Mannheim
Compact Memory

Wissen und Waffen · 1924-04-10 · 3 (10.4.1924) · p. Seite 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wissen und Waffen
Volume
[1. Folge] (1924)
Issue
3 (10.4.1924)
Date
1924-04-10
Page
Seite 9 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/9054153-9548759-9548780--14-2280231
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Wissen und Waffen LZL- Tatsachen für den Wahlkampf. * Zur Raffenfrage. Die Rassenfrage ist der Urgrund des modernen Antisemitismus. Wenn alle antisemitischen Behauptungen und Begründungen fallen — die Verschiedenheit der Rassen ist der letzte Anker. Hauptthesen der antisemitischen Rass-entheorien sind: die Rasse liegt im Blute und ist daher unveränderlich. Die arische Rasse ist die einzige kulturfähige, und die Germanen, als der reinste TYP derselben, sind die eigentlich kulturschöpferische Rasse. Dagegen ist die wissenschaftliche Rassenkunde sehr vorsichtig, vermeidet bestimmte Thesen, vor allem Werturteile. Nichts Feststehendes, alles im Fluß und Dunkel. Selbst Rassebegriffe unklar. Professor v. Lu sch an (Direktor des Museums für Völkerkunde): „Das Wort „Rasse" hat mehr und mehr seine Bedeutung verloren und würde am besten ganz aufgegeben werden, wenn es irgendwie durch ein anderes weniger vieldeutiges zu ersetzen wäre." (Völker, Rassen und Sprachen?) Rasieneinteilung nach festen Gesichtspunkten (Hautfarbe, Schädelsorm, Haar) ist unmöglich. So hat man 3 bis 60 Nassen gefunden. Nassen sind nicht allein von Blut-, sondern weitgehend von Umwelteinflüfsen (Landschaft, Klima), geistiger und materieller Kultur abhängig. Rassen sind also veränderlich. (Europäer dunkeln in Afrika, inbiöittfieren in Amerika; Ostjuden haben in Amerika im zweiten Geschlecht größere Durchschnittsaröße; Flachlandbewohner haben meistens Langschädel, Gebirgler Rundschädel.) Rasse und Kult u x: Reine Nassen gibt es nicht, wenigstens sind alle Kulturrassen Mischrassen; „reine" Rassen (Zulus, Beduinen, Indianer) haben keine Kultur; Kultur nicht Nassen-, sondern Nationalprodukt. Nach F i n o t sind 59 Rassen am Ausbau des französischen Volkes beteiligt. So sind hervorragende Kulturträger bei allen Nationen oft Fremdstämmige gewesen: Cesare Borgia war Spanier; Mazarin, Napoleon, Gambetta waren Italiener; Cavour, der Bismarck Italiens, war Franzose; Prinz Eugen Savoyarde; Lilly Flame; Schwedens volkstümlichster Dichter Bellmann Deutscher; Ibsen' Däne; Chamisso, Fontane, Willibald Alexis waren französischer. Kant war schottischer, Brentano italienischer, Clausewitz polnischer, Jahn unb Trertfchte tschechischer, Radowitz, Vorgänger Bismarcks, ungarischer Herkunft. Die Mutter Puschkins, des Begründers der russischen Rationalliteratur, war eine Negerin; der Urahn Tolstois ein Deutscher; Mb recht Dürer ein Halbmagyar. Führende Geister in England des 18. Jahrhunderts waren Schotten und Iren; Führer im Nntionalkampfe der Tschechen waren Deutsche. Die de u ts che K u l t u r ist ebensowenig „r a s s e" r e i n w i e das Volk. Grundlagen: Bibel und Antike; Einflüsse römisch (Recht, Katholizismus), italienisch (Kunst), englisch (Shakespeare, Philosophie), französisch (Philosophie, Dichtung). Rasse u n b Politik: Rasse, Volk, Staat decken sich nicht im Begriff/ nicht in der Wirklichkeit. Der Staat als Rechtsstaat —- also der moderne Staat — hat es mit Individuen zu tun. Volk beruht auf Schicksalsgememschaft, Bewußtsein derselben, Leistungsgemeinschaft. Die Rassetheorie zerreißt die Volksgemeinschaft und gewinnt nicht' die außerhalb der Volksgemeinschaft stehenden 'Rassenangehörigen. Die Politik rechnet mit Staatsinteressen, nicht Rasseinteressen. Das Rassebewußtsein ist nicht stark genug, staatliche Gegensätze zu überbrücken. Schlagender Beweis: Weltkrieg. Die ..Arier" waren gegenseitüp mit allen anderen Rassen verbündet, im Kampfe miteinander. selbst germanische Völker. — Norweger, Niederländer, Deutsch-Schlveizer — standen zum Teil innerlich gegen Deutsche. Der Dichter Spitteler, der Maler Hobler protestierten gegen die .Kriegführung in Belgien; der Pangermnnismus ist ad absurdum geführt. Bei den Abstimmungen in den Grenzgebieten — Ostpreußen! — ist die „Stimme des Blutes" nicht entscheidend gewesen. Die I U‘ d e n f'mb eine Gruppe der weißen M i t t e l m e erraffe, der die G e r m a n -e n , Slawen, Kelten als n o r - d i s ch e r, R o m an e u als südlicher Zweig a n g e h ö reu. Bis zum 4. vorchristlichen Jahrhundert haben starke volksfremde Einschläge stattgefunden (negroides Blut, wieder nordische'Zweig mongoloides). Als Gruppe sind die Inden nicht einheitlich, geschweige denn als Raste: Orientalischer, trord afrikanischer, süd-, west-, osteuropäischer Typus mit verschiedenen Merkmalen, die auch anderen Rassen Zukommen: lang- und breitschädlige, Helle und dunkle, krumm- und gradnastge Juden. (Semiten keine Raste, sondern Sprachengemeinschaft.) 811 •. lt Cfoben): „Der Laie pflegt immer von einem einheitlrchen jüdhchen Typus zu reden. Der aber besteht nur in seiner Einbildung und in manchen Büchern, nicht aber in der Wirklichkeit." , Arier, Germenen. Arier (Jndogermanen).find ebenfalls ferne Rasse, sondern Sprachenfaanilie wie Semiten. Die Armenier zum Beispiel sind sprachlich Arier, rassisch den sogenannten Semiten verwandt. Wohin der Rasseusauattsmus führt, Zeigen nachstehende „Blüten": „R a s s e n f o r s ch e r" ü b e r d i e Inden: 1. E h »am b -e r l ai n : „Die jüdische Rasse ist eine durch und durch bastardierte Rasse, welche diesen Biastardcharakter dauernd bewahrt." 2. E. D ü h r i n g : „Die eigentliche Ursache aber — für die Verachtung und Geringschätzung der Judenrasse — ist deren absolute Inferiorität betreffs aller höherwertigen GeistesanlagLn... Ihre ganze lange Geschichte hindurch hüben sie auch nicht in einer Wissenschaft etwas Produziert." Otto H a u s e r : „Dennoch gibt es . . . nichts wi.rklich Hochwertiges unter den Werken, die die Juden im SMne ihrer Wirtsvölker geschaffen haben." „Die Juden haben während der letzten fünfzig Jahre . . . auch nicht einen wirklich bedeutenden Wissenschaftler -der Welt gegeben." „Der Jude Einstein . . . fußt mit seiner Relativitätstheorie auf dein Buche des Nichtjuden Gerber, wie der Nichtjude Gehrke Nachweisen konnte." 3. R eiiflu: „Der Monotheis-, mus ist in Wirklichkeit die Frucht! einer Rasse, die wenig religiöse Bedürfnisse hat, er ist ein Minimum von Religion." C h a m b e r i a i n : „Den Juden, als Materialisten, lag, wie allen Senn len, der Gätzend ieust am nächsten." Rudolf I u n g : „In lvahnwitziger Verblendun g hat der Arier ihm (dem Juden) einen Glauben an einen gütigen Gott im Himmel angedichtet, währe »cd er doch nur einen Götzen verehrt, der in feiner Vernichtungswut ganz zu ihm paßt." 4. E h a m b erl a i n (über den koetor judaieus): „Eine Tatsache, die mir von verschiedenen Seiten gemeldet wird, daß nämlich ganz kleine Kinder, besonders Mädchen, häufig" eineri ausgeprägten Instinkt für Raste ' besitzen. Es kommt nicht selten vor, daß Kinder, die noch keine Ahnung haben, was ein „Jude" ist, noch daß es überhaupt so etwas gibt, zu heulen anheben, sobald ein echter Rassejude oder eine Jüdin in ihre Nähe tritt! . . . Ist das nicht eine t rostreiche Ersahru ng." „R a s s e n f o r s ch e r" über die Deutschen: 4 1. Menschik 0 w: „Die Deutschen gehören Zu den minderwertigen Rasten, im Schädeltypus kommen sie dem Neandertaler gleich." j 2. „D a i l y G r a Ph i c": „Die Deutschen sind Nachahmer ohne Originalität, Ausbeuter fremden Geistes und eine inferiore Rasse, deren gesamte Genies keine Gerrnanen sind ..." l Han 0 taux - ,.Die Deutschen haben alle ihre Kultnrschätze entlehnt; von Goethe würde nichts Originales übrig bleiben, wenn mau das abstrahiert, was er Shakespeare, Voltaire rurd Rousseau -entlehnt hat. Kant hüt das Bleigervicht seiner Bücher ans eine Welt gewälzt, die' dieser Werke nach den Evangelien, nach Plato, nach Descartes nicht bedurfte. Die Deutschen werden wieder nachahmen, nüchfnlschen, rare sie mit allem Schönen bisher getan, das westliche Ersinderknnst ihnen in verschwenderischer Fülle vors Auge gestellt hat." 3. Pl.rul Na r-g u e r i t e: „Dorn Teutscheu liegen religiöse Vorstellungen so fern wie dem Höhlenbären:" „Lia guerre alleman&e et le catkolieisme": „Recht, Moral. Gerechtigkeit, Gesetz, Ideal, Gott. Religion, Christentum — der deutsche Gedanke wiederholt diese g.rnze Fastade, aber diese Worte sind nur ein leeres Symbol des deutschen Ich; diese Fassade verbirgt nm das vergöttlichte deutsche Ich. Der „alte Gott", den Wilhelm II. anrust, ist buchstäblich -das vergöttlichte Deutschland." 4. B e r i l l 0 n („Gazette mell reale de Paris"): „Französische Aerzte bemerkten all den Verwundeten einen höchst unaugenehmen Geruch. Französische Flieger merkten es in sehr großer Höhe mit Geruch, wenn sie deutsche Stellungen überflogeu." „1871 waren die Kasernen, in denen die Truppen gelegen hatten, durch! krön Desinfektionsutittel von dem gleichen Geruch zu befreien." Das deutsche Volk im Lichte d e u t s cher „Ra ss eforf che Vst 1. Der rheinische Separatist Graf v. Schutenburg über die preußische R a f s -e : - „Wir find vom Stamme der Franken, dem vornehmsten und berühmtesten aller Völker des slbendlaudes. Wer sind die Preußens Die Preußen sind in der Mehrzahl Maweu, welche die deutsche Sprache angenommen haben-, tute nwngolischem und litauischem Einschlag. . . . Den Namen „Preußen" haben 'sie einemvergewaltigten litauischen Stamme abgestohlen. Von Rechts wegen müßte dieses Mischvolk, in dem llaZ Nichtdeutfch^ bedeutend überwiegt, Brandenburger, Wenden oder Serben geheißen werden." (Vortrag. Zitiert nach „Rheinische Republik", 1921, Nr. 27.) 2. Der völkische Otto Hauser über die S ü d d e u t s ch e n : „Der Alpine, der sich von Schwaben her über Süddeutschland bis nach Sachsen hinein verbreitet hat, ist . vor allem Geschäftsmann

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.