Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 14 (3.4.1924)
- Date
- 1924-04-03
- Page
- Seite 161 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Hrref öes Majors ^nker. Die „Absicht" des Briefschreibers. — „Schuft, Lump, beza h l t e r Mos t o w 11 e x!" — Ein „nationaler" Erfolg: Offene Meuterei im jüdischen Lager habe ich erzielt. Der „M o n t a g - M o r g e n" vom 31. März teilt einen Brief des Majors Anker, früheren Nachrichtenoffiziers des Kronprinzen, mit, der durch feine -Zeitschrift und Broschürenveroffentlichungen in rechtsstehenden Kreisen bekannt ist. Der Brief wird nach einer Mitteilung der Zeitung vom „Stahlhelm" verbreitet. Major Anker äußert sich in dem Schriftstück eingehend über die Gründe, die.-ih-n bewogen haben, in einer Versammlung des „V e r b a n d e s n a t i o n a l d e u t f ch e r Jude n" am 2.8. Januar das Wort zu nehmen. Wir geben den aufschlußreichen Brief, eines der, wie uns scheint, interessantesten Politischen Dokumente der letzten Jahre, im wesentlichen Wortlaut wieder: „Daß ich der Einladung des Vorstandes „nationaldeutscher Juden" zu ihrer Versammlung am 28. Januar überhaupt gefolgt bin, war von mir, ebenso wie jedes Wort meiner kurzen Rede dort (13 Minuten), g e n a u ü b e r l e!g i. Ich ging hin in der Absicht, nach Möglichkeit ein scharfes Aufeinanderplatzen der nationalen Juden mit ihren nichtnationalen Nassegenossen herbei- Z-uführen. Die Hauptrede des „nationaljüdischen" Herrn Dr. N a u - mann, so scharf national sie auch gehalten war, war nicht ohne weiteres geeignet, eine radikale Spaltung herbeiznführen. Als ich nun nach ihm als erster das Wort erhielt, trieb ich Narrmanns Ausführungen in streng logischem Gedankenanfban, gewissermaßen in die letzten Konsequenzen, und erreichte damit, was ich wollte» Schon die Reden der nach mir sprechenden nichtnationalen Juden (Zionist Klee, Oskar Cohn uftv.), die vorwiegend in wütenden Ausfällen gegen mich bestanden, zeigten deutlich, wie höchst unangenehm allen nichtnationalen Juden mein Erscheinen und Reden war. So sagte z. B. Cohn : „Da sehen Sie, wie der reaktionäre, völkisch monarchistische Herr Anker sofort Naumanns Erklärungen und Zugeständnisse ausnutzt." Als Cohn dann in seiner, alle Ueberlegung vergessenden Wut sagte, man solle sich doch recht reiflich überlegen, ob das sogenannte Deutschtum, wie Herr Anker es wolle, wert sei, daß Juden ihr Blut dafür liehen, entstand unter dm nationaldeutschen Juden ein rasender Tumult: „S ch u s t, Lump, bezahlter M o s - kowiter!" riesen sie Cohn zu und gingen ihm auch tätlich zu Leibe, wogegen ihn seine Anhänger nur mühsam schützten, bis er dann aus dem Saal gewiesen und gewaltsam entfernt wurde. Ob bei allen sogenannten nationalen Juden dieser vaterländische Zorn echt war, oder ob es 'teilweise, nur geschah, weil sie sich vorher mit ihrem stürmischen Beifall, zu meiner Rede festgelegt hatten, lasse ich dahingestellt. Zumal gerade die letztere Annahme den Erfolg meiner Taktik nur noch besonders unterstreichen würde. Mir scheint aüf jeden Falt ein bemerkenswerter nationaler Erfolg an jenem Abend sestznstehen. Nicht als osb die paar wirtlich nationalen Inden positiv viel bedeuten. Aber Zwiespalt, offene Meuterei im jüdischen Kager habe ich erzielt, und das ist meines Erachtens von nicht zu unterschätzender Beidentnng im nationalen Sinne, denn es bedeutet immerhin eine Schwächung der feindlichen Front. Die Völkischen und am Programm klebenden Nationalen 'treiben, wenn sie mein Unfreien verwerfen, meines Erachtens Gefühlspolitik, die zu nichts führt. Ganz abgesehen davon, daß ihr letztes Ziel, Ausmerzung aller Angehörigen jüdischer Rasse (denn für mich bleiben auch die Kinder und Enkel getaufter Juden Fremdrasstge) einfach unerreichbar ist. Ich bin für Realpolitik, d. h. eine Politik, die auch, wie die „Deutsche Zeitung" von mir» sagte, manchmal „seltsame Bundesgenossen annimmt", um möglichst bald den nationalen Endsieg zu -erringen. Das ist ungefähr die gleiche Auffassung wie vor 115 Jahren Gneifenau sie kundgab, indem er sagte: „Selbst Narren sind wir willkommen, wenn sie an der nationalen Sache Mitarbeiten." Selbstverständlich kommt es darauf an, daß, „wer seltsame Bündnisse eingeh-t", dabei weder seine Richtlinien, noch seine Führerrolle verliert. Es scheint mir aber ein sehr großes Armuts- Zeugnis, das wir uns ausstellen, wenn wir dies gegenüber den paar nationalen Juden fürchten. Ich vermag daher beim besten Willen nicht einzusehen, wieso ich durch meine Handlung am 28. Januar den Tadel, statt den Dank aller Nationalen verdiene, auch darf ich wohl daran erinnern, daß mein unablässiges, nationales Arbeiten in Rede, Schrift und Tat seit dem Umsturz bis auf den heutigen Tag immerhin so bemerkenswert den Durchschnitt ü'berboten hat, daß eigentlich ein jeder von vornherein hätte annehmen können, daß ich erstens nichts Nationalschädliches gesagt haben konnte, , und zweitens mit dem, was ich sagte, wohl ganz ..bestimmte - und sicher vaterländische Zwecke verfolgte.' Bezeichnenderloeis-e haben die Linksgegner meine Rede richtiger eingeschätzt, als meine Freunde, so schrieb die „Welt am Montag" von dem „oft her borge treten en völkischen Major Anker." gez. Anker, Major a. D. Zetern nicht die Wolle und Kunze, die Schlange und Reventlow, die Fritsch und Roth, täglich in die Welt hinaus, daß die Inden alle Parteien „zerfetzen", um ihre dunklen alljüdischen Zwecke zu fördern? Ist solches niedrige Vorgehen nicht eines der wichtigsten taktischen Mittel Alljudaans gemäß den famosen „Weisen von Zion"? N lern a l s ist für solche Verlenmdllngen auch nur der I - P u n k t e i n e s Beweises erbracht worden. Hier aber haben wir es schwarz aus weiß, daß der v öl k i f che M a j o r A n ke r sich nicht schanzt, die von den Völkischen so bis aufs Messer bekämpfte Taktik selbst zu üben, sich sogar dafür noch Lorbeerkränze ansbittet. Diese „edlen" Eigenschaften sollen die Völkischen ruhig in die „neue Volksgemeinschaft", die überall so brennend verlangt wird, mit hineinnehmen. Wir jüdischen Deutschen und die erdrückende Zahl der christlichen Volksgenossen werden uns gern und stolz von solcher Gemeinschaft ausschließen lassen. grmer Helfferich! firmer Hergt! Beide hoffnungslos „v e r j u d e t". Fast täglich liest man in der dentschnationalen und in der deutschvölkischen Presse Artikel, in denen sich diese beiden stammverwandten Parteien aufs heftigste befehden. Erst kürzlich verspottete die „G roß Deuts che Zeit u n g", die Tageszeitung der Nationalsozialisten in München, die Beteuerungen der deutschnationalen Partei, daß „ein Unterschied der Gesinnung Zwischen den Deutschnationalen und Teutschvölkischen nicht bestehe, daß beide Parteien die gleichen Ziele verfolgen und daher bei der nächsten Reichstagswahl Arm in Arm zur Wahlurne schreiten müßten". Die Gründung eines völkischen Ausschusses der DR BP. unter Vor sitz des Neichstagsabgeordneten G r ae f erklärt sie für „ein gemeines und unanständ ig e § T äu schungs m anöv er", das „nur auf Stimmenfang einiger nicht orientierter Wähler" ausgehe, „die den dentschvölkischen Ausschuß der deutschnationalen Partei mit der deutschvölkischen Freiheitspartei schlechthin und den Vorsitzenden dieses Ausschusses Graes mit v. Graes e verwechseln könnten". Sie unterwirft dann die Deutschnationale Volkspartei noch einer genaueren Blutsuntersnchung und schreibt: „Gegründet ist sie von dem Juden Stahl; einer ihrer Führer ist Dr. Helfferich, dessen Unter oder Großvater ein Vottblntjnde war, ein weiterer Führer ist Herr Hergt, in dessen Adern gleichfalls jüdisches Blut kreist. Fast alle Grafen und Barone, die sich jetzt zur Deutschnationalen Volkspartei bekennen, haben eine Jüdin als Frau, Mütter und Großmutter. Solche Verbindungen waren notwendig geworden, um den infolge leichtsinnigen Lebenswandels einzelner Familienangehöriger starr reduzierten Hausbesitz wieder einmal etwas auszufrischen. Der schwarzlockige, braunäugige, mit Händen und Füßen mauschelnde Professor Dr. Preyer, seines Zeichens deutsch nationaler Abgeordneter, stamt aus der Ukraine und verrät schon von weitem den galizischen Inden. Aber dann erst die Herren von der Deutschen Volkspa r t e i Ostpreußens, mit der die Deutschnationale Volkspartei Arm in Arm marschiert und dicke Freundfchaftsbeziehungen unterhält. Sage mir, mit wem du umgehst, und ich werde dir sagen, wer du bist. Da möchten wir nur die beiden Führer erwähnen, die Leiden VollbluLjuden Stadtschulrat Dr. Stettiner und Kommerzienrat Heumann. Beide haben sich allerdings schamvoll vom Judentum abgewendet und sind nicht nur evangelische Christen, sondern auch — und das will immerhin etwas sagen — enragierte Antisemiten geworden. Wir gratulieren der Deutschen Volkspartei und mit ihr auch den Deutschnationalen zu solchen gesinnungstüchtigen Freunden und Parteigängern. Wir könnten die Zahl derer aus dem Stamme Sem, die heute einflußreiche Stellungen in den beiden Rechtsparteien einnehmen, beliebig vermehren. Aber es genügen wohl die von uns angeführten Beispiele, um darzutun, daß es mit der Durchführung der dentschvölkischen Grundsätze bei den Deutschnationalen in praxi nicht weit her ist. Um so geräuschvoller betonen sie mit scheinheiligen Worten, wie ernst es ihnen um diese ihre deutschvölkischen Grundsätze ist." ' ‘ Das schreibt kein „Judenblatt", ' sondern das Leibblatt Hitlers, die urvölkische „Großdeutsche-Zeitung".