Wissen und Waffen
- Journal
- Wissen und Waffen
- Volume
- [1. Folge] (1924)
- Issue
- 3 (10.4.1924)
- Date
- 1924-04-10
- Page
- Seite 10 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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10 — fleißig, skrupellos, unfair —; Interesse nur sür sich und sein Geld, kauft sich Bildung, entpuppt sich immer als Parvenü; schließt vorteilhafte-Heiraten, bleibt aber eifriger Bordellbesricher. Es gibt für chn keine Werte über die Sachwerte hinaus, erst durch viel nordisches Blut verliert er seine tiesinnere Gemeinheit. . . j Steins und Hismarcks Zeindr. Freiherr von und zu Stein und seine „völkischen" Gegner. Als der Frhr. v. Stein 1807 daran ging, -durch harte, nüchterne Arbeit ,denP durch feudalen Marasmus zugrunde gerichteten Staat wieder aufzubauen, wurde ihm dieselbe Behandlung zuteil, wie denen, die heute die entsprechende Sisyphusarbeit aus sich genommen haben. Für den Herrn von der Marwitz, den Führer der Staatsrebellen, war damals die preußische Reform „die Revolutionierung des Vaterlandes, der Krieg der Besitzlosen gegen das Eigentum, des krassen Materialismus gegen -die von Gott eingesührte Ordnung", und Stein war in seinen Augen ein „UnheifstisLer, ein Revolutionär, der sich unterfing, den bestehenden Staat umzuwersen und einen neuen herauszubilden". Ungeheuer war der Jubel in diesen Kreisen, als Stein das Ruder des SLaat-sschifses auf Napoleons Verlangen aus der Hand legen mußte. „Ein unsinniger Kopf ist schon zertreten, das andere Natterngeschmeiß wird sich in seinem eigenen Gifte auflösen", frohlockte der später berühmt gewordene General Dork, der ein naher Gesinnungsgenosse des Herrn von der Marwitz war. Es mag lange nicht aus alle Angehörigen der tu Opposition stehenden Adelspartei zutreffen, was Stein seinen Gegnern im Spiegel vor-- hielt. In einem Briefe an die Gräfin Brühl bezeichnete er sie „als einen Hausen bösartiger, aber dummer Schreier, welche die durch die Notwendigkeit gebotenen Opfer nicht tragen wollen, sondern jedes Mittel ergreifen, um sich den Lasten zu entziehen und sie auf die Schultern ihrer Mitbürger zu wälzen". In eiMr Eingabe der Stände aus den märkischen Kreisen Lebus, Storkow und Beeskow, die den Unwillen des Adels über die eingeleiteten Reformen Zum Ausdruck brachte, heißt es, er wolle „aus unserm alten, ehrlichen brandenburgifchen Preußen einen modernen Judenstaat" machen. Man stehh an Schlagworten hat es schon damals nicht gefehlt. Und weiter heißt es in der Denkschrift: „Wir wagen es zu sagen, daß, wenn die Grundsätze der Willkür, der Gleichmachung der Stände und der Mobilisierung des Grundeigentums wirklich durchgeführt werden, uns keine Rettung für diesen Staat und für E. K. M. Hohes Haus mehr erscheint." Bismarck, die Reichsgründung und die Konservativen. In deck Jahren der Reichsgründung und des Ausbaues des Reiches, etwa von 1866 bis 1878, traten die Konservativen als eine an den großen Aufgaben der Zeit mitarbeitende Partei völlig in den tintergrund. Ein Teil der ehemaligen Kampfgenossen-entwickelte ch sogar zu erbitterten Feinden des Kanzlers. — Am 21. Mai 1874 schrieb R o o n aus Lugano an Moritz v. Blanckenburg: „Die Erfolge von 1866 oder vielmehr die an diese Erfolge geknüpften Illusionen von allgemeiner Versöhnung der politischen Gegensätze haben' uns das erste Bein gestellt, so daß unsere Politik ins bedenklichste Stolpern und Schwanken geraten, woraus uns zu erretten der Heldensprung von 1870/71 nicht gedient hat; die damit verknüpfte Berauschung verhinderte die Rückkehr zu gesunder Nüchternheit, und so taumeln wir denn an Abgründen hin weiter." Am 8. Oktober 1873 schrieb er abermals an denselben: „Durch Bismarcks Verdeutschung a tout prix ist mir mein preußisches Programm unbrauchbar geworden; mit ihm gegen den liberalen Strom wäre, allenfalls noch eine Weile gegangen; gegen beide, das geht über meine Kräfte. Es schneidet mir ins Herz, daß ich nicht mehr steuern und wehren kann, aber der Wille allein tut's nicht." Am 5. Februar. 1870 drückt Moritz v. Blanckenburg in einem Briefe an RooN die Stimmung in den konservativen Parteikreisen aus: „Die Opposition der Konservativen gegen Bismarck nimmt reißend zu — man kann es schon Erbitterung nennen." Der Briefwechsel zwischen Roon und Blanckenburg ist für die politische Einstellung der konservativen Partei zu dem großen Staatsmann, den man damals in diesen Kreisen in Bismarck keineswegs erkennen wollte, von -ganz besonderem Interesse. In Roons Antwort aus den eben erwähnten Brief von Blanckenburg heißt es: „Politisch gehöre auch ich (unter uns) der konservativen Opposition an. weil ich nicht wider meinen Willen mit verbundenen Augen geführt werden mag, wer weiß wohin." Mit welchen Gefühlen die preußischen Konservativen das Werden der deutschen Einheit noch wahrend der glorreichen Wassenersolge auf französischem Boden betrachteten, Zeigen auch die Briefe Roons an seine Gemahlin aus dem Großen Hauptquartier im November und Dezember 1870. Am 18. November schreibt er: „Hierorts sind wir mehr in politischen' als in militärischen Nöten. Ob es zu lebendigen oder zu bloß eu F eh l geb u r ten ko w m e n, o b d a s Kaiser hü h nchen wohlgestaltet aus dem Ei kr i echen wird, w er weiß das schon sicher?" Der Oberstallmeister des Königs Wilhelm, der dem Großen Hauptquartier während des Krieges angehörte, Feodor v. Rauch, schreibt unter dem 19. Dezember 1870 an seine Gattin: „Ob vvn nun ans, der Kaisertitel bereits in Kraft tritt, weiß ich noch nicht: es fragt sich daher, ob jetzt schon unsere Titulatur mit Kaka (K. K. Kaisers König!.) beginnen wird. Sonst wird es weiter keinen Zweck haben/ Und aus dem Briefe vom 16. Januar 1871 spricht die ganze Abneigung gegen die bevorstehende Kaiserproklamation in Versailles:! „Der 18. Januar soll mit einer Zeremonie verbunden werden, die die Kaiserwahl in eine gewisse Form bringt und eine offizielle Annahme der Krone oder des Titels zum Zweck hat. In welcher Weise es geschehen wird, weiß ich nicht und muß gestehen, interessiert mich auch wenig, da sie mir unter obwaltenden Umständen etwas überflüssig erscheint. . . . Ich finde, man hätte sich die Geschichte schenken können/ In der antisemitischen Zeitschrift „F r e i d e u t s ch - land" vom 15. April 1897 schreibt Adolf Braumann: { , „Die ganze kurzsichtige Reichsgründ-ung mit ihren' nicht vorher« gesehenen und auch heute unbegreislicherweise immer noch nicht verstandenen, verhängnisvollen Folgen und die unglaublich fehlerhaft« Politik des Reiches seit seiner Gründung, diese Politik vom verkehrten Ende, das ist ja Bismarcks ganze Leistung; dazu Verjudung, Züchtung von Sozialdemokratie und Zentrum, eine auf jüdische Anweisung zurückzusührende zehnjährige wirtschaftliche Gesetzgebung von zerstörender Wirkung." /Antisemiten im Urteil ihrer Freunde. Aus der guten alten Zeit des, Antisemitismus. Antisemiten unter sich machen sich das Vergnügen, sich gegenseitig aller peinlichen Sünden zu verdächtigen, wie z. B. des Maulheldentums, der Unehrlichkeit und, wenn alles andere versagt, der heimlichen Berandung. Das war vor einem Menschenalter nicht anders, als Stöcker, Ahlwardt, Böckel, Schönerer und Genossen die Rolle der Traub, Kunze, Mulle und Gräfe spielten. So schrieb das Stöckers che „Volk" über Böckel: „Wenn di« Juden, und .Judengenossen ihn dafür bezahlt hätten, hätte er es nicht besser machen können." — „Wäre das nicht echt Böckelsch, so würden wir es echt jüdisch nennen." War nun Stöcker mit seiner Zeitung („Das Volk") antisemitisch — „Freideulschland", des Antisemiten Förster Blatt, wirft ihm „undeutschen, jüdischen Geschäftsgeist" vor. Schönerer meinte. Stöcker habe „das wahre Wesen des Christentums gar nicht erfaßt unb darum an dessen Stelle einen christlichen „Talmud" gesetzt. — Böckel klagt — wie heute Weyland — in seinem „Reichs- Herold": „Bei uns findet jeder Aufschneider, Wichtigmacher und Schwindler noch immer Anhänger und Opfer." Stöcker, Ahlwardt, Henrici, Förster usw. waren mchts als Irrlichter, die unsere Bewegung in den Sumpf geführt haben. — Ahl - w a r d t wirst Stöcker bewußte Unwahrheit, Infamie, Gemeinheit ersten Ranges, Heuchelei und Verleumdung vor: — Einem seiner Anhänger sind „die Christlich-Sozialen tausendmal schlimmer als die Juden". Und Ahlwardt selbst? Nach der gesinn-ungsverwandten „Schlesischen Morgenzeitung" „nimmt er es mit den geriebensten Juden an Geischäfts-kenntnis und Ungeniertheit auf". Aktuell ist von alledem Wohls nur die Begutachtung des- Herrn Th. Fritsch. Der Antisemit Lucko urteilt: „Ein ganzes Konglomerat von sogenannten „jüdischen" Eigenschaften vereinigt sich in dem Techniker Theodor Fritsch, er bezahlt seine Leute noch schlechter als die Juden." Der. bekannte Wilhelm Marr: „Leute wie Fritsch erscheinen in meinen Augen immer mehr als schlaue Trödelkram-Anti-semiten," und er rechne „den antisemitischen Zirkusdirektor Fritsch in die Kategorie der Hosen verkaufenden Jünglinge aus Polen". Zum Schluß.noch ein Wort über die Berjudung des „Bun-deS der Landwirte". Die antisemitische „Deutsche Ostwacht": „Wenn der B. d. L. nicht antisemitisch werden will, dann muß er von den Antisemiten bekämpft werden; ist doch schon heute ein an leitendem Platze angestellter Sekretär des Bundes ein Jude. * Schaffendes jüdisches Kapitol. Seitdem der Antisemitismus sich mit dein Kapitalismus m sich abgesunden hat, wendet er sich nur noch gegen den „raffenden* zum Unterschied vom „s ch a f s e n d e n". Diese beiden Arten stehen sich gegenüber wie jüdischer unda risch er Kapitalismus. Daß auch der jüdische Kapitalismus sich schassend betätigt, beweisen folgende Tatsachen: Emil Rathenau ist der Schöpfer, und Walter Rathettau der Entwickler der elektro-chermschen Industrie in Deutschland. Albert B a l l i n ist der Mitbegründer der deutschen Handelsflotte, Isidor und Ludwig Löwe sind die Entwickler der deutschen Waffen-- und Munitionssabrikation, Professor Adolf Frank ist der Begründer der deutschen Kaliindustrre, Moritz Becker der Organisator der Bernsteinindultrie an der Ostsee. Außerordentlich rührig war die schassende Tätigkeit der Juden in der oberschlesischen Industrie: Moritz Friedländer, Sinai Levy und David Löwenseltz sind dre Begründer der oberschlesischen Eisenindustrie; Elias Sachs und Salomon Hammer die Begründer der Bismarckhütte; Familie Caro Begründer der Julian- und Baildon» hütte; Rudolf Pringsheirn Begründer der Eisen- und Stahlindustrie Ferrum A.-G.; Otto Friedländer Gründer der Hei nitzgrub«.