Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 15 (10.4.1924)
- Date
- 1924-04-10
- Page
- Seite 181 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Der große Sabbat. Großer Sabbat wurde wohl ursprünglich nur der Sabbat genannt, der auf den Nüsttag des Pesfachsestes fiel. Auch dieses wird ja Sabbat gelrannt. Es war zu befürchten, daß das Fest mit seiner überragenden Bedeutung und feinen weitreichenden Vorbereitungen, wenn es nun anch den Namen Sabbat führte, den eigentlichen Sabbat tn den Schatten stellte. So. nannte man diesen den großen Sabbat. Diese Befürchtung ist ja in unseren Tagen zur Wahrheit geworden. Gar viele, welche das Fest mit seinen stolzeu Erinnerungen und seinen weihevollen Formen' mit Freude und Erhebung feiern, welche sich gern einmal der begeisterten Stimmung hingeben, wollen von der regelmäßigen Feier des Wrltensäbbat nichts wissen. Und doch ist dieser der größere. Alle die heiligen Gedanken des Pessachfestes und noch mehr vermag er in uns zu erwecken. Ist nicht die ewig sich erneuernde Schöpfung, an welche er uns gemahnt, ein größeres Wunder als der Auszug aus Aeghpten? Daß aus Sklaven freie Männer werden, ist am Peffach nur eine historische Erinnerung. Wenn wir aber am Sabbat einer Welt zum Trotze ruhen, zeigen wir nicht dadurch in Wahrheit erst, daß wir frei sind, Herren der Dinge und nicht ihnen untertan? Gibt uns nicht die regelmäßige Feier des Freitagabends im Kreise der Familie noch reicheren religiösen Lebensinhalt als selbst der Sederabend? Stehen die Sabbatlieder in hellem, fröhlich-loehmutigem Klange den Pessachliedern nach? Ist nicht endlich die Haggada nur ein winziger Bruchteil der Thora, deren Studium der Sabbat geweiht ist? Fern fei es von uns, den Wert des heiligen Festes herabzusetzeu. Es ist ein Band der Einheit für ganz Israel, und gar viele der sonst Fernstehenden finden sich hier wieder zu ihrem alten Glauben zurück. Wir wollen aber in dem Festesjubel nicht vergessen, daß die festeste Stütze unseres Judentums doch ist und bleibt der Sabbat, der große Sabbat. JschTikwoh. Die „vermorschte, degenerierte und korrupte Oberschicht". Völkische Brüder über einander. Im Zorn pflegt man aus seiner wahren Gesinnung keine Mördergrube Zu machen: Täglich erleben wir es bei den Wahlreden. Und besonders die Deutschvölkischen Lassen den Scheinwerfer auf die Deutschnationalen spielen. Sie 'müssen ja ihre Brüder am besten kennen. Das „Handbuch für fozia'ldemokrati'schle Wähler 1924" gibt die folgende Rede des S p i tz e n k a n d i d a te n d e r D e u tschvölkischen zu den rnecklenburgischen Landtagswahlen, Hildebrandt, wieder: „Diejenige Schicht unseres Volkes, welche heute, besonders in der Deutschnationalen V o l k s p a -r t e i, in Mecklenburg wieder ans Ruder zu kommen hoffe, sei die Sch ich tder ob e r e n Zehntausend, die sich zusammensetze aus dem Bürgertum, das bisher nicht für notwendig gehalten habe, die ihm entgegengestreckte schwielige Hand des Arbeiters zu ergreifen, aus dem Beamtentum, dem Ofstziersstande, auf dem flachen Lande aus dem Großgrundbesitz, dem mecklenburgischen Adel, der Ritterschaft, die selbst in Schlössern wohne, während die Menschen in menschenunwürdigen Hundehütten hausen müßten und noch wie Sklaven behandelt würden. Er warne die Wählerschaft, dieser Schicht durch die Deutschnationale Volksbartei wieder ans Ruder zu verhelfen, denn diese Schicht sei moralisch und sittlich so vermorscht, so degeneriert und so korrupt, daß es ein Verbrechen am Volte sei, wenn man es wage, die Interessen dieser „Gesellschaft" zu verteidigen. Je eher sie von der Vildslüche verfchloünde, desto besser ..." „Der Lauöbunögeöauke vor öie Partei!" Wenn das Juden gesagt, hätten! In einem Wahlhandbuch lesen wir, daß. der Gesamtvorstand des Reichslandbundes bei |einer Tagung am 25. Februar folgenden Beschluß veröffentlicht hat: ' „Der G.esamLvorstand' des L. R. B. macht es den angeschlossenen ' Verbänden zur Pflicht, bei den kommenden Wahlen das Ver-; fahren einzuschlagen, das die größte Wucht und Geschlossenheit; des Landbundes zur Geltung bringt. Die von den Landbünden j aufgestellten Kandidaten sollen durch Unterschrift sich dahin vers pflichten, daß sie bei ihrer Täti g fett a l s Ä b geordnete mit d mh La n d b u n d in e n g st e x F ü \i) ( u n g bleiben, hei allen Absti m m ü n g e n den Land - h u nd ged an ken vor die P a r te i ste l le n u n d de n . Weisungen des Landbundes folgen." Für uns steht vor der Partei das Vaterland, eine Folgerung, die nicht erst in den letzten Monaten von den Völkischen als neue Wahrheit gefunden zu werden brauchte, sondern der für jeden, der aus deutscher Erde treu seinen Pflichten lebt, seit altersher eine S e l b st Verständlichkeit ist. Das Geschrei der um Schlange-Schön-'.ngen möchten wir einmal gehört haben, rvenn der C. V. ausgosprochen hätte, daß vor die Partei das Judentum zu setzen fei, obwohl schließlich das Judentum, als religiöse Gestaltung, weit mehr bedeuten würde als der letzten Endes doch nur egoistisch zu bewertende Landbundgedanke. „wer pflanzt öie Morömstinkte"! Ein Urteil, das nicht vergessen werde n darf! Zu einer Zeit, wo Deutschtum. Freiheit und Sittlichkeit als n u r den V ö l k i s ch e n gehörige Güter ausgegeben werden, ist es dringend notwendig, die Urteilsbegründung des Staatsgerichts- Hofs zu Leipzig, die am 14. Oktober 1922 vom Senatsprändentw Schmidt bekanntgegeben wurde, der deutschen Oefsentlichteit ins Gedächtnis zu rufen. Sie muß erkennen, wie die Hüter „arischer Tugenden" einzuschützen sind und welche Gefahren für Deutschland aufsteigen, wenn so eingestellte „Tatmenschen" gar den Staat vertreten wollen. In der Begründung des Urteils gegen die Nathmau-Mörder heißt es u. a.: ,.Eines .der fl-uchwürdigsten Verbrechen, das die Geschichte kennt, ist Gegenstand 'der Verhandlung gewesen. Durch feigen Meuchelmord ist eines der wertvollsten Menschenleben ausgelöfch: worden, ein Leben, das gerade zur jetzigen Zeit unserem gequälten armen Vaterlaude von großem Nutzen .gewesen wäre. Der Tod R a t h e n a u s wird zum Teil schuld daran tragen, wenn im kommenden Winter Hunderte und Tausende durch Tod zugrunde gehen, wenn sie hungern, erfrieren. Rathenau wäre' der Mann gew e se n, durch geeignete Vertrüge dieser Not entgegen- Zutreten. Feige Meuchelmörder haben nach allen Regeln der Mordkunst es verstanden, ihn aus dem Wege zu räumen. . . Nur der ungeheuren Empörung über die Tat ist es zu danken, daß nach langer Verfolgung die Mörder gestellt wurden. Sie haben sich ihrer Aburteilung und der wohlverdienten Strafe durch Selbstmord entzogen. Dadurch ist die Tat der Hauptschuldigen gesühnt. Hier bleibt nur die traurige Nachlese, die Bestrafung der jugend- Lichen Gehilfen und Werkzeuge . . . Hintep dm Mördern und Mordgehilfen hebt der fanatische Antisemitismus verantwortungsvoll sein verzerrtes Antlitz empor, der Antisemitismus, für den die Schmähschrift „Die dreihundert Weisen von Zion" ein Beispiel ist, eine Schrift, die die Juden schmäht u n d M o r d i n st i nkte i n d i e unreifen K ö P s e pflanzt. Möge der durch die Verhandlung geklärte Sachmwhalt, sowie die schrecklichen Fo'lgeA des Verbrecheris jedes noch so sehr versteinerte Herz bewegen, möge der. Brief der ehrwürdigen Mutter Rathenaus dazu dienen, die verpestete Luft und die schwüle Atmosphäre zu reinigen und das irr ihnen versinkende und schwerkranke Deutschland der Genesung -entgegensühren Fm neuen Kulturkampf. Der völkische Sturmangriff gegen die Katholiken. Ueberall im völkischen Blütterwalde regt es sich kräftig, was nicht werter verwunderlich ist, gegen „Juda", aber nrehr und mehr tritt daneben der Kcunpf gegen den „11 l t r a tu o n t a n t s m u s" auf. Die „D e u t s ch e Z e i t u n g" hat, wie wir in unserer letzten Nummer berichteten, zwar herausgefunden, daß die Juden diejenigen seien, welche „den neuen Hader" in die deutsche Volksgemeinschaft pflanzten. Da wir aber nicht annehmen können, daß in dem „N rede x sächsischen Hero ld", dessen Kopf ein fettes Hakenkreuz ziert, die Lösen Juden zw Worte kommen, so''scheinen diese nicht die zu sein, welche die „ultramontane" Streittrowpete blasen. Der „Niedersächsische Herold", der in Bremen erscheint, bringt in seiner Nummer vonr 5. April das folgende Eingesandt eines Lesers in Dresden: . . Auch ich weiß ein Lied zu singen von einer von der katholischen Kurie systematisch betriebenen Hetze gegen Deutschland , , . Wer heute zu blind ist und nicht ein sehen will, daß die katholische Kurie im ewigen Rom ein groß Teil Schuld an dem Kriege hat, dem ist nicht zu Helsen, aber hoffentlich ist die Zeit nicht zrr fern, wo auch diesen Blinden die Augen geöffnet werden. Jesuiten und Juden, das sind die wahren Urheber des Weltbrandes, und wenn nicht bald die Rettung kommt, werden diese beiden furchtbaren geheimen Mächte ewig der Krebsschaden aller völkischen Nationen bleiben. Wer heute mit Aufmerksamkeit und klarem Blick den Prozeß gegen Hitler, welcher die größte Schande gegen Deutschland bedeutet, verfolgt, dem wird es nicht entgehen, welche dunklen Mächte ihre Hand dabei im Spiele haben, um Männer wie Ludendorff, Hitler und andere, auf die allein Deutschland seine Hoffnung setzen kann, zu Boden zu schmettern . . Mengen die Völkischen nur so fortfahren, das deutsche Volk weiter mit verantwortungslosen Beschuldigungen gegeneinander zu hetzen. 11m so früher werden sich alle einsichtigen Deutschen von dem völkischen Albdruck befreien.