Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 6 (7.2.1924)
- Date
- 1924-02-07
- Page
- Seite 45 (sequence 1)
- Language
- German
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Einzelnummer 10 Golöpfenmg Serlin, 7. Zebruar 1-24 HI. Jahrgang ❖ Nr. H Klüller sürSeutfclltmuM unvluoentum '0ryan des tentral-Vereins üeuticlrer ötaatsvüryerjüEcken Vlauvens'Ä». S^II^Sr-^Sir^S clss Verlag u. Schriftleitung: Lentral-Verein üeutfcher Staatsbürger jüöifchen Glaubens e.v. Serlin SV6$, Linöenstr. 13 Fernfvrecher: Amt Dönhoff 3594, 3595 Telegrammadresse: .Centralglauben Berlin" ♦♦. Postscheckkonto: Berlin 30472 Bankkonto: Dresdner Bank, Wechselstube <i, Berlin SW 68, Lindenstr. 7 Monaisabonnement (ein vierteli'ä'hr.liches gibt es vorläufig nicht) 4V Goldpfennig Alleinige Anzeigenannahme: LKnwncen-Expeditioil Rudolf Mosse, Berlin SW 19, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,60 GoAmark für die 7 gespaltene Keile nach Rudolf Atosses Normalzeilemnesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche für Mitglieder des Central-Dereins 0,30 Goldmark, die 90 nun breite Reklamezeile 3 Goldmark. Das Deutschtum hat öen Schaden. Mnüerheitsregierung in Danzig. — Nur keinen jüdischen Senator! Während die Rechtsradikalen in Wort und Schrift schonungslos die Deutschnationale Volkspartei bekämpfen und bei den letzten Wahlen auf Kosten der Deutschnationalen ihre Mandatsgewinne erzielen konnten, vermeiden es die Deutschnationalen peinlich, ir^eine offene Kampfstellung zu den Leuten um Hitler, Wulle und Kunze , zu treten. Die Mehrheit in den maßgebenden deutschnationalen Kreisen scheint auf dem Standpunkt zu stehen, daß die Wnhlaussichten für den Reichstag noch schlechtere fein würden^ wenn man das Tischtuch zwischen den „Bruderparteien" zerschneiden würde. Wie wert diese Rücksichtnahme zum Schaden des Volksganzen geht, zeigt anschaulich die Regierungsbildung des nerren Danziger Senats, die soeben vollzogen wurde. Am 1. Februar hat sich der neukonstituierte Danziger Senat dem Volkstag mit einer Regierungserklärung vorgestellt. Aus dieser Erklärung geht einwandfrei hervor, daß der Regierungskurs durchaus der alle geblieben ist. Tatsächlich sind auch in der Z u s a mm e n s e tz u n g des Senats nur sehr geringe Aenderungen eingetreten. Die Deutschnationalen -und das Zentrum schicken, mit Ausnahme eines stark kompromittierten deutschnationalen Senators, dieselben Herren in die Regierung wie bisher./ Nur an die Stelle der Senatoren, die von der Deutschen (demokratischen) Partei zum früheren Senat bestellt wurden, sind die Herren der neugebildeten Danziger Volkspartei getreten. Eine quantitativ kleine' Aenderung, und doch von allergrößter Wichtigkeit für die Beurteilung gewisser politischer, uns I u d e n b e s o n d e r s interessierender Z u - ff a m m e n hänge! ' Die der Deutschen Partei im Senat angehörigen Vertreter der letzten Danziger Regierung mußten nach ihrer politischen und wirtschaftlichen Einstellung d e m r echte n Flügel der Partei zugezählt werden. Wenn in dem neuen Senat die Deutsche Partei ausgeschaltet worden ist, können für diese aufsehenerregende Maßnahme einer bürgerlichen Regierung politische Gründe nicht mitgesprochen haben. Der n e u e Senati st judenrein u ndhatmitde m ausgesprochenen Zweck, judenrein zu sein, die Senatoren der Deutschen Partei aüs geschaltet. Der Kampf um den jüdischen Senator Jewe? low s k i von der Deutschen Partei war der Angelpunkt dieser historischen Regierungsbildung. Nach dem Ergebnis der Volkstagswahlen, das zwar ein Anwachsen der Rechts- und Linksradikalen und eine Teilung der bürgerlichen Mitte in drei Gruppen brachte, aber trotzdem eine Basis der allen Koalition mit Einschluß der'neugebildeten Volkspartei ermöglichte, lag es nahe, daß die bisherigen Koalitionsparteien ihre alten parlamentarischen Senatoren in die Regierung entsandten. Da erklärten die Deut sch nationalen, sie könnten mit Jewel o w s k i n i ch t m e h r z u s a m nt enarbeite n. Sachliche Gründe konnten nicht vorgebracht werden, denn Jewelowski hatte in seinem-Ressort für Handel und Wirtschaft sich als :em durchaus fähiger Kopf erwiesen, hatte die schwierigen Verhandlungen' mit Polen berneistert und innenpolitisch höchstens aus der Linken Mißfallen erregt. Aber der Erfolg der Deutschsozialen schien für die Deutschnationalen ein Weckruf gewesen zu sein. Der Mehrheit der Rechten war nach den Wahlen der Schreck in die Glieder gefahren, urrb aus Furcht, sie könnten noch mehr Wähler verlieren, wenn sie sich an einer Regierungsbildung beteiligen, zu der ein Jude präsentiert wird, wandten sie sich gegen Jewelowski, obwohl er in seiner Arbeitsleistung schwer zu ersetzen war. Gegenüber dieser judenfeindlichen Haltung der Deutschnationalen vertrat die Deutsche Partei den Standpunkt, daß ein Nachgeben ihrer demokratischen Einstellung unwürdig sei, und hielt an I e w e l o w s k i fest. Ergebnis: es kam eine M i n d e r h e i t s r e g i e r u n g ans Deutschnationalen, Zentrum und Volkspartei zustande, die über 55 von 120 Stimmen verfügt und somit zur Erlangung der parlamentarischen Mehrheit der Zustimmung der Deutschen Partei bedarf oder sich aus die Stimmen der Kunze-Anhänger stützen muß. Es scheint, ^als würde die Hilfe der Deutschsoziälen dieser Regierung angenehmer sein. Nachdem Jewelowski geopfert ist, wird uran die Kunze-Leute weiter dadurch milde stimmen, daß man ihrem Führer die bisher stets versagte Einreiseerlaubnis gestattet, so daß die alte, vornehme Handelsstadt bewegten Zeiten entgegensetzen dürste. Innere Freude an der Danziger Regierungsbildung werden selbst die Dentschnationalen nicht haben. Man braucht nur eine Rede des Herrn Kunze gehört zu haben,-um zu wissen, wie tief sein Haß gerade gegen die K o n - . s e r v ativen s i tz t. Mit diesem Haß. hat er auch seine'politischen Geschäfte in Danzig gemacht. ’ Herr Kunze ist der .letzte, der seinem politischen Ehrgeiz Zügel anlegt. Wollen sich die Danziger Deutschnationalen unter sein kaudinisches Joch begebend Was bei einer so zusammengesetzten Minderheitsregierung aus Danzig werden wird, steht dahin. Bisher sind n u r die P o l enfroh, denn, sie haben in Jewelowski ihren gefährlichsten Verhandlungsgegner verloren. ‘ E. L;