Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 14 (3.4.1924)
- Date
- 1924-04-03
- Page
- Seite 158 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2277379-2277464-2277477--01023-2280250- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Ein Zikular 7 der zentralen^ jüdischen Abteilung beim Volksbildungsminister, 28. Dezember 1920, Nr. 491^'h-at folgenden Wortlaut: „An alle BilduugsabLeiluligeu, Sektionen und Instruktoren, betreffend Liguidie r u n g der C h a dorr m u n b J e j ch i =» w a u s (jüdisch-konfessionelle Schulen). Die jüdische Bildungsabteilung, gestützt aus die Resolution des allrussischen Kongresses von jüdischen Bilduugsbchlissenen und auf Grund der Nachrichterl, welche sie von den einzelnen Orten eurpfangen haben: hat beschlossen, einen FeLdZrrg gegen die Chadorrm und Jeschiwaus zu beginnen. . . . Das Fakt u m d e r Zerstö r u n g der C h a d o r i rn selbst rechnet die jüdische Bildungsäbteilung als Faktum positiven Schaffens u n d A ufbaue §. Die K i n bei' m ü s!s e n von der s ch reckli ch e n Gefangenschaft, von der vollkommenen geistigen Demoralisation und deur physischen Untergan g bef r ei t Worderr. Die Wldungsabteiluugeu -an den verschiedenen Orten müssen die Aufgabe der Liquidierung der Ehadorim als eine dringende A u s g a b e betrachten. - Die Arbeit muß in folgendem -bestehen: 1. Agitation und Aufklärung. Die Agitation mutz vor allem in der Jugend selbst geführt werden. Zu der Arbeit rvird die kommunistische Jugend hinzugezogeu, welche mit die Ehederfrage eine Atmosphäre des revolutiorrärerr Kampfes gegen den klerikalen Beth Hamidrasch-Geist (jüdisch-konfessionelles Lehrhaus), der ans der jüdischen Waffe herrscht, verbreitet. Es sollen Versammlungen der Eltern berufen werden, wo die schädliche Wirkung der Chadorinr und Jeschiwaus dargelegt werden soll. Die Kampagne gegen den Ghadorim must in der Presse durch lebhafte Zeitungen, Inserate, Gedichte und andere Formen der Agitation geführt werden .... Die vorstehend abgedruckten amtlichen Anweisungen der Sowjetregierung beweisen sonnenklar, daß die angeblich jüdische Sowjetregierung in Dem größten Teil der Juden ihres eigenen Landes einen gefährlichen Feind gegen sich und ihre Weltanschauung sieht und ihn durch diese scharfe Anordnungen im Kerne, das heißt, in seinem religiösen Erziehung, tödlich treffen möchte. Deshalb muß die „Atmosphäre des revolutionären Kampfes gegen den klerikalen jüdischen Lehrhaüsgeist verbreitet werden". Kann durchschlagender erwiesen sein/ daß auch die j ü d i s ch e Lehre nicht das aller geringsie mit der b vls chew i st ifch en gew einsam -hat?. Wozu sonst, die bis ins einzelne gehenden, rücksichtslosen Befehle, die jüdisch-konfessionellen Schulen, die vom Geiste der Sinailehre getragen find, zu vernichtend So gewiß nicht wie in- Deutschland, so ist auch in Rußland das Judentum alles andere als eine politische Einheit. So gewiß in der Sowjetregierung Juden arbeiten, ebenso gewiß sind sie auch in der schärfsten Opposition. Und nur Unaufgeklärte, Unbelehrbare oder gar Böswillige können von einem „jüdischen Bolschewismus" reden. Dr. Max Lew i n s k i (Berlin-Halensee). Israels Gestirn. S a ü b a i b e t r a ch t u n g. Akte Erbweisheit Das in den Sternen das Schicksal der Völker und Menschen. Israel erkannte als Herrn seines Geschicks nur seinen Gott. Doch auch seine Dichter und Deuter liebten es, sein Los dem -der Sterne zu vergleichen und wählten als Lieblingsgestirn des Volkes den stillen, bleichen- Beherrscher der Nacht. Der bescheidene Sinn unseres in Wahrheit jeder Ueberhebung fernen Stammes wollte sich nur als dienenden Trabanten gelten lassen. Seine leuchtende Sonne war und blieb ihm sein himmlischer Schöpfer. Er sollte der Mittelpunkt seines Lebens sein. Um ihn bewegte es sich in ewig gleichem, vorgeschriebenem Kreise, Keines fremden Gestirnes Anziehungskraft sollte es aus seinem Lause reißen. Mit der Erde verknüpft rollt der Mond um die strahlende Quelle des Lichts. Also fühlet auch Israel sich mit dem Irdischen verbunden, erdgebvren, und empfängt doch seinen Glanz erst vom Himmel. Wie der Mond, so wechselt auch es die Zeiten. Wie oft tauchte es ans dem Dunkel zum hellen Vollmondleuchteu, um mählich wieder in schwarze Finsternis zu versinken. Aber es weiß, der Abstieg ist nur scheinbar. Inaner wieder mutz ein neues Leuchten folgen. Seine schönste Hoffnung ist es. Einst wird der Mond Am Lichte der Sonne glühen. Israel hat sein Ziel erreicht, mcrtn es zum SonnenglanZ des - Göttlichen emporgestiegen. „Wenn du die Feste und Zeiten meinem Volke festsehen willst, so schaue zum Monde," so sprach der Herr zu seinem getreuen Diener. Du sollst Herr und Meister der heiligen Tage sein. Jur hehren Ausblick zur himmlischen Leuchte sollst dir auihnen in der Seele des Volkes die heiligen Gedanken wecken. Blicke auf zum Monde und heilige durch ihn die Tage und heilige durch sie dein Leben. So soll das Volk des Mondes 3um Lonnenvolke, zum Träger des Lichts, zürn G-ottesvolke werden. Z s ch T i k w o h. 158 ■ - ■■■ - - ■ z /&k. „objektivste Hehörös öer Ve!tJ E i n unglaubl ich es Ur t e il in W e r n ig e r o d e. Bor dem Amtsgericht in Wernigerode fand eine Verhandlung gegen den Schlosser Bernhard Reiter statt, der dort für die Mitteldeutsche Arbeiterpartei agitiert hatte. Sie war nach den Unruhen am 8. und 9. September, dem Deutschen Tag, in Wernigerode jäh zusammengebrcchen. Reiter war einige Zeit verschwunden, sprach aber dann am 16. Januar in einer nicht angemeldeten Versammlung in Wernigerode. Die Polizei hob die Versammlung auf und erließ gegen Reiter und einen Mitangeklagten Dachdecker Fleiner einen Strafbefehl in Höhe von je 1Ö0 Mark. Auf ihren Einspruch fand vor dem Amtsgericht Wernigerode unter dem Vorsitz des Amtsgerichtsrats Beine r, des Vorsitzenden der Ortsgruppe der deutschuationalen Partei, die Verhandlung statt. Die Versammlung .hatte, wie die Beweisaufnahme ergab, den Zweck, eineu Verein „Deutscher Staatsbürger arischer Abstammung" zu gründen. Dieser Verein sollte angeblich unpolitisch sein, die Rassenfrage sollte nur lvifsenschaftlich behandelt werden. Die Aussage des Polizeikommissars, der die Versammlung aufgehoben hatte, bewies allerdings, daß die Versammlung doch nicht ganz unpolitisch war, so daß das Gericht eine Verurteilung nicht umgehen konnte. Das Urteil stellt zunächst fest, daß tatsächlich eine politische Versammlung Vorgelegen habe, so daß eine Verurteilung wegen Vergehens gegen die Verordnung des Wehrkreiskommandeurs, in welcher Gefängnis oder Geldstrafe bis zu 1500 Goldmark augedroht werde, erfolgen müsse. Die Angeklagten wurden mit je 30 Goldmark bestraft. In der Urteilsbegründung, heißt es: „Die Angeklagten haben sich strafbar gemacht, es war aber nichts . geplant, was die staatliche Ordnung gefährden könnte. Das deutsch e Volk er kcnnt meh r u n b m ch r, d atz das Indent u m s ch lv e r st e S ch u l d a n' u n s e r e m 11 n g l ü er t r ä g t, rr n d d n s erfassen i m rn er weitere K r c i f e. An einen Ausstieg unseres Volkes ist nicht zu denken, wenn wir nicht die Macht des Judentums brechen. Nicht nur die Deut s ch v ö l'k i s ch c n meinem das, sondern auch die Deut s ch u ationale n, wie inan in den Zeitungen der .letztenJTMe lesen konnte. Die Gedanken, welche die Angeklagten vortrngen, stellen k e ine G c f ä h r du n g n n f e r e r ö f f e n t l ich e n R u h e dar, ne irr, sogar die B e st c n u rr s e r e s Volkes teil e n dies e A n s cha h u n a." Dieses ist die Urteilsbegründung eines d e u t s ch cn Geri ch t e s. Es ist die logische Folge der ganzen Verhandlungssnhrrmg. Bereits bei der Eröffnung der Verhandlung wies der Vorsitzende, Amtsgerichtsrat Berner, auf den Hitler-Prozeß hin, und während der Verhandlung erinnerte er den Angeklagten daran, daß während der Räterepublik „der Jude Eisner" an der Spitze Bayerns gestanden habe. Die Verhandlung hätte jedem objektiven Richter zeigen muffen, daß der Angeklagte ein systematischer Radaumacher ist, der stets dahin geht, wo er für feine Hetzereien und Ungesetzlichkeiten guten Boden vermutet. Die Urteilsbegründung stellt aber geradezu eine Belobigung dieses Angeklagten dar. Darüber hinaus —und das ist wohl bis jetzt einzig dastehend — bringt sie Werturteile, die, abgesehen davon, daß sie durchaus falsch sind, das deutsche Judentum auf das schwerste beleidigen müssen. Mag auch den Völkischen der Kamm mächtig geschwollen sein — so weit sind wir denn in Deutschland doch noch nicht, daß derartige Urteilsbegründungen sich Lei uns etwa einbürgern. Der C. V. hat bereits alle Schritte, die notwendig find, getan. Bedauerlich ist nur, daß das A n s c Heu der d e u i s ch e n Rechtspfleg e, das auch wir jüdische Deutsche Hochhalten, durch 'solche Urteile s ch w e r e n S ch a d o n leiden dürste. Eugen Dühring über Goethe. Denken alle Völkischen so? Bekanntlich wird jede den Völkischen genehme Aeußerung irgendeines unverantwortlichen jüdischen Schriftstellers allen Juden in die Schuhe geschoben. Wie wäre -es, wenn wir für den folgenden Ausspruch Eugen Duhrings, der bei den Völkischen in größtem Ansehen steht, alle Völkischen verantwortlich machen? (Vgl. „Moderner Völkergeist." 1899, Nr. 11.) „Da hat neulich einer im deutschen Reichstag in den Etat 50 000 Mark bugsieren wollen, um Herrn v. Goethe in Straßburg zu Ehren aller Daitschheit ein Denkmal zu errichten. Die Sozialdemokratie und die Frechstunigen und überhaupt die Libcraile, das weiß, warum es das Volt mit diesem dieuerhasten, pvrnvphilen Frankfurter Sproßliug und Weimarer Hosdichter irresührt."