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Central-Verein-Zeitung · 1924-01-24 · 4 (24.1.1924) · p. Seite 27

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
4 (24.1.1924)
Date
1924-01-24
Page
Seite 27 (sequence 3)
Language
German
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0 ^uf -r-lersflügeln. Einsam und majestätisch schwebt der. königliche Vogel über Wälder und Felder. Immer höher steigt er zum nackten, steinigen Felsgebirge. Dort ist sein Horst; dorthin'bringt er den hungrigen Jungen die Nahrung. Unten lauert die gierige Rotte der Jäger der seltenen Beute. Sie folgt ihm unermüdlich. Auf seinen Fittichen birgt der Aar die hilflosen Kleinen. Nur mit seinem Leben gibt er sie Preis. „Und ich trug euch auf Adlersflügeln," spricht der Herr 31t seinem Volke. Einsam, unverstanden und unbegriffen ist der ewige Gott Israels von den Geschlechtern der Menschen. Hart und kalt erscheint er ihnen, wie er schier imerreichbar über ihnen thront. Sie suchen .ihn zu sich herabzuZieheu, sie geben ihm Menschengestalt, wollen ihn sich gleich und ähnlich machen. Sie besudeln und beschimpfen ihn. Dort auf den kalten Höhen köwue die Liebe nicht wohnen. Er ist ihnen ein Gott der Rache und versteinerter Gerechtigkeit und Gesetzlichkeit. Können sie ihn selbst nicht treffen, so wollen sie seinen Namen aus Erden vernichten. Sie klimmen zum Fels, den Adlerhorst auszu nehmen, die hilflosen Jungen zu töten. Ja, einsam wie sein Gott ist Israel stets unter den wandelnden Geschlechtern der Menschen gewesen, unverstanden und unbegriffen, beschimpft und besudelt, gehaßt und verfolgt. Erregt nicht der Ginfame, der sein Leben für sich abseits baut, stets den Argwohn und das Mißtrauen der bequemen Menge, die ruhig und gleichmäßig die breite Heerstraße des Alltags trottet? Ja, Israel und sein Gott, sie tragen das gleiche Schicksal, einsam und verkannt zu fein. So laßt überlieferte Weisheit den Allmächtigen sprechen „Ich bin mit ihm in seiner Not. Mir ist wehe, wenn ihm wehe ist. Mich greisen die Feinde zuerst an und wissen, daß sie so am sichersten auch die Meinen treffen." So ist es stets gewesen. Denselben Weg schritt griechisch-syrische Afterkultnr, unttelalterlicher Fanatismus und moderner Rassenhaß. Ruch heute glaubt man unser am besten Herr zu werden, wenn umn unseren Gott und seine * Lehre herabwürdigt. Und gibt es nicht auch junge Adler, die sich ans dem Neste holen und zähmen lassen? Wollen dann vom Adlerhorst und feiner Einsamkeit nichts mehr wissen, vergessen ihn ganz und tauchen unter in der Gesellschaft der anderen. Doch das sind nicht die echten Königskinder. Wer vom echten Stamme des Adlers ist, der liebt den gütigen Vater. Er nimmt mit ihm den einsamen Weg zu den Himmelshöhen. Er weiß, hiev ist er geborgen. Denn ewig ist der himmlische Adler. Ihn können die Pfeile der Jäger nicht treffen. Er trügt die Seinen empor und führt sie in sein himmlisches Heim, wo die ewigen Ideen über der Zeit unb der kleinlichen Welt der Menschen walten. Hat er doch gesprochen: „Und ich trug euch auf Adlersflügeln und führte euch zu mir." Jsch Tikwoh. Ratholifther Rampf gegen öas Hakenkreuz. E ine Abrech n ung -ntit v ölkifchen F tth r ern in der „Grenzmerrk". In den deutschgebliebenen Teilen der Provinzen Posen und Westpreußen, in denen die jüdischen Bewohner allzeit Pioniere des Deutschtums gewesen sind, macht sich das Hakenkreuzlertum besonders unaligenehm breit. Man braucht nur einen Blick in die Zeitungen deE„Grenzmark" zu werfen, und man kann erkennen, daß nichL nur die Linksparteieil, sondern vor allem auch '.das Zentrum mit großem Kraftaufwand dem Umsichgreifen der völkischen Belegung entgegentreten. So wendet sich^ in Nunnner 285 der ,/£>'d) neid c m ü h l e r G r e n z w a ch t" ^tudrenrat Dr. I. P 0 l - z i n aus Schönlanke gegen „freche unb schnoddrige" Angriffe der Hakenkreuzler: Dos letzte Eingesandt des Herrn Köhler aus Schneidemühl zwingt nrich als Zentrnmsmann 'einige Fragen an den politischen „Führer" der B. v. V. der Grenzmark Zu richten. Sie schreiben, daß es unwahr ist, Daß die Völkischen das Chtisientum und die Katholiken bekämpfen. Ist Jtznen, Herr Köhler, wirklich nicht bekannt, was Herr Graefc nach dem Münchener Putsch in seinem, mit dein Hakenkreuz gezierten „Deutsscherr Tageblatt" geschrieben hat? Dieses Blatt bedauert -autzerordentlich, daß der geplante Putsch in München mißlang, es inacht dafür schwarze, nltramontan-e Mächte verantwortlich. Kahr sei -ein Instrument .n-lbrarnontaner Hinterlist, eines schwarzen Geistes b-elvußter. unbewußter Handlanger. Arn 9. November 1918 durften deutsche Soldaten nicht auf unser Volk schießen, weil Alljuda und Schwarz herrschen wollten, — an; 9. November 1923 mußten deutsche Soldaten aus nationale deutsche Männer schießen, damit jene beiden Trumps bleiben konnten. Bei gegebener Zeit wird darüber noch mehr Zu sagen sein. Heute nur di-e eine Frage: was hätten wir Katholiken zu erwarten, wenn es diesen Lercken gelänge, auch nur vorübergehend die Macht in Deutschland an sich $u reißen? Die Katholiken, welche zu Ihnen gehören und mit Ihmn kämpfen, sind entweder gar ni ch t r: nterrichtet von der Veweguung und den Absichten der Führer, oder es sind so gen a n 111 e A11 ch tat h 0 (ik e n. Ruhig und eindrucksvoll weist der Herr Studienrat die Völkischen darauf hin, daß die Katholiken in den allgemeinen, untersch-iedslosen Haßgesang gegen jeden, dem werter nichts zur Last gelegt werden kann, als daß er als Kind jüdischer Eltern auf deutscher Er«de geboren wurde, nicht einstimmen können, weil solcher Hatz u n ch x i st (i ch ist. Scheu vor -er Wahrheit! Die Münchener Ostjn-denAusweisungen. Schon Ende November des Vorjahres brachte das Münchener zionistische „Jüdische Echo" eine aktenmüßige Darstellung von fast 20 Füllen von Ostjudenausweisuugen, ohne daß bis heute die zuständige Behörde die Richtigkeit -dieser Darstellung bestritten hat. In einem späteren Artikel behauptete das gleiche Blatt, die Behörden hätten „kaum iit einem Falle in ihren Ausloeisungsgründen ernstliche Vergehen, geschweige denn kriminelle Straftaten nnsühren können". Hiergegen wendet sich eine halbamtliche Notiz in Münchener Blattern, die dem „Echo" beispiellose Aufbauschungen vorwirft und drei Fälle untt-eilt, in denen es sich um gerichtlich vorbestrafte Personen handelt. Von den 17 anderen Fällen wurde nur einer herausgegriffen und zu ihm Stellung genommen. T r i f f t a l s 0 a u f d i e übrigbleibenden 16 Fälle die Darstellung des „Echo" z n? Außerdem hat die Regierung das „Echo" auf unbestimmte Zeit verboten. Man scheint allumhlich einzusehen, daß Bayern mit seiner Ausweisungspolitik i n n e r h a l b u n d anßerhal b seiner G r e n - zen keinen Staat nrachen kann. Weil man nicht den Mut findet, die Ausweisungen rückgängig zu machen, verhindert man wenigstens, daß die Wahrheit innerhalb Bayerns verbreitet wird. Neutralität -es Haperischen Turnerbunües. W a x n u n g vor ®in tritt in ©tut m t r u p p s. In der amtlichen Vereinsschrift der bayerischen Turnerschast, dem „Bayerischen Turner", ergeht eine bedeutungsvolle Mahnung an alle Bereinsvorsihenden, Turnwarte und Tarrnratsmitglieder. Nach einigen Mitteilungen und Anfragen werden unsere Turnvereine Zurzeit vielfach v 0 n p v liti s ch e n P a r t e i e n u 111 w 0 rbe n und werden die Turner zum Eintritt in ihre Stur.mtru.pps nsw. veranlaßt, nnancherorts sogar zunr geschlossenen Beitritt aufgofordort. Vor der Duldung oder Begünstigung solcher Umtriebe nruß ernstlich gewarnt werden. N a ch d e in Grundsatz der Deutsche n T u r n e r - s ch a f t w i c n g d) der Satz u n g d e s V a y e r i s ch e n T u r nert> u « b c § sind alle Partei p 0 litischen B e st r e b u n gen ausgeschlossen. In Zweifelssätten ist die Kreisleitung gern zn Aufschlüssen und Raterteil-ung bereit. Zur Vermeidung von Zersplitterungen im Verein wie im Bunde ern.-psieblt es sich, überall da, wo sich bei jungen Leuten Lust und Neigung zeigt. Webrtnrnen oder . einschlägige Uebungen zu betreiben, nach einem geeigneten Führer womöglich im Verein, Umschau Zu halten und im eigenen Verein alle Hebungen und Veranstaltungen dnrchzuführen. Wir deutscher: Turner, die wir keinen Unterschied des Starnmes und des Glaubens, des Standes und der Klasse anerkennen, müssen zu verhüten trachten, daß eines Tages am Ende gar ein Teil dem anderer: feindlich gegen übersieht. M e i st e r I a lr n s 0 b e r st es St r e b e n galt einem großer:, einigen Vaterland, und das setzt eine große, einige Turnerschast voraus. R ö m e r." Au der mustergültigen Disziplin der deutschen Turner werden alle Versuche — mit Zuckerbrot oder Peitsche — scheitern, Vater Jahns Erbe Herrn Hitler anzuvertranen. btt blamierte Lanöbunö. DasE nde de rv ö lkis che n R 0gg e 11 w äh r u n g. Jeder blamiert sich so gut er kann. Der P 0 in m-c r s che L a n dbund glaubte zu einem großen Schlage auszuholen, als er „antisemitische" Roggenscheine ans gab. Jetzt bringt der „Generalanzeiger für Stettin" ein Inserat, das das Ende dieser Roggenscheine ankündigt: „Die Roggenscheine des Kreises Grerfenhagerr des Pommerscheu Laudvuudes, die den Anfdruek tragen Dieser Schein ist ungültig, wenner indie Hand von Juden oder Judennnschlingeu -gelangt. Deutschland den Deutschen! Werden hiermit zum Umtausch in andere Scheine vis zum 31. Januar aufgerusen. Scheine dieser Art, die bis zu diesem Zeitpunkt nicht zum Umtausch vorgelegt sind, verlieren ihre G-iiltigkeit. Stettin, den 4. Jainrar 1924. Kreisgrnppe Greifenhagen des Pommerschen Landvnndes, Roggenscheinausgabestellen Stettin nnd * Greifenhagen. Die Leitung: v. Bo düngen." Ter übermütige Landbund hat einmal am eigenen Leibe erfahren müssen, daß das alte Sprichwort noch zu Recht besteht: Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein!

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