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Central-Verein-Zeitung · 1923-12-27 · 52 (27.12.1923) · p. Seite 850

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
52 (27.12.1923)
Date
1923-12-27
Page
Seite 850 (sequence 2)
Language
German
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590 c7ACoBIi88o VILTER NEINBRRMD ,, Die völkische verpreußung Süüöeutschlanüs. Alfred Roth in Stuttgart. Dem gemütlichen Schwabenland ist Heil widerfahren. Alfred Roth, der Vorsitzende des „D e u L s ch v ö l! i s ch e n Schutz- und Trutzbundes" und Herausgeber der „Deutschvölki scheu Blätter", hat in Hamburg, feine Koffer gepackt und ist gen Stuttgart gezogen. Die völkische Verpreußung Süddeutschlands geht munter fort. Auch Alfred Roth mußte Neuland suchen, weil er in Hamburg nur noch über einen kleinen Anhang und ein Blättchen verfügte, das als offizielles Organ der Hakenkreuzbewegung einen geradezu kläglichen Eindruck machte. Die „Re i chs - S L u r mf a h ne", — fo heißt ba% in Stuttgart erscheinende deutschvölkische Wochenblatt des Herrn Roth — bringt ein nagelneues Programm: „Völkische Forderungen auf sozialem, finanziellem und w i r t s ch a f 11 i d) e m Gebiet." In den Mittelpunkt feines sozia-len Programms stellt Roth den Satz: nur solche Personen dürsten am Gewinn eines Unternehmens Anteil haben, die daran durch Arbeit beteiligt seien. Leider vermeidet es der große Volkswirtschaftler Roth, die A r t der Arbeitsbeteiligung näher zu kennzeichnen. Georg Bernhard hat in seinem Vortrag in der Philharmonie, über den wir an anderer Stelle berichten, recht eindrucksvoll betont, daß der Judenbaß unserer Tage aus Taaeszeitunaen der Schwerindustrie gespeist wird, und hat nachgcwiesen, daß die industriellen Geldgeber an der Zeitung als Wirtschafts- Unternehmer nicht das all er gering st e Interesse haben. In erster Linie wird also hier Herr Roth reformieren müssen. Im Absatz 18 nimmt sich der völkische Führer besonders der Wo h n u n g s n o t, an. Wie er sich die Behebung dieses Uebelstandes denkt, zeigt ein Inserat in der gleichen Nummer der „Reichs-Sturmfahne": „Wer. hilft mir, ein E i n f a m i l i e n h a u s mck Garten — etwa a ch t Zimmer n n d Z u b e h ö r — ausfindig zu machen, damit ich meinen Umzug von Hamburg nach Württemberg bewerkstelligen kann. Das Häuschen kann auch auf dem Lande liegen. ' Gegebenenfalls ist H a u s t a u sch _ möglich. Mitteilungen erbeten an Alfred Roth, zurzeit Stuttgart, Marienstratze 12b." Liegt hier nickt vielleicht ein Verstoß gegen den Geist der siebenten seiner völkischen Forderung vor, die verlangt, daß übergroße Vermögen in Höhe des Ilebermaßes dem Staat verfallen? Roth beteuert, die Ilntertänigk-e't gegenüber dem Reichtum müsse aufhören und an ihre Stelle klare Erkenntnis der G e - fahren des R e i ck t u m s treten. Sind solche Anschauungen nicht sehr verwunderlich, wenn man bedenkt, daß Stuttgart eine geradezu klassische Stadt der Wohnungsnot ist und daß Herr Roth sofort eine A ch t z i m m e r w o h n u n g mit Beschlag belegen möchte? Wir nehmen an. daß Herr Roth sich seinen Hamburger Hausbesitz mit seiner Feder zusammengeschriebeu und mit seiner Lunge zusammengeredet hat. Sollte das nicht der Fall sein, so muß nach seinem eiaenen Programm der ererbte Reichtum dem Staate überwiesen werden, da man annehmen muß, daß völkische Forderungen auch für völkische Führer gelten. Wertvoller als sein Programm ist uns aber der Artikel in derselben Nummer des Rothschen Blattes: „Aus der Bewegung." Hier wird klipp und klar bewiesen, daß der Versuch, die völkische Bewegung durch Parteimaßnahmen zu unterdrücken, fehlgeschlagen sei. Der völkische Gedanke marschiere trotz alledem, und seitdem Herr Roth in Württemberg sein Zelt ausgeschlagen hat, „braust er (der völkische Gedanke. Schrift!.) neuerdings geradezu auf Sturrnesschwiuaen einher". Die Veranstaltungen der völkischen Verbände seien überlaufen, ihre Vorträge fänden allenthalben vor überfüllten Sälen statt, und was völkische Redner künden, finde überall brausende Zustimmung. Triumphierend stellt Herr Roth fest, daß die völkisch-vaterländischen Verbände sich regen: „Die „B t s m a r ck - I u g e n d" kann auf eine Reihe wohlgelungeuer Beranstailtungenin Böblingen, Cannstatt, Eßlingen, Reutlingen, Stu-ttgart und andere - zurückblickender „Verband national gesinnter Solj daten" veranstaltete in Stuttgart einen Werbeabend mit gutem Erfolg; der „De ut sch völkische Schutz- und Trutzb u n d" beging jüngst sein Stiftungsfest in dem Willen, für feine volkserzieherische Tätigkeit tatkräftig zu werben. Im „Nationalverband de u t scher Offizie re" geht es ebenfalls rüstig vorwärts, und' der „Hochs ck u l r i n g" hat seine Winke rtätigkeit mit einem Vorträge in der Aula der Technischen Hochschule in Stuttgart über das Thema: „Der völkische ^danke und die Studentenschaft" eingeleitet. In den Brüderschaften des „In ngd eutfchen Ordens" herrscht reges Leben. Der in ihnen lebende Geist zieht die völkische Jugend des reiferen Alters mäcktig an. Das gleiche ist vom „W i k i n g b u n d" zu berichten, dessen Gefolgschaften ebenfalls an Stärke und innerer Festigkeit gewinnen. Die „Adelsg e n o f f e n s ch a f t" hat sich in einem Aufrufe zum Gedanken der Volksgemeinschaft bekannt, und der „Bund für deutsche L e b e n s e x n e u e x it n g" sucht die maßgebenden Stellen für ein völki'ches Wirtschastsprogramm zu gewinnen. Herr Roth kam nach Württemberg, sah und siegte. Trotz des Verbots der Nationalsozialistischen deutschen Arbeiterpartei tritt, wie Herr Roth mit großer Genugtuung mitkeilt, keine Stockung in dem Gang der völkischen Bestrebungen ein, und mit Gewißheit sieht er dem Tag entgegen, der die wahrhaft deutsche Freiheit bringen wird. Wir haben zu dem gesunden Sinn der schwäbischen Bevölkerung das Vertrauendaß sie Herrn Roth in seinen wahren Zielen schneller durchschauen wird als es in Norddeutsckland der Fall gewesen ist. Was an uns liegt, diese Aufklärung auch ins Württemberger Land hineinzutragen, soll ausgiebig geschehen. Sch—r. MerMlichkeit im Kampfe. Von Rabbiner Dr. K r o n e r (Oberdorf). „Du sollst", so kehrt die Bibel, „bei der Belagerung einer Stadt den Frucktbamn nicht umhauen, denn ist denn der Fruchtbaum» wie der Mensch,, um in die Belagerung miteinzugehen?" Ein Gebot, das von der traditionellen Erklärung als dir generelle Warnung vor jedwedem Zerstören ünd Vor b erben e r h a t t u n g s w e r t er Ding e aufgefaßt wird. Näher betrachtet und mit Dem Inhalte des folgenden Verses verknünck, erscheint.in ihm der tiefere Gedanke: du wllst das Holz des -Fruchtbaumes nicht zu Zwecken der Belagerung selbst verwenden, du sollst das Holz des mit Früchten gesegneten Baumes nicht nehmen, um' damit gegen Menschen Krieg zu führen! Frucktbamn und Krieg sind schreiende Gegensätze, wie Segen und Fluch, nicht soll das äugenfällige Bild des Friedens/ die ausgesprochene Kraft des Segens, das blühende Element fruchttragenden Lebens genommen werden., um zur Vernichtung selbst das Material zu liefern. Nicht soll in der Brust des Kriegers alles Führen für Lebenaeweihtes ertötet sein, nicht soll eine zügellose, tierische Roheit alles in den Kreis der Zerstörung ziehen, es gibt noch etwas am Kriege Unbeteiligtes, dem Weiterbestehen Gewidmetes, das weder zum Instrumente noch zum Objekte des mörderischen Kampfes zu werden braucht und verdient. Selbst im heißen Kampfe soll ein ge w i s s e s Maß und Ziel bei der furchtbaren Aufgabe der Vernichtung walten, noch ein Gefühl v o n Me nschl i chk e i t dem Leben retten, was a l s L e b e n s w e r t e s g i l t, u n d n i ch t alle s b 1 i n dwütig z er st ö r e n , w a § in s i ch d ie K r a f t z u m L e b e n u n d z u m S e g e n t r ä g t. Krieg und Friede, kriegerische, bittere Notwendigkeit und doch wieder menschliches Fühlen und Erbarmen sollen stets benachbart bleiben, und neben dem unvermeidlichen Kriege soll die zarte Saat des Friedens wieder keimen und grünen können. Von ähnlichem Ge-sie sind bezeichnenderweise die drei biblischen Gebote getragen, die das eben Genannte gleichsam umkreisen. „Bevor du zum Kriege schreckest, biete erst den Frieden an, und erst, wenn man den Frieden hartnäckig verweigert, rüste dich zum Kriege." „Wenn du in den Krieg ziehst, und es harren einige noch w-chtige, unaufschiebbare Friedenspflichten, so laß für diese erst den Frieden zu sein e m R ech te ko m m e n, und da n n e x st die K r -i e g s P f l i ch t e i n i r e t e n." „Wenn du im Kriege ein Mädchen erbeutest, so lasse nicht die wilde Kriegsleidenschaft zur rohen Gewalt über dich werden, sondern beschwichtige alle verwilderten Regungen und sieh in dem Mädchen das Bild und die'Weihekraft des Friedens und des göttlichen Segens." Der Geist der Bibel fordert selbst beim rauhen Kriegshandwerk den Friedensanfbau und die Freude an ihm. Im Kampfe nicht in Roheit auszuarten, seelisch nicht ganz zu verwildern, nicht zum Tiere herabzusinken und bestialische Grausamkeiten als die durch den Krieg geheiligten Mittel auszugeben, sondern bei aller Kriegsn-oL; n o ch e i n S t ü ck M en schen w ü r d e zu be w ah r e n, das ver- ] langt die Bibel in ihren Gedankengängen über den unvermeidlichen Kampf im Leben!

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