Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 15 (10.4.1924)
- Date
- 1924-04-10
- Page
- Seite 182 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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182 Die Aufgaben unserer Lan-esverbän-e. Der Central-Verein zählt zurzeit zwauzig Landesverbände mit vierzehn Syndikaten, denen r?freii Bezirkssyndikate ungegliedert sind. Bei der Abgrenzung der ' ocsverbände hat man sich durchweg dem Nahmen der bundesstaatlü... beziehungsweise provinziellen Gliederungen des deutschen Vaterlandes eingefügt. Nicht immer ist das zum Vorteil für die- Ceutral-Vereins-^lrbeit gewesen; denn neben Riesenlaudesverbünden, die ihren Aufgaben kau.in gerecht werden können, gibt es Zwergverbände, die nicht nur ansdehnungsfähig, sondern geradezu ausdehnungsbedürftig sind. Vor zehn bis fünfzehn Jahren betrug die Anzahl der Landesverbände zwei bis drei, und in jener Zeit konnte der Central-Verein ohne die Landesverbände seinen Ausgaben durchaus gerecht werden. Heute wäre er ohne Landesverbünde zum Absterben verurteilt; denn ein wesentlicher Teil der Ceütral-Vereins-Arbeit wird von den Landesverbänden geleistet. Von Tag zu Tag wächst ihre Bedeutung, wächst ihr Aufgabenkreis. Welches ist nun dieser Aufgabenkreis? Er erstreckt sich Victd) zwei Richtungen: 1. Das Verhältnis der Landesverbünde zum Hauptvorstande, 2. das Verhältnis der Landesverbände 'zu den Ortsgruppen. Die Landesverbände sind das a u s s ü h r e n d e Organ des H a uP t v o rst a nd es. Sie sind die Vermittler seiner Beschlüsse und geben seine Anordnungen und Wünsche seinen Ortsgruppen weiter. Sie sind gewissermaßen die Botschafter und Gesandten der Zentrale, die mit Verbündeten und Gegnern, mit Freunden und Feinden nie die Fühlung verlieren dürfen. Sie sind die Augen, durch die der Hauptvorstand sieht, die Ohren, durch die er hört, der Mund, durch den er redet. Dieser Bedeutung ihrer Tätigkeit, aber auch der Verantwortung, die sie ihnen auferlegt, werden sich die Landesverbände und ihre führenden Männer stets bewußt sein müssen. Nur hoher Idealismus, Liebe zur Sache, Begeisterung für die schvere, nicht innuer dankbare Ausgabe und ein nimmer müdes Vertiefen in das große Wissensgebiet, das die Betätigung für den Central-Verein voraussetzt, sind Vorbedingung für jegliche Führertätigkeit im Landesverband. Aber aller Idealismus, alle Begeisterung sind vergeblich, wenn die Führer sich nicht auf eine treue und verständnisvolle G e^ o l g s ch a f t stützen können, wenn die Ortsgruppen nicht mit ihnen gehen und die empfangenen Anregungen, Wünsche und Beschlüsse nicht in die Tat umsetzen. An dem hierfür erforderlichen Verständnis, ja oft an dem guten Willen dazu lassen es die Ortsgruppen nicht selten fehlen. Es kann hier nur nachdrücklichst wiederholt werden, was ich vor längerer Zeit schon einmal in der „E V.-Zeitung" zum Ausdruck geb nacht habe. Das, was unseren Gegnern so wesentliche Erfolge verschafft hat, r e st lose Disziplin im I n t e r e s s e d e s Ganzen u n t e r einheitlicher Führung wird bei uns nur selten betätigt. In unseren Reihe n w o l le n m ö g l i ch st viele befehlen und m ö g l i ch st wenige sich u n t e r o r d n e n. Nachlässigkeit, Gleichgültigkeit und häufig ein unheilvolles Besserwissertum sabotieren nicht selten alle Mühen der Führer. Es mangelt oft an Einsicht, an Politischem Einstellungsvermögen und an Opfer- Willigkeit, in ideeller und materieller Hinsicht. Wirkt solche Einstellung schon unter alltäglichen Verhältnissen hemmend und erschwerend, so muß sie'sich ,in der gegenwärtigen, kritischen Zeit, in einer Zeit Politischer Hochspannung gerMrezu katastrophal auswirken. ^'Solche KatastroPhenpotrtik wird aber bedauerlicherweise in nicht wenig Ortsgruppen getrieben. Wie oft müssen die Landesverbände Klage führen, daß Anfragen nicht beantwortet, Anregungen nicht befolgt, Beschlüsse nicht bestätigt werden, ja nicht selten geben die Ortsgruppen überhaupt kein Lebenszeichen von sich. Wie viel Zeit, Mühe und Nervenkraft verzehrt dieser passive Widerstand. Ist es nicht beschämend, daß der Vorsitzende des Hauptvorstandes immer erneut, immer dringlicher in der „C.-V.- Zeitung" den Ruf erheben muß: Erfüllt eure Beitrags- Pflichten! Wie gering sind die Einsicht und der Wille für notwendige Opfer. Wie unendlich viel haben wir in dieser Hinsicht von den Gegnern zu lernen. Es ist mir bekannt, daß für^eine nationalistisch-antisemitische Zeitung, die auch landwirtschaftlichen Organisationen nahesteht, den Mitgliedern dieser Organisation ' eine Getreideumlage auferlegt und auch widerspruchslos geleistet worden ist. Ob das bei uns auch möglich wäre? Man kann sich häufig des Gefühls nicht erwehren: Man will nicht s ehen und hören, man will nicht erkennen. Sonst wäre es kaum möglich, daß in allen Landesverbänden die Klage ertönt: „Unsere Ortsgruppen lassen uns im Stich!" Es wird von den Ortsgruppen zu oft vergessen, daß der Landesverband nicht eine Vortragsorganisation ist, -daß; er den Ortsgruppen Anregungen nicht nur geben, sondern auch solche von ihnen empfangen will und muß, besonders in bewegten Zeiten, in denen jedes, aber auch das unwesentlichste Ereignis von Bedeutung sein kann. Wie viele Ortsgruppen tun in dieser Hinsicht ihre Pflicht?. Presseberichte, Versammlungsvorgänge/Aussprüche von Freund und Feind, Versendung von Aufklärungsmaterial, Veranstaltung von öffentlichen Versammlungen und solchen vor geladenen Kreisen, wie oft sind sie von uns gefordert, wie '.selten ist unserer Forderung Genüge geleistet. Es gibt Ortsgruppen, die seit Jahren keine Mitgliederversammlung abgehalten haben, und andere, die sich noch heute gegen jede Veranstaltung ängstlich wehren, weil sie „unliebsames Aussehen" machen könnte. Nur wenn „Haunibal vor den Toren steht", das heißt, wenn eine antisemitische Versammlung droht, erinnert man sich des Landesverbandes, und dessen Pflichten,'selbst dann nur selten ans die eigenen. Daß solche Verhältnisse u n t r a g b a r u n d u n e r - trag l i ch sind, liegt auf der Hand. Sollen die Landesverbünde leisten, was sie leisten müssen, so bedingt das eine verständnisinnige Mitarbeit und Förderung seitens aller Ortsgruppen. Jede Eigenbrötelei m u ß a u sges ch alte t, das V e r a n t w o r t vt ugsgefühl m u ß gesteig e r t w erde n. Die Ortsgruppen müssen erkennen, daß sie Glieder des großen Ganzen sind und sich dein großen Ganzen einstigen müssen. Sie sollen Träger und Diener des Ganzen sein, sie haben nicht nur R.e ch t e, sondern auch im gleichen Maße Pflichten. Anderseits müssen die Landesverbände Sorge tragen, daß Zwischen ihnen und den Ortsgruppen auch die Grundlage für ein verständnisvolles Zusammenarbeiten geschaffen werde.- Das setzt voraus, daß die Führer des Landesverbandes (nicht nur die Syndici) mit den Ortsgruppen die p e r s ö n l i ch e F ü h l u n g ausrechterhalten. Diesem Zwecke müssen besonders in der Gegenwart, aber nicht, nur in der Gegenwart, rege l m aß i g e Z u s a m m enfünfte dienen. Die Landesverbände können von den Ortsgruppen kein Verantwortungsgefühl fordern, wenn die Ortsgruppen von der Verantwortung ausgeschlossen werden und man sie'an den Sorgen und Mühen, aber auch an den Freuden und Erfolgen nicht teilnehmen läßt. Allster 'den großen D e l e g i e r t e n t a g u n g e n sind gegebenenfalls Bezirksversa m m l n n g e n nach Bedarf zu veranstalten. Es ist weiter unbedingt erforderlich, daß die Führer der Landesverbünde (auch hier nicht nur die Syndici) sich zumindest e i n m a l im I a h r e in jeder Ortsgruppe sehen lassen. Es genügt nicht, daß wir über mangelnden Politischen Wirklichkeitssinn und über mangelndes Einstellungsvermögen klagen, die Landesverbände müssen sich bemühen, sie zu solcher Einstellung durch verständnisvolle Anssprache heranzubilden. Wo i n t e n s i v e A u s k l ü r u n g der nichts ü bischen Bevölkerung durch Zusendung der „C. V.-Zeitung" und sonstigen geeigneten Materials noch nicht vor genommen - wurde, sind die Ortsgruppen nachdrücklichst dazu zuveranlassen. Es ist notwendig, sie auf geeignetes- Material aufmerksam zu machen und ihnen dieses nach' der Eignung für die verschiedenen Berufe und politischen Parteien zu bezeichnen. Sie sind ferner darauf hinIuw-eiftn, daß alles Material nur dann richtig ausaewertet ist, loenn unsere Freunde in den Ortsgruppen sich mit den Empfängern über das Material a u s s p r ech e n. Auch Aussprachen mit Führern aller Parteien und Organisationen sind von Zeit zu Zeit herbeizusühreu. Als überaus erfolgreich haben sich „I nstruktionsk u r s e" für Versammlungsredner über „das völkische Schlagw o r t" erwiesen. Ansklärungsversammlungen und öffentliche Versammlungen werden vor den Wahlen schwer durchzuführen sein, sie müssen nach den Wahlen mit allein Nachdruck durchgesührt werden. Ebenso wird es in der Wahlzeit schwer sein, alle Wünsche zu erfüllen, mit denen die Ortsgruppen an die Landesverbände herantreten. Nie aber darf in den Ortsgruppen das Gefühl auskommen: Der Landesverband hat versagt, er hat uns im Stich gelassen! Die Ortsgruppen sind über ihr Verhalten bei Versammlungen sowie über, die zur Verfügung 'stehenden ReDner rechtzeitig zu benachrichtigen, es hat alles zu geschehen, und >es darf nichts unterlassen werden, was dazu beitragen kann, die innigste Verbindung zwischen Landesverband und Ortsgruppen herzustellen. Nur aus der Ueberzeuguna, daß Landesverbünde und Ortsgruppen au sem-ander angewiesen sind, einer machtlos ohne die Hilfe des anderen anderseits aber stark und Achtung gebietende wenn sie Hand in H a n d arbeiten, kastn erwachsen, w a s w -ir f it -r d e n C. B. u n d s ü r den Be st a n d des de u t is ch- -e n I n d e n t *u m s a l s lege n s r e i ch er H r e b e n. Prediger G o l d m a n n (Herford). Unser Losungswort. Wehren, wie gegen einen Mörder . . . Wer mir den Anspruch auf mein ^deutsches Vaterland bestreitet,, der bestreitet mir das Recht auf meine Gedanken, meine Gefühle, aus die Sprache, die ich rede, aus die Luft, die ich atme. Darum muß ich mich gegen ihn wehren — wie gegen einen Mörder. Gabriel Rieß er. -