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Wissen und Waffen · 1924-03-27 · 1 (27.3.1924) · p. Seite 3

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Journal
Wissen und Waffen
Volume
[1. Folge] (1924)
Issue
1 (27.3.1924)
Date
1924-03-27
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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die »weifen von Zion^. Die Geschichte des AufLauchens und der Entstehung der „Weisen von Zion" wird in folgendem dargelegt: Grundlagen sind „Die Geheimnisse der Weisen von Zion", herausgegeLen von Gottfried zur Beeck. Nach den „Verhandlungsberichken" sollten in 24 (!) Geheimsitzungen einschließlich des dreitägigen (!) ersten Zionistenkongresses in Basel 1897 die Mittel und Wege erwogen worden sein, um den Juden nicht nur die wirtschaftliche, sondern auch die politische Macht und damit die Weltherrschaft zu verschaffen und diese dazu zu benutzen, um das Christentum und andere Formen des Gottesglaubens zu vernichten und den mosaischetalnmdischen Glauben zur Weltreligion zu erheben. Es gibt nur zwei russische Ausgaben der „Geheimnisse" oder „Protokolle" von 1905 und 1917. Der Herausgeber der deutschen Uebersetzung Gottfried zur Beeck erbringt aus Seite 31 der Vorbemerkungen den ersten zwingenden Beweis dafür, daß die „Geheimnisse" ein Fülscherwerk sind. Er gibt dort Auszüge aus einer Schrift: „Ein Rabbiner über die G o j i m" wieder, die der jung tschechische Abgeordnete BreznowsÄ im Jahre 1901 zum Gegenstand einer Interpellation im damaligen österreichischen Reichsrat gemacht hatte, und er bemerkt dazu, die Auszüge aus dieser Schrift ließen ,„d a r a u s schließ e n, daß ihr Verfasser an den Sitzungen der Weisen von Zion im August 1897 teilgenonrmen oder den Inhalt ihrer Berichte gekannt ha t". Diese Uebereinstimmungen erklären sich dadurch, daß die Schrift: „Ein Rabbiner über die Gojim" eine antisemitische F ä l s ch u n g ist, die gleich einer Reihe anderer^ihnlicher Fälschungen aus dem Kapitel „Aus dem Judenkirchhof in Prag" des Schundromans „Biarritz" entnommen ist. der den einstigen aus dem Waldeck-Prozeß unrühmlich bekanntgeloordenen Kreuzzeitungsredakteur Wilhelm Goedsche zum Verfasser hat und der zu Ende der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts unter dessen Pseudonym „John Retclisfe" in Berlin erschienen ist. Aus demselben- Kapitel des Goedscheschen Schiundromans hat auch ocr bekannte deutsche Antisemitenführer Theodor Fritsch die sogenannte „G r o ß r a b b i n e r r e d e" zusammengefälscht und sie im Jahre 1891 in der damals von ihm herausgegebenen „Antisemitischen Korrespondenz" veröffentlicht. Diese ist ohne Heden Zweifel auch von den Verfertigern der „Geheimnisse der Weisen von Zion" benutzt worden, die daraus die Stellen über die jüdische Wettherrschast, Presse, Untergrabung der -christlichen Religion, Entrignung des christlichen Grundbesitzes usw. entnommen haben. .Die H a u p t q u e l l e d e r Schwind e l b e r i ch t e wurde 1921 durch einen südrussischen Gewährsmann des Koustantiuopeler Korrespondenten der „Times" in einer im Jahre 1865 in Brüssel veröffentlichten- und gegen Napoleon III. gerichteten Schrift eines Pariser Advokaten und Schriftstellers Maurice Jo ly: „Dialog in der Unterwelt Zwischen Macchiavel und Montesquieu" entdeckt. Der Südrusse, der die französische Uebersetzun-gi der „Geheimnisse" oder der „Protokolle" .gelesen hatte, erwarb von einem ehemaligen Offizier der Ochrana (russischen Geheimpolizei) -ein Exemplar deL Jolyschen Buches, und er fand eine große Zahl von Ueberein-stimlnungen zwischen beiden Schriften die einander fast immer in derselben Reihe folgten. Die Schrift Jolys hat nicht das geringste mit dem Antisemitismus zu Lun; tu keiner Zeile ist darin überhaupt von den Juden die Rede. Joly bekämpft in ihr Napoleon III. als Despoten und gelehrigen Schüler Macchiavellis, der die Unterdrückung des Volkes und die Weltherrschast erstrebe. An mehr als hundert Stellen befinden sich genaue Uebereinstimmungen-, darunter Absätze von 20 Zeilen und darüber, zwischen beiden Schriften. Der Plagiator hat -einfach viele Stellen der Jolyschen Schrift, in denen die Pläne Napoleons III. zur Knebelung der Presse, zur Unterdrückung der Volksfreiheit, zur Erringung der Weltherrschast usw. bekämpft wurden, wörtlich in die „Protokolle" oder „Geheimnisse" he rüber genommen, und zwar in der Weise^ daß er stets an die Stelle Napoleons die Juden setzte und so die entsprechenden verderblichen Pläne der Juden auf Erringung der Weltherrschast usw. konstruierte. Nach den Enthüllungen der „Times" sind drei weitere russische Quellen der Schlvindelberichte entdeckt worden: 1. Die „moskowitische n Stud ien" Pobjedon o s z e w s , des bekannten Oberprokurators des hl. Synod, die ebenfalls in macchiavellistischem Geist gehalten -sind. 2. Das in den Berichten über die letzten „sechs Sitzungen" der „Weisen von Zion" entwickelte „Finanz- und Steuersystem" (Weltgeld, Abschaffung der Staatsanleihen, der Effektenbörse usw.) entstammt russischen Flugblättern, mit denen ein russischer Revolverjournalist Ende der 90er Iahte den Finanzminister Grasen Witte bekämpfte, bis er durch Geld zum Schweigen gebracht wurde. 3. An einer stelle der „Geheimnisse" befindet sich ein Satz, Der fast wörtlich aus einer 1903 erschienenen russischen Broschüre abgeschrieben ist. Daraus ist also zu schließen, daß die als „Protokolle" von Geheimsitzungen des ersten Baseler Zionistenkongresses vom Jahre 1897 bezeichneten „Geheimnisse" n i ch t v o r de m I a h r e 1903 zustan de gekommen sind! Man kann ännehmen, daß die Fälschung in Paris angefertigt worden ist. Mehrere Mitglieder der berüchtigtem Ochvana (der russischen Geheimpolizei) sind wohl 1897 nach Basel zur Bespitzelung des ersten ZionistenkongresseZ entsandt worden. Diese haben einen recht phantastisch ausgemachten Bericht angefertigt, um vor allem den im Jahre vorher zur Regierung gekommenen Zaren Nikolaus ET. in antisemitischem Sinne zu beeinflussen. Auf Grund dieses Spitzelberichtes hat der damalige Leiter der auswärtigen Angelegenheiten, Graf Lamsdorff, einen Bericht an den Zaren verfaßt, in dem er die schärfsten Maßnahmen gegen die Juden forderte, und er hatte den Erfolg, daß der Zar uygesäumt diesem Verlangen entsprach. Höchstwahrscheinlich hat auch dieser Spitzelbericht dem Verfertiger der Schwindelberichte Vorgelegen. Aus verschiedenen Bemerkungen, die eine Prinzessin Radziwill in der amerikanischen Presse und der ehemalige französische Botschafter in Petersburg Paleologue in der „Revue de deux mondes" (15. Dezember 1921) gemacht, haben, scheinen die Hauptzbeteiligten an der Zusammenkoppelung der unsinnigen Schwindelberichte zwei übelberüchtigte russische Individuen Ratschkowsky und M a u a f s i e w i t s ch M a n u i l o w gewesen gn fein, die mit der russischen Geheimpolizei in Verbindung standen. Namentlich über 'den letzteren macht Paleologue sehr bestimmte Angaben.; Daß die „Weisen von Zion" mit dem ersten Zionistenkongreß in Basel (1897) nichts zu tun haben, geht ja schon zur Genüge daraus hervor, daß die letzte zu der Fälschung benutzte Schrift aus deck Jahre 1903 stammt^ Schon vor dieser wichtigen Ermittelung stand aber fest, daß die Schwindelberichte erst nach dem ersten Zionrsteukongreß zu Basel (August 1897) zustande gekommen fein können. Denn es wird in ihnen Bezug genommen auf einen Erlaß des französischen Ministers Bourgeois vom 20. September 1898. Ferner ist in den „Geheimnissen" von der Beteiligung eines Präsidenten der französischen Republik an der Panama-As sä r e die Rede. Dabei kann es sich aber nur um den Präsidenten Loubet handeln, der erst im Februar 1899 als Nachfolger Felix Faures zum Präsidenten gewählt wurde. Das Wichtigste aber ist, daß in der allerersten, in Rußland durch den „Privatgelehrten" S. Nilus im Jahre 190 5 veranstaltetem Ausgabe der „Geheimnisse" oder „Protokolle" auch nicht die a l l e r e n t f e r n t e st e B e z u g n a h m e a u s den im Jahre 18 9 7 a b g e h a l t e n e n ersten Baseler Zionistenkongreßzu entdecken i st. Diese erste Ausgabe -trägt den Titel „Die Protokolle der Aeltesteu von Zion" und wird als die Z u - >s a m m e n f a s f u n> g in Frankreich (P a r i s) (!) a b «g e -hal - teuer Verhandlungen einer jüdischen Organisation aus gegeben! Von der Ausgabe aus dem Jahre 1905 sind nur noch wenige Exemplare vorhanden; eines davon befindet sich im britischen Museum zu London. Als nach der zweiten russischen Revolution des Jahres 1917 die „weißen" Generale die Gegenrevolution in Szene setzten, wurde die Weite russische Ausgabe der „Protokolle" veranstaltet und mit ihrer Hilfe die schrecklichen Pogrome der Jahre 1919/20 in Szene gefetzt. Erst diese Ausgabe wurde mit dem 1897 in Basel abgehaltenen erste n Zionistenkongreß i n V e r b i n d u n g gebracht und die „Protokolle" als Berichte über 24 Geheimsitzungen der vereinigten Zionisten und Freimaurer ausgegeben. Aus den Kreisen des „weißen" General Demetrius wurden die „Geheimnisse" nach Berlin gebracht, und hier alsbald vom Verlag „Auf Vorposten" in deutscher Uebersetzung .herausgegeben. Sie wurden dann auch in andere Sprachen übersetzt und traten so ihren Siegeszug durch die Mklt an. ' ' - Als durch die Veröffentlichung der „Times" die Hauptquelle der Fälschung, das Buch von Joly, bekannt geworden war, suchten sich die Vertrauten des Schreibers damit zu retten, daß sie schlankweg behaupteten, Maurice Joly sei Jude gewesen und habe ursprünglich Moses Joel geheißen. Später hieß es, es feien „Richtlinien", die der bekannte zionistische Schriftsteller Achad Haam (Ascher. Ginsburg) zum Vortrage auf dem ersten Zionistenkongreß verfaßt hätte. Wie -absurd eine solche Behauptung ist, kann man schon daraus ersehen, daß Giusburg für die „Richtlinien" dann eine Schrift seines Todfeindes Pob-jedonoszews kompiliert haben mühte. Als Ginsburg den Grafen- Reventlow wegen dieser wahrheitswidrigen Behauptung verklagt hatte, nahm dieser seine Behauptung zurück, Herr Müller v. Hausen aber bleibt dabei, daß nach seiner „Ueberzeugung" Gms* bürg der Verfasser sei. \\ Heber die Protokolle haben sich hervorragende nichtjüdische Gelehrte vollkommen ablehnend geäußert. ' Der politisch rechtsstehende Göttinger Professor Ulrich Kahrstedt erklärt nach der Lektüre, daß hier (bei dem Sprengen der Tunnel) die Zuständigkeit des Historikers aufhöre und die des- Psychiaters beginne. Der verstorbene deutschnationale Geheimrat Professor Dr. Strack widmet den „Weisen von Zion" einen Teil der Broschüre „Jüdische Geheimgesetze" und gelangt nach streng wissenschaftlicher Prüfung zur Erkenntnis der Fälschung. In den volksparteilichen „Deutschen Stimmen" schreibt Rudolf Schneider nach eingehender Behandlung des Machwerkes: „Man bekommt den Eindruck, daß diese „Sitzungsberichte" von einem Geisteskranken versaßt sind, und zwar von einem sehr/ungebildeten Geisteskranken, der vorher seinen Stil an der Lektürewon Kriminalgeschichten und der Offenbarung Johannis geschult', ***nij

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