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Central-Verein-Zeitung · 1924-02-14 · 7 (14.2.1924) · p. Seite 59

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
7 (14.2.1924)
Date
1924-02-14
Page
Seite 59 (sequence 3)
Language
German
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farm; wo eine seit Jahrhunderten ansässige jüdische Bevölkerung fich stets als ruhiges, konservatives, staatstreues Element bewährt hat, und bis vor wenigen Jahren friedlichster Verhältnisse erfreuen konnte. st Ich nehme ohne weiteres an. daß Sie, Herr Professor, all diese Dinge weder wünschen noch fördern wollen. Sie meinten vielleicht sogar beschwichtigend zu wirken, indem Sie diffe- 'renzierten; man solle die Inden nicht totschlagen, man solle sie nur als VoWfremde in ihre Schranken zurückweisen. Allein, es handelt sich nicht um die Absicht, sondern um die Wirkung. Der antisemitische Teil Ihrer Hörer hat Ihre Er- Uärung nur als ein Zugeständnis ausgenommen, sie hat ihm 'neues Rüstzeug geliefert. Noch schlimmer aber ist, daß durch solche Aeußerungen von gemäßigter Seite das Gift des Judenhasses in Kreise hineingetvagen wird, die sich gegen den Radauantisemitisnms ablehnend verhalten. Wir Juden aber 'empfinden Ihre Worte als schwere Kränkung. Wir stellen Unsere Ehre so hoch wie unser Leben, und wir können Leinen U n t e r schie d machen, o b m a n it n s m itTo tschlag bedroht oder Zu Parias ftempeln \v 11l. si Wir haben es in den fünf Jahren, seitdem die antisemitische Hetze in Gang ist, schmerzlich empfunden, daß nicht von verantwortungsbewußter, bürgerlicher Seite deutlich und entschieden dagegen 'Stellring genommen wurde. Jetzt, wo,von höherer Warte doch Stimmen der Vernunft und der Menschllichkeit sich einstellen, wie die mutigen Worte des KardinalrErzbischofs in München und des Präsidenten des bayerischen Kosistoriums in München zeigen, gerade setzt hätte man geglaubt, von dem Führer einer bürgerlichen Mittelpartei, von dem angesehenen Vertreter einer Hochschule, andersgerichtete Worte zu hören als diese. Mit vorzüglicher Hochachtung! Dr. G a ll i n g e r. Edelsteine. . Der geistige Führer Israels, sein Vertreter vor Gott, der Hohepriester, trug aus seinem Herzen einen Schild. Schild des Rechts genannt. In diesen waren zwölf kostbare Edelsteine eingesetzt, ans welchen die Namen der Väter Abraham, Isaak' und Jakob sowie die Namen der zwölf Stämme eingegraben waren. Die Buchstaben dieser Namen umfaßten die sämtlichen Buchstraben des hebräischen Alphabets. In -dieser Inschrift war das Licht und das Reckt Israels eingeschllosseu. Und wenn immer der Führer des Volkes in banger Sorge um die Zukunft war, strahlte -ihm ans diesen Buchstaben die Antwort aus die Fragen seiner Seele entgegen. Zwei Grundgedanken sind es, von'denen sich der jüdische Führer leiten lassen muß: Die Aufrechterhalluna des Zusammemmnaes mit der jüdischen Vergangenheit und 'die Währung der jüdischen Einheit in der Gegenwart. Und zwar beruht die letztere aus der ersteren. Alle Fragen, die er als Jude in seiner Beziehung zum Judentum zu 'beantworten, alle Entschlüsse, die er zu fassen, alle Entscheidungen, die er zu treffen hak, fönneu nur in Angriff genommen werde!: \m Hinblick aus die Väter und die Stämme, deren Namen ihm von jenen köstlichen Edelsteinen enkgegenlenchten. So wie ein Judentum keine Gegenwart und keine Zukunft hat,, das sich von der Vergangenheit, von den Vätern loslöst, so kann auch ein solches keinen Bestand haben, das die Stämme auseinanderreißt und die Einheit aushebt. So finden wir für die Uebertretung des Gesetzes, für die Leugnung gewisser Glaubensgrundsätze alle inöglichen körperlichen und seel'i.schen Strafen verzeichnet; aber nirgends ist es ausgesprochen, daß jemand wegen einer Sünde ans der Gesamtheit Israels dauernd ausgeschlossen wird. Wenn einer gelvissen Klasse von Abtrünnigen der Anteil an der künftigen Welt abgesprochen wird, so ist das eine Strafe, die zu verhängen und zu vollziehen Sache des allwissenden Gottes, aber nicht das Recht beschränkter Menschenweisheit ist. Wer -als Jilde geboren ist und wer sich offen; rund frei zum Judentum bekennt, hat ein Recht, Glied der jüdischen Gesamtheit zu sein. Ich kann seine Auffassung und Betätigung der jüdischen Pflichten für schädlich und gefährlich halten, ich kann sie ans das schärfste bekämpfen, ich darf aber weder ihm noch seinen Nachkommen durch Ausschluß aus der jüdischen Gesamtheit die Möglichkeit der Rückkehr nehmen. Hat er der: Anschluß an die Stämme -nicht verloren, so wird er sich auch zu den Vätern zurückfinden. Kann es einen größeren Sünder geben als den Gottesleugner? Und doch erklärt die Ueberlieserung, daß auch ein solcher, wenn er nur die Lehre hütet, durch das Licht der Lehre zu Gott zurückgesührt werdenwird. Deshalb mag der jüdische Führer stets den großen und erhabenen Gedanken der jüdischen Einheit, wie er aus der jüdischen Vergangenheit erwachsen ist, im Herzen tragen. Er wird ihn zu höheren Erfolgen führen. I s ch Tikwoh. Zum Toöe v. Luschans. Am 8. Februar starb der berühmte Anthropologe Felix v. Lu sch a n. Wir werden in einem besonderen Aussatz der „C. B.-Zeitung" sein Leben und Wirken -eingehend würdigen. Heute möchten wir unseren Lesern das Schlußstück seines im „W e l t - v c r I n g e" erschienenen Buches „V ö l k e r — Rassen — Sprachen" ins Gedächtnis rufen, das die Folgerungen aus der Lebensarbeit dieses großen Gelehrten zieht. Es gibt einzelne Autoren, die den großen Reger mit dem Gorilla, den Urwald-pygmäen mit dein Schimpansen, den Ehiueseu mit dem Orang und den Japaner sogar mit dein Gibbon znsammenbringen wollen, aber ich glaube nicht, daß sie außerhalb ihres engeren Kreises von irgend jemandem ernst genommen werden. Persönlich glaube ich unbedingt an die n b s o l u t c E r n heit d e s 'M e n s ch c n - a e f ch l e ch t s , aber ich kann mich auch in den Standpunkt der Polygon isten durchaus lsineindenken: Sie nehmen mehrere bisher unbekannte Ahnen des Menschen an, während wir Monogenisten uns mit einem einzigen Urahn begnügen. Das ergibt theoretisch vielleicht eine weite Kluft, aber sie ist praktisch belanglos, denn auch die Polygelristen müssen zugestehen, daß die verschiedenen von ihnen angenommenen Ahnen des Menschen letzten Endes doch wieder auf einen gemeinsamen Stammvater znrückgehen; für uns ist dieser Stammvater allerdings schon ein richtiger 'Mensch, für die Polygenisten aber erst der Vorläufer des Bleu scheu — ein Unterschied, der nur in der Theorie bedeutend erscheint. Ungleich interessanter wäre es allerdings, zn wissen, wo sich jener Prozeß der Menschwerdung vollzogen hat, wo also etwa die erste artikulierte Sprache entstanden ist. . / Inzwischen hat uns vorwiegend das große Problem zu beschäftigen, wie aus dem ursprünglich ernheitlichen Bleu schon (oder „Vormenschen") die uns heute so verschieden erscheinenden menschlichen Gruppen entstanden find. Gewiß wirkt ein Neger anders auf uns als etwa ein Japaner, ein Buschmann anders' als ein Schotte, aber diesen oft nur mehr äußerlichen Verschiedenheiten gegenüber sind wir meist geneigt, die sehr viel durchgreifenderen Aehnl'chk.eiten zu unterschätzen, für die hier als einziges Beispiel nur die absolute Uebereinstimmung in allen periodischen Funktionen der Frau (Gestationsdauer usw.) erwähnt sei. A n d e r e m e n s ch l i ch e E i g e it sch aste n h i n w i e d e r s i n d s i d) e r n n r a l s -e i rr e F u n k t i o n der U m Welt, v or alle rn des K l i m a s , teilweise a u ch der L e b e n s w e i s e und Be s.ch ä f t i a u n g a u f z u f a s s e u. Ebenso kann man sich gut vorstellen, wie in der Entwicklung einzelner Formen Ze'träume großer Plastizität mit Perioden der Erstarrung und des intensiven Festhaltens an einmal erworbenen Eigenschaften abwechseln. Besonders lange Zeit hindurch fortgesetzte Inzucht) das Verharren in der alten Umwelt und das Ausbleiben fremder Einwanderungen müssen notwendig zu einer festen Konsolidierung aller Eigenschaften führen, während Wechsel der Umwelt, Vermischung mit Fremdvölker^ usw. ganz automatisch die Bildung neuer Varianten begünstigt, selbstverständlich darf man sich nicht aber vorstelleu, daß neue feste Typen innerhalb weniger Generationen entstellen; das mag in den seltenen Ausnahmesüllen der sogenannten „Mutation" e'ntreten, bei der eine sprungweise eingesetzte Abänderung dauernd bestehen ble'bt -- in der Regel wird man mit sehr langen Zeiträumen zu rechnen haben, die wollt eher nach Jahrzehntausenden als n-ad) Tausenden von Jahren zu schätzen sein dürsten. W i e s e h r die E i g e n s ch a f t e n d er Orga n i s m e n d u r ch d i e F u n! - t i ü n , d it x d) d i e 11 m wert u'n d d u r -ch verwandte F a k - t o r e n b e eins l ir ß t w e r d e n , i st a n s u n gezn h l t e n ll n d s a st u n z ä h l b a r e n B e i s p i e l e rr b eka n n t. Zusammensassend kommen wir nun am Schlüsse zu den folgenden Sätzen: 1. Die gesamte Menschheit besteht nur ans einer einzigen Spezies: Homo «arffns. 2: Es gibt keine „wilden" Völker, es gibt nur Völker Ünit einer anderen Kultur als die urrsere; aber es gibt einzelne „weiße Wilde", rohe, ungebildete und an Tropenkoller leidende Europäer, die sich keine Mühe geben, die Eingeborenen kennen zn lernen, unter ihnen wie Wilde Hausen und sie 'in der denkbar grausamsten Weise mißhandeln und ansbenten. I. Die trennenden Eigenschaften der sogenannten „Rassen" sind im wesentlichen durch klimatische, soziale und andere Faktoren der Umwelt entstanden. 4. Es gibt keine an fich minderwertigen Rassen. 5. Es gibt in jeder Rasse einzelne minderwertige Individuen. 6. Tie' meisten Rassen sind der Umwelt in vollendeter Weise augepaßt. 7. Eine in ihren körperlichen Eigenschaften einheitliche men schlickte Gruppe hatte ursprünglich auch eine einheitliche Sprache. Im Lause der Zeit ist aber durch Wanderungen, durch Vvtrerverschiebungen aller Art, durch mehr oder weniger friedliche oder gewaltsame Durchdringung, durch Handel und Verkehr das ursprüngliche Verhältnis fast überall verschwunden, so daß jetzt eine Deckung von Nasse und Sprache in ganz seltenen Ausnahmefällen besteht. 8. Der Unterschied Zwischen den verschiedenen Rassen ist, besonders was die moralischen Eigenschaften nnd die Intelligenz angeht, nicht entfernt so gross als der zwischen einzelnen Individuen ein nnd derselben Rasse. 9. Mischlinge sind (genau wie etwa die unehelichen Kinder) uiemals a priori minderwertig; sie werden es nur, wenn ihre Eltern individuell minderwertig sind. 10. Die menschliche Gesellschaft hätte es in der Hand, sich vor minderwertigen, d. h. asozialen oder antisozialen Elementen dauernd zn schützen und zugleich ihre Anzahl wesentlich herabznsetzen.

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