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Wissen und Waffen · 1924-04-10 · 3 (10.4.1924) · p. Seite 11

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Journal
Wissen und Waffen
Volume
[1. Folge] (1924)
Issue
3 (10.4.1924)
Date
1924-04-10
Page
Seite 11 (sequence 3)
Language
German
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11 Das Nitualmor-märchen. Zu den Anklagen, die immer wieder gegen die Juden erhoben werden, gehört auch die, daß die Juden Christen, besonders Jungfrauen und Kinder, schlachten, und deren Blut zu rituellen Zwecken (besonders zur Bereitung des Mazzoth) verwenden (Ritualmord). Man sollte kaum glauben, wie fest verwurzelt und weit verbreitet dieser Glauben in den Köpfen der christlichen Bevölkerung ist. Und doch ist dieser Vorwurf gegen die Juden noch gar nicht so alt. Ja, er ist ursprünglich von den Römern g e g e n d i e Christen erhoben worden und hat zu blutigen Christenverfolgungen geführt. ' Justinus Mnrtyr verteidigt seine christlichen Glaubensbrüder also („Apologie" Kap. 12): „Wenn ihr durch Martern von unseren Sklaven, Frauen und Kindern, einzelne Geständnisse erpreßt, so sind das keine Beweise unserer Schuld." Tertullian („Apologaticum" Kap. 7): „Wir hießen die verruchtesten Menschen wegen des geheimnisvoll geübten Brauches, Kinder zu morden und zu verzehren. Wir werden so genannt, aber ihr sorgt nicht darum, es zu erweisen." Im 11. Jahrhundert — also vor noch nicht 900 Jahren — wird den Juden der Ritualmord zum erstenmal zum Vorwurf gemacht. Papst Gregor X., der das Unsinnige, aber auch das Gefährliche dieser Beschuldigung erkannte, geißelt sie bereits 12 72 mit scharfen Worten. „Da es sich zuweilen ereignet, daß C h r i st e n i h r e eigenen ch r i st >l i ch e n Knabe n w e g t u n und dann den Juden von ihren Feinden zur Last gelegt wird, daß sie diese Knaben verstohlen auf die Seite bringen' und töten und d'eren Herz und Blut opfern, wahrend die Väter dieser Knaben oder andere Christen aus Feindseligkeit gegen die Juden diese heimlich verbergen. So bestimmen wir, daß Christen in diesem Falle nnb aus diesem Anlaß nicht gehört werden sollen, und befehlen, daß die aus solchem frivolen Anlaß gefangen gesetzten Juden ans dem Kerker befreit und fernerhin aus derartigem frivolen Anlaß nicht wieder gefangen werden sollen, es sei denn, was wir aber nicht glauben — quod non credimus —, daß sie auf frischer Tat — in flagranti crijnina — ertappt würden." „Dokumente zur Aufklärung" Nr. 2 S. 118. Papst Innozenz IV. schreibt in einer Bulle: „Aus Habsucht und Blutdurst werden die Juden ohne Nichterspruch beraubt, gemartert und getötet, . . . werden gottlose Anschläge gegen sie ersonnen und erdichtet." Kaiser Karl V. erläßt im Jahre 1544 ein Edikt zugunsten der Juden in der Ritualmordfrage, das durch Maximilian I., Rudolf II. und F e r d i n a n d II. erneuert wird. Judenfeinden der Vergangenheit und Gegenwart ist durch namhafte christliche Gelehrte, ■ Geh. Rat Strack, Prof. Delitzsch, Prof. D a lmann, die Unwahrhaftigkeit ihrer Behauptung nachgewiesen worden. In der gesamten jüdischen Literatur mit selbstverständlichem Einschluß des Talmud ist keine Stelle zu finden gewesen, die nur die geringste Andeutung für die Existenz eines geheimen jüdischen Blutrituals bietet. Selbst ein Talmud- und Judenfeind erster Ordnung wie Johannes Pfefferkorn schreibt in Speculum Adhortationis Judäicare ad Cleristum (Köln 1507): „Hier möchte ich ein weitverbreitetes, aber nicWges Gerede gegen die Juden widerlegen, damit wir Christen nickst oeshalb lächerlich werden. Man sagt gemeinhin unter den Christen, daß die Juden Christenblut als Heilmittel zu brauchen nötig hätten und deswegern kleine Christenkinder töteten. Teure Christen! Klaubt das nicht! Es widerspricht der Heiligen Schrift und dem Gesetze der Natur und Vernunft. Daher muß ich in dieser Angelegenheit die Juden verteidigen." Aber auch alle durch die Presse oder Literatur bekanntgegebenen älle von Ritualmorden haben sich als unwahr erwiesen. Soweit eständnisse seitens der Juden vorliegen, sind dieselben durch die Folter erpreßt worden. Die Fabel vom Ritualurovd wurzelt im Blutaberglauben, der weit unter der Menschheit verbreitet ist. So dient Menschenblut seit den ältesten Zeiten zur Bekräftigung des gegebenen Wortes. „Meder und die Lyder", sagt Herodot I, 74, „ritzen sich am Arm in die Haut und lecken dann einander das Blut ab." Sogar bei Griechen und-Römern finden wir ähnliches. So gilt Blut auch für heilkräftig bei verschiedenen Wunden und Krankheiten. So weiß Birlinger, „Volkstümliches aus Schwaben" (Freiburg. i. Br. 1861), I, 488, zuberichten: „Katzenblut hilft-gegen das Fieber. Wer sich in warmem Blute badet, wird sehr schön" usw. Bei den Juden waren solche und ähnliche Anschauungen u n - möglich. Sagt doch die Bibel, 3. Mose., 17, 10: „Und welcher Mensch, er fei vom Haus Israel oder ein Fremdling unter euch, irgend Blut i f s e t, w i d e r den will i ch m e i n Antlitz setzen und will ihn mitten aus f e i n e m Volke rotten." 3. Mose, 7, 26, 27: „Ihr sollt anch kein Blut essen, weder vom Vieh, noch von den Vögeln. Welche Seele würde Irgendein Blut essen, die soll ausgerottel! werden von ihrem Volke." Im „Schulchan Aruch", Jore deah, Kap. 66, § 1, findet sich der Satz: „Das Blut des Viehs, der Tiere des Waldes und der Vögel, gleich^- viel, ob diese Tiere rein oder unrein, darf nicht genossen werden." § 3: „Findet sich ein Blutstropfen in einem Ei, so entferne man das Blut und esse das übrige. Fand sich aber das Blut im Dotter, so ist das ganze Ei verboten." „Für den Israeliten als solchen liegt der Gedanke, daß jemand dl sich könnte einfallen lassen, Menschenblut zu genießen, außerhalb des Borstellungskreises. Auch aus den Talmuden und der sonstigen Literatur kann meines Wissens keine Stelle beigebracht werden, aus welcher inan schließen dürfte, daß bei den Juden Menschenblut zu genießen gestattet sei oder gestattet gewesen sei." (Hermann L. Strack: „Ter Blutaberglaube bei Christen und Juden", München 1891, S. 31/32.) Trotz aller Gegenbeweise wird das Märchen von der Existenz eines Blutrituals unter den Juden nicht so bald verstummen. Immer wieder werden sich Dummgläubige finden, die Schauermärchen ihr Ohr leihen. Unzählige Male haben Menschen Tatsachen geglaubt, die scheinbar ebenso bewiesen waren, wie die jüdische Blutschuld. Es sei nur an den Hexenglanben des'Mittelalters erinnert. Jahrhunderte fang, werden Fälle von Hexerei nicht nur geglaubt, sondern auch durch unzählige Gerichtsverhandlungen „erwiesen" und gerichtet. Gegen Wahnvorstellungen ist schwer an zu kämpfen. Immerhin kann man sich auch auf ein Zugeständnis der Lüge vom Blutgebrauch der Juden auf Persönlichkeiten berufen, ibie zum mindesten "den völkisch eingestellten Deutschen als Autoritäten ersten Ranges gelten: Als es sich 1914, darum handelte, die Juden Polens und Rußlands, die heute so viel geschmähten „Ostjuden", zur Unterstützung der deutschen Kriegführung zu gewinnen, erließ „D i e obere Leitung der verbündeten deutschen und österreichischungarischen Armee" einen Aufruf „Zu die Irden in Paulen", in dem cs u. et. hieß: „Gedenkt dem Beilis-Prozeß un die Arbeit vun die barbarische Regierung, zu verbreiten dem schrecklichen Liegen Von BLuLgebrauch bei die Juden!" HrbL es jüdische Geheimorganisationenl Der politische Faktor der angeblichen Einrichtung ist n a ch a n t i s e in i t i s ch e r Behauptung in erster Linie die Alliance i s r a e■ 111 c universelle. Nach Fritsch das Werkzeug zur Verwirklichung der jüdischen Weltherrschaft. Tie'A. I. IT. ist gegründet worden (Cremieux war nicht ihr Begründer) als allgemeinjüdische Organisation mit dem Zweck: 1. überall die Emanzipation und den moralischen Fortschritt der Juden zu fördern; 2. denen, die in ihrer Eigenschaft als Inden leiden, wirksamen Beistand zu leisten; 3. jede diesem Zweck dienende Publikation zu fördern. Politische Fragen sind s a tz u u g s g e m ü ß a u s g e s chl o s se n. Haupttütigkeit: Schulgründungen, hauptsächlich im Orient. Französische Sprache ist Lehrgegenstand ans Rücksicht auf die Bedeutung derselben im Osten. — Dies der hauptsächlichste Angriffspunkt. Mit denr Vordringen des Deutschtums im Orient entsteht das Verlangen der deutschen Mitglieder nach Einführung der deutschen Sprache.' Darüber kommt es zum Bruch; 1906 Gründung der deutschen Konserenzgemeinschast der Alliance israölite universelle. — Seit Kriegsausbruch ist jede Verbindung gelöst. Das andere Instrument der jüdischen Internationale ist angeblich der 11. O. B'ne Brit h. Nach F ritsch verlangt das „Grundprinzip des Ordens Förderung der höchsten Interessen der Juden und die gedeihliche Entwicklung des geistigen und moralischen Charakters des Judenstammes." „Er ist also kein reiner Wohltätigkeitsbund." Von dem deutschen Großlogenbund ist der II. O. B. B. als ein „Geheim* bnnd bezeichnet worden, dem sich die Mitglieder deutscher Logen nicht anschließen dürfen." Diese Angaben sind falsch! —- Zweck des Ordens ist: „Israeliten zu vereinigen zur Förderung der h ö ch st e n und i d e -a l st e n Güter der Menschheit (vgl. die Entstellung bei Fritsch; d. Vers.), den g e i st i g e n und sittlichen Charakter der S t a m m -e s g e n o s s e n zu st ä r k e nihnen die reinsten Grundsätze d e r M e n s ch e n l i e b e, der Ehre, des Patriotismus einzuprägen, Wissenschaft und Kunst zu unterstützen, die Not der Armen und Dürftigen zu lindern, die Kranken zu besuchen und zu pflegen, den Opfern der Verfolgung zu Hilfe zu fomnint, Witwen und Waisen zu beschützen und ihnen in allen Lugen h i l f r e ich b e i zustehen." — Der deutsche Großlogenbund hat 1906 entschieden, daß es jeder Großlog-e des Freimaurerbundes überlassen bleibe, wie sie sich zum Orden B'ne Brith stellen wolle. — Der deutsche Distrikt hat, wie alle Großlogen des U. O. B. B., seinen geistigen Ausgangspunkt in Amerika, dem Geburtsland des Ordens; er ist jedoch, wie alle Distrikte, vollkommen selbständig, hat feit 1893 eigene Judikatur und sührt keine Beiträge ins Ausland ab. Angriffe des „Völkischen Beobachters" in München sind vom dortigen Gericht als unberechtigt erwiesen. „Nach dem satzungsgemäßen Zweck der Logen und nach dem bekanntgewordenen Verhalten der Logen im Weltkriege müssen die Behauptungen (des Angeklagten) als unwahr bezeichnet werden . . . Die Großloge hat während des Krieges einen Lazarettzug ausgerüstet, sie hat sich weiter Mühe gegeben, in Amerika, solange es noch nicht am Kriege beteiligt war, und im neutralen Auslände den Lügennachrichten der Feinde entgegenzu» treten und für das Deutsche Reich Freunde zu werben/

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