und völlig haftunsähig war, bestand man trotzdem-auf seiner Verhaftung, an seiner Stelle gingen die Angestellten Joseph Meyer und Friedrich' E I s b a ch, zwei Juden, in Haft, Als Grund der Verhaftung wurde angegeben, daß die Abgabe von Waren an die Franzosen verweigert worden o p wurde aus dem Der Kaufmann Siegfried Meyer inBottr gleichen Grunde zu Gefängnis verurteilt. Der Vorhof der Synagoge und.Klassenzimmer der jüdischen Schule in Bochum wurden beschlagnahmt, infolgedessen wurde die Abhaltung deS Gottesdienstes unmöglich. Der Kaufmann Sänger in Witten und der Geschäftsführer H o ch h e i m e r inBuer wurden ebenfalls wegen Verweigerung von Warenobgaben an die Franzosen verhaftet, ebenso in Sterkrade ein Angestellter des Geschäftes von M e y e r L K l e st a d t. In. Mülheim ist als einziges der dortigen Geschäfte das jüdische Geschäft von Alsberg geschlossen worden, weil es keine Waren an die Franzosen abgegeben hatte. Der Geschäftsführer Walter Kaufmann wurde verhaftet. In Bingen ist der als Polizeiwachtmeister tätig gewesene, frühere Küliusbeamte Max Wolf von der französischen Behörde festgenommen, trotz seiner 60 Jahre ins Gefängnis gesperrt - und dann aus dem besetzten Gebiet ausgewiesen worden. In Bottrop hat der Kaufmann Walther H e y m a n n dem französischen Kommandanten gegenüber die Rechte seiner Mitbürger energisch gewahrt. Ebenda wurde i>er Assessor Dr. Weinberg wegen Verweigerung-der Herausgabe von Akten verhaftete. In Duisburg wurde der Abteilungsleiter Baer beim Eisenbahnbetriebsamt ausgewiesen und hat seine gesamte Habe verloren. In Gelsenkirchen wurde der Geschäftsführer Grüneberg des Warenhauses Gebr. Alsberg verhaftet, weil er sich weigerte, an die Franzosen Ware abzugeben. Herr ©f1"-1"" hat dem Offizier, der ihm eine Bedenkzeit vr geantwortet: „Es bedarf keiner Bedenkzeit, Franzosen." . , Herr Alexander aus G e I s e u k i r ch e n wurde ausgewiesen, weil er nach gewaltsamer Entfernung der Schutzpolizei einen bürgerlichen Selbstschutz organisiert hatte. ,. „ In GIadbeck haben sich unter den Geiseln. d,e als Repressalie für das Duisburger Attentat dauernd die gefährdeten- Züge zu begleiten hatten, stets Juden befunden. Der Regierungsrat Dr. T o l f f. und Regierungsrat O P P e heim aus Mainz wurden ausgewiesen, ebenso der Postbeamte Der" chdi^che Fabrikarbeiter Kronenberg in Essen konnte durch sein energisches Eingreifen ein Kind vor dem Ueberfahren durch ein rasendes französisches Auto retten. Er erlitt dabei so schwere Verletzungen, daß.er längere Zeit im Krankenhaus in Essen dcnn'.ederlag. Während dieser Zeit wurde der.in. bedrängten Verhältnissen lebenden Frau von französischer.!Seite eine Million Mark als Ent-' schädigung dafür geboten, wenn sie einen Schein. unterschreiben i fünf Minuten stellte, -r Verkäufen nicht, an würde,-Laß sie diese Zuweisung als bejon-^i-s Zeichen'. des'.ÄÄ wolkeus" von' französischer Seite' erhalten hätte! Frau Krvnenbe' hat . in vaterländischer Gesinnung Unterschrift und Geld - zurü< gewiesen. ' - - Dies ist wie gesagt nur eine Probe. Dia Juden beweisen ihr Vaterlandsliebe nicht dyrch tönende Phrasen, sondern.durch die -Ta Die „verjuöete" Literatur. Ein Hauptschlagwort des Kulturantisemitismus. Wie' e@ fid damit verhM, zeigt errnnoL die Literaturgeschichte: „Me Sturmun! Drangperiode" im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts war durchaus ju den re in. Ihre Führer waren die Westfalen Brüder Hainri'ch und Julius Hart, der Bayer Michael.Georg Kon. rad, der Ostpreuße Arno Holz, der Niedersächse Johann Schlaf. Aus ihr hervorgegangen find Gerhart Hauptmann. Detlev Freiherr v. Liliencron, Hermann S t e h r , 'Stephan Georg-, Richard Dehme l, Heinrich und Thomas Mann, Wilhelm Schäfer, Frank W e d e k i n d (Schweizer) u. a. — sämtlich Arier. (Vgl. Adalbert v. Haustein, Zwanzig Jahre-: selbst, erlebter 'Geschichte.) ■ . ' Zweitens die objektive Betrachtung der Gegenwartsverhältnisse: In i>er Gegenwart haben Frau Courths -Mahler und Herr Dr. Arthur Dinier, was die Quantität anbetrisft, die -uw bestrittene Führung. Die erfolgreichsten Schriftsteller von literarischer Bedeutung in der Gegenwart find: Clara Biebig, Gustav Frenssen, v. Ompteda, Walter, v. Molo, Ernst Zahn. Rudolf Herzog, Walter Bloem, Bonfels, Hans Heinz Evers --sämtlich Arier; daneben ganze drei I » d e n , Georg Hermann, Jakob Wassermann und Arthur Schnitzt e r. —> Vnter den führenden Verlegern ist einer jüdisch: S. -Fische rl Dedeutender ist die Tätigkeit der Juden als Uebersetzer und Kritiker. .. Wenn trotzdem über Judenherrschaft im geistigen Leben geklagt wird, woran liegt es? Eine treffende Antwort auf die. Frage gibt der Lyriker Carl Busse: „Ich bin wohl von dem Verdacht philosemitischer und partei-freisinniger Regungen geschützt; aber ivenn immer geklagt wird, daß die Juden auch unser gesamtes geistiges Leben beherrschen, was in aller Welt ist denn der Grund davon?! Doch nur, weil den konservativen Blättern jeder Domänenpächter lieber, ist als die, Gesamtheit der deutschen Dichter, weil nirgends eine größere Gleichgültigkeit gegen künstlerische und wissenschaftliche Bestrebungen herrscht als hier ... Wer liest denn unsere Bücher, wer geht in die Kunstausstellungen, wer füllt die Theater? Juden. Aber nicht oder nicht nur, weil sie Geld haben, sondern weil sie von Natur aus einen ungeheuren Respekt vor jeder geistigen und. schöpferischen Kraft besitzen, der dem Preußentum fehlt." In demselben Sinne äußern sich Fedor v. Zo b e l t'i tz'(„Hamburger Nachrichten" 1909) und Universitätsprvfeffor Kurt Brehssig (Berlin) im „Tag". n - Die „verjuöete" presse. Die I n d e n p r e s s e bildet die stehende Rubrik in jeder antisemitischen Auslassung. Die Idee ist so in die Köpfe eingehämmert, daß auch Nichtantisemiten vom Vorhandensein und der Herrschaft der Judenpresse überzeugt sind. Wie die Mär zustande kommt, zeigt „Der jüdische Zeitungspolhp" von Th. Fritsch d. I. Der „Jüdische Zeitungspolyp" zählt-über 360 jüdische', judenfreundliche und unvölkische Zeitungen und gegen -400 ebensolcher Zeitschriften. Unter ersteren sind ausgezählt: „Tägliche Rundschau", „Germania", 10 Münchener Blätter. Unter Zeitschriften: „Daheim" und ,Velhagen und Klassings Monatshefte" (bekannt durch ihre antisemitischen Ausfälle), „Bayerischer Königsbote" (!), „Preußische Jahrbücher"', „Eiserne Blätter" (Herausgeber Pfarrer Traub!), „Süddeutsch^ Monatshefte". Die wirklichen Verhältnisse sind ersichtlich aus dem „Handbuch deutscher Zeitungen 1917"! Verzeichnet sind 2938 Zeitungen, davlm waren: konservativ 214, sreikonservativ.61, Nation^ 214, nationalliberal 216, Zentrum 400, volksparteilich 277, sozialdemokratisch 79, polnisch 23, dänisch 4, parteilos 1450. Da koriservative, sreikonservative, nationalliberale, Zen'rumszeitungen wohl nicht von jüdischen Verlegern hervnsgegeben werden, ist sogar mach dieser Statistik die nichtjüdi-sche Presse die bei weitem stärkere. Seit 4917 haben sich die Verhältnisse noch weiter entschieden zugunsten der rechtsstchenden Parteien verschoben (Stinnes - Hugen-. berg); insbesondere sind zahlreiche: demokratische Blätter aufgekavpl worden bzw. eingegamgen. Gerade die völkische V ^se hat während '.der Inflationszeit eine ungeheure Vermehrung erfahren;/ sie Wskamn noch zu übersehen. Jüdische Zeitüngsverlage fini> rigentlich nuäsi Moste und Ullstein in SBcrfm, „Frankfurter Zeitung" in FftaMs furt a. M. — In ganz Ost--, Nord-, Süd--und WeftDeutschland bestehilaußer diesen kein oder kein nennenswerter jüdischer ZeitungsversiM. Die' gestowte Kreisblatt- und Lemidpreste, besonders tm Osten, nH - ihrem ungeycuren Einflup aus. die großen Masten txsp Kkeinstaditz , und Landbevölkerung ist Mdenrein« . **