Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 5 (31.1.1924)
- Date
- 1924-01-31
- Page
- Seite 35 (sequence 3)
- Language
- German
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35 Der gedeckte Tisch. „Du ließest ihn herrschen über deiner Hände Werk. Alles legtest du ihm Zu Füßen, Schafe und Rinder allzumal mit) auch das Getier -des Feldes, die Vögel des Himmels und die Fische des Meeres, alles, was die Pfa-de des Ozeans durchschneidet." Reich gedeckt ist der Tisch der Natur. Alles ist bereit zum Mahle. Alle Kreatur ist geladen. Auch der Mensch hat seinen Platz an der unendlichen Festestasel. „Ist nicht alle Mühe des Menschen für seinen Mund?" Ist nicht das Hauptziel unserer Lebensarbeit der Genuß? Ist nicht der Hunger der strenge Meister, der das irdische Getriebe regelt? Wir pflügen zur Zeit des Pstügens, ernten zur Zeit des Erntens, dreschen gur. Zeit des Dreschens, windschau sein zur Zeit des Windschauselns. Wo bleibt da Zeit übrig für die Pflege unserer Ideale? Galt das schon s ü r de n ei n sachen M en schen e i ner schlichten Zeit mit geringen Bedürfnissen, um wieviel mehr für unsere entwickelte Kultur mit ihren verfeinerten und ausgesuchter: Genussessorderungen. Drum ist dem jüdischen Menschennoch ein anderer Tisch gedeckt worden. „Dies sind die Rechte, welche du ihnen vorlegen sollst wie aus einem gedeckten Tisch." Der Tisch der Juden ist gedeckt mit den Rechten, mit sittlichen Forderungen. Das jüdische Recht verkörpert nicht die Forderung des jeweilig Starken, der den Schwachen ausnutzt und von der Tafel des Lebens verdrängt. Es beginnt mit dem Menschenrechte des Sklaven und schließt mit dem Schutzrecht des Fremden. Der Jude hatte oft genug die Fäuste des Unterdrückers zu spüren bekommen und wußte, loie es dem Fremden zumute ist. In stolzer und bewußter Erkenntnis des eigenen Wertes verstand er es doch stets, sich in das Seelenleben der anderen einzusühlen. Israels große Männer fühlten das Leid der Welt. Seme Propheten klagten selbst, wenn sie die Herrlichkeit ihrer Unterdrücker in Trümmer sinken sahen. Tenr Juden war das Recht nicht etwas Gewordenes, weiter Werdendes und sich Entwickelndes, etwas sich den: Lause der Zeiten und den Wünschen wechselnder Gewalthaber 'Anpaffendes. Es uutrbe ihm vorgelegt, wie die Speise auf dem gedeckten Tisch, als etwas Fertiges, Ewiges, U n w a n de l b a r e 8. Ihm ist der Gedanke von den ewigen Rechten, die in den Sternen geschrieben sind, kein Traum, Wohl kennt auch er den Be griff der Entwicklung: doch er verlegt ihn in das Seelenleben des Menschen. Ewig, unwandelbar und unabänderlich leuchten aus himmlische!: Höhen die erhabenen Sterne der sittlichen Forderung. Sie trösten uns Menschen, wenn wir in der dunklen Nacht unseres Erdenlebens zu ihnen emporschauen. Der Allmächtige, der Hüter des Rechts und der Sittlichkeit, ruft aus Bergeshöhen und Mose, der ideale Mensch, steigt zu ihm empor. I sch Ti kw oh. Der Rückgang des Zremdenverkehrs in den süöbaperischen Ruwrten. U n e rh ö r t e B ef ch imP f u n g e n der Juden. Von besonderer Seite wird uns aus München geschrieben: In einer am 16. Januar 1924 stattgehabten außerordentlichen Mitgliederversammlung des M ü n ch <c n e r F r e m d e n v e r £ e h r s- Vereins entspann sich eine lebhafte Aussprache über die Ursachen des katastrophalen Rückgangs des Fremdenverkehrs, wie dieser in den jüngsten Monaten in der Besucherzahl der bekannten Wintersport- Plätze des bayerischen Hochlandes besonders auffällig 'in die Erscheinung trat. Unser Vereins Mitglied, Herr Kommerzienrat Sigmund Fraenkel, Vizepäsident der Handelskauuner München, benrorkte, daß er das Hermnraten und das Herumkurieren an den Symptomen, die diesen Verkehrs rück-gang verschulden, nicht mitmachen könne; wem: imm >ihn xnrt seine offene Ansicht über die Gründe dieser bedauerlichen Entwicklung befrage, so müsse er diese Gründe aus eine ganz kurze Forüie-l bringen: „Der bayerische u nd vor all ein d e r M ü n ch c n e r Fre m denverkehr m ü s s e je tz t die Rechnung für die F e n st e r s ch e i b e n beza h l e n, d x c in b e n letzten M o n a t e n!d u r ch die M ü n ch e n e r u n d M iesbacher H a k e n k r e u z s a h n e n c i n g c if ch tage n w u r d e n." Es war vorauszusehen, daß diese offene Aenßerung aus dem Munde einer Persönlichkeit, die in Bayern allenthalben als Autorität in Verkehrsfragen gilt, großes Aussehen machen mußte, und es war weiter anzunehmen, daß sie das bekannte Miesbacher Hakenkreuzorgan, den „M iesbacher Anzeige r", in gewaltige Aufregung versetzen würde. Der „Miesbacher Anzeiger" quittiert in der Tat diesen Ausspruch in einer seiner jüngsten Nummern durch folgenden Wutausbruch: „Die beste Reklame. Der jüngere Fraenkel hat im Fremdenverkehrs verein, eingedenk erhaltener Schläge, gemeint, der Fremdenverkehr in Bayern fei Zurückgegangen wegen der mit Miesbacher und Münchener Hakentreuzfahnen eingeschlagenen Fenster. Gott, wie talentvoll sin unsre Lait un wie gewählt sie sich ausdricke! Wir wollen aber sämtlichen Fraenkeln sagen, warum der Fremdenverkehr in Bayern nachgelassen hat: Weil andere Leute den Anblick der vielen Juden nicht ertragen können/die unsere bayerischen Sommerfrischen verschandeln, die dort herumwatschelu, und die unsere bayerischen Seen zu stinkigen Jndenagnarien machen, statt sich in Palästina zu erholen und gleich dort zu bleiben. Aber sie fürchten sich vor dem Roten Meer und meinen, es könne seine Welle auch ernmal zur Abwechslung über den Kindern Israels zusammenschlagen. O, käme doch das bayerische Hochland in den Ruf der Jndenrei!iheit! Das wäre die beste Reklame!" Wir stellen fest, daß wir mit dem „Miesbacher Anzeiger" bezüglich der Tatsache des starken Rückganges des Fremdenverkehrs in den südbayerischen Winterknrorten und Sommerfrischen völlig einig gehen. Wir gehen sogar noch einen Schritt weiter und schließen uns dem Wunsche des „Miesbacher Anzeigers" gerne an, daß unsere norddeutschen und süddeutschen Freunde fortab so viel Selbstachtung und Würde aufbringen, um den Inden-Hassern im kommenden- Sommer keinen Anlaß mehr zu der Klage zu geben, daß die israelitischen Badegäste „unsere oberbayerischen Seen zu stinkigen Judenaquarien ve: schände ln". Wir Hostien, daß die Folgerungen aus dieser xmerhörten Beschimpfung von allen Lesern der „C. B.-Zeitnug" im Lause der kommenden Eornrn-errnonate im weitesten Umfange gezogen werden. An unsi're Münchener und Nürnberger Gesinnungsgenossen ergeht aber die besondere Mahnung, den Wünschen des „Miesbacher Anzeigers" sofort Rechnung zu tragen und dafür zu sorgeik, daß die Muterkurorte Oberbayerns „vom Anblick der vielen Inden" noch in diesem Winter verschont bleiben. Vierzig Jahre im Ehrendienste der Stadt. D e r v ö l k i s ch e n P r e s s e z u m. Abdruckempfoh l e n. Dem Mitglied unserer Bochnmer Ortsgruppe. Herrn Julius W ü r z b u r g e r , ging ein Schreiben des Chefs der Wohlf a h r t s v e r w a l t n n g zu, das wir der völkischen Presse zum .unentgeltlichen Abdruck gern überlassen: „Bochum, den 5. Januar 1924. # Mit Bedauern haben wir davon Kenntnis nehmen müssen, daß Sie das von Ihnen bisher ansgeübte Ehrenamt als Armenbezirksvvrsteher im siebenten Fürsorgebezirk aus Gesundheitsrücksichten niederlegen müssen. Wir gönnen Ihnen nach solch langer ehrenamtlicher Tätigkeit gerne die Ruhe und wünschen Ihnen recht herzlich, daß Sie den Rest Ihrer Lebensjahre in bester Gesundheit und Zufriedenheit verleben mögen. Wie dos von Ihnen beigefügte Schreiben der Verwaltung des Armenwesens vom 24. September 1883, unterschrieben von dem früheren Bürgermeister Lange, bestätigt, sind Sie ununterbrochen vierzig Jahre lang in der Armen- und Waiseupsiege tätig gewesen. Mit Ausnahme von wenigen Jahren haben Sie während der ganzen Zeit das schwierige Amt eines Bezirksvorstehers geführt. Stets unermüdlich, mit großer Liebe und Freude habeu Sie die umfangreichen Arbeiten erledigt, den Armen und Waisen waren Sie ein gerechter und aufrichtiger Helfer und Berater. Nicht allein die Armen mid Waisen der Stadt, sondern auch die Stadtverwaltung sind Ihnen zu großem Dank verpflichtet. Wahrlich, hätte unser Vaterland viele solcher e d e l d e n k e n d e n Nt n n n e r , würden lu i r g e w i ß ge r a d e in dieser s ch w e r e n Zeit z n f r i e d euer n d ie Z u k u n f t schauen können. Ihre Tätigkeit loird bei uns nicht in Bengeffenheit geraten. Die Wohlsahrtsverwaltung. gcz. G i l s i n g." Trotz des grobmaterialistischen „jüdischen Marxismus" gibt es überallhin Stadt und Land selbstlose und opferwillige jüdische Deutsche, die mit großer Liebe und Freude Armen und Waisen gerechte und aufrichtige Helfer sind. Wenn loir einmal besonders auf diese Tatsache' Hinweisen, so geschieht es nur aus den: Grunde, den durch die dentschvölkische Agitation Jrregesührten an praktischer: Beispielen zu zeigen, 'wie u n w a h r und gew i s ser: l o s auch hier die Judenhetze ist. Emst v» Wolzogen einst und jetzt. A u f den Wegen des Grafen P ü ck l e r . . . Ernst v. W o l zöge u ist heute einer der beliebtesten Mitarbeiter an. völkischer: Zeitungen. Wir haben schon einmal festgestellt, daß Wolzogen vor den: Kriege es abaelehnt hat, feine Freunde auf Schädelform und Blut Mischung zu prüfen, weil sich sonst der Kreis seiner literarischen Bekanntschaft sehr gelichtet Hütte. Ein Leser .unseres Blattes macht uns jetzt auf einen Artikel des Herrn v. Wolzogen in Nr. 7 der Wochenschrift „Al o r g e n" vom 26. Juli 1907 aufmerksam, der, „W o h I -t ä te r d e r Nc e n s ch h e i t" betitelt, den Grafen P ückl-er wegen seiner jn-denfeindlichen Raffeeinstellung also verulkt: ,Die Raffensrage — Nächst den Religion hat kein Prinzip so viel Haß in die Welt gesät, so viel Hirnschmalz gekostet und so viel Blut stießen lassen als die Raffensrage. Cs ist ein Krieg, der nimmer enden kann, ehe nicht alles Blut der Menschheit in einen großen Bottich abgegossen worden ist und die glorreiche Homunkelfabrik der Zukunft ihrem Nuiversalprodukt dadurch den endgültigen Frieden garantiert, daß sie in jede ihrer fertig vorgearbeiteten Normal- Zellen eine Kuchenspritze voll Blut aus jenem Bottich gibt." Heute arbeitet Herr v. Wolzogen mit seinem Hirnschmalz, um Haß in die Welt zu säen und neues Blut fließen zu lassen. Und der Bottich ist inzwischen dem Jauchekübel völkischer Naffesorschung, für den eine Kuchenspritze zu „harmlos" geworden ist, gewichen.