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Central-Verein-Zeitung · 1924-02-07 · 6 (7.2.1924) · p. Seite 46

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
6 (7.2.1924)
Date
1924-02-07
Page
Seite 46 (sequence 2)
Language
German
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Abwehr und Aufbau. In dev vorigen Nummer hatten wie den ersten Teil einer Zuschrift veröffentlicht, die ein „positives P r og r <t m m " enthält. Sie fsrdert, daß, der C. B. die Parteivertretnug der Deutschjnden werde, und L-aß. -die bisherige Aufgabe der Abwehr in -einem tieferen Sinne anfgefatzt Werden mMe aks bisher. Wir bringen heute den Schlußterl .des Aufsatzes Schrift lei tu ng. III* Die Förderung dieser Erkenntnis ist zunächst eine Frage des dar gebotenen Stoffes. Hierfür ist davon auszugehen, daß das Stoffgebiet nicht weit genug ausgedehnt werden kann, wenn es nur das gesteckte Ziel fördert. Die religiöse, die geschichtliche die wirtschaftliche, die biologische Natur des Judentums geben den Rahmen, der nur dort zu beschränken ist, wo er in ein Gebiet übergreift, das der Gesamtheit seiner Mitglieder nicht Zugänglich ist. Ern solches find die religiös-politischen Fragen (Liberalismus und Orthodoxie), in die der C. V. nicht einzugreifen hat. Hingegen wird man es schon als seine Ausgabe betrachten dürfen, eine gemeinsame religiöse, Grundeinstellung gegenüber einer religions feindlichen Außenwelt in den Vordergrund zu stellen. Im übrigen aber werden nicht viel Gebiete noch ausgeschlossen werden müssen. Die charitative Tätigkeit wird Zweckmäßig anderwärts geleistet werden. Wo der E. V. wirtschaftlich tätig werden kann (Förderung, des Handwerks, der Landwirtslchast unter den Juden, Berufsberatung), ist das dringend zu fördern. Im einzelnen 'stelle ich mir beispielsweise Vorträge u n d A r b e i t s k u r s e über folgende Gegenstände als Aufgabengebiet des C. V. vor: Politik (Zionismus, Deutschjudensrage, Palästiuafrage, Gesamtjudenheit, jüdisches Gemeindeleben, die deutschen politischen Parteien und die Judensrage, deutsche Politik im Lichte der jüdischen Lehre); Kulturelles (jüdische Schulen, jüdische Hochschulen und ihre Stellung zu den Universitäten;' jüdische Geschichte: deutsche Geschichte und Judentum; hebräische, ostjüdische Literatur, die deutsche Literatur und bildende Kunst und die Juden); ferner etwa Biologie und Hygiene der Juden (körperliche Regeneration, Sexualethik, Wirtschaftsethik, Berufsschichtung) und schließlich das Gebiet der Philosophie (Religion und Naturwissenschaft, die philosophische Richtung unserer Zeit und das Judentum). Aber mau muß sich auch darüber klar sein: mit der Aufstellung eines positiven Programms, vielleicht einer Reihe von Thesen, ist überaus wertig getan. U ur die E r k en n t n i s d e s I u d e n - t u m s in wirk s a m e L e b e n s f rast it m z u w a n d e i n, den Wissensstoff zu verlebendigen, sind andere Wege zu wählen, als sie heute begangen werden. Heute spricht der C. V. Zn seinen Mitgliedern durch eine Handvoll Führer, ein paar Mitglieder des Hauptvorstandes und ein paar Syndici, also durch Funktionäre, selten nur durch freie Mitarbeiter aus der großen Menge, wie es doch so Wesentlich im Parteileben ist. Gr spricht zu feinen Mitgliedern durch Vortrüge in beträchtlichen Zeitabständen, bei denen die Mitglieder regelmäßig nur als stumme Hörer beteiligt find; im übrigen noch durchdie Zeitung und auch schließlich durch einige Schriften des Philo-Verlags; und er spricht schließlich immer nur über «die „Lage". Das ist unzulänglich, und die Antwort der Mitglieder auf diese Rrbeitsart ist ihre Lauheit, ihre Unerfülltheit von der inneren Notwendigkeit, dem C. V. anzugehören. Girre Vereinigung, die «durch die Ge säurt heit ihrer Mitglieder wirken will — und dies muß der C. V., wenn er „für Deutschtum", „für Judentum" politisch wirken will, — muß ihre Mitglieder an sich fesseln, muß «durch Entfaltung des stärksten Lebens in die Gesamtheit ihrer Mitglieder Bewegung bringen. Das Beispiel sämtlicher Parteien und Bünde, die für eine lebendige Idee streiten, zeigt den Weg: ü b e r dt I Aufteilu n g der O r g a n i s a t i o n bis auf d i e klei rr st e u, lebe n s - fähigen K ö r p er, übe ra ll die vie£ gesür ch t e t e Zersplitterung und gerade dad.urch regstes Leben, z w a r n i «ch t o h n e K ä m p f e, a b e r m i t d e m< E r } a l g eine s i n a l len Faser n m i t gl ü h e n d e m L e b e n erfüllten Parteikörper s. Dieser Weg muß beschritten werden, ungeachtet der Befürchtung ängstlicher Gemüter, die Zersplitterung würde innere Kämpfe Hervorrufen und die Schlagkraft des G. V schwächen. Diese . Furcht vor der Zersplitterung, geboren .aus einem in der Zeit liegenden Organisations- und Zentralijationsdrang, und jene menschliche Unentschlossenheit, die nicht gern au die Skelle von Festem Bewegung setzt, weil die Bewegung etwas Ungewisses in sich trägt^ sind zwei psychologische Momente, die überwunden werden müssen. Es ist nicht einzusehen, was es dem Bestand einer Ortsgruppe schaden soll, wenn in ihr (nicht aus ihr) kleine Bezirksgruppen sich bilden, die sich unter der Führung der Ortsgruppenleitmrg frei.mb selbständig betätigen, ihre Leitung ftl&jl wählen und durch fie zur OrtsgrupperMLung sprechen, — der wahre Ausdruck dessen, was der Verein will. Die Front' der Ortsgruppe nach außen soll hierdurch nicht berührt werden. Diese Bezirksgrnppen könnten sich aus «dem oben beschriebenen Stoffe Themen ihrer: Arbeit heraussuchen, wobei allgemeine Mitarbeit, sei es in eigenen Vorträgen. sei es in gemeinsaMer Lektüre, sei es in freier Aussprache zu erstreben wäre. Warum soll niM ein Kreis von zehn oder Zwanzig Menschen gemeinsam über Wassermann: „Mein Weg als Deutscher und als Jude", Fuchs: „Um Deutschtum und Judentum". Teilhaber: „Der Untergang der deutschen Juden", Kahn: ,Aie Inden als Rasse", Emil Cohn: „Judentum, ein Ausruf an die Zeit" sprechend Warum soll nicht eine Bezirksgruppe von vielleicht 59 oder löö- Mitarbeitern sich aus Grund eines oder zloei referierender Vorträge aussprccheu über „Positive Wirkungen des Zionisnms für das deutsch: Judentum". „Deutschjuden mrd jüdische Schule", „Der vNAsche Gedanke in Europa", .Keren Hajeffod und Deutschjuden", „Natiormldeutsche Juden und Dentschland".,,Ostjudeufrage", selbst wenn „nur" der Stofs einmal von mehreren Seiten betrachtet und noch nicht endgültig geklärt wind? Das erschüttert keinen Verein, der stark gegründet und stark geleitet ist. Daß vielleicht manchmal das Arbeitsgebiet der jüdischen Logen betreten wird — auch dieser Einwand wird erhoben —> kann nicht ins Gewicht fallen; die Logen erfassen nur einen Bruchteil der zur Mitarbeit fähigen Juden, und in die Keinen Gemeinden, wo oft der C. V. die einzi ge Bildungsstätt e fein kan u, können sie nicht dringen. Auch die jüdischen Volkshochschulen werden deshalb nicht überflüssig werden; sie ersetzen nicht das interne Forum, das die Mitglieder des C. V. auch in Bildungssragen brauchen. Die Bezirksgruppen sind schließlich der Ort für eine Lösung der Führersrage. Wie es nicht ohne Aktivität der Mitgliedergesamtheit abgeht, so bedarf es auch einer Verbreiterung der. .Schicht geistiger Mitarbeiter des C. V., «die mit einer Verjüngung Hand in Hand gehen muß. Neben die Führer im Abwehrkampfe müssen die Führer des inneren Aufbaus treten. Es wird nicht leicht sein, sie zu gewinnen; aber es muß versucht werden. Das Suchen wird erleichtert werden durch die Bildung der kleinen Arbeitsgruppen (Bezirks- - gruppen), die zum Tätigkeitsfeld der zur Führung Benrfenm werden sollen. Im übrigen sollten in allen größeren Ortsgruppen, tmndestens aber den Landesverbänden, einflußreiche Beiräte für die Aufbauarbeit den Vorständen zur Seite treten. -Sie müßten sich zusammeusetzen aus einem kleinen, aber festen Kreis von Menschen, die in ihrem Bereich die E.-V.-Arbeit mit bmi Geiste des Aufbauwillens zu durchtränken haben. Sie haben den C.-V.-Mitgliedern die Kräfte des Judentums wie auch des deutschen Volkstums, der geistigen Strömung unserer Zeit gemäß, nahezubrmgen unb bk reine Abwehrarbeit mit «dem gleichen Geiste zu erfüllen: sie — es mögen. Philosophen, Literaten, Aerzte, Juristen, .Kaufleute sein — müssen verhüten, daß der Kampf, wie noch zu oft, mit veralteten -Waffen geführt wird. Sie Helsen den Gruppen bei der Auswahl des Arbeitsstoffes, weisen der Arbeit die Richtung; sie arbeiten -m it an der „C.-V.-Zeitung" und einem Organ der ausibauendeu Tätigkeit, das zu schassen heute nicht mehr unerschwinglich ist. Sie gipfeln schließlich in einem kulturellen Beirat des Hauptvorstandes, der «dort die Interessen des Ausbäus vertritt; seine besondere Ausgabe wird sein, die Bildung eines Redaktionsstabs für die Zeitung, die auch selbst ausbauenden Wert erlangen muß. Zum Schluffe sei für die Ausgestaltung der entwickelten Pläne noch zweierlei hervorgehoben: der Aufbau soll dicht an die Stelle der Abwehr, sondern neben sie treten. Und ferner: es handelt sich hier nicht um Annahme eines festen Programms, sondern nur u m g r u n d s ätziiche B illi gu n g des P r in zip s. Nn.r ~ das Gewährenlassen möge ausgesprochen werden. Zrr. organisiererl ist von der Zentrale aus vorläufig herzlich lvenig; organisieren imq man vorhandene und erfaßbare Kräfte, Kräfte, die noch geweckt merken müssen — das gilt für die Ausbauarbeit des C. B.—, werden .«durch Organisation leicht im Keime ertötet; für sie gilt die Forderung nach Dezentralisation. Darum hüte man sich, Orgamjativnspläne der Zentrale abzuwarten, sondern gehe in dm Ortsgrupperd sogleich daran, Keimzellen zur Ausbauarbeit zu bilden llnd im kleinen mit ihr zu beginnen. Erst der letzte Erfolg wird es fern, dem „positiven Programm" in Thesen feste Gestalt zu geben. Dos, worauf es ankommt, ist. nicht das Ziel, sondern der Schritt, nicht der Er sol g, ..sondern der zrcversichtl i ch e, dränge n «d e A r b e i t s w i l l e. Er dient dem Fortbestand des C. V. wie der Erhaltung eines 'lebensstarken deutschen Judentums. - __ * Gerichtsaffessor Dr. E r ech H i rschbe r g (Breslarl).

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