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Wissen und Waffen · 1924-03-27 · 1 (27.3.1924) · p. Seite 4

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Journal
Wissen und Waffen
Volume
[1. Folge] (1924)
Issue
1 (27.3.1924)
Date
1924-03-27
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Ist -er Iu-e national l kl) A»1 s Soldat. An den Befreiungskriegen, eben aus dem Ghetto entlassen, haben 661 Freiwillige, das sind 15% v. H. der damaligen wehrfähigen Juden, teilgerwnrmeu. — 1866 waren 1100, 1870/71 7000 Juden ausmarschiert. Im Jahre 1914 betrug die Anzahl der Juden im Deutschen Reiche 6 2 0 O O 0 Seelen. Davon waren etwa 6 6 O 0 0 Reichsfremde, so daß als Grundmasse 655 000 deutsche Juden zu betrachten 'sind. Diese 5 5 5 0 0 0 deutsche Jude n haben etwa 96 000 deutsche Soldaten gestellt, mit anderen Worten: 17,30 Prozent aller deutschen Juden, oder jeder sechste deutsche Jude hat am Kriege teilte n o m me n. Vier Fünftel aller Jüdischen Feldzugteilnehmer waren in der Gefahrenzone. 12 000 jüdische Kriegsteilnehmer sind gefallen. 85 000 sind kriegsdekoriert. 23 000 befördert, darunter wehr als 2000 zu Offizieren. Zirka 12 Prozent aller jüdischen Kriegsteilnehmer waren Kriegsfreiwillige. Verlustz ah len einiger j ü d i fi ch e n G e m c i n d e n : Aus. der Gemeinde D or tmun d S t a d t waren 3 8 8 jüdische Soldaten in der Front gewesen, davon sind 7 0 den Heldentod g e st o r b e n, d. h. 18 Prozent aller Frontkämpfer, wobei jene unberücksichtigt geblieben sind, die nachweislich in Lazaretten einer Krankheit erlegen find. 9 9 jüdische Soldaten wurden verwundet, oder 31,73 Prozent, von diesen 13 Soldaten zweimal, 5 Soldaten dreimal, 3 Soldaten viermal, einer sogar fünfmal. Lübeck. Die Anzahl der in Lübeck ansässigen Juden betrug 1914 sechshundert. Davon nahmen am Kriege 106 Juden teil. 1 7 davon sind vor den: Feinde gefallen, 2 find an der Froul gestorben, 36 Teilnehmer wurden der w undet, 28 haben Kriegsauszeichnungen erhalten. G'log au hat 16 gefallene Soldaten von 15 0 jüdischen Familien zu beklagen, zirka 7 0 jüdische Front s okbaten vom Gemeinen bis zunk Offizier der Glogauer Gemeinde waren im Felde. D ü s s e l d o r f. 13 1 jüdische Helden sind gefallen (s. Kriegsgedenkbuch des R. j.F. Ortsgruppe Düsseldorf). I u d e n i m K o l o n i a l k r i e g e: 16 jüdische Deutsche standen unter Lettow-Vorbecks Befehl. Vier fielen. Angelegenh e i t D i e t r i ch E ck a r d : 1000 Mark Belohnung setzte bcr deutschvölkische Führer Eckard für den Nachweis der jüdischen Mutter aus, die drei Söhne drei Wochen lang gleichzeitig im Schützengraben hatte. Er wurde vom Landgericht München zur Zahlung verurteilt, da Rabbiner Dr. Freund (Hannover) dem Gerichte eine beglaubigte Liste von 60 jüdischen Familien vorlegen konnte, die z. T. nicht nur drei> sondern acht, sieben, sechs, fünf, vier Söhne gleichzeitig in der Geifechtslinie hatten. (Nach Angaben des R. j. F.) b Als „H et mkrie ger" im guten Sinne des Wortes. Jüdische Chemiker — Haber, Neuberg, C a r o , Frank, Willst ä t t e r — haben durch ihre wissenschaftliche Arbeit die Munitions- und landwirtschaftliche Erzeugung vor dem Versiegen bewahrt. R a t h e n a u hat der Heeresverwaltung die Rohstoffe gesichert. e) Auch Juden haben dem nationalen Unglück ihren Tribut gezollt. Albert Ballin wollte den Zusammenbruch nicht überleben und starb gebrochenen Herzens. Dasselbe tat der Jurist Adolf Meißler in Halle. Aus seinem Wschiedsbriese: „Ich kann das Leben nicht länger ertragen. Seid überzeugt, mich hat kein anderer Grund getrreben als die Trauer über die tiefe Schmach unseres Volkes, durchaus kein anderer. Es ist besser, gestor'ben zu sein, als zu leben. Ihr Kinder könnt noch bessere Tage erleben, wir Alten nicht. Ich kann nicht anders, Gott helfe mpH" Der Münchener Student Maximilian S p a e t h wurde von seinen besten'Freunden wegen-seines Judentums boykottiert. Er griff zum Revolver. Aus seinem Testament: „So bleibt für mich nur das eine: Durch meinen Tod anerkannt zu wissen, daß ein Deutscher jüdischer Geburt/ der sein ganzes Leben nur den hohen Idealen hohen Menschen- und Volkstums nachgeskrebt zu haben glaubt, trotz aller seiner Laster und Fehler, auch ein Mensch von Anstand und Ehre sein kann. Es ist mein glühendster Wunsch, den ich mit ins Grab nehmen will, daß Deutschland und sein armes verblendetes Volk eines Tages frei von allen Binden, die ihm jetzt die Sehkraft seiner Augen verhüllen, aufs neue und f&r immer zu Macht und Blüte gelangen mögen, besser an Art wie die vergangene, unvergänglicher an Dauer und Wbrt." ä) Im Kampfe um das bedrängte deutsche Volkstum rief der Aufruf des C. V. die deutschen Juden zur Abstimmung in O bersch l e s i e n : Die Entscheidungsstunde für Oberschlesien naht. Mit einer heiligen Zuversicht erwarten sämtliche Deutsche Oberschlesiens einschließlich der deutschen Juden, daß ein jeder außerhalb Oberschlesiens lebende Oberschlesier unbedingt an der Abstimmung teilnimmt und durch seine persönliche Stimmabgabe mithilst, Oberschlesien, dieses Herzstück Deutschlands, dem Vaterland zu erhalten. — Wir ersuchen daher, in allen Versammlungen unserer Ortsgruppen, unsere Mitglieder darauf hinzuweisen, daß sie, sofern sie in OberMesien gebürtig find, ohne jedes Wenn und Aber sich zur Abstimmung zu begeben halben, und daß sie weiter im Kreise ihrer Freunde und Bekannten für eine geschlossene Teilnahme an der Abstimmung wirken müssen. Wir erwarten von unseren Freunden, daß sie diese Angelegenheit mit dem Ernste und der Entschlossenheit betreiben werden, die sie im vaterländischen Interesse verdient. - CentrallVerein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens Justizrat Dr. I. Brodnitz, 1. Vorsitzender. LandgerichtZjrat Er n st, Vorsitzender der Verbände heimaLtrouev Oberschlesier, schrieb über die Beteiligung der Juden an einen bekannten'Antisemiten: „Mehr als 99 Prozent der ober schlesischen Juden widersetzen sich dem Anschluß an Polen, und es steht fest, daß wir die feste Unterstützung nach Aussage unserer Kreisgrufendorstande gerade seitens der Juden erfahren, während andere Kreise, die sich sonst gern als national bezeichnen, sich ängstlich zurüclhakten. Darum kann ans die Mitarbeit der Juden aus keinen Falt verzichtet werden." Auch in Amerika sind die Inden stets für das Deutschtum eingetreten. Das beweist ein öffentlicher Protest des Professors E. v. Mach (Chicago) gegen den Antisemitismus in Deutschland. „ . . . Wer verkroch sich hier im Lande, als van 1914 bis zum Karfreitag 1917 mutiges- Auftreten für die Wahrheit und die Gerechtigkeit der deutschen Sache bei den Freunden in Amerika hätte werben können? . . . der Hand-voll von mutigen Männern -und Frauen, die allen zmck Trotz der Wahrheit die Ehre gaben, fanden wir ebenso viele deutsch/ Juden wie deutsche Christen. Lebende will ich gar nicht nennen. Aber ohne Furcht vor Widerspruch kann ich es in die Welt ausrufen, daß es in den schweren Zeiten keinen deutschen Mann im vollsten ehrenhaften Sinn des Wortes hier gab, als den verstorbenen Professor. H u g o M ü n st e r b erg. . ." c>) Als Politiker in Vergangenheit und Gegenwart. Führer im Kampfe um die nationale Einigung waren L a s k e r , B a m b e r g e r und E. v. S i m s o n. Letzterer der 1. Präsident des Deutschen Reichstages uüd vordem Präsident der Nationalversarmnlung in Frankfurt a. M. lieber ihn urteilt der Geschichtsschreiber H. v. Sybel: „Das Präsidium in der Paulskirche wurde dem Königsberger Professor E. Simson übertragen, einem Manne von jüdischem Blut, aber deutschem Geist und Herzen, einem warmen Patrioten und scharfsinnigen Politiker." f) Schon in grauer Vorzeit waren Judenin Deutschland ansässig. Im Mittelalter war ihre Sprache deutsch, ihre Gebräuche näherten sich immer mehr denen der deutschen Umgebung, bis mit den Kreuzzügen der Rückschlag erfolgte. Ergehn i s. Zu allen Zeiten haben die Juden ihren nationalen Willen bekundet. Sie haben nicht nur für Deutschlands Ehre und Größe geblutet, sondern auch auf allen Gebieten der deutschen Kultur Unvergängliches geleistet zum Ruhm des deutschen Namens und als Ri eh rer der deutschen Kulturgüter. Ms -em jüöischen Schrifttum -es Mittelalters Die blutigen Verfolgungen, die die Juden im Mittelalter erdulden mußten, sind "bekannt. Aber bei allem Haß, der sich gegen sie entlud, bewährten sie ihren philosophisch-religiösen Gleichmut und maßen das Tun ihrer Mitwelt mit der Gerechtigkeit, die sie ihre Schriften lehrten, nach der Gesinnung, die ihm zugrunde lag. Wir geben die folgenden Stellen hier wieder, die gleichzeitig den wahren Geist der „Schacherreligion" beweisen. „D'e Göttlichkeit der Gebote bezeugt inan nicht mit Zierlichkeit der Worte, Ausziehen der Augenbrauen und Verdrehen der Augäpfel, mit vielen: Flehen und Beten, mit Bewegungen und Reden, denen. doch keine Tat.nachfolgt, sondern mit reinen Gesinnungen, deren Bekundung Handlnngen sind, die ihrer Natur nach dem Menschen schwerfallen, aber doch mit der größten Sehnsucht und Liebe geübt werden." (Jehuda ha-Levi: Kusari, 11-, 56.) Das göttliche Gesetz hat mannigfache Vorzüge vor dem Staatsgesetz: So bezweckt das menschliche Gesetz in erster Reihe das Wohl der m e n s chlichen G e s e l l s ch a f t, aber nicht die Veredelung der Gesinnung des einzelnen. Das beste Staaksgefetz braucht noch nicht zur Unsterblichkeit der Seel e -beizutragen, denn es fordert nur die rechtliche Tat und verbietet das llmedjt, ohne sich um die Gesinnung zu kümmern. Hingegen bezweckt das göttliche Gesetz auch alles, was das Staatsrecht fordert, legt aber das Hauptgewicht auf die gute Gesinnung,. Gut und schlecht im Sinne der Religion heißt nicht gut' und schlecht handeln, sondern gute und schlechte Gesinnung. Ebenso bezieht sich wahr und falsch im Sinne der Religion auf, die wahre und fälsche Gesinnung. (Joseph Albo: Jkkarin (Grundlehren) I. 8.) Frömmigkeit ist nur Sache des Herzens, der Gesinnung und der Gedanken. (Bachja, Herzen spslichten VIII, S. 357). Mjan must das Wahre und das Richtige von jedem Menschen annehmen, sei er. auch ein geringer, und gehöre er auch einem anderen Volke an. (Jacob b. Abbemari: Malhad ha-tälmidim 72 Ir.) Die Demut erfordert Unrecht leiden ohne Wiedervergeltung, den Zorn bändigen und mit dem N ä ch st e n in Frieden leben. Solches Betragen bezeuge man auch gegen den Nichtjuden. (Jechiel b. Jekutiel aus Rom, S. 29s.) Es gibt noch fünf Dinge, die verursachen, daß die Umkehr nicht vollkommen sein kannsie betreffen Sünden, die gegen Menschen lbegangen sind, ohne daß der Sünder weiß, wen er um Verzeihung bitten soll. In solcher Lage befindet sich einer, der eine Gesamtheit lästert, ohne emen einzelnen zu nennen, so daß er nicht imstande ist, jeden Beleidigten um Verzeihung zu bitten. (Maimvnides: Mischne tho-va hilchot Teschuba (Rückkehr zu Gott) IV, 3.) Und vieles andere mehr.

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