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Central-Verein-Zeitung · 1923-12-20 · 51 (20.12.1923) · page 3

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
2 (1923)
Issue
51 (20.12.1923)
Date
1923-12-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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tuellen heute nicht mehr io stark wäre, wenn diese Aufklärungsvortrage in allen Teilen Deutschlands gehalten werden könnten. In gut besuchten Versammlungen sprach Redakteur Schwert n e r in Hindenburg, G rotz - Str ehlitz Und B e u t h e n. Die Erkenntnis, daß Oberfchlesien wie Bayern zum Hauptgefahrenherd in Deutschland geworden ist, macht es uns zur Ehretipflicht, Oberschlesien jede nur denkbare Hilft Zu bringen. Besprechungen vertraulicher Art werden dazu beitragen, daß die Arbeit des Herrn Knüppel-Kunze in seiner „Domäne" Oberschleflen künftighin nicht so widerstandslos vor sich gehen wird, wie teilweise bisher. Die Delegiertenversammlung des Landesverbandes Grenzmark, die in Schneidemühl tagte, sah gleichfalls einen Vertreter der Hauptgeschäftsstelle in ihrer Mitte. Das Referat des Herrn Hirschberg und die ernste Aussprache werden dazu bei ge tragen haben, diesen besonders ^gefährdeten Bezirk ziH tätiger Arbeit anzuftuern. Eine überfüllte Gemei ndeverfamml it n g vereinigte die jüdischen Schneidemühler nach der Tagung. Besonders ausgiebig war in den Letzten Wochen unsere systematische Arbeit, . den ventschvölkischerr Ansturm auf die Masse dev Arbeiterschaft abznwehren. In den verschiedensten Industriestädten und Arbeiterzentren wurde vor Tausenden von Arbeitern die „arbeiterfr-eundliche" Gesinnung der Hitler, WuLle, Knüppel-Kunze u. C o. ins rechte Licht gestellt. In Stettin beispielsweise sprach Reichstagsabgeordneter August H o r n über „A n t i s e m i t i s nr u s und A r b e i t e r - schuft". Redner schilderte das langsame Eindringen des Antisemitismus in die Arbeiterschaft und das Umsichgreifen selbst bei den alten organisierten Mitgliedern. Wenn auch der Prozentsatz der antisemitisch angekränkelten Arbeiter heute ein verhältnismäßig kleiner fei, auch diese -geringe Zahl sei bedenklich. Rabbiner Dr. Wien e t ging auf die Geschichte des Antisemitismus, seine Entstehung und Ausdehnung ein. An der Aussprache beteiligten sich unter anderen ein Gewerkschaftssekretär und ein Polizeileutnant. Hier wie an anderen Orten hatte die Versammlung einen guten Erfolg. Eine Massenversammlung in Hamburg war gleich die erste Winterveranstaltung des Central - Vereins im großen Saale des Logenhauses, Welckerstraße. Sie wies einen Besuch auf, den bisher kaum eine jüdische Versammlung in Hamburg zu verzeichnen hatte. Hunderte harrten geduldig stehend die zwei Stunden aus, die die Versammlung beanspruchte. Nach einleitenden Worten des Leiters der Versammlung, Rechtsanwalt Dr. Frankel. (Hauibur.gR sprach Herr Julius B a mberger (B r e nt c n) über die B t'e m e r W a h l e n. _ Dort hatte die Deutschvölkrsche Freiheitspartei zuur ersten Male großzügig in den Wahlkampf eingegriffen und hatte für sieben Abgeordnete Bürgerschaftsmandate errungen. Der Bremer Cent.val-Verein, unter Bambergers Führung, ließ sich aber trotz heftigster deutschvölkischer Anferndungen nicht ins Bockshorn jagen und stand hervorragend seinen Mann. Wir werden aus das wichtige Referat demnächst zurückkommen. Als zweiter Redner nahm Dr. Alfred W re n e z (Berlin) Stellung zur Frage: P r o g r o me i n Deutschland? Er legte eingehend die bayerische Ausweisungspraxis dar und schilderte die bitterernste Lage der fränkischen Juden, * die in den Hitler-Tagen zum Teile schlimmster Drangsalierung preisgegeben waren. Zum Schluffe rief Dr. 1t r t a s (H a m b u r g) die hamburgischen Juden zur Mitarbeit in Zündenden Worten aus. Nur durch ein aufopferungsvolles Einstehen aller für Judentum und Vaterland sei der überaus schwere Kampfzu bestehen. Annähernd 50 Neuanmeldungen waren der erste Erfolg der imposanten Versammlung. Nach längerer Pause, hervorgerufen durch organisatorische Schwierigkeiten, hielt der Nordwestdentsche Landesverband am letzten Sonntag eine gut besuchte Sitzung in Hamburg ab, die den ganzen Tag in Anspruch nahm. Aus den Hansestädtern den Orten der Unterelbe und Unterweser, aus Schleswig-Holstein und aus .Mecklenburg-'Schwerm waren zahlreiche Vertreter erschienen. Herr Julius Bamberger (Bremen) .sprach, wie im Logenhaus, über die Wremer Wahlen. Herr Dr. Alfred Wiener (Berlin)/ der stellvertretende Syndikus der -Zentrale, führte die Lage im Reiche, insbesondere in Bayern, und die Arbeit des Gent-ral-Vereins vor Augen. Herr Dr. U r i a s (Hamburg) legte einen eingehenden Arbeitsplan für die Ortsgruppen des Landesverbandes vor, der die Winterarbeit nach der jüdischen wie christlichen Seite hin bis ins Kleinste regelte. In der Nachmittagssitzuug wurde vor allem eine energische Ausn ahme unserer T ä t i g k e i t i m M e ck! e n b u r g i s ch e n beschlossen und gründlich durchae sprachen. Mit dem Vorsatze, unter Aufwand aller Energie und aller moralischen und finanziellen Kräfte für Deutschtum -und Judentum einzutreten und trotz .der überaus ernsten Lage nie zu zagen, klang die für die.Arbeit in Nordwestdeutschland bedeutsame Tagung aus. In Berlin fanden im Laufe der letzten vierzehn Tage eine Reihe von Versammlungen im Rahmen unserer Ortsgruppen statt, die recht gut besucht waren und unserer Sache manchen neuen Freund gewannen. Wir werden über diese Veranstaltunaen in der nächsten Nummer unseres Mattes zusammenhängend berichten. Wir müssen hin u nd w i e de r in den Spalten unseres Blattes Antwort auf die Frage: „Was tut der Central-Verein?" geben, lveil der Arbeitsbericht Zugleich R echenschaftsbe r i ch t ist. Unsere Leser werden aber verstehen, daß wir vor allem auch der Ausgabe unserer Zeitung gerecht werden müssen: Aufklär u n g i n ch r i ft liche K r e i s e z u bringen. Daher messe niemand die Arbeit des Central-Vereins mit der Elle der Tätigkeitsberichte, die jede einzelne Nummer stillen würden, ivenn wir den Raum dafür hergeben könnten. Auch dieser kleine Ausschnitt ans dem Arbeitsbereich des Central- Vereins wird unseren Mitgliedern i und Freunden erneut zeigen, daß all unser Tun ernstes Mühen für unser stolzes Wahrzeichen, geheiligter Dienst für Deut s ch t u m u n d Indent u m ist. Sch—r. llm Kampfe um öie „Weisen von Zion". Professor Kahrstedt und Graf Reventlow zu Gutachtern vom Gericht bestellt. Am 2t. September 1922 hakte der Vorsitzende des „Verbandes gegen Ueberhebung des Judentums", Hauptmann' a. D. M ü l l e r - v. - H a u s e n, der in dem von ihm geleiteten Berlage „Auf Vorposten", Charlottenburg, die deutsche llebersetzung der „Geheimnisse" oder Protokolle veröffentlicht hatte, gegen den verantwortlichen Redakteur der Abwehrmitteilungen Dr. Johannes Staujek in Berlin-Wilmersdorf wegen verschiedener auf die Veröffentlichung der in Rede stehenden Schmähschrift bezüglichen Angriffe die Beleidigungsklage erhoben. Am 22. November fand die erste öffentliche Hauptverhnndluug statt, die aber der Vertagung verfiel, weil zur nächsten Verhandlmrg auf Antrag des Verteidigers des Beklagten, Rechtsanwalt Braüb'ach, der ordentliche Professor der alten Geschichte an der Universität Göttingen, Dr. K a h r st e d t, als Sachverständiger und auf Antrag des Klägers Gras E. zu Reventlow als . Zeuge geladen werden sollten. Schon am 13. Dezember wurde erneut verhandelt. Professor Kahrstedt, der zu dieser Verhandlung als Sachverständiger erschienen war, erklärte sich außerstande, auf Grund der Ergebniste der öffentlichen Verhandlitng allein ein wissenschaftliches Gutachten darüber zu erstatten, ob die „Geheimnisse der Weisen von Zion" eine Fälschung darstellen oder nicht. Hierzu sei nach Beschaffung der erforderlichen Unterlagen ein eingehendes Studium des umfangreichen Stoffes erforderlich, auf dessen Grundlage er ein schriftliches Gutachten erstatten werde, tun dieses dann in der nächsten öffentlichen Verhandlung zu begründen und zu vertreten. Der Privatkläger M ü l l e r - v. - H a n s e n 'hatte als Sachverständigen einen Professor Dr. Mahlgut aus Zehlendorf laden lassen. Zur Begründung seiner wissenschaftlichen Qtlalistkatron führte er den Umstand an, daß er für dre Vorbemerkungen zu deu „Geheimnisten der Weisen von Zion" einen . Versammlungsbericht geliefert habe. Das Gericht lehnte diesen „Sachverständigen" ab. Darauf beantragte der Kläger den -als Zeugen geladenen Grafen R e v e n t l o w als S a ch v e r st ä n d i g e n znzulassen, damit dieser ein Gegengutachten gegen das Gutachten des Professors Dr. Kahrstedt erstatte. Der Beklagte und fein Verteidiger protestierten gegen diesen Antrag, da Graf Reventlow durch sein bisheriges Verhalten zu der Frage der „Geheimnisse der Weisen von Zion" — er ist wiederholt und noch in allerneuester Zeit unter völliger Ignorierung der für ihre Unechtheit zeugenden stichhaltigen Gründe, für deren Echtheit eingetreten — bewiesen habe, daß er nicht über die für das Amt eines Sachverständigen und namentlich in dieser Angelegenheit erforderliche Objektivität verfüge. Graf Reventlow erklärte, er sei nicht befangen: er werde nicht anstehen, das Buch, für eine Fälschung zu erklären, wenn er? nach Prüfung der vorgebrachten Gründe zu der Ueberzeugung gelangt sei, daß es sich hierbei um ein Fälscherwerk handelt. Jedenfalls.werde er sich als Sachverständiger von dem Bestreben leiten lassen, der Sache zu dienen. Das Gericht beschloß, auch den Graten Reventlow als Sachverständigen zuzulasten. Die nächste Verhandlung wird _erft nach E inga n g d e r s ch r i s t l i ch e n G u t a ch Leu der S ach v e r st ü n di g -e n , jedenfalls n i ch r v o r M ä i n ä ch st e n I a h r e s st a t t f i n d e n. Ter Kläger Müller-V.-Hausen hat schon einmal, ohne es selbstverständlich zu beabsichtigen, der Sache der Ermittlung der „Geheimnisse" als Fälscherwerk einen sehr wichtigen Dienst geleistet, indem er den Beklagten, der sofort nach dem Erscheinen des Buches dieses als Fälscherwerk festgestellt hat, durch eine unvorsichtige Aeußerung aus - Seite 31 der Vorbemerkung zünden „Geheimnissen" der ersten Auflage auf die richtige Spur gebracht hat. Der von diesem im Maiheft 1920 des „Im Deutschen Reich" veröffentlichte Artikel mit der Feststellung der Fälschung hat damals die besondere Beachtung der Londoner „Times" gefunden, und diese Tatsache hat erheblich dazu beigetragen, daß es dann nach einiger Zeit dem Konst a n t in o p e l e r Korrespondenten ermöglicht worden ist, weiteres wichtiges Material zur völligen Erhärtung der Fälschung beizübringen. Dem letzteren ist es ja außerdem vor allem gelungen, die Hauptquelle der Fälschung, das Buch eitles französischen Advokaten und Publizisten, Jo ly, zu ermitteln. Vielleicht hat. der Privatkläger damit, daß er den Grasen Reventlow als Sachverständigen vorgeschkagen hat, der Sache einen weiteren, ebenfalls nicht unwichtigen Dienst erwiesen. Graf Rede n t l o w, der früher mit der größten Entschiedenheit den törichten Standpunkt vertreten hatte, daß Ach ad Ha am (Ascher Ginsburg), der Verfasser der „Geheimnisse" sei, hat unter dem Druck der in der gegen ihn von Ginsburg angestrengten Beleidigungsklage vorgebrachten Gegenbeweise zugegeben/ daß er seine Behauptung, Ginsburg sei der Verfasser/nicht aufrechterhalten .* könne. Unter dem Druck des Sachverständigeneides wird er die I Frage der^Ecktheit oder Unechtheit der „Geheimnisse" jetzt unter ganz I anderen Gesichtspunkten behandeln muffen als er es bisher in seiner I . publizistischen Tätigkeit getan hat.

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