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Central-Verein-Zeitung · 1924-02-21 · 8 (21.2.1924) · p. Seite 73

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
8 (21.2.1924)
Date
1924-02-21
Page
Seite 73 (sequence 5)
Language
German
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73 Das goldene Halb. B etrach tung zum Woch enabschnit t. Es wLve eine würdige Aufgabe für einen Geschichtsforscher, eine LiDe der Geschichtslügen aufzustellen, welche von Böswilligkeit, Haß und Oberflächlichkeit aufgebracht, sich gleich SchlingpAsnzen, alles zu überwuchern drohend, um den lebendigen Baum unseres jüdischen Gemeinschaftslebens ranken. Dazu gehört auch das geflügelte Wort vom Tanze u m das goldene Kalb, welches das jüdische Volk schon in seinen ersten Anfängen als Mammonsanbeter hinstellen will, so daß dann die Enkel nur lustig fortsetzen, was die Ahnen fröhlich begonnen. Und doch beweist uns gerade die Geschichte der Anbetung des goldenen Kalbes das Gegenteil von Mammonsverehrung. Wie war es denn in Wirklichkeit? Noch nicht reif für die gewaltige Offenbarung des unsichtbaren, geistigen Gottes, hatte das Volk schon nach Anhörung der beiden ersten Bundesworte sich die Vermittelung des großen Führers erbeten. Seit Wochen war dieser den Blicken der meinen entschwunden. Und mit ihm war der jungen Gemeinde ihr Gott verloren gegangen, jnit dem sie sich nur Durch seine' Persönlichkeit verbunden fühlte. Stark aber lebte die Sehnsucht nach dem Göttlichen in ihren Seelen. Darum drängt sich das Volk in dichten Scharen um den Bruder des Großen. Er soll ihnen wieder einen Gott schaffen. Doch dieser fühlte sich einem solchen Verlangen nicht gewachsen. Ihm fehlte die schaffende Macht des Geistes, die den Gott in den Herzen weckt. Er hofft aus des Meisters Wiederkehr und sucht einen Aufschub. So fordert er ein großes Opfer. Gold sollen sie ihm bringen. Er will sie Hinhalten. Ist es denkbar, daß die heim- und herdlosen Wanderer den einzigen Besitz hergeben? Doch wie im Fluge geschieht das Unglaubliche. Sic reißen sich den Goldschmuck vom Leibe. Erklärlich bei Männern, die weniger auf Schmück geben. Aber noch mehr, auch Kinder und Frauen, deren spielerische Seele doch mehr am Gleißenden hängt, bringen ihn in Haufen. Gewiß, fremde Erinnerung führt sie Zur Verkennung der wahren Idee des Göttlichen. Und doch bleibt es wahr. Sie opfern ihr Gold für das Ideal, wie sie es verstehen. So hat dieses Volk, als es sich zur Höhe des wahren Idealismus erhob, immer wieder sein Gold für das Göttliche geopfert. So sammelte sich der Goldschatz im heiligen Tempel von allen Enden der Erde. So erwarb Sebulun, damit Jsachar grübeln und forschen £ o n n t e t m schattigen Zelte. So lebten die Gelehrtenschulen in Babylon, in Spanien, in Polen und Rußland, die frommen Beter und Forscher im heiligen Lande von den Goldpfennigen der schwerbelasteten Brüder. Wo immer es galt, Kunst und Wissenschaft zu fördern, dem verkannten Talente den Weg zu bahnen, da fehlte es nicht an einem Beitrage jüdischer Opferwilligkeit. S o tanzte Israel um das goldene Kalb. I s ch T i k w o h. MilheLm Schäfer über öie öeutjchen Juden. Wilhelm Schäfer gehört zu den vornehmsten Repräsentanten heutigen deutschen Schrifttums und man hat angesichts seiner Schrrsten stets die Gewißheit, daß jeder Satz, jedes Wort mit rücksichtsloser Ehrlichkeit niedergeschrieben ist. Um so erfreulicher, daß nun auch Schäfers Stellung zur Judenfrage gedruckt vorliegt: „D i e deutsche Judenfrag e", in seinem Buche „Der deutsche Gott, Fünf Briefe an mein Volk" (Georg Müllers Verlag, München). Schäfers Stellungnahme darf von allen gehört werden, denn es gibt wenige so ausgeprägt deutsche Persönlichkeiten unter den zeitgenössischen Schriftstellern. Wenige, die ihr Deutschtum so markant darzulegen und zu erläutern imstande sind, wie. Wilhelm Schäfer. Die Kernpunkte seiner Betrachtung können in einem kurzen Hinweis nur angedeutet werden. Schäfer stellt die Unterschiede Zwischen Deutschen und Juden dar, mit größter Deutlichkeit, und es ist wahrscheinlich, daß der deutschfühlende Jude in manchen Stellen diese herausgeschälten (rasseologischen) Unterschiede als überschätzt und übertrieben ansehen wird. Dies ändert nichts daran, daß Schäfers Betrachtung im Interesse gegenseitiger Verständigung überaus wichtig werden kann. Das Wesentliche an Schäfers Stellungnahme bleibt, auch dann, wenn man ihm in manchen Beziehungen nicht zustimmen mag: die zweifellos vorurteilsfreie, dichterisch überlegene Art der ganzen Behandlung des Themas, wie sie sich beispielsweise im folgenden Absatz (Seite 250) äußert: „Die Wahrheit ist die, daß die deutschen Juden sichtbar geholfen haben, den Lebensboden der Bildung überhaupt wieder zu lockern. Ohne sie hätten wir anfangs des zwanzigsten Jahr Hunderts kaum noch von einem geistigen Leben in Deutschland sprechen können... In jüdischen Häusern, mehr als sonst, wrro gute Musik gemacht; in jüdischen Häusern, mehr als sonst, werden gute Bücher gelesen: was einmal den Ruhm der Rahel ausmachte, wurde Lebensstil in jüdischen Häusern! Gegenwärtig ist die Pflege des geistigen Lebens in Deutschland, d. h. der Widerhall dessen, um was sich Kunst und Wissenschaft bemühen. Zu einem beträchtlichen Teil in jüdischen Händen, so daß es manchmal aussieht, als wollte das deutsche Volk diesen ihm unwichtigen Teil seines Daseins den Juden überlassen." Wilhelm Schäfer, der Dichter der „Dreizehn Bücher der deutschen Seele , ist heute in Deutschland eine Macht. Möge sein wertvoller Beitrag Zur Judenfrage die Teilnahme seiner in Deutschland so zahlreichen Verehrer und Freunde finden. Ludwig Kunz (Görlitz). Die „jü-ifche" Zinanz- und WirMaftsöiktatur. Ein Vortrag von Staatssekretär Z. D., Professor Dr. Hirsch. t lieber „D ie jüdi s ch e F i n ci n 3 u n d Wirts ch a f t s » d i kt a t u r" sprach Staatssekretär z. D. Dr. Hirsch in einer vom Verband Groß-Berliner Ortsorilvven des Eentral-Bereins einberusenen Versammlung im Oberlichtsaal der Philharmonie. Der Referent führte ans: Die Märe vom ungeheuren Reichtum des Judentums, von der v>el tum spannenden Ausdehnung und Verknüpftheit der jüdischen Hochfinanz ist die gedankliche Grundlage für' die Behauptung, daß es eine Negierung außerhalb der politischen Institutionen der Völker gäbe, die bestimmend in deren Geschichte eingreift, ^ulboeinslußt vorn Glück oder Unglück der Völker, für die ihr Wille Schicksal bedeutet, nur geleitet vom eigenen Interesse. Wer möchte demgegenüber nicht ans den breiten Gürtel proletarischen Judentums Hinweisen, der sich im. Osten vom Baltischen. bis. zum Schwarzen Meer entlangzieht. Muß man nicht! auf die soziale Struktur Deutschlands, Frankreichs, Englands Hinweisen, in die sich der jüdische Teil der Bevölkerung 'in angemessener Weise einfügt, wenn inan die Geschichte des Judentums in diesen Staaten dementsprechend wertet? Gerade die Ergebnisse der neuesten Forschung haben dargetan, daß das Judentum in der Zeit seiner nationalen Selbständigkeit und Geschlossenheit keineswegs ein Handelsvolk gewesen ist, das sich inmitten einer sonst Ackerbau treibenden Bevölkerung durch die Art! feiner Betätigung als anders geartet habe erkennen lassen, sondern daß auch das jüd i s ch e Volk e i n A ck e r b a n v 0 l k gewesen ist. Erst die Geschicke des Judentums in der Diaspora, die ihnen als einzige Möglichkeit der^ Weiterexistenz als Juden die Waren- und Geld- Vermittlung ließen, haben zu einer außerordentlichen Steigerung, sozusagen zu t einer Hochzüchtung w i r t sch a f t s i n te l l e k - t u e l l e r Fähigkeiten geführt. Diese sind aber den mittel- und 'westeuropäischen Nationen nicht nur kein Schaden gewesen, sondern sie haben in der modernen Entwicklung diesen Nationen den höchsten Nutzen gewährt, da sie den Wirtschastsspielraum der Völker durch ihre werbende, markterobernde und mar kt schaffende Tätigkeit außer- 0rdentlich erweiterLen. Unmittetbar vor Kriegsausbruch wandte sich eine rnißgeleitete Agitation insbesondere gegen den angeblich von Juden geschaffenen E f s e k t e n k a p i t a l i s m n s. Dr. Hirsch zeigte, daß die rapide Entwicklung der deutschen Industrie ohne diele Formen der Heranziehung fremden Kapitals, die 3, B. in Frankreich lange gefehlt haben, ganz undenkbar gewesen wäre und charakterisierte insbesondere das Gerede von Börsendiktatur als kennzeichnend für die Unkenntnis vom Wesen dieses Marktes, wo jeder einzelne „die Gefahr zu seinem Berufe" gemacht habe. In und nach dem Weltkriege spielten in Europa und in Amerika drei Schlagworte eine gefährliche Rolle: Der Verderb der Staaten solle herbeigesührt sein bald durch die jüdische W i r t f ch a f t s g e s i n n u n g , und zwar sollen sich in geheimnisvoller Weise Planmäßig in die Hand arbeiten jüdischer Kapitalismus, jüdischer Marxismus und jüdischer Bolschewismus, sodann eine jüdisch e Wi r t f ch a f t s P 0 l i t i k, die sich je nach dem Lande des betreffenden Antisemiten bald gegen Polen, gegen Frankreich, Amerika oder gegen Deutschland richten sollte, in Deutschland aber besonders durch or r i e g s g e 1 e l l s ch a f t e n die Aussaugung des Volkes begonnen haben soll, durch die jüdischen sozialistischen Negierungen die Inflation gemacht, durch Nathenans Erfüllnngspolitik gesteigert und just die jüdischen Kapitalisten bereichert haben soll. Redner zeigt zunächst, daß Kapitalismus auf der einen Seite, Marxismus und Boschewismus auf der anderen Seite gänzlich unvereinbare Gegensätze sind, und daß es auch für den jüdischen Kapitalisten in Rußland keinen s ch l i m m e r e tt T 0 dfei n d gegeben hat, als eben den sogenannten jüdischen Bolschewismus, daß also etwas zusammengebracht wird, was als Gegensatz in sich von jedem, der die Dinge kennt, ohne weiteres erkennbar ist. Bezüglich der Kriegsgesellschaften erklärt Redner, daß er im Aufträge der damaligen kaiserlichen Staatssekretäre mit an deren Kontrolle und der Beschleunigung ihrer Auslömng beteiligt war und sich bei ihnen ganz bestimmt keiner Beliebtheit erfreute. Um so mehr sei es berechtigt, das Urteil des ersten Präsidenten des Kriegsernähr ungsanues, Exzellenz v. Batocki, zu unterstreichen, daß diese Gesellschaften, die durch Jnteressentengeischrei hinterher vollkommen unberechtigt diskreditiert worden sind, als ganze s eine glänz>ende 0 rgani fa torische Leistung deutschen Beamten- und Kaufmannsgeistes boten und für die Fortsetzung des K r i e g e s e i n s a ch u n u m -- gängli ch. waren. Die Zahlen, die man über die Juden in Kriegsgefellfchaften angibt, etwa 8 Prozent, seien übrigens viel zu hoch, denn zu jeder Kriegsgesellfchaft gehörte regelmäßig eine Reichsstelle oder ein Reichstomnusiariat von ähnlicher wröße, aber rein beamtenmäßig organisiert, folglich meistens ohne jüdische Beteiligung. Als der Krieg verloren war, auch n a ch u n s ä g l i ch e m B e r l u st von jüdischem Blut, setzten die furchtbaren Kriegsfolgen ein, vor allem W ä h r u n g s v e r f a l l, I n f l a t i 0 n , und ziemlich genau parallel m i t der I n f l a t i 0 n des Geldes d i e ' I n - lationdes Hasses, des Judenhasses. Die Hetze machte ie Juden verantwortlich für dieies neue Elend un!d suchte ihnen die Schuld zuzuschieben. Wer ist nun verantwortlich? Redner erörtert die Fragen der Passivität der Handelsbilanz, Passivität der Wirtschaft, die er persönlich als zurzeit nicht mehr vorliegend erachtet, und verweilt dann bei der Frage der Rathenauschen Erfüllungspolitik. Daß diese an dem Unglück schuld fei, fei eine

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