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Central-Verein-Zeitung · 1924-04-03 · 14 (3.4.1924) · p. Seite 159

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
14 (3.4.1924)
Date
1924-04-03
Page
Seite 159 (sequence 3)
Language
German
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An unsere Mitglieder! Wer je# nicht fofort feinen rückftändigen Beitrag für das erfte Vierteljahr bezahlt, wer jet$t nicht fofort einen Beitrag zum Wahlfonds leiftet, verfündigt sich an unferer Sache. Jeder Tag erfordert ungeheure Ausgaben. Was wir jet$t nicht tun, kann nicht wieder nachgeholt werden. Es geht ums Ganze. Zahlftellen find bei den Landesverbändern und Ortsgruppen. Croß-Berliner und Brandenburger Mitglieder zahlen fofort auf Poftfcheckkonto des Centralvereins Berlin, No. 115 501, auf Dresdner Bank, Berlin SW 68, Lindenftraße 7, Wedifelftube G, oder an das Bureau Berlin SW 68, Lindenftraße 13 I. Central-Verein deutfcher Staatsbürger jüd.Glaubens e. V. Br. Julius Brodnitz. * » WM C'tAjä-- WH» Zur Neichstagsroahl. Ratschläge, die befolgt werden müssen. Von einem im politischen Leben stehenden ostpreußischen Mitglieds wird uns geschrieben: „In Nr. 12 der „C. V.-Zeitung" ist in einem Aufrufe dringend gefordert worden, dem C..V. einen Wahlbeitrag zur Aufklärungsarbeit schnell zu überweisen. Damit erschöpfen sich jedoch die Pflichten der deutschen- Juden in der Wahlkampagne noch nicht. Sie haben vielmehr ausnahmslos noch folgenden beiden brennenden Pflichten zu genügen: 1. Jeder jüdische Deutsche, M a n n u nd Frau, hat unbedingt seiner Wahlpflicht d u r ch Ab g a b e s e i n e r Stimmeam Wahltage nachzukommen. Jede einzelne Stimme kann von geradezu ausschlaggebender Bedeutung sein! Jedes Fernbleiben von der Wahlurne ist nicht nur Verrat an der politischen Partei, sondern auch Verraten den jüdischen Glaubensgenossen und Mitbürgern. Wer nicht wählt, leistet dem Antisemitismus die beste Hilfe! . Welcher politischen- Partei jeder einzelne Jude und jede einzelne Jüdin seine Stimme geben will, braucht nicht gesagt zu werden. Jeder Jude muh wissen und weiß, daß es nur bestimmte deutsche Parteien gibt, denen seine Stimme gehören darf. Im Lager unserer Feinde wird kaum eine Stimme fehlen, gilt es bei ihnen doch, um jeden Preis ein völkisches und judengegnerisches Programm durchzubringen. Noch bei keiner Wahl war daher rede einzelne jüdische Stimme fi'rr uns von solcher Bedeutung wie diesmal. Auch diejenigen, die am Wahltage auf Reisen innerhalb Deutschlands sind, müssen an ihremt Reiseausenthaltsorte unbedingt zur Wahlurne schreiten. Wahlscheine dafür sind rechtzeitig zu besorgen. . daß .... , :eten m — -'gesprochen antisemitischen derr ruhigen Wiederaufbau des Vaterlandes verbürgt. Darm liegt die entscheideude Bedeutung dieser Wahl auch für das deutsche Judentum. 2 Jeder deutsche Jude ist verpflichtet, den WaMbeitrag für den C. B. ru grötztem Ausmatze unbedingt zu leisten. Daneben, besteht für reden deutsch-jüdischen Wäh l er selbstverständlrch auch eine W ah lbe-i t rag spf licht gegenüber seiner Politischen Partei! wir Zanders,, wie eben hier ausgeführt, erreichen durch sträfliche Nachlasirgkert die völkischen Parteien das Uebergewicht, so wache man sich auf Versuche, die deutschen Juden politisch zu entrechten, Wirtschaftlichzu vernichten, gefaßt. Die schwersten Gefahren für Ehre, Leben und Gut d e r j ü d i scheu Deutschen liegen dann durchaus im Bereiche des Möglichen. Darum, jüdischer Deutscher und jüdische Deutsche, tut am 4. Mai und vorher Eure gebieterische Pflicht! Das tzurgenlanöen Ungarn! OberstBauerverzichtetaufdiese s d e u t s ch e Land. Der schlimmste Vorwurf, den die Völkischen dem Judentum, dem Bolschewismus, dem Jesuitismus, der Freimaurerei usw. gegen« über machen, ist der, daß sie international seien. Ihr Gedankenkreis dreht sich nur ums Völkische wenigstens solange es sich mit ihren Vorteilen vereinen läßt. Daß sie gelegentlich auch ganz unvölkisch handeln können, ja, daß, sie sogar um ihrer hohlen Phrasen willen sich nicht scheuen, deutsches Land und deutsches Volk Zu verschachern, zeigt eine Episode aus dem Hitler-Prozeß. Oberst Bauer, bekannt als rechte Hand des Generals Ludendorsf und als einer der Hauptanstifter des Kapp-Putsches, war in Ungarn daran, für die deutschen „Völkischen" mit den ungarischen „Völkischen" ein förmliches Bündnis abzuschließen. Die Ungarn verlangten jedoch die Uebergabe des „B u r g e n l a n d e s". Dieses Ländchen an der Westgrenze Ungarns, kerndeutsch trotz aller jahrhundertelanger Unterdrückungsversuche, ist zu einem großen Teil bei Ungarn geblieben, weil die Abstimmung mit allen Mitteln verhindert und gefälscht wurde. Ungarische Banden hatten die Bevölkerung wochen^- lang terrorisiert, und ein Münchener deutschnationales Blatt hat selbst darauf hingewiesen, das deutsche Freikorpsangehörige damals aus ungarischer Seite gegen ihre eigenen Landsleute kämpften! Das ,Surgenlaud" hat dem deutschen Kulturleben einen Haydn, einen Liszt geschenkt. Der Oberst Bauer hat aber damals erklärt: „Wir müssen um der Freundschaft mit Ungarn willen auf die ,paar d e u t s ch e n D ö r f e r* verzichte n." Auch von Hitler liegt eine ähnliche Aeußeruna vor: „Man dürfe nicht um politischer Sentimentalitäten willen auf der Rückgabe Südtirols bestehen." Hätten andere als Oberst Bauer oder Hitler so gehandelt, so wäre es nach völkischer Anschauung Landesverrat gewesen!

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