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Central-Verein-Zeitung · 1924-04-10 · 15 (10.4.1924) · p. Seite 186

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
15 (10.4.1924)
Date
1924-04-10
Page
Seite 186 (sequence 10)
Language
German
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186 Ms -er Hochburg öer völkischen Hewegung. f Wie es in Nürnberg aus sieht ... Völkische Zeitungen und Versam mlun gs red ne r rührnen Nürnberg als die Hochburg ihrer Bewegung. Sie haben beider recht. Schon das Straßenbild zeigt dies. Die bekannte Hitler-Uniform belebt die Verkehrswege. An allen Straßenecken wird die völkische Presse, häufig von Uniformierten, feil geboten. Oeffentliche Ankündigungen, nicht nur politischer, sondern selbst gesellschaftlicher Veranstaltungen treiben mit dem Zusatz „Juden haben keinen Zutritt" dem jüdischen Deutschen, aber auch jedem anderen gerecht Denkenden die Schamröte ins Gesicht. In Versammlungen ausgehetzte Jugend belästigt mit Wort und Tat Personen, die sie mit Recht oder Un reckt für Juden hält. Die Polizei sucht dem entgegenzutreten, ohne alle Ausschreitungen hindern zu können. Der Terror wird vor allem in gegnerischen Veranstaltungen geübt; Versammlungen der Bayerischen Volks- Partei wie der Demokratischen Part ei waren Gegenstand n a t i o n a l s o z i a l i st i s ch e r Sprengungsversuche. Getragen wird die Hetze vor allem von dem Hauptlehrer Julius S t r e i ch e r. In seinem Blatt „Der Stürmer" wie in Versammlungen führt er den Kampf mit vergifteten Waffen. Wegen Beleidigung des Oberbürgermeisters Luppe und des S t a d t r a t s ist er zu einem Monat Gefängnis, wenn auch mit Bewährungsfrist, verurteilt worden. Für Streichers Kampfesweise ist es kennzeichnend, daß er den einer alten protestantischen „arischen" Familie entstammenden Oberbürgermeister, nebenbei bemerkt Bruder eines mit Ludendorsf befreundeten Seeossiziers, dauernd, trotz Belehrung, unter Hinweis auf angeblich vorhandene Rassen Merkmale als Juden bezeichnete; daß er eine Zeugin, die auf seinen Vorhalt ihre christliche und germanische Abstammung dartat, als Bastardin, die eben ihre Herkunft nicht kenne, beschimpfte. All dies hindert aber Streichers Ge firmungs gen offen nicht, ihn als Helden zu feiern. Zu .denjenigen, die seine Verdienste rühmen, hat sich neuerdings auch der Erlanger Professor Dr. Le nt gesellt, öer als Vater der neubogründeten B a y e r i f ch e n n a t i o n a l l i b e r a l e n Landespartei für diese zum bayerischen Landtag kandidiert. Vor wenigen Monaten noch hat er den Antisemitismus von sich gewiesen; die Partei zählte Juden zu ihren Mitgliedern. Nunmehr glaubt' man offenbar, aus andere Weise bessere Wahlgeschnste machen zu können. Die Gruppe, die den Namen der Partei trägt, der L a s k e r und B a m b e r g e r angehört hüben, an deren F ü h - r u n g gerade in N ü r n b e r g. früher Juden tätigsten Anteil nahmen/schließt jüdische Deutsche nunmehr von der Aus - nah m e au s. Einzelne Ortsgruppen haben sich dagegen zu wehren gesucht, so diejenige in Fürth in Bayern; aber selbst in dieser Stadt, die seit urvordenklrchen Zeiten stets ein Bild der Duldsamkeit bot, in deren Gemeindevertretung schon um die Mitte des 18. Jahrhunderts Juden saßen, ist es Lent, wenn auch nach hartem Kamps und mit wenigen Stimmen Mehrheit, gelungen, seiner Stellungnahme zum Siege zu verhelfen. Aber damit nicht genug! Lent scheut sich nicht, sich wahrhaft demagogischer Mittel zu bedienen. t Im Prozeß Streicher war die angebliche Aeußerung eines — christlichen — Stadtrats erörtert worden, es sollten 50 Prozent der Aerzte des Nürnberger städtischen Krankenhauses Juden sein. Daß dieser Stadtrat eine solche Bemerkung unter Eid auf das entschiedenste bestritt, fei nicht unerwähnt. Jedenfalls aber: S e l b st von den Nationalsozialisten konnte nicht behauptet wer den, ein solches Verlangen sei von Juden g e st e l l t Word e n. Trotzdem hat Professor Lent deshalb von Dreistigkeit zu sprechen und die jüdische Gesamtheit zur Rede zu stellen für richtig, gefunden. Unsere Ortsgruppe hat darauf öffentlich zu erkennen gegeben, daß von unserer'Seite niemals ein Anspruch solcher oder ähnlicher Art erhoben wurde; daß die Aufstellung einer wie immer gearteten Prm zentnorm auch unseren Grundsätzen zuwiderlaufen würde, die bei Besetzung öffentlicher Stellen keine andere Rücksicht fordern als Eignung des Bewerbers. Wir wagen nicht zu hoffen, daß diese Erklärung' Herrn Professor Lent zur Richtigstellung veranlassen wird. So wenig, wie die im Prozeß Streicher klargestellte Tatsache, daß unter 3400 Beamten der Stadtgemeinde sieben Juden find, die Behauptung von der Berjudung des Stadtrats und der städtischen Beamtenschaft wird verstummen lassen. In alle Teile des kranken VolkWrpers dringt das Gift. Nicht nur der Judenhaß ist das Symptom. Auch Protestanten und Katholiken sucht man gegeneinander aufzustacheln. Die Versammlungssäle Hallen wider von kulturkämpferischen Reden; auch hierin macht Ludendorsf Schule. Eines der betrüblichsten Zeichen ist es, daß' selbst einige jüngere evangelische Geistliche sich den Predigern des Juden,haffeH anschließen. Große Teile der früher gerecht und freiheitlich denkenden Lehrerschaft folgen darm. Mittelschulen und Volksschulen sind von der Krankheit, ergriffen. Keine Ausnahme rst .es, wenn Mittelschüler die Gemeinschaft mit jüdischen Kameraden, unter Billigung oder doch Duldung der Lehrer, ablehnen. Sie svlEznD ar in. dem Beispiel derer reiferen Alter sä überall sucht man her Deutsche von der Volksgemeinschaft auszuschliehen. ^Voraw^chen W e h r v e r b ä n d e, die sich, trotz dieses ausdrücklichen Beschränkung, als Bünde „der" Frontsoldaten glauben bezeichnen zu können. Aber auch andere Vereinigungen stehen nickt zurück: Schloß gestern eine Schützengesellschaft die Juden aus, fb wird ihnen heute in einem Hausbesitzerverein das Bleiben unmöglich gemacht; Turngemeinden sind so wenig von antisemitischen Quertreibereien verschont wie selbst die Zwangsinnungen der Handwerker, denen selbständige jüdische Handarbeiter sich nicht entziehen könnten, selbst wenn sie es wollten. Trübe x ft das Bild. Nur wenig Lichtblicke bleiben. Dev u n b^ e i n f l u ßb a r e R e ch t l i ch k e i i § f t rt n einiger hohen? Beamter, die bester Ueberlieserung ihres Standes folgen; mutige, zu Frieden und Duldung mahnende Worte, wie früher deA Münchener Kardinalerzbischofs, so jetzt wiederum des Präsidenten der evangelischen Landeskirche Bayerns, D. Ver t.> Aber selbst solche helle Punkte sucht eine übelwollende Presse durch Verschweigen und falsche Darstellung in Schatten zu verdunkeln. Schwer lasten die Verhältnisse auf den Nürnberger jüdischen Bürgern. Doch sie lassen sich nicht Niederdrücken von dieser Bürde: im Bewußtsein ihres guten Rechts tragen flenn sich die Hoffnung aus bessere Zeiten und suchen das Ihre zu tun, um sie herbeisühren zu helfen. Dr. Berlin (Nürnberg). TrügerWe drücken. Eine Französin will, der Versöhnung zu dienen, die Schrift! „Brücken führen über den Rhein, Brücken '— und keine Lafetten" (Drei-Sonnen-Verlag, Leipzig) verfaßt haben. Das verlockende Titelbild — ein Deutscher und ein behelmter Franzose, die! sich die biedere Rechte angesichts der Rheinbrücke reichen — könnte zum Ankauf des Buches verlocken. Schade um jeden! Pfennig! Die Verfasserin ist wohl nie „eine Französin" gewesen, sondern wohl in denen um Hitler, Wulle usw. zu suchen^ wenn der „tiermäßige, jüdische Instinkt" uns nicht täuscht, den sist uns zuspricht. Eine Sammlung bekannter antisemitischer Ladens Hüter elendster Sorte. Oh, rühret nicht daran! Alle Triko/ugen Kauft man am besten befi - Mm. Kau, Leipzigens/r. öl o. Dönhoffplatz ^, 1 Bekannt für gute Waren billige Prefce!\

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