Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 11 (13.3.1924)
- Date
- 1924-03-13
- Page
- Seite 112 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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112 Der Kampf gegen -en Talmirö. Aeußerungen von Professor v. L a i b l e.' In Rothenburg ob der Tauber war wenige Wochen, nachdem die berüchtigte Hetzerin Ellen A r e n d dort gesprochen hatte, im „Fränkischen Anzeiger" ein „Eingesandt" erschienen, das von Beschimpfungen und Entstellungen des Talmuds voll war. Hiergegen nahm Professor D. Laible, der angesehene Kenner der orientalischen Literaturen, der tn Rothenburg im Ruhestande lebt, gleichfalls in einem Eingesandt Stellung, das in Nr. 33 derselben Zeitung erschienen ist. Wir geben die Darstellung nachstehennd wieder: „In dem „Eingesandt" in Nr. 21 (25. Januar) ist als „Spruch des Talmuds" auch der Satz zitiert, alle Gojim (d. i. Nichtjuden) seien als Tiere anzufehen und zu behandeln. Dieser Spruch veranlaßte einen hiesigen protestantischen Herrn, mich zu besuchen und zu fragen, was es damit für eine Bewandtnis habe. Ich klärte den Herrn zunächst dahin auf, daß es überhaupt keinen, „Spruch des Talmuds" gebe. Der Talmud ist ein Sprechsaal, in welchem die Stimmen von fünf Jahrhunderten durcheinandergehen. Es heißt da fortwährend: „Rabbi A sagt", „Rabbi B sagt" usw. Wie es ungereimt wäre einen „Ausspruch des Reichstags" zu zitieren, da man nur den Ausspruch eines Abgeordneten zitieren kann, so ist es ungereimt, einen „Spruch des Talmuds" zu zitieren statt den Aussprrch des Rabbi N. N. Wie im Reichstag die allerverschiedensten, einander oft 'chars entgegengesetzten Stimmen laut werden, so summen in dem Sprechsaal, welcher „Talmud" heißt, die verschiedensten Stimmen durcheinander. Jeder im Talmud vorkommende Ausspruch ist Spruch eines Einzelrabbi für sich. Und sogar da, wo es heißt: , Die Ehachamim (d. i. die Gelehrten) sagen", will nicht gesagt sein, daß die Ehachamim sämtlicher Lehrhäuser und sämtlicher Generationen so sagen, sondern es sind die bei einer bestimmten Diskussion in einem bestimmten Lehrhaus versammelten Gelehrten gemeint, denen ein einzelner Rabbi opponiert, dessen Spruch im Talmud ebenfalls angeführt wird. Der Herr Einsender hätte nicht von einem „Spruch des Talmud" sagen sollen, sondern nur von dem Spruch eines Rabbi, dessen Namen er hätte angeben sollen, damit man doch wüßte, welcher Zeit er angebört und ob er eine obskure oder eine maßgebende Persönlichkeit repräsentiert. Er hätte auch die Talmudstelle' nennen sollen, wo sich der angebliche Spruch findet, damit man eventuell auch den Z sammenhana nachprüfen könnte. Damit aber nicht genug. Er Hütte sich auch erkundigen sollen, ob nicht vielleicht andere Räbbinen eine humanere Anschauung über die Gojim hätten als jener Verbissene. Und da würde er die Belehrung empfangen haben, daß der angesehene Rabbi Josua den Chananja (um 120 n. Ehr.) gesagt hat: „Es gibt Gerechte unter den nicht israelitischen Völkern, die am ewigen Leben Anteil haben" (siehe Tosefta, Sanhedrin 13, 2). Und Rabbi Me'i'r (um 160 n. Ehr.) hat auf das Wort „der Menjsch" in 3. Mose 18, 5 Hingewielen, daß es da nicht heißt: „Die Priester, Leviten und Israeliten, welche meine Rechte ausüben, werden dadurch leben" (das ewige Leben erlangen), sondern: „Der Mensch, welcher sie ausübt, wird dadurch leben", woraus der Rabbi folgert: „Sogar ein N i ch t i s r a e l i t, der das Gesetz tut, ist einem Hohenpriester gleichzuachten" (siehe bab. Talmud, Baba Kamma 38a). Beide Rabbi neu denken also von den Gojim gerade so wie der Apostel Petrus in Apostelg. 10. 35: „In allerlei Volk (nicht bloß im Volk Israel), wer Gott fürchtet und recht tut, ist ihm angenehm". Warum ist der Herr Einsender gar nicht auf den Gedanken gekommen, daß es vielleicht auch andere, edlere rabbinische Aussprüche im Talmud über die Gojim geben könnte, und daß es Pflicht sei, sich da: über zu informieren? Aus einem einfachen Grunde. Er hielt die Quelle, woraus er schöpfte, für eine absolut saubere. Seine Quelle ist aber nichts weniger als sauber, sie ist eine jener einseitigen antijüdischen Sammlungen von rabblnischen Aussprüchen, worin einzig und allein die unschönen Aeuße- , rangen, die da und dort im Talmud sich gelegentlich finden, mit Fleiß zusammengestellt sind. Was würde er aber zu einer von einem Franzosen herausgegebenen Sammlung von wüsten Aeußerungen im Reichstag, und nur von diesen, mit Ausschluß aller schönen, urteilen, welche boshaft betitelt wäre: „Der deutsche Reichstagsabgeordnete"? Ganz das gleiche ist zu urteilen von Sammlungen anstößiger rabbinischer Aussprüche, wobei die Dausende und aber Tausende von gegenteiligen Anssprüchen totgeschwiegen werden. Derartige Dornenlesen führen mit Unrecht den Titel: „Der Talmudjude". Die wohl am meisten in Umlauf gekommene unter den Schriften dieser Art ist die von dem katholischen Theologieprofessor in Prag, Arg. R o h l i n g. Da dieser den Talmud nicht selbst lesen konnte, hat er av% Eisenmengers „Entdecktem Judentum" (Frankfurt a. M. 1700) alles Skandalöse aus einen Misthaufen zusammengekehrt, welchen er der Welt als das getreue Bild des echten „Talmudjuden" präsentiert. In der von dem Leipziger Theologieprofessor Franz Delitzsch, einem wirklichen Talmudkenner (f 4. März 1890). verfaßten Gegenschrift aber („Rohlings Talmudjude beleuchtet", Leipzig. 1881) werdendem Verfasser nachgewiesen: 1. Falsche Uebersehungen; 2. Entstellte Texte; 3. Entstellungen durch Verschweigen; 4. Falsche Deutungen; 5. Falsche Konsequenzen. Es ist kein Zeichen des Fortschritts im Erforschen der Wahrheit, wenn Rohling und Konsorten noch immer als lautere Quelle angesehen und benutzt, Delitzsch dagegen und ein so grundlegendes Wert wie Wilhelm Bachers sechsbändige „Agada"- (eine RiesenssammlunG rabbinischer Aussprüche) ignoriert werden. Endlich fragen wir: Kann jemand im Ernst glauben, die heutigen Juden, welche weder einen Talmud besitzen noch ihn überhaupt lesen können, seien von ihm irgendwie beeinflußt? Und doch, ja: einen Talmudtraktat kennen sie wirklich. Es ist der in ihren Gebetbüchern abgedruckte, zum eisernen Bestand des jüdischen Rituals gehörige Traktat „Sprüche der Väter", welcher die Wahlsprüche und Sittenlehren der größten jüdischen Autoritäten seit etwa 300 v. Ehr. bis etwa 200 n. Ehr. enthält. Diesen Trakat erwähnt Rohling bezeichnenderweise mit keiner Silbe; er enthält das Gegenteil zu allen Ataximen seines „Talmudjuden", und darum geht er schweigend daran vorüber. Vorstehenden Beitrag zu einer Aufklärung über das Thema „Talmud", ursprünglich mündlich dem zu Anfang genannten Herrn gegeben, erlaube ich mir nunmehr auch dem mir unbekannten Herrn Einsender darzureichen." Das /lnüenken Kmaleks. Wie der Schatten des Licht, so begleitet Amalek und die durch ihn verkörperte Idee, wie sie im Laufe der Jahrtausende immer wieder neue Vertreter und Vorkämpfer fand, Israel , auf seinem Leidenswege durch den Strom der Zeiten. Wenn ihm, dem friedlichsten und barmherzigsten unter den Völkern, ein Kampf zum Daseinszweck bestimmt wird, so kann es sich nicht um einen Kampf gegen eine Einzel- oder Volkspersönlichkeit handeln, sondern nur um den Kampf gegen eine Idee. Wenn Israel der Gotteskämpser genannt wird, so soll es für das Göttliche gegen das Widergöttliche streiten, wie Amalek es darstellt. Es ist ein K a m p f um das R e ch t. Recht und Gerechtigkeit sind die Stützen des göttlichen Thrones. Diese sucht die ruchlose Frevlerhand Amaleks zu erschüttern. Deswegen muß Israel diesen Kampf für Gott führen von Geschlecht zu Geschlecht. Rech! ist der Hort des Schwachen gegen den Starken, die Burg des Ohnmächtigen gegen den Eingriff der brutalen Gewalt, die Beste des Wehrlosen gegen die Verehrer der Macht. „ M a ch t geht vor Recht", ruft A m a! e k . und fürchte! keinen Gott und greift die Schwachen und Entkräfteten, sich mühevoll durch die Wüste Schleppenden mit seiger Hinterlist im Rücken an. .„Recht muß Recht bleiben", so ruft Israel und wendet seinen Blick mit Worten flehentlichen Gebetes zur Höhe zu dem, der nicht schläft und nicht schlummert, und in Israel das Recht hütet." ’ 1 Zähneknirschend, der Uebermacht sich beugend, sprach wohl, einstmal eines Volkes Führer: Einst wird aus meinen Gebeinen ein Rächer erstehen, wird für uns die Stunde d e r - Berge l t ri n g schlagen. Doch das ist nicht der richtige Weg, der aus dem- Wirrsal herausführt. Wohl kam der Rächer. Aber ist nicht heute wieder ein Rächer erstanden, der hohnlachend den Fuß auf den Nacken des alten Rächers! setzt? Und wieder vertröstet amalekitischer Geist das Volk auf den kommenden Rächer. - Einer Nation, der nur im Siege des Rechts die Hoffnung auf > Wiederaufbau und Erneuerung winkt, Preisen Männer als Führer sich an, die das Recht im Innern beugen und, selber von der Uebermacht geschlagen, nun wieder mit roher Gewalt ihrerseits Schwächere schlagen wollen. Das kann nicht der Weg zum Heil sein. Das ist der Todesweg des Machtgedankens, der die Klassen, die Rassen und Völker sich gegenseitig zerfleischen läßt, der auf Trümmerhaufen neues Leben aufbauen zu können meint, in Wahrheit aber alle rohen und niederen Instinkte der Menschen weckt und nimmer dauernd Gutes schassen kann. Das kann nimmer der.Weg sein, den Israel geht. „Lösche das An de n k e n Amaleks a us", so ergeht an uns der Ruf. Das Recht ist Gottes Sache. Aber als Diener Gottes, dis wir uns zu werden bemühen sollen, kämpfen wir für das Recht!. Nicht gegürtet mit den Mitteln der Erdengewalt, sondern unsere ganze innere Seelenkrast für die heilige Sache einfetzend, werden wir, in. Geduld ausharrend, wie wir es seit Jahrtausenden gewohnt, der Sache des Rechts vertrauend, den Sieg erringen, und. das Andenken Amaleks wird schwinden. * Jsch Tikwoh. I Groß-Derlmer! Habt Ihr unser Rundschreiben gelesen? Was habt Ihr daranshin getan? Wir erwarten Enre Einzahlungen. Unser Postscheckkonto ist Berlin 30 472, unser Bankkonto Dresdener Bank, Des».-Kasse Lindenstr. S. Verband Groß-Berliner Ortsgruppen«