Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 14 (3.4.1924)
- Date
- 1924-04-03
- Page
- Seite 157 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Einzelnummer 10 Golöpfennig Serlin, 3. /lpril 1924 HI. Jahrgangs Nr.14 VMter füri>culfchtam^|] «nvludentum * 'vryan des fcntral-Vmias deutscher Sllmtsvüryeriüdiscden VlaovensLv. S^ll^srr-rsiris Zeitung des Judentums Verlag u, Schriftleitung: Eentral-Verein -eutfcher Staatsbürger jüdischen Glaubens e.v. Lerlin SW öS, Linöenstr. 13 Fernsprecher: Amt Dönhoff 3594, 3595 Telegrammadresse: „Centralglauben Berlin" *\ Postscheckkonto: Berlin 30472 Bankkonto: Dresdner Bank, Wechselstube <3, Berlin SW 68, Lindenstr. 7 Monat sabonn ement (ein vierteljährliches gibt es vorläufig nicht) 40 Goldpferinlg Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-Expedirion Rudolf Masse, Berlin 8VV19, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,75 Goldmark für die 7 gespaltene Leite nach Rudolf Blosses Normalzeilenmesser Nr. 4, Jamilienanzeigen und Stellengesuche für Mitglieder des Eentral-Bereins 0,40 Goldmark, die 30 imn ' \ breite Reklamezeile 4 Goldmark. N MM M Kampf NM m iüöw mW Vernichtung öen jüdisch-religiösen Schulen! Zu dem eisernen Rüstzeug der Antisemiten aller Länder gehört die ständig wiederkehrende Behauptung, die Kirchen- Nnd Religionsverfolgungen in Sowjetrußland richten sich einzig und allein gegen die christlichen Institutionen. Darüber dürfe man-sich nach völkischer Meinung nicht weiter wundern, da ja an der Spitze der'zuständigen Regierungsstelle angeblich Juden und fast nichts als Juden ständen. Deshalb hätte nur die Geistlichkeit der verschiedenen christlichen Bekenntnisse die Verfolgungen der Sowjetregierung zu ertragen, und nur christliche Kirchen würden ihrer Schätze beraubt. Religionsschulen und Erziehungsanstalten 'unterliegen nur dann der Unterdrückung wenn sie sich in den Händen, von Nichtjuden befinden. Die j ü dis ch e Religionsgemeinschaft dagegen sei ungestört in der Lage, ihre Religions¬ und Talmudschulen weiterzuführen, die im striktesten Gegensatz zuden kommunistischen Erziehungsmethoden stehen. 'Soweit die Völkischen. . Trotzdem diese Behauptungen in Presse und Versammlungen immer wiederkehren, schlagen sie dock» den Tatsachen ins Gesicht. Um die religionsfeindl: che Politik der Sowjets würdigen zu können, muß man retrospektive Betrachtungen von der Jetztzeit bis zum Beginn des kommunistischen Regierungssystems in Rußland anstellen. Nicht ohne Geschick haben die Machthaber in der ersten Zeit, den sozialistischen Grundsatz übernommen: Religion' sei:: Privatsathe. Durch diesen politischen' Schachzug gelang es den Sowjets vorerst, die gläubigen-Massen: aller.Konsesstonen und die Geistlichkeit von einer sichtlichen Feindschaft gegen das neue Regiment sernzuhalten. Erst mit. der Festigung der neuen Regierungsgewalt, und zwar Vornehmlich zu Beginn des ' Jahves 1923, setzte der rücksichtslose Kampf gegen die Bekenntnisse und ihre Organe tmgroßen, ein. Das : kommunistische Programm wendetsich bekanntlich grundsätzlich gegen jede religiöse.Erziehung und propagiert nur den nackten Atheismus. Und nun! Es wäre doch töricht, a n z u n e h m e n, daß die Regierung den Kampf nur gegen den christlichen Glauben und seine Erziehungsmethoden aufzunehmen gewillt war. Entgegen allen völkischen Ausstreuungen richtete sich der Angriff seit langer'Zeit ohne Hemmungen und mit aller Stärke auch gegen die jüdischen r el igi ö se n I n st i t u t io n e n. Selbst wenn man den jüdischen Sowjetkommissaren gewisse Rücksichten ans ihren eigenen Glauben zuschreiben wollte — diese politischen Fanatiker, die auf ihr politisches Programm eingeschworen sind, trennt eine W elt v o n d er r eli - giösen Erziehung und den Eindrücken ihrer ersten Kindheit. Es hieße, das Wesen des Kommunismus völlig verkennen, wenn man annehmen wollte, daß die zufällig amtierenden jüdischen Kommissare geneigt wären, die jüdischen Kultusstätten anders zu behandeln^ als die christlichen. Und nicht nur die Kultusstätten. Auch manche ehrwürdige Rabbiner und viele jüdische Kultusbeamte haben die harte Hand der Sowjetregierung fühlen müssen. Und genau wie die Kirchen sind auch viele Synagogen ihrer Wertgegenstände zugunsten des Sowjetschatzes beraubt worden. Neuerdings sind nun eine Anzahl von authentischen Dokumenten bekannt geworden, welche den strikten Beweis erbringen, daß die Religionsseinde in Sowjetrußland die jüdischen Schulen zugrunde richten wollen. In einem Befehle der Abteilung für Volksbildung beispielsweise (21. 12. 1920. Nr. 213, § 11) heißt es: Wegen der schlechten Wirksamkeit der jüdischen konfessionellen - Schulen (Chadorim und JÄchiwaus) wird bei der jüdische:: Bildungsaktion eine Kommission znm Kampf gegen die Chadovim gegründet .... 1. Allseitig alle Witebsker Chadorim (jüdisch-konfessionellen Schulen) ans-zuforfchen. 2. Einen Plan für eine breite, mündliche und schriftliche Agitation und Propaganda gegen den Cheder anszuarbciten. 8. Einen Plan „anzumerken, wie die Chederkinder einer gehörigen Erziehung und dem Geist der Svwjetschule zugeführt werden können". Ferner lautet ein Auszug aus den Bestimmungen der fünften . Sitzung der staatlichen Kommission für Bildung vom 5. 9. 1918 über k o s e s ls i o n e l l e L e h r a n st a I t e n: Die staatliche Kommission hat auf ihrer Sitzung vom 24. August 1918 bei Behandlung der Meldung der Mitglieder des „allrussischen heiligen Verbandes", in Ilebereinstimmüng mit den Punkten 34, 38, 35 der Instruktion über die praktische Durchführung des Dekrets vom 23. Januar 1918 betreffs Teilung von Kirche und Staat bestätigt: Personen unter 18 Jahren können Lehranstalten mit religiösen N n t e r r i ch t s g e g e nst ä n d e n nicht erlaubt werde n.