Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 8 (21.2.1924)
- Date
- 1924-02-21
- Page
- Seite 74 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2277379-2277464-2277471--00933-2280120- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
74 traurige Ausnutzung der Vergeßlichkeit, .denn bereits ehe diese Ersüllungspolitik begonnen wurde, war die deutsche Mark zu 92 Prozent aüsgegessen. Insbesondere die A b m a dy u n g e n Rat h e n a u s in Cannes seren v iel wen iger kostsp i eli g gewesen als dasjenige, was dann der erbittertste Gegner, nämlich die Schwerindustrie, in den M-i-cu mver tx ä ge n u ni\t rschr tebe n hätte. Rathenaus Ersnllungspolitik sei also ganz bestimmt nicht die Ursache des Unglücks gewesen. Ebenso richtig sei aber auch, daß auf der anderen Seite Juden gegen die- Ueberspannung französischer Forderungen ausgetreten und im Auslände bitterlichst verleumdet worden siird, insbesondere auch Schanze r und in Frankreich Leon Blum u. a. Rathenau habe zuerst die Kraft besessen, die Neichsbank 51t einer Aiemdoriung ihrer Politik zu bewegelN; leider sei nach seinem Tode diese Kraft nicht mehr vorhanden gewesen. Falsche Finanzpolitik, deren Väter wahrlich keine Juden waren, und falsche Kreditpolitik hatten vor allem den Valutasturz verursacht. Es ist nun die Frage aufzuwersen: Wer hat gewonnen und wer hat beim Valutasturz verloren. Das deutsche Volk als ganzes ist dabei verarmt lveit über die Folgen von Krieg und Friedensvevtrag hinaus, aber in sehr unglücklicher Verteilung. Es ist eine Falschorganisation unserer Wirtschaft eingetreten, unter der bereits Millionen Arbeitslose Leiden und bald wichtige Teile des Unternehmertums leiden werden. Das deutsche Volk als ganzes hat verloren, und eine genaue Untersuchung zeigt, daß das deutsche Judentum als ganzes in seiner wirtschaftlichen Position durch diese JnflaLwnsperwde n 0 ch m ehr verloren hat. Es hat sich nämlich der Sachwertbesitz in Landwirtschaft, Industrie und Handel seinen Wert im ganzen einigermaßen erhalten können und ihn um fo mehr zu stärken vermocht, je näher er der Urproduktion stand, am meisten also Landwirtschaft und Großindustrie. Aber es ist eine unerhörte V e r a r m u n g des R e n t n e r t u m s 1111 d ei n e Verelendung der Arbeitskraft, insbesondere der geistigen Arbeit, eingetret-en. Auf der Marge zwischen Goldpreis und Papierlohn wucherte ein gänzlich unproduktiver Zwischenhandel, und chie. deutsche Produktion hat sich nach falschen Richtungen ausgebaut. Eine Bereinigung wird und muß bald kommen. Wer ist nun I n f l a t i 0 n s g e w i n n I c r? Gestärkt i st zunächst ein beträchtlicher Teil der Landwirtschaft. Sehr wahrscheinlich ist ein großer Teil der Schwerindustrie beträchtlich geparkt, wenn er auch freilich durch den Ruhrkampf wieder verloren haben muß. Aber die Beobachtung zeigt doch, daß an den großen neuen industriellen Herzogtümern die Juden gar nicht oder nur sehr wenig beteiligt sind: Stinnes, Thyssen, Klöckner, Vogler und Herr Otto Wolfs sind keine Juden. Die jüdischen Unternehmungen, die eben der Urproduktion nicht NNhestanden, sind in ihrer Bedeutung durchweg nicht gestiegen; bei den Warenhäusern kann man deutlich einen Rückgang feststeUen. Das ganze Bankwesen hat zwar eine sinnlose Inflation von neuen kleinen, zum Teil auch nicfjt unbedenklichen Elementen erlebt, aber das Bankwesen als ganzes ist in.seiner Bedeutung lveit Zurückgedrängt worden; die Goldbilanzen werden das erweisen. Schon ist es weitgehend hörig gegenüber der Großindustrie. Der jüdische Mittelstand im Großhandel hat seine Substanz zu erhalten versucht, aber mit der Unzahl der neu Hineindrängenden teilen rnüssen. In diese neu entstandene Zwischenschicht der Mittler und Händler haben sich insbesondere auch solche gedrängt. Lenen durch die Bildung der industriellen Herzogtümer der Platz genommen wurde, und solche, die in ihnen keinen Platz finden konnten, denn die meisten sind z i e m l i ch streng a n.L i f e m i t i s ch. Im übrigen sind Ausschreitungen, die hier vorgekommen sind, zu bedauern, aber schließlich ist das eine notwendige Folge zerfallender W ä h r u n g. In den rheinischen Städten haben zwar die Ostjuden keine Rolle gespielt, aber dennoch gab es und gibt es dort ein Valutaschiebertum, dessen materielle Bedeutung man im ganzen vielleicht überschätzt. Der Detailhandel im ganzen, insbesondere^derzenige für periodisch gebrauchte Waren, bei denen man bei Valutastürzen die Verteuerung immer erst in langen Intervallen merkte, hat zwar in allererster Linie die Volksabneigung aus sich gezogen, und ist doch zweifellos bei den letzten großen Valntastürzen Verlierer größten Stils gewesen. Der jüdische Detm (Händler, der sich zum größten Teil aus- und armverkauft hat, erhält auch noch die Prügel von der Entwicklung. Trotz allem ist kein Grund zur Verzweiflung. Wohl stehen wir, wie inraner es mit der Währung gehen mag, vor dem Ende der Währungsschwierigkeiten. Das wird in Bankwesen und Handel eine starke Zusammenpressung und teilweise Zerquetschung von solchen Existenzen geben, die bisher dort ein Asyl gestruden hatten. Daran ist volkswirtschaftlich nichts zu bedauern, ebensowenig daran, daß manche'falsch ausgeoaute industrielle Organisation schweren Schaden leiden wird. Zwei Lichtpunkte zeigen sich am Zukunstshimmel Deutschlands, und erfreulicherweise sind Iud en an beiden beteiligt: Als später Erfolg der unaufhörlichen Bemühungen von Walther Rathenau werde inr nächsten Jahre die sogenannte einstige Meistbegünstigung, die gefährlichste Wirtschaftsbindung Deutschlands, fallen und damit Deutschland wieder gleichberechtigt auf den Märkten der Welt erscheinen. Unsere Landwirtschaft sei aber dank der Industrie des künstlichen Stickstoffs in ihrer Produktivität beträchtlich gehoben worden, und man dürfe mit Freude feststellen, daß hier die enge Zusammenarbeit des dem Judentum entstammenden Professors Haber und des christlichen Organisators Bosch euren großen wirtfltzrftlichen Vorsprung Deutschlands auf seinem eigenen Boden neu geschaffen lprbe. Redner schloß: „So wollen wir denen, die uns von der jüdische!: Mrtschafts- und Finanzdiktatur sprechen, dieses antworten: Das Gerede von der jüdischen Wirtschastsübermacht ist u n w a h i\ Aus dem furchtbaren Jnflatiönsprozeß geht die deutsche Judenheft als Gesamtheit zweifellos geschwächt hervor und diejenigen,, die in Handel und Geldwesen ein zeitweiliges Unterkommen fanden, stehen vor schweren Sorgen und Kämpfen. Es ist sogar sehr fraglich, ob angesichts der starken Ausbreitung der Industrie-Herzogtümer — und es werden höchstens womöglich noch Reparations-Herzogtümer dazu kommen — auch nur das alte Feld wieder gewonnen" werden kann, aber die kommende Zeit verlangt wieder vom deutschen Volk neben der rastlosen Arbeit, der ehrliche Bezahlung zukommt, auch ein rastloses neues Ringen um den kleiner gewordenen Markt der Wellt. Mehr als je braucht deswegen Deutschland diejenigen Fähigkeiten, die in der Vergangenheit auch die jüdischen Unternehmer zur Ausbreitung des deutschen Handels, der deutschen Wirtschaft und der deutschen Arbeitsgelegenheit in der Welt geleistet haben. Wir gehen geschwächt aus dem großen Volksunglück der Inflation hervor, und vielen von uns stehen noch schwere Zeiten bevor; wir werden trotzdem unverzagt wieder an die A r b e i t gehen. Wir wollen nur die Binde, die eine unwahre und absichtsvolle Hetze um die Augen legt, die von einer jüdischen Wirtschasts- und Finanzdiktatur spricht, schnell zerreißen, damit wir in dem schweren Kampf nur Deutschlands Wiedererstarken und Wiederemporkommen auch unsere Arbeit für Deutschland leisten, zu der wir fähig, bereit und freudig gewillt sind. Wir verlangen hier unsere Pflicht als u n s c r R e cht!" Zur Naturgeschichte öes völkischen Eiöes. Eine Galerie von Ehren männern. Vor dem Nürnberger V 0 lksgericht ging in diesen Tage;: ein Strafprozeß zu Ende, in dem eine Reihe von Nationalsozialisten wegen L a n d s r i e de n sb r u ch s sich zu verantwort-en hatten, weil sie am 29. Oktober v. I. Schaufenster von Geschäften jüdischer Kau-fleute eingeschlagen hatten. > Der eine Rädelsführer, ein Installateur Leicht, stand nicht das erstemal vor dem Strafrichter. Er hatte wegen schweren Diebstahls, Hehlerei und Verbrechens gegen das Eigentum schon hinter schwedischen Gardinen gesessen. Ein anderer Angeklagter, T r a u t n e x, hat, bevor er sich mit Politik befaßte, Vorstrafen wegen Urkundenfälschung und Betrugs verbüßt. Ein dritter, Gras, wurde aus dem Gefängnis vorgeführt, wohin er sich wegen Raubüberfalls aus zwei Jahre zurückgezogen hatte. Um nicht von seinen Komplicen äbzuftechen, hat auch ein weiterer Angeklagter, P r e i ß, bereits Vorstrafen wegen schweren Diebstahls und Betrugs hinter sich. Von ganz besonderem Format ist ein weiterer Angeklagter namens Z e r r. Daß er gleichsalls^wegen Diebstahls, versuchten Betrugs, Untreue und Unterschlagung vorbestraft ist, überrascht nicht weiter. Bemerkenswert scheint uns aber aus seinen Aussagen die Mitteilung zu sein, daß er bereits fünf T a g e v 0 r den: 8. November gewußt habe, daß Hitler i n M ü n ch en einen Putsch pla n e. E r fe i da he r i n de rr ersten T a g c n des N 0 ve m b e r bei der R e i ch s w e h r i n Furt h e i n g c r x c t e n. Als aber der Hitler-Putsch mißglückt sei, sei er wieder ausgetreten. Als R e i ch s w e h r s 0 l d a t h a b e e r s i ch u i ch t a u f K a h r, s 0 n d e r n a u f H i t l e r vereidigt gefühlt. Was dein einen ein gebrochenes Ehrenwort, ist dem anderen ein falsch gefühlter Eid. Vielleicht liegt die Sache in diesem Falle gar nicht so tragisch Der eine verwechselt mir und mich, der andere mein und dein — warum soll nicht auch einmal jemand sich über der: Inhalt eines Eides irren könnend Der Erfinöer öes Automobils. E ine Z u s ch r i f t. Ein treues Hamburger Mitglied schreibt uns: „Zu Ihrem Aufsatz „Die Juden haben nichts erfnnden" gestatte ich mir als eifriger Leser Ihrer Zeitung, Ihnen folgendes zur Ergänzung mitzuteilen. Außer den von Ihnen genannten jüdischen Erfindern verdient der Name des Mannes genannt zu werden, dem wir. eine der populärsten Erfindungen zu danken haben, nämlich des Automobils. Der Name dieses Mannes ist Siegfried Marcus, -geboren als Sohn des Mitgliedes des israelitischen Kirchenrates zu Malchin in Mecklenburg. Marcus ging schon in jungen Jahren nach Wien und arbeitete dort an einer Reihe von Erfindungen, u. a. beschäftigte er sich mit dem Telephon und machte Versuche auf dem Gebiete der -elektrischen Beleuchtung. Im Jahre 1864 fuhr er auf der Wiener A u s st e llung mit einem Auto mobile, d. h. Selbstfahrer, und erregte dort ungeheures Aussehen. Kein Geringerer als der Kaiserlich deutsche Automobilklub hat die Verdienste von Marcus anerkannt. Er beschloß im Jahve 1914 an feinem Geburtshause eine Gedenktafel anbringen zu lassen. Die Tafel ist bereits im Entwurf ausgeführb, jedoch ist die Fertigstellung in* folge des Krieges unterblieben."