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Central-Verein-Zeitung · 1924-02-07 · 6 (7.2.1924) · p. Seite 48

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
6 (7.2.1924)
Date
1924-02-07
Page
Seite 48 (sequence 4)
Language
German
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Derrtschvötkifcher Tatenöraag. Deutschnationale „Iugenderziehung" vor Gericht, Vor der Erfurter Strafkaminer standen am Mittwoch voriger Woche einige jener Burschem die wiederholt ihren „Heldenmut" dadurch betätigt hatten, Latz sie nächtlicher w e i l e die Fensterscheiben jüdischer Mitbürger einwarfen und anderen bösarttgen Unfug verübten. Eines ihrer HauptheldenMcke verübten sie in der Nacht zum 21. September vorigen Jahres in der Richard- Breskau-Stra^, wo sie eine ganze Strecke einer sehr starken, einbetomerten Einfriedigung der Villa der Fabrikanten Hetz zertrümmerten; die Häuser der jüdischen Mitbürger Wmdesheim und Jara-czewsLi, ferner auch das des Mnseumsdirettvrs Dr. Kaesbach wurden durch Fenstereinwersen nsw. beschädigt. Zwei von ihnen, der Handlungsgehilfe Hermann Hemkes und der Kaufmannslehrling Gerhard Bruns, standen nun gestern vor Gericht; der erstere mit Hakenkreuz und dem Abzeichen des Deutschnationalen Jugendbundes, der letztere in vollem Dreß der Hitler -Uniform. Der S ta at sanmalt beantragte für Hemkes neun Monate Gefängnis, für Bruns sechs Monate Gefängnis. Das Gericht, unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Schn ekle, berücksichtigte strafmildernde daß die Angeklagten noch jung, unbestraft sind und durch Alkvholgenutz ausgeregt waren. Strafverfchärfend aber fei zu berücksichtigen: Wohin solle es führen, wenn jeder feine politi schen oder a nderen Gegner a u f solche Weise a n gr ei fe n würde? Hemkes erhielt drei Monate, Bruns sechs Wochen Gefängnis., Beiden wurde Strafaufschub bis zum 1. April 1927 gegen Geldbußen von 300 bzw. 100 Gvldnmrk gewährt. Außerdem wurden Hemkes und Bruns zu, Geldstraferr in Höhe von 200 bzw. 100 Goldmark verurteilt. stus unserer Versammlungsarbeit. Juuner und immer wieder mutz betont werden, daß es des CentTal-VereMs vornehmste Mrsgabe sein Muß, auf jedeur möglichen Wege A u s k l ä rung über Juden u n d I m d e n t u m u nte x den christkichen Mitbürgern zu verbreiten: Der Ausbau und die Festigung einer Ortsgruppe können nur die Vorstufen sein, die christlichen Volksgenossen über den wahren Gehalt des Judentums zu belehren. Es ist erfreulich, daß die Einsicht in diese Notwendigkeit innerhalb der Ortsgruppen vor allem dank der ständigen Beeinflussung durch die Zentrale stark zunimmt und daß das Bestreben sich immer mehr verbreitet, r e ch t z e i t i g mit solcher grundlegenden Aufklärungsarbeit zu beginnen und nicht erst abz-uivarteu, bis Ausschreitungen' und Gewalttätigkeiten das Bestehen einer judengegnerischen Bewegung beweisen. Evfmrtr Eine besonders erfolgreiche, stark besuchte Aussprache nur mit führenden christlichen Mitbürgern aller Politischen, religiösen ulld beruflichen Richtungen, die sich über vier Abende erstreckte, farw vor kurzem in E r s u r t statt. Dank der guten Vorbereitungen waren die maßgeberwen Persönlichkeiten Erchrts, wie der Regierungspräsident, der Oberbürgermeister, die Führer der politischen Parteien, die Schnldirektorm^ die Geistlichkeit, fast vollzählig vertreten. Die Aussprache, zu der nur Eintritt Mittels auf den Namen kantender Karte möglich war, verlief, trotzdenr scharfe Gegner ausgiebig zu Worte kamen, in jeder Beziehung sachlich und würdevoll. Der erste Abend, betitelt „Der jndi s ch e Mensch Ln seiner Stellung zur Umwelt", behandelte vorzugsweise' die Rasienfrage, der zweite Abend „Das deutsche Judentum in politischer, wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht". Beide -wurden vom stellvertretenden Dpndibus, Dr. Alfred Wiener (Berlin) bestritten. An den zwei folgenden Abenden sprach Rabbiner Dr. Schuft an (Erfurt) eingehend über^ den Talnmd. Die gespannte AusMerksamkeit, die lebhafte DisLuWon, ineHxstürrdige private Aussprache, die sich an die V-o v- LragE knüpften, das Urteil christlicher Freunde und Gegner bezeugtem welcher große Wert derartigen, in der Form leidenschaftslosen, in der ^ache auf hohem' geistigen Niveau stehenden Abenden beizumesseu ist. - Hambrrrg. In einer öffentlichen Riese nversammlu ng in der Ausstellmigshalle des Zoologischen Gartens in Hamburg, die von etwa 4000 Personen gefüllt war, sprach Georg Bernhard, Chefredakteur der „Vossifchen Zeitung", über das Schlagwort von ,-der „verjndeten^ Presse. Bedauerlich war, Latz eine nach einigen Hunderten zahlende völkische Schar Den Redner, statt sachlich zu kämpfen, durch andauernde Avischenrnfe und Storungen zu unterbrechen suchte. Es war ihm ein leichtes, schlagkräftig und humorvoll die GeMer abzutun, und der brausende Beifall am Schluffe feiner Rede bewies die fast einmütige Zustimmung der großen Versammlung. Die Diskussion, Ne sich zu einer allgeMeinen Aussprache Mer die Jndenfrage mpmüüH stand auf sehr geringer Hohe. Mit wenigen Ausnahmen ließen es die Redner, völkische und äntivölkische, an Sachlichkeit schien, ergingen sich p weilen gar in Beschimpfungen imö Drohungen. Hervorg-ehoben in gutem Sinne feien die Herren Sch aper, Mtglied der demokratischen FvEtion der Bürgerschaft, und der GeneratsekrMr der Deutschen VoWpartei, Rose. Georg Bernhard widerlegte leicht die vorgebrachten Emwürse, stellte völlig falsche MGlegungen seiner Worte, insbesondere über den General Ladendorfs, richtig und schloß mit einer dringenden Mahnung zum rnneron Frieden gegenüber vielen Feinden außen. KSmgsverg. Zn Königsberg komrte Dr. Holländer» der DiEor des Cm?ltral-Verems, vor Geistlichen und Lehrern in einer gut besuchten Austlärungsversarnmlung sprechmr und hatte die Freude, auch dort Zu sehen, wie die Liede Mm Judentum, dis Treue zum Baterlande als die Grundsätze des Tentral-Bere ms, d. h. Die Grundsätze vsterlandslrebender und ihrer Abstarmmmg und Religion getreuen jüdischen Deutschen, überall da gewürdigt werden, wo noch Männer und Frauen mit tritischern Urteil und Gerechtigkeitsgefühl sind. Wir sahen auch hier wieder, daß unser Molto: „Heraus ans dem Turm" lauten muffe und daß in bezug ans die Propaganda für den „Mischen Deutschen" nicht leicht genug geschehen kann. An den Aufllärnngsabend schloß sich eine gut besuchte G e m ein d e v e r s a m m laug an, in der wir vor einer breiten jüdischen OessentlickMit unsere Grundsätze und Prinzipien im Znsanrmenhang mit unserer praktischen Arbeit entwickeln konnten. Die in Königsberg schier unvermeidbare. Debatte mit stark verrosteten, nationalen jüdischen Theorien erinnerte an verAmgene, glückliche Zeiten, in welchen man für -das Florettfechten dialektischer Kämpfer noch Geduld und Zeit hatte. Die Delegiertenversammlung unseres Landesverbandes Ostpreußen, der Herr Dr. Holländer beiwohnte, zeugte vorr dem außerordentlichen Interesse, welches unsere F'reurrde in Ostpreußen —auch die, die früher auf anderem Standpunkt standen — unserer Arbeit entgegenbririgen müssen, die sich gerade in diestur von dem Kern Deutschlands abgeschnitteneu Landesterl als besonders notwendig und wirksam erwiesen hak. Mit sieberhaster Tätigkeit arbeiten dort Deutschsoziale, DeukfchEkischä, Nationalsozialisten und teillveife mich deutfchnationale Kreise namentlich auf dem Laude an der Verbreitung des JuderchüffcZ. Die in der Delegiertenversammlung Vorgetragenerl Einzelheiten Zeigten uns die Gefahr, hi der wir schweben, bewiesen aber auf der anderere Seite, in welchem Matze ruhige politische Tätigkeit, die von dem Willen zur Wahrheit und zur gegenseitigen Verständigung getragen, immer wieder von gutem Erfolg e b e g I e i t e t i st. Heute bedeutet es erneu starken Mangel <air Wirtlichkeitsfinn, in Zeiten ernstester politischer Gefahren gänzlich unpraktische Theorien zu erörtern. Ansere Arbeit in Ostpreußen wird weitergeherr Wir werden einen zweiten AufklärNNgsabend veranstalten, die innere Arbeit in bezug ans die Jugend vertiefen, Misere Fraueirgrnppe ausbaueu und uns nach jeder RichkurW hin für die Wahlen rüsten. Unseren Freunden Geheimrat Falken heim. Sanitätsrat Poll n o w und Dr. Arthur Ehrlich in Tilsit und allen nicht zu nennenden Offiziere rr und Soldaten in" unserem Kampfe sollten die Wischen Deutschen Ostpreußens durch nachhaltige Unterstützungen unserer Bestrebilngeu ben Dank zollen, den oiese Männer verdienen. Leer. Unter starker christlicher Beteiligung, vorzugsweise aus Lehrerkreisen, fand in der rührigen Ortsgruppe Leer (Ostfriesland) eine Versammlung „Der Kampf gegen Juda und Rom" statt. Dr. Alfred Wiener (Berlin) wies in rnhiger, objeMver Form nach, daß der bekannte KultnrkMNps gegen die Katholiken nnt den gleichen Vorwürfen geführt worden fei, die heute gegen die Inden erhoben werden, im Kriege von der Entente gtgzn die Deutschen, in römischer Zdit gegen Das junge Christentuur orhobm wurden. Eine Betrachtung über die' Begriffe „international" und „national" und über den Anteil der vaterländisch eingestellten jüdischen Deutschen in echter nationaler KulUirarbeik beWvtz den- Vortrag. GlückUch geLanöet. Sepp Oerter bei den Rertionalsozialisten. AachLLur Sepp Oerter, der ehemalige brannschweiMche Ministerpräsident, aus der SozialdenWkratischeu Partei heransgeworsen war, fristete er ein ziemlich sorgenvolles pMUches Dasein. Im Landtag stand er allein aus lveiter Flur, bis ihm der rettende Gedanke kam, eine eig-ene Partei-. zu gründen, der er den NüM-en „V o I k s b u n d d e r s ch a s f e n ö e n Stä n d e" gab. Die Sache klappte vorzüglich. O e -r t e r e r n a n n t e s ich z n m . V o r - sitzenden, nur die Mitglieder wollten nicht Ännmen. In se-iner Verlegenheit bewarb sich Sepp um die Mtgliedschast rn der Nationalsvzialistifcheu Arbeiter partei. Wie der „VvWfreund" m Braunschwerg berichtet, wurde in der Brann- Ichweig-er Ortsgruppe der Hitler-Partei heftig über die Aufnahmefähigkeit Qerters gestritten, und da man nicht zu einem HatWutz kam, berichtete man den „Fall'" an die. Zentrale m MMrchen. Diese entschied, daß man ihn in Ehren Zn empfang e nh abe, m i t i h m z u f a m m e n a x b e 11 e n u n d i h n unterstützen müsse. Heute hat Oerter in den allwöchentlichen Versammlungen der Mtivnalsvziälisten als Hauptredner' die : HftlerranrL in die „hohe PoWk^ Methode. Otto Otto) einMNtzren. Sepp hat^Z erreicht. Er wird beL derr nachsterr WaMA als SpitzenLünLrLak gegen den „Sumpf Alljudaan" wettern können^ weil er als eine der übelsten Smnpfpflauzen für dieses Thema unbestritten Zuständig

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