Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 15 (10.4.1924)
- Date
- 1924-04-10
- Page
- Seite 179 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur Reichstagswahl am 4.MailS24 5 Forderungen des LN. MW -4 Jeder jüdische Deutsche, jede jüdische Deutsche müssen am 4. Mai unbedingt ihre Stimme 14 abgeben. Jede fehlende Stimme stärkt die völkischen Parteien. 2 Jeder jüdische Deutsche, jede jüdische Deutsche müssen dafür sorgen, daß niemand in ihrer Familie, niemand aus ihrem Freundes- und Bekanntenkreise, niemand aus ihren Vereinen der Wahlurne fernbleibt. Jede fehlende Stimme stärkt die völkischen Parteien. S| JederjüdischeNeutsche,jedejüdischeDeutsche müssen dieAufkiärungSschriftendesC.V.kennen, sie besitzen und sie benutzen, damit sie jederzeit der gewaltigen völkischen Propaganda durch mündliche Aufklärung und durch Weitergabe der Schriften erfolgreich entgegentreten können. A Jeder jüdische Deutsche, jede jüdische Deutsche müssen unbedingt und sofort dem Wahlfonds des C V: einen namhaften Betrag zuführen. Zahlstellen sind bei den Landesverbänden und Ortsgruppen. Groß-Berliner und Brandenburger Mitglieder zahlen auf Postscheckkonto Berlin 445 501, auf Dresdner Dank, Berlin SW 68, Lindenstraße 2, Wechselstube ü, oder an das Bureau, Berlin SW 63, Lindenstraße 13. & Leder jüdische Deutsche, jede jüdische Deutsche haben die Verpflichtung, auch für den ^4 Wahlfonds ihrer Partei einzutreten. Centralverein deutscher Staatsbürger jüd. Glaubens werfen, die im Heiligen Vater nichts anderes sehen und verehren, als das Oberhaupt der Kirche in religiösen Fragen. Hat er das Recht, Unehrlichkeit, Anschmiegung an Feindliches gu Erwerbszwecken, Habsucht, im Volksinteresse zu bekämpfen, so ist es empörend ungerecht, als mit allen diesen schlechten Eigenschaften behaftet allgemein die Juden zu verdammen. Wie will der General noch ehrlichen Herzens in den Augen der jüdischen Eltern dastehen, die ihre Söhne begeistert ms Feld ziehen ließen und unter Ludendorffs Oberbefehl für die deutsche Sache durch feindliche Kugel verloren? Wie will er anderen gerecht werden, die mit Ausbietung aller Kräfte um die Ehrlichkeit des anständigen Kaufmanns, die Achtung vor dem mit dem deutschen Volke seit Generationen verwachsenen deutschen Judentum kämpfen? Der General hat von seinen Richtern objektive Würdigung des Einzelfalles erwarten dürfen und verlangt. Sich selbst, hat er nicht mit gleichem Maße gemessen und Tausende damit schwer verletzt, aufs tiefste gekränkt und erbittert. Es ist über ein Jahrhundert her, als Fichte schrieb: es sei säst unbegreiflich, welche Achtung für die Menschheit,- welche Kraft die Philosophie Kants für ein Zeitalter predige, „in welchem die Moral in ihren Grundfesten zerstört und., der Begriff der Pflicht in allen Wörterbüchern durchstrichen war". Hierbei sei nicht unerwähnt, daß in einer von Mila Radakovic (Jena 1921) erschienenen philosophischen Schrift unter dem Titel „Religiöse Strömungen" der Verfasser auf die gewaltige moralische Energie verweist, die der jüdischen Rasse eigen ist, und ihre Leidenschaft für Gerechtigkeit und die Märke und Tiefe, mit der sie ethische und religiöse Dinge erfasse. „Ist doch die Einführung des: Du sollst! in den Jdeenkreis der Völker) der Jmperrtiv der Pflicht — ein Erbe aus dem Alten Testament. Zur Moral gehört die Achtung vor jedem guten Streben, ein verallgemeinernder Antikatholizismus, der Antisemitismus ist Moralisch nicht zu halten. Zum Begriff der Pflicht aber gehört es für jeden, der anderen ein Führer sein will, zu prüfen, was er und fern T u n über and -e re v e r h äugt. Auch darin hat der Prozeß Lehren gebracht. Allein, es ist noch gar nicht genügend Allgemeingut, daß dieser Putsch, wenn er trotz seiner innerlichen gänzlichen Schwäche auch nur zu einem kürzen Scheinregiment geführt hätte, dem deutschen Volke die schwersten Bedrückungen von West und Ost gebracht haben würde. Die französischtschechische Militärkonvention sollte dies genügend beweisen. Der Geschlossenheit des deutschen Volkes haben die Münchener Angeklagten einen traurigen, kümmerlichen Dienst erwiesen. Sammlung unter antisemitischen Schlagworten ist wegen der darin liegenden -ungeheuerlichen Ungerechtigkeit keine Basis für ein Volk, das um Gerechtigkeit "innen und außen zu ringen hat. Und so bleibt nur zu wünschen, daß der Ruf des Reichskanzlers Marx bei denen, die sich nicht blenden lassen wollen, durchdringt: Stellt Gehässigkeit und "Unfrieden im Innern ein, schließt die Reihen aller ehrlichen deutschen Staatsbürger, wes Glaubens sie auch sind, zur Abwehr gegen außen. Um dies zu erreichen, seid einig im Innern! Welches ist aber die besondere Aufgabe Israels in dieser schweren Zeit? Daß wir nicht nur durch Wort und Schrift, sondern vor allem durch die ständige Tat der Welt beweisen, daß unsere Vorfahren nicht vergeblichihre Emanzipation erkämpft haben und daß wir würdig sind, das von ihnen in Jahrhunderte langen Kämpfen gegen Mißgunst und Vorurteil Erstrittene auch mannhaft gegen alle neuen Feinde zu behaupten. Darum sei allen Glaubensbrüdern, die im Kampfe zu erlahmen drohen, zugerufen: Harre des Herrn, sei stark und unverzagt in deinem Herzen und harre des Herrn (Psalm 27? Vers 14); denn feit Jahrtausenden hat sich das Wort des Jesajas bewährt: „Israel ist durch den Herrn gerettet zu ewigem Heil, ihr sollt nicht mehr zu Schanden noch beschämt werden in alle Ewigkeit." (Jesajas, Kapitel 45, Vers 17.)