Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 9 (28.2.1924)
- Date
- 1924-02-28
- Page
- Seite 90 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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-- 90 Mrvehr ünö Wfbau. Von Rabbiner Dr. Gottschalk (Berlin). Der Aufsatz „Abwehr und Aufbau" von Dr. E. Hirschberg (Breslau) hat in unserem Milgliederkreise starken Widerhall gesunden, den wir, schein angesichts der nahen Hauptversammlung, freudig begrüßen. Heute veröffentlichen wir unverändert eine weitere Zuschrift, deren Gedankengänge uns nicht den Kern der Cache, zu troffen scheinen. Eine Stellungnahme unsererseits wird, wie angekündigt, alsbald folgen. ' Sie 6 ch r iftleitu n g. Die unter der Überschrift „Abwehr und Aufbau" tu Nr. 4 und 5 der „C. V.-Zeitung" niedergelegten Ausführungen begegnen sich mit Gedankengängen, denen ich in Versammlungen des C. V. schon Ausdruck verliehen habe. Und auch dem Wunsche des' Verfassers nach Themenerweiterung für Vorträge bin ich regelmäßig in meinen Vorschlägen nachgekommen, die ich den Ortsgruppen Berlins gemacht habe. Immer aber wühlte man das alte Gebiet. Spricht das g e g e n das Verlangen, in den: ich mich mit Dr. E. H i r s ch b e r.g begegne? Gewiß nicht. Es spricht nur f ü r die Notwendigkeit, den Wert der bisherigen Methode etwas näher zu beleuchten. Abwehr ist Ausbau schrieb ich selbst einmal in der „C. B.- Zeitung". Aber A u f b a u i st a u ch Ab w e h r — und das scheint inan ganz vergessen zu »vollen! Die A u f k l ä r n n g s v o r t r ü g e, die jetzt in Berlin veranstaltet werden, dürften etwa die Kernfragen berühren, gegen die man sich seit Ia h re n u irb Ja h r e n in Wort und Schrift wehrt — mit dem Erfolg!, daß es heute noch geschehen rnuß und nach Jahrzehnten auch uoch wird geschehen m üss e n. „Die Antisemitenfrage", so etwa sagt Br u nun , „ist eine Menschen frage und kein lösbares Problem, eine Sache ohne Ende." Und deshalb wird unsere letzte Abwehr „ohne Ende" sein müssen — aber kann man den Schwung dieser Abwehr besser beflügeln, den Willen zur Abwehr gründlicher ver-; tiefen, als wenn man sie als Unterbau ansteht, den der seelische Oberbau erst wahrhaft krönt? Wenn man immer wieder verlangt: wehrt euch! — muß man denn nicht ebenso anhaltend zeigen, w o f ü r zu wehren es sich verlohnt und nicht bloß wogegen? Dieses „Wofür" ist aber ein doppeltes, das,als Zielpunkt ja immer wieder betont wird: Deutschtum -—Judentum! Ist dem aber so, dann kann sich, der C. V. nicht da-rus berufen, die Ausfüllung, des Rahmens mögen andere besorgen: Literaturvereine, religiöse Vereine und die Vereine zur Pflege des Deutschtums! Wir haben es mit dem Nahmen zu tun: wir schützen' das Leben, wir verbreiten allenthalben' Aufklärung, wir wehren Angriffen gegen Religion — aber wir selber bauen nicht auf, nicht das Deutschtum, nickt die Religion! — Nur ebne Ausnahme ist vorhanden: der PH i l o -Ve r l a g. Was da an jüdischen und deutschen Büchern außer den Abwebrschristen verlegt, wird, verkörpert ausgezeichnet gerade das, was wir für den ganzen C. V. wollen: für seine Zeitung und seine. Th em en! Was uns jetzt da wöchentlich ins Haus geschickt wird, ist — von einigen. Ausnahmen abgesehen — doch wirtlich unserem I de a l b e g.r i f f: Deutschtum —, Judentum recht wenig würdig. Müssen wir denn jedem u y d jedem Antisemiten die Ehre antun, in unserer offiziellen Zeitung gedruckt zu werden? Muß man da z u andauernd Gelder sammeln? Jüdische Themata — deut s ch e Themata — das ist es, worauf wir zu drangen haben, und die Abwehr mag zur „Rundschau" gut sein! Auch deutsche Themata! Denn ich gehe noch weiter als Dr. Hirschberg. Wir sollen das Deutsche nicht immer bloß als Vergleichsobjekt für das Jüdische heranziehen, wir sollen es um seiner selbst willen pflegen! Ein Verein „d e u t s ch e r Staatsbürger" muß es doch als seine Pflicht anseheu, deutsche Literatur und deutsche Geschichte und deutsche Landschaft., deutsche Mrnst und deu tsche Musik, deu t sche Wirtschaft und deutsche Politik, de utsche Er zieh u n g und deu tsche Schule, deutsche Wissenschaft und deutsche Philosophie in feinen Reihen zu Worte kommen zu lassen' -- um ihrer se l b st willen, wie gesagt, und nicht bloß immer vom jüdischen'Standpunkt! Und was aus dem Beiwort „jüdisch" folgt, dem wir im Namen des Vereins begegnen, hat Dr. Hirschberg treffend 'gezeigt. Auch hier vergleiche man nicht immer nur, sondern suche auch objektive Belehrung. Aber auch hier gehe ich weiter. Dann die Fragen des „Glaubens"? M u ß man ihnen im C. V. ganz aus dem Wege gehen? Ja, kann man es überhaupt? Liegt es nicht im Wese n der Sache, daß der liberale Jude einen anderen Typus des. deutschen Jude»; erstreben wird als der orthodoxe — und der Reformer wieder einen anderen als der gemäßigt Liberale? Sollte nicht sachlich darüber gesprochen werden können? Und wird nicht gerade der rein religiös interessierte Jude — und das ist doch der deutsche — die religiöse Begründung für all das suchen, was einem anderen nur staatsPol i t i s ch notwendig erscheint oder nur recht d e u tsch es Wesen ist? Sind „E i n i gk'e i t und Recht u n d F r e i h e i t" nicht eminent religiöse Forderungen und nicht bloß „deutsche"? Ja, sind wir denn schlechthin „deutsch" aus Religion und nicht vielmehr deutschpatriotisch aus Religion — weil eben gerade der religiös Anationale aus Religion heimatlich fühlt? Denn Religion ist nach Steinthal das „Gemütsheim" des Menschen, und das G e mütsheim ist uns auch die deutsche Heimat. Hat es dem- , n a ch ü b e r h am Pt einen S tun, :j ich d a r über zu täuschen, daß der C. V. d i e m a n n r g s a ch st e n Gegensätze in sich vereinigt und der Wille zum Deutschtum' und der Wille zum Judentum, und dann wieder der Wille zum Deutschtum und Judentum nur bei Gruppen des Ganzen der gleiche ist, aber nicht etwa bei dem ganzen C. V.? Aber gerade daraus folgt die Notwendigkeit, allen Gruppen gerecht zu werden, wenn nicht neue Teile sich absplittern sollen. Vielleicht hätten wir nie eine Naumann-Gruppe erlebt, wenn nur rechtzeitig im C. V. dem d e u t s ch e n Gedanken ein positiver e r Ausdruck verliehen worden wäre. Aber könnte es nach diesem Zerrbild einer Idee, wie die Naumann-Gruppe sie heute darstellt, nicht Zu einem „K n l t u r v e r e i n deutsche r I u d e n" kommen, der abseits vom C. V. seine Wege geht? Wenn der Central-Verein das nicht . will, dann wehre er ab n n d b a n e c r auf! Ms üer Zeitungswelk. Ajin „Israelit", dem Zentralorg.au für das orthodoxe Judentnm, Nr. 5 d. I., finden wir in einer Feuiuetonreihe „Eine Schweizer Reife nach Jahren" folgende beachtenswerte Stelle: In meinem Abteil liest ein älterer Herr die „Züricher Post", legt das Blatt aus der Hand und sagt: „Na ja, recht hat die Zeitung schon.. Hier sollen wir für Deutschlandhilfe sammeln und dort in St. Moritz, in Engadin und anderswo prassen und schlemmen bk Deutschen und fahren Ski. Die haben keine Not." „Die nicht," sage ich, „aber in Berlin und Frankfurt und überall in Deutschland gibt es Hunderte von Kindern, die ohne Frühstück in die Schule kommen. Tausende, die überhaupt nicht in die Schule können, weil sie nichts anzuziehen haben . . Ein anderer Herr packt die Sache von qnderer Seite an: „Warum sollen die Deutschen, die soviel durchgemacht haben, nicht auch ein Recht auf Luft und Erholung haben? Uebrigens, erst jammerten wir über die Abnahme des Fremdenverkehrs und jetzt klagen wir über die, die kommen . . Der Mann konnte seinem Aussehen und seiner Rede nach ein Hotelier sein ... Der mit der Zeitung sagte ruhig, schon halbversöhnt: „Dann fochten sie wenigstens die Perlen und Brillanten und schweren Pelze daheim lassen. Lder sie dort für die Kindernot verwenden." Dagegen hatte keiner was einzuwenden. Solche Gespräche, die sich in deutschen Eisenbahnwagen zu einem Rassenstreit aus Tod und Lebe»! auswachsen, werden hier ohne. Haß und Leidenschaft und ohne Spur von persönlicher Anzüglichkeit zu Ende geführt. P a rjp u m , Pxid e i» /Ta £c li e npu d e r /.Ta. 11c um Pu der, Cre m e / Sei f e B rill anin e / H a ar^ajPsr /Pcrils'b^e^vajPe r /Bade Kr i ft alle > Stifx Myffikum if? ein geheimnisvoller Duff, der gehaltvolle Schwere mit Blütenreinheit in vollendeter Form vereint. Es ij? ein Genuf, Myffikum als Parfüm, als Puder, Seife oder Toilettewa(]er ru gebraudien, und cs bereitet Freude, Menfchen um fidi zu haben, die von dem feinen, prickelnden Wyßikum-Aroma umgeben find. 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