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Central-Verein-Zeitung · 1924-03-06 · 10 (6.3.1924) · p. Seite 100

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
10 (6.3.1924)
Date
1924-03-06
Page
Seite 100 (sequence 4)
Language
German
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Mwehr unü Aufbau. ' Ms werteren Beitrag zur Aussprache verösfLiülichen wi^r den nachstehenden AMatz, mit dem wir allerdings in manchen Punkten nicht üdeveinftimmen. Die Sckriftleilung. - Viel jugendliche Begeisterung und ein warmes Herz sprechen aus den beiden Aussätzen „Abwehr und Aufba u". Wenn auch manche Gedanken den Kern der Berechtigung in sich tragen und ihre Durchführung durchaus in der Lime einer gesunden und wünschenswerten Weiterentwicklung des Judentums liegen, so scheint es mir doch durchaus notwendig, diese Ausführungen vom Standpunkt des C. V. einer kritischen Betrachtung Zu unterziehen. Die Sehnsucht nach dem „positiven Programm", die in den Zeilen des Herrn D r. H i r s ch b erg zum Durchbruch kommt, ist in ähnlicher Form schon oft zum Ausdruck gebracht worden, und ist zweifellos auch eins der Zeichen, wie sehr es in den Gedanken und Gefühlen unserer jüdischen Jugend hier in Deutschland gärt und wühlt. „Vereinzur A b w e h r", das ist freilich keine Ue-bersthrift, an der sich Jugend bicgeistern könnte. Datendrang und idealistische «Schwärmerei der menschlichen Sturm- und Drangperiode möchten gerne andere Banner vor sich hergetragen wissen, denen sie mit glühender Leidenschaft und schrankenlosem Frohgesühl folgen können. Sie möchten hinausstürmen in das Leben, um sich als freie Menschen zu betätigen, frei wie jeder andere ihrer Volksgenossen. Was bietet diesen Stürmern ein „Verein zur Abwehr"? So und ähnlich habe ich schon manchen sprechen hören. Immer schien es mir, wie wenn ein Kranker gegen das Schicksal tobt, das ihn nicht so gesund und frei hat werden lasten wie tausend andere, freilich ohne, zu bedenken, aus wieviel anderen Wunden andere Menschen bluten, die nicht durch Zufallsfügung als Juden geboren wurden. Uns deutsche, Juden hat bitterste menschliche und jüdische Not in die „Abwehr" hi neingezwungen, nicht erst seit heute und gestern. Aber dieser Kampf gegen schreiendes Unrecht, gegen Dummheit, Dünkel und Vorurteil, dieser Kamps für Menschenbesreiung und Menschenrecht, für Fortschritt von Kultur, Moral und Gesittung, hat für mich etwas w Begeisterndes, Ideales, Gewaltiges, daß es mir immer unverständlich geblieben ist, wie man auf den Gedanken kommen konnte, erst nach einem positiven Programm des C. V. suchen'" zu müssen. Ist der Kamps für unsere politische Gleichberechtigung, der Kamps gegen Rassenhaß, der Kampf gegen Religionsschändung und -Hetze wirklich so bar jedes positiven Gedankens? Diese Frage stellen genügt wohl schon, um zu erkennen, wie die Arbeit des C. V. zu bewerten ist, wie viel Idealismus und harte Lebensarbeit sich in ihm' konzentrieren, und wie gerade die Besten unter uns gut genug sind, um Führer zu sein, Führer zu werde n. Wenn ich nun die Ausführungen des Herrn Dr. Hirfchbera im einzelnen noch kurz kritisch beleuchten darf, fo geht der Verfasser von dem*Gedanken aus, daß er vergeblich nach einer Partei gesucht habe, die „den jüdischen Me n sch e n i n das deutsche. Volk einbeziehen wolle", eine „Partei der Deutsch-Juden iw deutschen Judentum". Was soll das heißen? Haben diese Sätze einen berechtigten, realisierbaren Sinn? Die Sehnsucht nach einer „Partei", die den jüdischen Menschen in das deutsche Volk einbeziehen soll, kann doch nur dahin verstanden werden, daß bislang die deutschen Juden eigentlich noch nicht so rechts zum deutschen Volk gehörten, daß diese Zugehörigkeit erst durch einen Verein ausgebildet und vollendet werden müsse. Ich glaube, daß der größte Teil der deutschen Juden sich gegen diese Auffassung mit aller Kraft wehren wird. Das ist es doch gerade, was wir als bitterstes Unrecht empfinden, daß unsere Gegner uns trotz unseres jahrhundertelangen Zusammenlebens in Deutschland, trotz unserer durch gemeinschaftliche Erziehung und Heimat gleichgerichteten Kultur, trotz unseres durch Wort und Tat in ungezählten Fällen bewiesenen gleichsinnigen Fuhlens und Denkens die Zugehörigkeit zum deutschen Volke absprechen. Es hieße doch geradezu unseren Gegnern eine Bestätigung ihres Vorurteils geben, wollten wir dem C. V. ein Programm zugründe legen des' Inhalts und mit dem Ziel, feine Mitglieder in das >deutsche Volk „einzubeziehe n". Wir in Deutschland geborenen und erzogenen Juden gehören ä priori kraft unserer Geburt, kraft unserer staatsbürgerlichen Rechte zum Volk, und brauchen dazu keinen „Verein". . Auch die Frage des Verfassers: Ist der Central-Verein ein „Abwehrverein" oder die „Parteivertretung der Deutschjuden im deutschen Judentum", ist eine vollkommen unmögliche Gegenüberstellung. Was unter der „Parteivertretung der Deutschjuden im deutschen Judentum" zu verstehen ist, bleibt unklar, jedenfalls bedeutet es aber eine Heraushebung eines. Teils der deutschen Juden aus der Gesamtheit, und der Central-Verein würde als Parteivertretung in seiner Gefolgschaft naturgemäß auf einen viel kleineren Kreis beschränkt fein. Daß dadurch die Wucht seines Auftretens irgendwie gefördert werden könnte, muß ich entschieden bestreiten. Gerade dadurch, daß der Central-Verein sein ganzes Wollen, feine ganze geistige und materielle Kraft auf die Aufgabe als „Abwehrverein" einstellt, konnte er zu einer umfassenden Vertretung aller derjenigen deutschen Juden werden, die deutsch fühlen ohne Rücksicht auf ihre innere Einstellung zum Judentum selbst. Diese umfassende Stellung des Central-Vereins geht meines Erachtens so weit, daß sogar der Zionist, soweit er als Ziel feiner Weltanschauung nur den Aufbau eines jüdischen Staatengebildes im Auge hat, ohne inneren Zwang dem Central-Verein angehören könnte, und nur derjenige, desten Wille und Wunsch auf ein jüdisches Volk gerichtet ist, kann sich nicht zur Mitgliedschaft des Central-Vereins bekennen. Denn die Grundlage des Central-Vereins bleibt selbstverständlich seine deutsche Einstellung, s e i n u n b e s ch r ä n k t e s B e - kenntnis zum deutschen Volk. In diesem Sinneist es natürlich auch sein gutes Recht und seine Pflicht, die „Pflege deutscher Gesinnung" auf sein Programm zu setzen. Daß er dieses noch ausdrücklich in seinem Programm hervorhebt, ist auch nur ein Akt der Abwehr gegenüber der verleumderischen Verhetzung unserer Gegner, sonst wäre es eigentlich selbstverständlich. Wie aber diese „Pflege deutscher Gesinnung", selbst wenn in ihr ein Gegensatz zu einem gewissen Kreise von Zionisten gegeben ist, den Central-Verein, wie der Verfasser meint, damit als „Partei" charakterisieren sollte, vermag ich nicht einzusehen, und erscheint mir als eine abwegige Schlußfolgerung. Noch viel weniger kann ich dem Verfasser folgen, wenn er auS dieser Folgerung nun auch die zwingende Notwendigkeit herleitet, „jüdische" Aufbauarbeit leisten zu müssen, zumal in dem Sinne, um dadurch „jüdische Menschen in 'das deutsche Volk einzuverleiben". Sicherung und Verteidigung jüdischer Belange, soweit sie im Staate tätig werden und in ihrer Auswirkung beeinträchtigt sind, sind Aufgabe und Ziel des C. V., -aber Aufbauarbeit am JudenenDein J. D O B RI N’s kSV¥e Jerusalemer Strasse 16 Spandauer Brücke 7 Zentrum 7986, 2927 Norden 2925 Vornehmer Aufenthalt für Familien Zu Festlichkeiten empfehle: Torten, Eis, Zude-Barches

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