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Central-Verein-Zeitung · 1924-04-03 · 14 (3.4.1924) · p. Seite 164

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
14 (3.4.1924)
Date
1924-04-03
Page
Seite 164 (sequence 8)
Language
German
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164 flus unfern Versammlungen. Aus der Fülle der Versammlungsberichte können wir nur einige wenige wie de ra-eben. Leitstern unserer Arbeit ist: Aufklärung in ihristliche Kre ife! Hamburg. In der Vortragsreihe „Das jüdische Schlagwort" sprach Julius Bab in Hamburg in öffentlicher Versammlung über „Die Verjudung. der .deutschen Literatur". Bab unterzog die Literatur der Jahre 1885 bis 1910 einer genauen Untersuchung, ' betrachtete auch! das Dhea.terwesen, Theater und Kritik und verneinte daraufhin den großen Einfluß der Juden in der Literatur und den verwandten Gebieten. Nicht zu verkennen sei, daß seit 1910 der Anteil der Juden zugenommen habe!, »aber Geist, nicht Blut sei die Parole. In der 'sehr angeregten Aussprache kamen auch Gegner zum Wort, aber es siegte doch die Ansicht, daß ein ehrlicher Mensch in deutscher Kunst und deutscher Kultur keine Rassenangelegenheit sehen dürfe. Es sei ein deutschvölkisches, ein undeutsches Schlagwort. B r e s 1 a u. In Breslau sprach im Großen Saal der Schlesischen Gesellschaft für vaterländische Kultur in einer Aufklärungsversammlung Gemeinderabbiner Dr. Hoffman n über Entstehung und Wesen des Talmuds. Es nahmen hauptsächlich Vertreter der christlichen Kreise an der Versammlung teil, so der Rektor der Universität Domprobst Prof. D. Nickel, der Oberbürgermeister Dr. Wagner, Vertreter des Regierungspräsidenten, Mitglieder der Gerichte, Verwaltungsbehörden und Schulen und viele katholische Geistliche. Der Redner zeichnete die Entstehung des Talmuds und die Angriffe und Anfeindungen, denen er ausgesetzt war. Den Behauptungen^, daß der Talmud ein Geheimbuch sei, stellte er die Tatsache gegenüber, daß die deutsche Talmud Übersetzung des Gelehrten Lazarus Goldschmidt allen zugänglich sei. Er schloß seine Ausführungen mit den Worten des Talmud, daß auf Wahrheit, Recht und Frieden die Welt beruhe. In der Diskussion mißbrauchten völkische Redner die Redefreiheit zu agitatorischen Zwecken. Trotzdem blieb der Eindruck bestehen, daß der wissenschaftliche, ernste und wahrhaftige Vorbrag seine aufklärende Wirkung nicht verfehlt hatte. E l b e r f e l d. In E l b e r f e l d fand unter starker Beteiligung die erste ordentliche Delegiertentagung des Landesverbandes Rhe i n l a nd-W-e stfalen seit der Ruhrbesetzung statt. Die Tagung galt zugleich der Erinnerung an das 20jährige Bestehen des Landesverbandes. Hierzu gab der Vorsitzende Herr Dr.. H er zfeld einen geschichtlichen Rückblick über Entstehung und Entwicklung des Verbandes, von dessen Gründern, aufrechten deutsch-jüdischen Männern, denen der C. V. so unendlich viel verdankt, außer dem Redner auch Herr Rechtsanwalt Abel, noch heute im Vorstände sich betätigt. Nach einem Bericht des Syndikus Herrn Waldstein zur Finanz frage und zur Lage im besetzten und unbesetzten Gebiet des Verbandes hielt den Hauptvortrag „Zur politischen Lage im Reiche" der Direktor des Centralvereins, Herr Dr. Holländer. Die nachfolgenden Referate der Herren Rechtsanwälte Goldschmidt (Elberfeld), Dr. Rosenthal (Duisburg) und Dr. Krombach (Essen) erörterten in eingehender Weise die Frage und Stellungnahme zu den bevorstehenden Wahlen. In der anschließenden Aussprache beleuchteten namentlich die Ausführungen der Herren Dr. Eschelbacher (Düsseldorf) und Dr. Jacob (Dortmund) verschiedene Punkte unserer Abwehr- und Aufklärungsarbeit. — Mit der Wiederwahl des bisherigen Vorstandes schloß die überaus würdig verlaufene Tagung. Weimar, G o t h a , Eise n a ch Der Landesverband Thüringen veranstaltete in Weimar, Eise n a ch und Gotha christliche Ausklärungsiversammlungen, die von außerordentlichem Erfolge gekrönt waren. In Eisenach ergriff m der Aussprache der Führer der thüringischen Deutschnationälen, der Landtagsabgeordnete Kammerherr v. Eichel-Schreiber, das Wort. Herr Direktor Dr. Holländer (Berlin) hielt das Referat über den politischen und kulturellen Teil. Rabbiner Dr. S ch ü f t a n (Erfurt) sprach über den Talmud. Erfurt. . Die Tagung des L a n d e s v e r b a n des T h ü r i n g e n fand in E r f u r t am 23. März statt. Sie war von Vertretern säst aller Ortsgruppen besucht und stand unter Leitung des Landesverbandsvorsitzenden Emil Kann. Nach eingehendem Bericht über die Lage des Landesverbandes berichtete Fräulein Life Stern (Berlin) über die außerordentlich intensive Tätigkeit der Berliner Zentrale und ermahnte die Vertreter des Landesverbandes, sie in' jeder Weise zu unterstützen. Die Vertreter des Landesverbandes berichteten über außerordentlich starke Betätigung der völkischen Parteien, besonders in den kleinen Städten und aus dem flachen Lande. Die Versammlung schloß mit dem einmütigen Bekenntnis, sich an dem Wahlkampf lebhaft zu beteiligen!. H a l l e. Die Vertreter des L a n id e s v e r b a n d e s der P r o v i n z Sachsen fanden sich in H a H e a. d. S. am 16. März zu einer Aus>- sprache zusammen. Nach Beschlußfassung über die Reorganisation des Landesverbandes sprach Justizrat K i r s chne r als Vertreter des Hauptvorftandes ausführlrch über die besonderen Aufgaben, die dem Central-Verein durch die Reichstagswahlen erwachsen. Am gleichen Tage fand abends unter außerordentlich starker Beteiligung eine Versammlung der Jüdischen Gemeinde statt, bei der Justizrat Kirschner gleichfalls über die Arbeit des Central-Vereins berichtete. Uebetz 600 Teilnehmer folgten den Ausführungen mitgroßer Aufmerksamkeit. Viele neue Mitglieder meldeten sich nach dem Vortrags zum Eintritt in den Verein. Ostp r e u ß e n. Eine Reihe von Vorträgen! veranstaltete der Landesverband Osk Preußen. Dr. Ernst Jacob (Dortmund) sprach in sechß Städten über „das Internationale' Judentum". In Königsberg führte er u. a. aus, daß die jüdische Internationale im politischen! Sinne gar nicht bestehen könne, da eine Leitung, nur in den Köpfen Unbelehrbarer spuke. Auch die goldene Internationale bestehe nichts das meiste Geld der Welt befindet sich in Händen Don amerikanischen Christen, wie Ford und Vanderbilt. In Deutschland seien die großen Landbesitzer und Industriellen die reichsten Leute, die einzige wirkliche Internationale des Judentums sei feine Religion. Die Vorträge wurden mit großem Interesse angehört, die Sicherheit und Besinnlichkeit des Redners befriedigten allgemein, - vom preußischen Lanüesverbanö Mischer Gemeinden. Am 16. März fand im „Logenhaus" die Tagung der Vertreter der dem Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden angeschlossenen Gemeinden statt. Kammergerichtsrat Wolfs (Berlin) bedauerte, daß die Genehmigung der Satzung des Landesverbandes! Won der Regierung noch nicht erfolgt sei, und er deshalb noch nicht die Rechte einer öffentlich-rechtlichen Vertretung des preußischen Judentums besitze. Bisher hat der Gemeindevorstand zu Berlin die Geschäfte des Verbandes geführt, unter Hinzuziehung eines. Ausschusses aus Vertretern verschiedener anderer Gemeinden. Dr. Jsmar Freund (Berlin) berichtete sodann in einenii zweistündigen Generalreferat über die bisherige Tätigkeit - des Landesverbandes, seine Entwicklung, sein Wirken auf dem Gebiete der Gesetzgebung. und Verwaltung, sowie über die? Herbeiführung von Reichs- und Staatszuschüssen. Im Verfassungsausschuß des preußischen Landtags ist geprüft worden, ob nicht nach Artikel 137 der Reichsverfassung die Autonomie dev Religionsgesellschasten hinsichtlich der Verwaltung ihrer Angelegenheiten bestehe-und somit für!die Mitwirkung des Staates überhaupt kein Raum mehr vorhanden sei. Der Ausschuß hatte die Entscheidung darüber bis zur Beratung des Landtags über die Versassungsgesetze der Evangelischen Landeskirche vertagt. Ende 1923 gelangte der Verfassungsausschuß des preußischen Landtags, im Anschluß an die Beratung der Versassungsgesehe der Evangelischen Landeskirche, zusammen mit der preußischen Staatsregierung M dem Ergebnis, daß bei den öffentlich-rechtlichen Religionsgesellschaften das Aussichtsrecht des Staates in Kraft bleibt. Es ist nunmehr zu erwarten, daß der preußische Landesverband als Körperschaft des öffentlichen Rechts unter Mitwirkung des Staates anerkannt wird. Auf Grund der bisherigen Arbeit ist es gelungen, 430 Gemeinden dem preußischen Landesverbände zuzusühren, darunter sämtliche großen Gemeinden, und die überwältigende Zahl der mittleren Gemeinden (d. h. Gemeinden über '1000 Seelen). Demnach vertritt der Landesverband rund 524 000 Seelen, gegenüber 17 000 des Halberstädter Bundes. In den Haushaltsplan 1923/24 hat die preußische Staatsregierung eine Summe von 6,8 Millionen „zur geistlichen Versorgung leistungsschwacher Shnagogengemeinden" erstmalig eingestellt. Vorbedingung für die Ausschüttung der Summe war der Zusammenschluß der Preußischen jüdischen Gemeinden zu einer mit Umlagerecht ausgeftatteten öffentlich-rechtlichen Korporation. Später hat aber Preußen infolge der allgemeinen Entwicklung im öffentlichen Finanzleben des Reiches und des Staates erklärt, der preußische! Staat befinde sich selber in Finanzschwierigkeiten und könne , angesichts der gewährten Reichszuschüsse 'außerdem eine Notlage der Shnagogengemeinden in dem ursprünglichen Sinne nicht anerkennen. Tatsächlich ist dann vom Finanzministerium die betreffende Position des Haushaltsplans gestrichen worden, und zwar mit der Begründung, daß sie der Reichsverfassung widerspräche. Dies ist nicht zutreffend, und der Landesverband hat dagegensofort alle erforderlichen Schritte unternommen. — Das Reich hat, ebenso wie der preußische Staat, den Landesverband bisher -so behandelt, als ob er tatsächlich bereits eine öffentlich-rechtliche Organisation wäre. Dr. Freund behandelte sodann in ausführlicher Weise die steuertechnischen und sonstigen finanziellen Probleme dev jüdischen Gemeinden und hofft, daß es gelingen werde, das preußische Judentum über die schwere Zeit der Gegenwart hinwegizruführen. In der sich anschließenden Aussprache behandelte u. a. Direktor Peritz (Königsberg) die Notlage der kleinen Gemeinden und der jüdischen Beamten, und Pels (Emden) die Tätigkeit des Halberstädter Bundes, für dessen' Zusammengehen mit dem Landesverband zu sorgen sei; Dr. Schlesinger (Oppeln) schilderte die Verhältnisse in Oberschlesten, und Justizrat Kochmann betonte die Notwendigkeit einer intensiven Arbeit, auch Werbearbeit des Landesverbandes. . Einen großen Raum in der Aussprache nahm die Debatte über die Wahlen zum Landesverband ein. Unter Berücksichtigung aller in' der Debatte laut gewordenen Bedenken brachten die Herren Justizrat M ako wer (Berlin) und Rechtsanwalt Stern (Berlin) dett Antrag ein, die Wahlen zum Landesverband sofort auszuschreiben ohne Rücksicht auf die staatliche Anerkennung. Der Antrag Makower-Stern würde jedoch von 19 großen Gemeinden gegen 19 kleinere Gemeinden abgelehnt^ / .

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