Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 10 (6.3.1924)
- Date
- 1924-03-06
- Page
- Seite 99 (sequence 3)
- Language
- German
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99 Wer zeichnete öie DeutjchlanÜhilfel s Jüdische Deutschamerikaner an der Spitze hl der Spender. Amerikanische Blätter melden übereinstimmend über eine Ende Januar von Deutschamerikanern in New-Jork emgeleitete Sammlung für die D e u t s ch l a n d h i l fe, die nach einem Bericht des Abgeordneten des New-Iorker Zweigs des nationalen Komitees, Irving T. Bush, die stattliche Summe von 130 120 Dollar erbrachte. In den Berichten heißt es wörtlich: / „Unter den Stiftern van Spenden befanden sich James Speyer, Felix M. Marburg nnd Paul M. Marburg, von denen jeder 25 000 Dollar gab, ferner August Heckscher mit 10 000 Dollar, die Österreichische nnd Deutsche .Gesellschaft für KinDerhiLfe mit 6000 Dollar, Henry Goldmann, Henry Heide, Otto H. Kahn, Mortimer, I. Schiff und H. N. Slater mit je 5000 Dollar, Gesellschaft der Freunde der Musik mit 3620,50 Dollar, Max Horwitz mit 2500, Fritz Achelis, Paul Baerwald, William Gray, Ralph Pulitzer, I. K. Reis;, Frau H. N. Slater und Frau Henry Billard mit je 1000 Dollar." Es ist eine Ironie des Schicksals, daß unter den Hauptspendern sich N amen befinden, die von den Völkischen l ei den s chaf isch aftlich bekämpft werden, weil sie „typische Vertreter des internationalen Judentums" seien. Um so anerkennenswerter ist es, daß die jüdischen Deutschamerikaner sich in ihrem patriotischen Entschluß, den armen deutschen Kindern zu Helsen, durch keinerlei völkische Hetzen wankend machen lassen. Deutfthvölkische Ratholikenhetze. > Der katholrsche Volksverein, der Reichskanzler un dd er Vatikan g egen Ludend orfs. Auf den Hochverratsprozetz in Bayern, den wir mit besonderem Interesse verfolgen, werben wir ausführlich eingehen, sobald sich die Tore der Kriegsschule geschlossen haben. Ludendorffs Philippika gegen „Juda" wird von unserer Seite mit dem Ernst und der Entschiedenheit beantwortet werden, den die Angriffe eines Mannes erfordern, dessen Name heute ein deutschvölkisches Programm bedeutet. Ludendorfss Ausfälle gegen „Juda" sind nach Form und Inhalt dieselben, die er gegen Rom richtet; wie die deutschvölkische K a t h o l i k e n h e tz e dem d e u t s chv ö l k i s che n Judenhaß g l e i ch t w i e e i n E i d e m anderen. Man braucht nur den Bericht über einen Vortrag zu lesen, den ein Parteigänger Ludendorfss und Hitlers, der Ingenieur Born, am Li. Februar in Nürnberg gehalten hat. Nach dem „Bayerischen Kurier" sagte dieser Herr in seinem Vortrag: „Das- Papsttum im Kampf mit dem deutschen Gedanken" „Wir haben den Feind tatsächlich im Lande. Darüber täusche ■ uns dieser Spekulationspatriotismus nicht, wie ihn die Herren Keim, Held und Faulhaber vertreten.- ■ L Wir haben ja diesen Kirchenfürsten auf seiner Amerikareise in öligen und schmierigen Reden eine undeutsche Haltung einnehmen sehen.-- — - Zwei Weltanschauungen stehen sich in Deutschland gegenüber: die völkisch-christliche und die jüdisch-sozialdemokratische mit ihren verschiedenen Spielarten, zu denen die jesuitisch-ultramontane gehört." ' ' Zur Charakteristik des Redners berichtet die „Bayerische Volks Zeitung" noch, daß Herr Born den gleichen völkischen Kreisen angehört, die bei der Fahnenweihe des Stahlhelm-Nürnberg in der protestantischen Lorenzkirche einen empörenden Zwischenfall herbeisührten. Es verstiegen sich da nämlich verschiedene Mitglieder völkischer Verbände bei den Worten des Predigers „Unser Herr Jesus Christus" deutlich vernehmbar in die Kirche hinein- Zurufen: „Judeusohrr! Judensohn!" beziehungsweise: „Nun kommt er auch noch mit dem Judensohn". — Jeden Religiös- -empfindenden, der die Ueberzeugung seines Nächsten hochhält, werden solche das religiöse Gefühl Andersgläubiger schwer verletzenden Ausfälle mit Abscheu erfüllen. In bemerkenswerten Worten wandte sich während einer Kundgebung des Katholischen Volksvereins in Berlin Reichskanzler Dr. Marx gegen die völkische Hetze: Wenn der völkische Gedanke weitere Kreise des Volkes ergreifen sollte, so wäre das schlimmer als der verlorene Krieg; denn dann sind wir verloren für immer. Dieser Gedanke, von den anderen Völkern ebenso stark betont, brächte uns den Krieg aller gegen alle und am Ende den wirtschaftlichen und politischen Untergang Europas. Dieser Gedanke, getragen von Hatz gegen andere Völker, ist durchaus unchristlich. Es überlief mich ein Schauer, als ich las, daß im Hitler-Prozeß dasWort fiel: „Wir müssen Leute haben von fanatischem Haß!" Die so sprechen, verstehen unsere Zeit nicht. Was wir brauchen, ist überwältigend: Liebe zu unserem armen, unglücklich en Volke und auch Liebe, soweit sie in Empfang genommen wirch zu den Angehörigen anderer Völker. Das ist christliche Auffassung und. Pflicht." Inzwischen hat auch der Vatikan angekündigt, daß er in aller Form gegen geschichtliche Unwahrheiten Protest einlegen werde, mit denen Ludendorff seine Katholikenhetze zu stützen versucht hat. Freiherr v. K r a m e r - K l e t t verteidigt im „Bayerischen Courier" vom 2. März die Tätigkeit des Vatikans. Wenn Ludendorfs verhältnismäßig friedlich in Bayern leben könnte, so habe er das dem Vatikan zu danken, der im Herbst. 1919 und im Winter 1920 die Absicht Frankreichs, auf der Auslieferung des Kaisers und Ludendorfss zu bestehen, vereitelte. Soviel steht schon heute fest: der Hochverratsprozeß hat durch di« Rede Ludendorfss eine Kathvlikenhetze in Szene gesetzt, die sich allem Anschein nach würdig der I u d e n h e tz e a n r e vH t. Wir haben mit unseren deutsch»-vMscheu Feinden den Kamps auf der ganzen Linie ausgenommen, auch wenn wir nur eine Minderheit sind. Die katholischen Deutschen werden durch ihre zahlenmäßige Stärke den ihnen ausgezwnngenen Kampf leichter führen können. Und sie führen ihn — das ist schon heute deutlich erkennbar — wie Männer, so kraftvoll, daß Ludendorss und sein großer Freund- Hitler auf Granit beißen werden... Sch... r. vom Nationalsozialismus zum Nationalbolsthewismus. ©ine Zuschrift an die „Bayerische Staatszeitung". ' K In der Dienstagnummer ' der „Bayerischen Staatsz e i t u n ö" vom 12. Februar finden wir eine Zuschrift an leitender Stelle, in der festgeftellt wird, daß sich an den Trümmern der Nationalsozialisten bas alte Schicksal radikaler Politischer Strömungen vollziehe: i m in e r größere N a-d i k a l i s i e r u n g treibt von Revolution zu Revolution. „Auf der rechten Seite finden die Kommunisten Gesinnungsgenossen, die aus ihren Reihen stammen. Um nur ein für München bezeichendes Beispiel zu erwähnen, ist im Januar d. 'I. bei der Störung der Bersamnrlung der Mittelpartei im Löwenbräukeller ein Mann führend hervorgetreten, der 1909 als Anarchist den Bombenangriff auf bcn Münchener Justizpalast ausführte, 1919 im Aktionsausschuß des Vollzugsrates der Betriebs- und Soldatenräte Münchens tätig war, dessen Aufrufe Unterzeichnete, und der jetzt seine Erfahrung der radikalen völkischen Bewegung widmet. Und da die radikale vaterländische Bewegung den Kamps gegen die Staatsordnung grundsätzlich und nunmehr auch mit den Mitteln .der Kommunisten führt, treiben die Verhältnisse und die bewußte Taktik weniger führender Kräfte den Radikalisnms von rechts und links' in die Richtung ^des nationalen Bolschewismus. Es ist festgestellt, daß die radikale vaterländische Bewegung und der deutsche Kommunismus entschlossen sind, den Kampf um die Macht im Staate nebeneinander zu führen, wobei jede Richtung hofft, letzten Endes ihre Ziele zu verwirklichen . . . In der Politischen Leidenschaft der letzten Zeit und unter der französischen Bedrückung ist der Nationalbolschewismus wieder auf dem Wege. Es besteht jedoch Hie große Wahrscheinlichkeit, daß die Führung den Nationalbolschemisten ebenso zugunsten des Bolschewismus entgleitet, wie sie den Kampfverbänden 1923 zugunsten des revolutionären Radikalismus entglitten ist. Man wird dem Verfasser des Aussatzes nur zustimmen können, wenn er zum Schluß der Ansicht Ausdruck gibt, daß vie-le künftig um so schärfer Prüfen werden, ob eine im Zeichen!des Vaterlandes stehende Bewegung dem Aufbau oder der Zerstörung dient und ob die Führer der Bewegung die Schützer des Staates oder nur die Gefangenen dunkler revolutionärer Kräfte sind. Der Graf Westarp einst unö fetzt. ©ine zeitgemäße Erinnerung. - . Nach Pressenachricksten wird Graf Westarp in Berlin für die Deutschnationale Volkspartei kandidieren. Der Gras gehört dem völkischen Flügel der Partei an. Es ist für den Wahlkamps wichtig, festzustellen, daß Graf Westarp über die „Judenfrage" ganz anders dachte, als er 1908 im Wahlkreis B o rn st — M eseritz für die konservative Partei kandidierte. Damals ließ sich der Graf in einem Schreiben über die Judenfrage also aus: „Wenn ich aus die sogenannte Judenfrage eingegangen wäre, so würde ich etwa folgendes haben sagen können. Der religiöse Unterschied, der mich als Evangelischen von dem Judentum trennt, kann für mich ebenso wie derjenige zur katholischen Konfession niemals ein Anlaß sein, die jüdische Bevölkerung zu bekämpfen oder zu ihr in Gegensatz zu treten. Die verfassungsmäßige Gleichberechtigung der Juden erkenne ich vollkommen an und beabsichtige nicht, zu einer gesetzlichen oder sonstigen Einschränkung derselben meine Hand zu bieten. Im übrigen weiß ich und erkenne gern an, daß die Juden des Wahlkreises trotz mancher geschäftlicher Schwierigkeiten, die ihnen das einträgt, in verdienstvoller Weise sich zur deutschen Sache gehalten haben nnd an der Sellbstverwaltungspflicht getreu teilnehmen." Schmerzliche Erinnerungen, Herr Graf! Wir sind überzeugt, daß sie auf Ihre völkische Seele wenig Eindruck machen werden,