Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 13 (27.3.1924)
- Date
- 1924-03-27
- Page
- Seite 147 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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•147 Mein Hamburg lob' ich mir. Don unserem Hamburger Korrespondenten. i Es ist jetzt ein Lustrum vergangen seit jenem denkwürdigen Abend, wo im Co-nventgaDten, Hamburgs vornehmster KunstsWde, ein Publikum von ausgesuchten Literatursveunden durch hakeukreuZlvrischen Terror gezwungen wurde, den Saal zu räumen, während auf das Podium, wo Alexander M o i s s i (diesmal wirklich ein Hel d) höhnisch lächelnd ausharrte, Stühle von der Galerie geschleudert wurden. Unter Schmährufen auf die Juden führten sie ihr Arsenal, von der Trillerpfeife bis zur Stinkbombe, vor. Das war vor fünf Jahren. In diesem März legten teutsche Jünglinge in der Aufklärungsversammlung des Central-Vereins, mit .Professor Nölting als Redner, Tränenbomben (ohne daß die Versammlungssprengung dadurch geglückt wäre), weil „Bernhard das 'letztenral Zu solchen Störungen geradezu herausgefordert hätte". So die „Hamburger Nachrichten", das einst so „vornehme" Bismarck- Blatt! — Und dennoch: Mein Hamburg lob' ich mir. Man liest häufig von den sauberen Verhältnissen im „Musterländle" Baden, von der republikanischen Ordnung in Württemberg, das trotz der ungemütlichen Nachbarschaft Kahriens, trotz seines neuen Mitbürgers Alfred Roth, Führer des abgebauten Schutz- und Trutzbundes, die Hakenkreuzler nicht übermütig werden läßt. Aber auch Hamburg gehört hierher. Seitdem sich die junge deutsche Republik einmal, nach dem Rathenau-Mord, aus ihre Lebensnotwendigkeiten besonnen hat, ist bei uns, in der zweitgrößten Stadt des Reiches, an den Zuständen in Berlin, München, Dresden, Nürnberg und anderen Großstädten gemessen, der Hakenkreuzzauber so gut wie z e r st o b e n. Gewiß: in der Zweimillionenstadt gibt es auch einige zehntausend „Völkische", und die Wahlagitation wird auch sie lebendig machen; aber in den letzten Jahren hat die Hamburger Oefsentlichkeit nicht viel von ihnen gemerkt. Als sich der Pulverdampf von der Mordstätte im Grunewald verzogen hatte, war in Hamburg die Luft rein geworden. Es hat sich hier gezeigt, daß eine energische Regierung mit dem Gelichter fertig werden kann, wenn — s i e w i l l! Und Hamburgs Senat wollte. Viel dazu trug allerdings der gesunde Sinn des Niederdeutschen an unserer Wasserkante bei. Ein jahrelanger HiUier^Fasching mit rachekrei>schendem Hosbräugerede wäre hier undenkbar gewesen. In den letzten zwei Jahren habe ich in Hamburg und Vororten im ganzen zwei Leute mit Hakenkreuzen erblickt. (Einer flog neulich bei einem hiesigen jüdischen Rechtsanwalt, den er mit seiner Kundschaft beglücken wollte, zur Tür hinaus.) Eine Zeitung wie den „Völkischen Beobachter" gibt es in Hamburg seit zwei Jahren nicht mehr. Ein stramm antisemitischer Moniteur, der sich 1920 aufgetan hatte, benutzte freudig das Republikschutzgesetz, um sich eine seidene Schnur daraus zu flechten. Herr Rotg, der vor dem Kriege schon hier residiert hatte, zog von hier fort, nachdem Herr C. F. Holtz, ein Demagoge von wurmstichiger Moral, sich bereits zu den Hitler und Hottenrott nach München „versammelt" - hatte, den Poeten und Busenfreund Otto E r n st trauernd um Stammtisch zurücklassend. Seine „Hamburger Warte" nahm er mit; sie kommt jetzt, in etwas bescheidener Auslage, aus München als „Friderieus", geflogen. Schon vorher hatte Herr Holtz seine Schwierigkeiten, als nicht nur Senat und Bürgerschaft sich den Mann vorknöpften, sondern als selbst die Deutsche Volkspartei (diese freilich vertraulich durch einen der Oefsentlichkeit unbekannt gebliebenen Schriftwechsel ihres Hamburger Generalsekretärs mit Holtz) von dem erkorenen Führer der schwarzweißroten Jugend abrückte. Der geneigte völkische Leser dieser-Revue wird konstatieren: Juda hat gesiegt, voran die jüdische Presse! Der Vollständigkeit halber sei gleich das Nötige hierüber gesagt. In Hamburg-Altona gibt es, von einem kleineren Strahenverkaussblatt abgesehen, nicht eine einzige Zeitung, die in jüdischem Besitz ist, ja, es muß sogar betont werden, daß in sämtlichen politischen Redaktionen der Hamburger Tageszeitungen, mit der erwähnten Ausnahme, keine einzige jüdische Feder festzustellen ist. Also „Judenreinheit" Kat' exobllon! Die einzigen Blätter, die, wenigstens in den unpolitischen Sparten, Juden als Redakteure beschäftigen, sind diejenigen, welche — das ist kein Witz! — rechts von der D.D.P. stehen. Die Hamburger Deutschvölkischen haben den Grasen R e v e n t - low, einen Vorkämpfer für die Echtheit der „Weisen von Zion", für den Reichstag ausgestellt. Da werden die Herren von der Dinker-Partei sich schon in den nächsten Wochen wohl sehr bemerkbar machen. Zu dem Hamburger Senat darf man aber das Vertrauen haben, daß er, wie bisher, diese Agitation in den, Grenzen zu halten wissen wird, die Ordnung, Anstand und Gesetz auch gegenüber den wütendsten Gegnern unseres Staatswesens gezogen haben. Ohne Rücksicht auf konjunkturbedingte Neigungen einstmals „liberaler" Kreise, die das bislang als demokratisch firmierende „H a m b u r g e r F r e m d e n b l a t t" ln einem Leitartikel über die Mecklenburger Wahlen also auf eine gesinnungstüchtige Formel brachte: „Selbstverständlich soll nicht jeder Versuch einer neuen Parteibildung von vornherein getadelt werden. In Wirklichkeit ist es auch hier der Erfolg, der jedes Beginnen rechtfertigt oder verurteilt. Wenn eine neue Parteibewegung" wie die d e u t sch v ö l k i s ch e in kurzer Zeit einen unvermutet großen Aufschwung nimmt, dann wird damit bewiesen, daß sie einer mindestens zeitweilig austretenden GeisteZrichtung innerhalb einer großen Masse der Wählerschaft Rechnung trägt. Das ist eine Erscheinung, die jede Partei beachten muß, indem sie daraufhin auch ihre Stellung zu solchen neuen, mit fortreißender Gewalt austauchenden Gesinnungsäußerungen' nachprüft, auch wenn sie auf den Tag eingestellt und, ihm ihren Erfolg verdankend, wieder eines Tages verschwinden können." Und sie werden verschwinden. ' ' Novaterra. Kleine Chronik. In Wattenscheid starb kürzlich der Geh. Sanit'ätsrat Dr. Leopold Bonn in. An dem Begräbnis nahmen Vertreter der Stadtverwaltung und Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung, der der Verstorbene über ein Vierteljahrhundert angehört hatte, Deputationen der ärztlichen Organisationen, die Sanitätskolonne vom Roten Kreuz, der Kriegerverein mit Fahne, Vertreter des Vaterländischen Frauenvereins, vieler jüdischer Organisationen u. a. m. teil. Am Grube feierte Prediger Oppenheim in eindrucksvoller Trauerrede die nach allen Richtungen hin ausgeglichene harmonische Persönlichkeit des Verstorbenen, und als Vertreter des Gentval-Bereins hob Rechtsanwalt Dr. Krombach (Men) die innige Liebe des Heimgegangenen zu seiner deutschen Heimat hervor, die durch den Tob seines einzigen Sohnes im Kriege besiegelt war. — Dr. Lionardo O l f ch k r ist zum Ordinarius für romanische Sprachen an der Universität in Heidelberg ernannt worden. IIK O R E WELTRUF Bad Naukeim. PARK-HOTEL Eröffnung 1. April Bad Homburg im unbesetzten Gebiet SANATORIUM Dr. BAUMSTARK Kuranstalt für innere, speziell Magen-, Darm- und Herzkrankheiten Natürliche kohlensaure Bäder im Hause V-', ' / , , 0 i ( RESI