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Central-Verein-Zeitung · 1924-03-27 · 13 (27.3.1924) · p. Seite 148

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
13 (27.3.1924)
Date
1924-03-27
Page
Seite 148 (sequence 8)
Language
German
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148 Die Verschwörung. Vor kurzer Zeit sandte uns Ernst Goth, Len -aus LMHendem Leben Ler Tod fortrrß, eine Skizze, die wir, als letzte Arbeit sür uns , geschrieben, hier in wehmütiger Erinnerung veröffentlichen. DieSchriftleitANg. Schauplatz: Eine ungarische Provinz st ad t. Zeit: Gegenwart. „Glauben Sie wirklich? . . ." „Ganz sicher!" „Es wäre immerhin möglich. „Jeder Zweifel ist ausgeschlossen. Jetzt Hab' ich sie endlich!" „Und woraus stützt sich Ihr Verdacht?" „Das wiL ich Ihnen sofort sagen, Herr Stuhlrichter — sofern Sie mir m der Untersuchung und auch im weiteren Verfahren freie Hand lassen." „Aus Bedingungen kann ich nicht eingehen, Herr Polizeikommissär. Sprechen Sie. Ich fordere Sie dienstlich aus, mir Bericht zu erstatten." „Sie halten geheime Besprechungen." „Wo?" ,,Jm Kaffeehaus." „Und wenn dort nur von Geschäften die Rede ist —?" „Auch die Frauen kommen ausfallend häufig Zusammen." „Frauen tratschen immer." „Sie sind jetzt alle viel mißtrauischer als sonst." „Seit dem letzten Pogrom haben sie schließlich alle Ursache dazu." „Ueberdies: meine Leute haben äußerst verdächtige Gespräche belauscht." „Zum Beispiel —?" „Der Sohn des alten Low Beer sagte zu Ascher, dem Juwelier: »Bisher habe ich nicht mitgemacht — ehrlich gestanden, die Sache war mir gleichgültig. Diesmal aber will ich mich nicht ausschließen. Man weiß ja nicht— vielleicht ist das der Weg, um unser Schicksal, zu lindern. . „Und was sagte Ascher?" „Es gibt keinen anderen Weg für uns. Auch unsere Väter und Großväter sind keinen anderen gegangen." „Was meinen Sie, Herr " Polizeikommissär, welchen Weg meinte er?" „Aber das ist doch sonnenklar: Die Konspiration. Den Umsturz. Alle Verschwörungen sind bisher vom Ghetto ausgegaugen. Diese Elenden erwarten immer nur von der Revolution eine Besierung ihrer Lage. Sie konspirieren unaufhörlich — ich bin erstaunt, zu sehen, daß Herr Stuhlrichter sie so lveuig kennen." ,Missen Sie noch etwas?" „Oh, noch eine ganze Menge! Der alte Blau, der Schuster, führte mit dem Althändler Kochstein das folgende Gespräch: .Wo kommen mit zusammen?* fragte Blau. — »In der alten Synagoge*, antwortete Kochstein, -ich werde schon um vier dort sein? — .Ich schon um drei*, gab Blau zurück. .Ader ob wirklich alle kommen?* — ,ed beruhigt, Rothenberg wird alle rechtzeitig wecken.*" „Wer i)t Rothenberg?" „Der Schames, der Tempeldiener. Nun — zweifeln Sie noch immer, Herr Stuhlrichter? Und wenn Sie erst die Gesichter der beiden alten Schurken gesehen hätten, als sie bemerkten, daß sie belauscht wurden! Ganz bläß waren sie mit einem mal, dann trennten sie sich stumm, doch mit einem bedeutungsvollen Händedruck." „Hm . . . ich bin noch keineswegs überzeugt." „So will ich Herrn Stuhlrichter noch etwas verraten: Auch der Rabbi, der alte Goldbach, ist dabei!" „Der Rabbi? Dieser bescheidene, brave, alte Mann -—?" „Da kennen Sie ihn schlecht, Herr Stuhlrichter! Bescheiden tut er nur — insgeheim brütet auch er Rache' und Unheil ... Erst heute morgen stand er mit dem Ignaz. Brüll vor der Schule — der Schuldiener, ein Christ, hörte, was die beiden sprachen." „Nun, was sprachen sie?" „Brüll saate: .Und wenn man uns überrascht, uns überfällt?' Worauf der Rabbi antwortet: »Haben wir denn keine Waffen?* — »Waffen?* fragte Brüll, »wo hätten wir Waffen?* — »In der Bundes« lüde sagte der Rabbi. — »Aber die anderen haben Revolver und Bleiknüppel und lange Messer', sagte Brüll. — »Unsere Waffen haben sich immer noch als Die besseren erwiesen', gab der Rabbi, zurück." „Hm ... das klingt allerdings . . „Und dann haben wir einen Brief aufgefangen, den der junge Goldbach, der Sohn des Rabbis, seiner Braut schrieb. Dort heißt es wörtlich: »Heute bin ich Deiner noch nicht würdig, doch in zwei Wochen hoffe ich es zu sein.*" „Merkwürdig. Nun, und was beabsichtigen Sie zu tun?*' „Ich lasse zunächst alle jüdischen Häuser beobachten. Schleichen die Kerle tatsächlich im Morgengrauen in die Synagoge, so warte ich, bis alle dort versammelt sind, und wenn es so weit ist, lasse ich die Synagoge von meinen Leuten umstellen, dringe ein — wer Widerstand leistet, wird auf der Stelle niedergemacht, die Bundeslade mit den Waffen wird sofort ergriffen — na, und die übrige Gesellschaft lasse ich ins Polizeigefanonis bringen, dort wird man ihnen die Lust zu Verschwörungen schon in der üblichen Weise austreiben . . „Also morgen früh ..." „Morgen früh, Herr Stuhlrichter." % „Herr Polizeikommissär, ich melde gehorsamst: Alle jüdischen Häuser und beleuchtet." „Na,'und. . .?" „Die Juden schleichen einer nach dem andern aus dem Tor. Sie sind in große Tücher gehüllt — sicher verbergen sie darunter Waffen." „Und was haben Sie beobachtet, Wachtmeister?" „Der Schames geht von Haus zu Haus und gibt überall mit einem kleinen Hammer ein geheimes Klopfzeichen. Dabei murmelt er etwas, Ums icki nicht verstehen konnte. Offenbar das Losungswort." „Also, dann los!" „In der Synagoge brennen nur wenige Kerzen." „Lind viele drin?" „Fast alle Juden der Stadt." „Ünd was machen sie? Beraten sie?" „Nein, eigentlich nicht. Es sieht mehr aus, als ob sie jammerten und wehklagten. Sie tragen alle irgendein Abzeichen um den Kops geschlungen, einen Lederriemen oder ähnliches. Es läßt sich nicht deutlich erkennen, sie haben den Gebetmantel über den Kopf gezogen." „Nun, was meinen Sie?" „Ein Schwindel, um uns irrezuführen — das ist doch klar. Also jetzt arrfgepaßt, sowie ich kommandiere ..." „Hände hoch! Wer Widerstand leistet, wird erschossen! Brüll, schrei nicht, sonst stopf ich dir das Maul!" „Hab' ich's nicht gesagt!? Hab' ich's nicht gesagt!?" „Was treibt ihr hier? Antwortet! Nicht alle auf einmal! Rabbi, sprich du!" „Was wir hier treiben? Wir beten, Herr Polizeikommissär. Heute beginnt doch Selichvth, die Tage der Reinigung von allen Sünden. Da muß man im Morgengrauen die Gebete sprechen, die der Herr unser Gott erhören möge, damit wir am Tage des Gerichts rein vor ihn hintreten können." „Du lügst, Jud! Ihr konspiriert gegen den Staat, gegen die Ordnung! Euch kennt man schon! Heraus mit den Waffen!" „Herr Polizeikommissär, manu hätten um Waffen gehabt? Niemals hatten wir Waffen, wir haben auch jetzt keine — durchsuchen Sie alles, Herr Polizeikommissär!" ,Lüg nicht, du Hund! Ick) lveiß alles! Macht die Bundeslade auf — dort habt ihr die Waffen versteckt . . * „ . . . und darm, Herr Polizeikommissär, wie ich' also den Alten zu dem Schrank dort hinzerre und er den schmutzigen roten Samtvorhan-g an stiehl — es waren wirklich nur zwei Pergamerrtrollen drin ... er nimmt sie beide heraus und hebt sie hoch empor . . . ich weiß nicht, wieso, aber mir wurde ganz komisch zumut ... ich mußte wegscharren, als ich den Revolver abdrückte . . Ernst Gotli', s, A. Florenz. childpatt BE R LI N * W 15 J 0 A CH I M STH A LE R STR. 9 enoein >enno

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