Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 6 (7.2.1924)
- Date
- 1924-02-07
- Page
- Seite 49 (sequence 5)
- Language
- German
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Die Zrepstäöter Kusschreitungen vor Gericht. W ilbcr P L ft u d c x u n g s ft it x m — m iIdor O borst a ats an lv a l t. Ter Aufruhr, der am 8. Xlvvember v. I. in Frehstudt vor sich ging und b ei de m e i it -e R c 11] c j i\ b i s ch e x G e >s ch ä >s t e o e - p l ü u:d e r t w u r d e n. batte am Freitag vor der B o s e n b-e r c\ e r Strafkammer sein 'gerichtliches Nachspiel. Unter der Xlnilagch es unternommen Zn baden. Geschäfte 511 plündern rcip. durch Gar alt die Abgabe von Waren erzwnnzen zu baden, hatten sich folgende 15 Personen zu voran No orten: Ärbeiler Klawom Arbeiter Bogdan. XlroeiLer Gxabowsti, Arbeiter Tischman-n, Dienstmädchen Bieder. Wi-üve Kaiser. Eisenbahner Liedtte. Arbeiter Schiltoivsti. Arbeiter Gedig. XNehlhändler Kleist. Lehrer Kolbe. HandlunFsgehilse Lubenau, Bäckergeselle Köll. Handlimgsgehilse Prange nnd Handlnugsachklse Noßbach. Letzteren fünf Personen wurde hauptsächlich zur Last gelegt, durch Sing-err von givei Börsen des Ehrhardt- Liedes!v ährend des Tumults a u sh et; e risch gewirrt zu staben. Ten Vorsitz der 'Strafkaumner " führte" Geheim rat W i i I) c l nt lElbiug): die Änklage vertrat Oberstaatsanwalt Tr int (Elbingu Die Verteidigimg der Xlngeklagten hatte Nechtsamvalt Neu manu (Rosenberg) stinne. In amtlicher GigenlchaN lvahnte Landrat Tr. F r i ed e n s b u r g (Nosenberg) der Verhandlung bei. Tie Beweisaufnahme, in der 30 Zeugen aiistraten, ergabt das; um die sechste Abendstunde des genannten Tages plötzlich die Feuerglocke in Frehstadt läutete und im Nn eine ungeheure Menschenmenge zustmunenströmte, unter der sich auch die Xlugekkagteu befanden. Ten Xlnsang machte die Vtenge bei dem Kanfmann Ntarkowsti, wo die Schaufensterscheiben eingeschlagen und der an den Hof angrenzende Warenspeicher -um Militärröcke, Stiefel usw. beraubt wurde. Xtns der Btenge ertönten hin und wieder Nnfe wie: ..H e r a n s m i t d e it I n d e n!" n. dergl. Durch den Tumult in Xlnfregung versetzt, war der jüdische Kanfmann Schier so unbedacht, aus ciiioii Fenster des Dachgeschosses seines Wohnhauses zwei Schreckschüsse abzusenern. Das steigerte die Wut der Tnmnltanten, und nun zertrüm-merten sie die Türe des Schierschen (Grundstücks, nachdem sie vorher das Schcmfenster zerschlagen hatten. Bürgermeister Wende versuchte mit allen Mitteln, die Menge zu beruhigen. Als seine XNnhnnngen aber nichts fruchteten .und die Tnmnltanten ihren Ing gegen die jüdischen Geschäfte Littnranu und Witttower sortzusetzen" sich an schickten, rief der Bürgerineistex kotephonisch den Landrat in Nosenberg herbei. AG dieser ankam und beruhägend muf die Xllcnge einsprach, glätteten sich die Wogen dos Aiisrnhrs allmählich. Oberstaatsanwalt Tr int kam in seinem Plaidoher zu dem Sch ln st: Nur eine antisemitische Hetze, ähnlich den Pogromen russischer Art-, handle es 'sich nicht. Die Not der Feit und die persönliche Not der Angeklagten, Die durch lvncherisches Gebahren aufgereizt worden seien, haben den Aufruhr entfe stell. Daß es sich dabei - um jüdische -Kans'lente handelt, sei zufällig, weil ober; das Gros der Frehstädter Geschäftswelt in diesem Falle Inden und solche waren, Vene denen in der Bevolkerimg Wucher behauptet wurde. In nächster Zeit kämen auch einige Fälle davon zur Aburteilung. T e n ii u f Xi uge r I a g t c n , di e w ü h r e n d '.d ech T u m ul t s ei n i o e S t et len ans de m GH r ha rd t - L i ed sangen, sei z u 0 l a n b e n . daß j i c c s n i ch t ta ton, u m ü u s v e i z c n d z u iüirfcn. Immerhin hätten sie stch im Zusammenhang mit den Boriällen strafbar ge;nacht. Mit s ehrt x f c n W o r t e n wandte sich der -Oberstaatsanwalt sodann gegen die Schüsse des Zeugen schier. Das schlimmste sei bei derartigen tinrrchen der erste «Lch-uß. Falle erst ein Schuß, dann sei. überhaupt kein Aushalten. Und insofern sei die Handlnngsiveise des Schier aeradezll sträflich gervesen, aber leider nicht strafrechtlich versolgbar. Was den Xlusgangspiuckt des Frehstädter Tln.nnlts anlange, so sei sehr 'wahrscheinlich, daß, tote in aiiDemt Städten ähnliches passierte, ausloäriige Elemente, auch solche au^ Xcklßlaud. ihre Fäden gespomu'n hätterc. und es sich u-n eine k o m m n n i ft -i f ch e Xl k t i o n gehandelt haben tcnme. die sich die Xliispntschung der Menge habe angelegen sein lassen. Der Gerichtshof erkannte nach einhalbstündiger Beratung gegen ■Sl -l -a \v o n, B o g d an, Grabolvski und T i s ch m -a it n auf die Mindeststrafe von je -e i n e m I a h r G e f ä n g n i s , rookei die Nnwrsuchungshast angerechnet wird. Gegen die Xlngeklagten Bieber. K a i | e r, L i e d t k e, K l e i st. K o l b e. L u b e n a u. P r a n g e und Xcoßbach kantete da.7 Urteil ans die XAindeststrase -von je dreh Xstonaten. Ter Xlngoklagte K ö k l rvnr-de, weil irr das jugendliche Strafalter fallend, unter mildernden Urnstärwen zu einer Wehe Gefängnis verurteilt. Gegendie Xlrigeklagten ch i i l 0;v f t i und G ed i g. denen weder rille aktive noch eine passive Teilnahrne n.mhgewmüen kverden koclnte, erkannte das Gericht aus Freisprechung. Smiitlichen Xliigetlachen, soweit sie verurteilt coorden waren, wurde 1 r a.? - -a u's f e tz n n g m i t e i n e r B e w ä h r n n g s t r i st von Jut: Jahren zngebilligt: bei den vier erstgenannten Xlugellluheu jedoch erst nach Berbüstnng von zwei Monaten, wobei die erliTene Unlersnchnngshast in Xtnrechn-nng 'kommt. Neue Gücher. Otto Iöhliugcr: B i s m a r ck n n d die I u d e u. 2. Xln flaue. Berlin. T i e t r i ch N e i in e r Berlag. Xtuch wer unter dem Grrnn-erungszwang der Stöcker-Zeit steht, muß nach der Lektüre dieses allseitig gelvürdigtcul Wertes feilte Bislnarck-Anfsassung revidieren. Mit großer Gründlichkeit und im Besitze eines einzig' dastehendezv der Oeffentlichkeit großenteils noch nnbetannten Oue'llenucaterials hat der Verfasser, seinem Motto getreir: „Ich liebe Bismarck, mehr aber liebe ich die Xvahrheit". alle Beziehllngen des großen Staatsmannes zu den Inden ansgeschöpft. In Einzelheiten, wenn er z. B. Bismarcks Feindschaft gegen Laster, die auch vor der Majestät des Todes nicht haltmachte. für eine rein politische hält, wird der jüdische Leser anderer X)!einung zn bleiben geneigt sein. Tie Entwicklung des voreingenounnenen Jlmkers aber 511111 genialen Neichsgründer. seine auf dieser Bahn wachsende und bleibende Borurteilslösigkeit auch -gegen uns Inden, wird jeder politisch Interessierte gerade heute doppelt angeregt studieren und besonders in der Erkenntnis würdigen, daß Bismarcks toleranter Standpunkt durch zahllose Ränke untergeordneter Xslachtsphären erschwert wurde. Ob der Stürmer Lassalle, der kleine Varziner Papierfabrikant oder der Berliner Börsenmagnat in seinen Bannkreis treten, ob die Partei- oder Hofkamarilla istnc böse zusetzen, immer zeigt sich der das ganze Staatsgefüge souverän beherrschende Karizler als gleichmäßig temperamentvoller und unbestochener Sachwalter moderner Staatsnotwendigkeiten. Darum ist Bismarck den Antisemiten schweren Kalibers bis auf den heutigen Tag auch so gründlich verhaßt geblieben, und das ist schließlich der beste Beweis von der Nichtigkelt der Jöhlingcrschen Xluffassung: Bismarck war kein Indenhasser. Er erkannte die Vorzüge der Inden an und hat ihnen amtlich und persönlich Gerechtigkeit Und mehr Wohlwollen geschenkt als mancher, der sich verdächtig laut Judenfreimd nennt? Zutressend vergleicht der Verfasser, dessen Buch gerade in den Kreisen unseres Erntrat-Bereins weite Bexbreitnng verdient. Bismarcks Standpunkt mit Goethes erhabenem Bekenntnis für die Juden: ^.„als ich viele geistesbegabte, feinfühlige Männer dieses Stammes kennen lernte,'gesellte sich Xtchtnng zu der Bewunderung, die ech für das bibelschöpferische Volk hege'und für den Dichter, der das hohe Liebeslied gesungen." In diesen (Jagen erscheint: AJNTI-A.ÄITI Blättey fwi* At>weW Preis ca. 1,20 Mark Zu beziehen durch: Piiils Verlag und BuAHliiiig öj.U., Berlin SW 68. Liiäessfrasse 13? uUentHtran ‘fredfc<Damor fitafete totiget, jügeadfriicbei A&tUts u blendend schönen Teint. Alles dies erzeugt dis echte die haste Lllianmllch»eile von Bergmann & vo»» fUdebeol» sielienanseDote udö sttllenqefuäie finden durch die C. B. »Zeitung Zlveckkutspr-cchende Bekaruttgabe.!ll.Dreyer L Sohn l Tel. 174 und 413 Tilsit MnMrcche 72 * Spedition — Grenzverzollung — Ber-- % sirberung — Lagerung — JukMos r Spezlalverkehr nach Litauen und Aandstaaten