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Central-Verein-Zeitung · 1924-02-21 · 8 (21.2.1924) · p. Seite 71

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
8 (21.2.1924)
Date
1924-02-21
Page
Seite 71 (sequence 3)
Language
German
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solche« Niederlage zu überdauern. Sollte Mit den Dynastien nicht das politische Dasein des -deutsche» Volkes vernichtet werde», so mußte das Reich auf die Grundlagen - gestellt werden, die dem gestürzten System gefehlt hatten. Durch das Prinzip LemÄratischer Selbstorganisation mußten die Massen dem nationalen Staatsbewutztsein wiedergewonnen werden, dem sie unter der Herrschaft der alten Mächte entfremdet waren. Im Elend der Niederlage mutzte der kühne Entschluß reifen, de» alten Fluch des Widerspruchs zu lösen, der so schwer aus Deutschland gelastet hatte; den deutschen Staat zn gründen, der nach dem Sehnen so vieler Geschlechter hatte sein sollen, und doch nie gewesen war. Das hat die Reichsverfassullg von Weimar gewagt und — deshalb soll sie ,.nndeutsch" sein! Ach, wie deutsch sie ist, das zeigt sich nicht bloß in ihren nationalen Zielen, sondern auch in ihren nationalstaatlichen Schwächen: den Resten der Länderstaatlichkeit, die sie noch nicht zu tilgen vermochte. Der Einheit des Nationalstaates, sagt man, widerstrebt eben „die starke Eigenart der deutschen Stämme". Sprenkel für die Drosseln. Was haben die Länderstaaten, die Gebilde dynastischer Hauspolitit, mit der Eigenart der deutschen Stämme gemein? Und im übrigen ist der Bayer vom Ostpreußen bei weitem nicht so verschieden wie der Piemonlese vom Sizilianer, kaum wie der Nordvom Südsranzofen. Nein, was die Entfaltung des deutschen Nationalstaates hemmt, daß sind die Nachwirkungen der überlangen Herrschaft des landesfürstlichen ObrigkeitsstaateS, die überwunden werden müssen, wenn uns trotz aller Bedrängnis das Reich doch bleiben soll. Die gleichen Nachwirkungen stemmen sich der Festigkeit und Entfaltung demokratischer Selbstregierung entgegen. Doch auch sie, in deren Zeichen unsere ganze Kulturwelt steht, soll ja „undeutsch" sein, ein uns fremdes Erzeugnis des „faulen Westens". Die so im Namen des deutschen Volkes zu reden wagen, sprechen ihrem Volke die elementare Fähigkeit ab, die jedes andere Volk ringslun als selbstverständlich in Anspruch nimmt: für sie ist der echte Deutsche mit dem Sattel der Untertänigkeit auf den, Rücken geboren und soll ihn tragen in Ewigkeit. Sie wollen uns wieder hiMnhetzen in den" feindlichen Gegensatz gegen den großen Strom politischer Kulturentwicklung, in jene internationale Isolierung, die uns zugrunde gerichtet hat. Das wäre nicht nationale Selbstbehauptung, sondern nationaler Selbstmord. Die Feindschaft der Sieger hat uns Herabdrücken wollen zum Paria unter den Völkern; wir würden dies Verdikt als gerecht anerkennen, wenn wir jenen Leuten folgten, die gegen nationale Einheit und demokratische Freiheit als „undeutsch" Hetzen. Nur die deutsche Republik als national einheitlicher und demokratischer Staat hat Anspruch auf den ebenbürtigen Platz,unter den anderen freien Staatsvölkern. Sie hat unter Drangsalen ohnegleichen das Reich bis heute erhalten, zu lange für die Ungeduld ihrer Feinde draußen und drinnen. Hütte der alte Obrigkeitsstaat, all seiner Machtmittel beraubt, seine Untertanen an Rhein und Ruhr, in der Pfalz und an der Saar trotz unmenschlichen Druckes übermächtiger Sieger an sich zu fesseln vermocht,? Was die treuen Deutschen dort umöslich an das Reich bindet, das ist die Macht der Idee nationaler Einheit und Freiheit. So „undeutsch" ist die Reichsverfassung von Weimar. Merhanö Heßrrrüiches. Mussolini, die Wolgadeutschen, und die So-'.wj etre publik. Der Heros der Deuischvölkischen und NationalsOziaListen war Mussolini, solange er nicht sich: mit aller Schärfe gegen den Antisemitismus ausgesprochen hatte. Er hat nun noch gar die Sowjetrepublik anerkannt, einen Gesandten nach Moskau geschickt und sofort einen Handelsvertrag geschlossen, und auch London hat mit Moskau seinen Frieden gemacht. Niemand in beiden Ländern ist diesen bedeutsamen Schritten entgegengetroten etwa mit der „schlagenden Begründung". man dürse mit der angeblichen „Keimzelle der jüdischen Weltregierung" Vertrüge nicht schließen. Solche Tollhäuslerei en bleiben das Eigentum gewisser deutschvMifcher Kreise. Aber selbst größere deutsche Ansiedelungen in Rußland passen sich der Sowjetregierung an. So meldet das „Deutsche Leben in Rußland" (Nr. 3/4, Februar 24), herausgegeben vom „Zentralkomitee der Deutschen aus Rußland", der 11. Kongreß der Räte des autonomen Gebietes der Wolgadeutschen in Potrowsk habe am 10. Januar dieses Gebiet feierlichst in eine „sozialistische Sowjetrepublik der Wolgadeutschen" umzuwandeln veMoffen. Niemand wird nun behaupten, daß alle Deutschen Bolschewisten seien, wahrend sich die DeutschvMischen täglich erdrersten, weil Juden auch bei den Bolschewisten sich finden, deshalb das gesamte Judentum als holschewistisch-sadistische Umsturzorganjsation heralMsetzen. Sopkottl E ine E n t s ch l i e ß u n g der p o m m e r f clj e rt Deuts chnationale n. Nach dem Berichte der „Pommerschen Tagespost" (Nummer 80 vom 5. Februar) hat der Landesverband Pommern der Deutschnationalen Volkspnrtei folgende Entschließung gefaßt: Der Vorstand des- Landesverbandes Pommern der Deutschnationalen. Volkspartei ist davon durchdrungen, daß der völkische Gedanke in Politik und Wirtschaft zum'Siege geführt werden muß, wenn Deutschland innerlich und äußerlich gesunden und zur Freiheit kommen soll. Di-esen Erfolg können Nur aber nur erringen, wenn jeder einzelne unserer Parteifreunde nicht nur durch seine Gesinnung, sondern auch durch sein Verhalten dieser völkischen Einstellnng Rechnung trägt. Aus diesem Gesichtspunkte erwarten wir von unseren Parteifreunden in Stadt und Land, daß sie jeden geschäftlichen Verkehr nur mit deutschen Volksgenossen führen und jede wirtschaftliche Stärkung sremdrassiger Elemente vermeiden. Der Vorstand des Landesverbandes ist einmütig der Auffassung, daß jeder DeuLschnationale sich außerhalb unserer Weltanschauung stellt, der diesem völkischen Gebot Zuwiderhandelt. Er ist entschlossen, mit allen ihm Zn Gebote stehenden Mitteln durchzugreif-en, wenn ihm Verstöße gegen dieses Gebot zur Kenntnis kommen. Wir ersuchen unsere Kreisorganisationen, mit aller Schärfe aus Durchführung dieser Grundsätze 311 achten. Malkewitz, Schlange, Egenolsf, Dr. Tramm, Ilse Charlotte Noack, Peschke, v. d. Marwitz. Zulle. Damit ist zum er ftc n Male im neuen Deutschland die verrostete Waffe des wirtschaftlichen B 0 yk 0 t t s gegen jüdische Deutsche angewendet. Dieser durch nichts berechtigte Boykott wird gerade in dem Augenblick verhängt, in dem polnischen Nationaldemokraton im Sejm den schamlosen Antrag stellen, sämtliche Deutsche — das treue Deutschum der Juden in den ehemals deutschen Gebieten ist ihnen besonders verhaßt — aus Polen auszuweisen. Mit aller Macht wehrt sich die deutsche Presse aller Richtungen dagegen. „Wenn aber die Deutschen", werden die Polen sagen, „gegen ihre eigenen Landsleute den Boykott .verhängen, das heißt sie anshungern, wollen, warum können wir nicht vie Deutschen aus-einem fremden Staat ausweisen." So kurZfichti-g, so vaterlandsseindlich besorgen hier Deutschnationale das Werk der G e g n e r. Wir hoffen zuversichtlich, daß die pommerschen Deutschuationalen nun avch folgerichtig weiter gehen werden.. Kein deutschnationaler Anwalt Pommerns wird die Staubfchen Kommentare benutzen, geschweige denn wird man Bücher wie des Judenstämmlings GnndolfZ „Goethe" lesen. Aus der Geschichte der deutschen Malerei werden in Pommern Abbildungen Max Lieber mann scher Gemälde herausgesetzt werden. Und kommt Herr Schlange - Schöningen, der deutschnational - völkische Roland Pommerns, in das ihn so wohltuende München, dann wird er finster den Hut in die Augen drücken, lven-n ihm auf den Plätzen die Brunnen des „Halbjuden" v. Hildeb r a n d t entgegengrüßen. Wehe aber, wenn einem der Boykotthelden eine Krankheit oder ein Gebrest überfällt — er wird elendig, aber freudestrahlend lieber sterben, als sich mit den Judenmedizrnen und Judenmethoden eines T r a u b e, Heul e. Hoff a, E h r I i ch, Wasser m a n n und Dutzender anderer „Judenautoritäten" am Leben zu erhalten. Wir erwarten vor allem aber demnächst einen Antrag Schlanges im Landtag auf Abschaffung sämtlicher Funkstationen und Vernichtung aller Radioapparate. Hat sich doch der Jude Heinrich Hertz seinerzeit „vorgedrängt" und die elektrischen Wellen entdeckt! „Es riecht nicht." Nach einem Vortrage des österreichischen Bundeskanzlers Dr. Seipel in Wien, der angesichts der finanziellen Notlage des Staates auf das dringenste die Zuwendung von Geldbett eigen Privater zur Erhaltung der kulturellen Einrichtungen forderte, hat sich der Präsident der Wiener Un«nbank Siegmund Bofel bereit erklärt, den im Dienst der wissenschaftlichen F o r - s ch u n g notwendigen Aufwand' der Wiener Universität, der vom Staate nicht bestritten werden kann, zu bezahlen. — Hier haben wir wieder einen klassischen Beleg für die von den Antisemiten so heftig bekämpfte „Vor d rin gl ichkeit der Juden". Woran liegt das aberd Für die schwerreichen österreichischen Großgrundbesitzer und tEutschvölkischen Großindustriellen wäre es doch ein Leichtes gewesen, dem Juden Bösel zuvorzukommen.^ Wer keiner von diesen rührte sich. Was werden aber die antisemitischen Wiener Studenten tun, die erst kürzlich in einer Eingabe an den Rektor der Wiener Universität die Forderung erhoben habe«,, daß die Staatsgrundgefetze Zuungunsten der Juden abgeändert idtbm sollend Werden sie entrüstet fordern, daß dieses jüdische GÄd Zurückgewiesen werde? O nein; in Geldfragen wird auch der rabiateste Antisemit gemütlich, wenn es sich zum das Empfangen von Geld handelt und sei es sogar von glühend gehaßten Juden.

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