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Central-Verein-Zeitung · 1923-12-20 · 51 (20.12.1923) · page 2

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
2 (1923)
Issue
51 (20.12.1923)
Date
1923-12-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
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382 Der Central-Verein vei öer Arbeit. Breslau. Rhein und Ruhr. Oberschlesien. Bayern. Hamburg. Mittelu. Norddeutschland Cs ist seit jeher oberstes Gesetz im Central-Verein: dieWinter-. rnonaLe müssen genützt werden. Während in ruhigeren Zeiten nach den Herbstfeiertagen Ä Vereinsarbeit sich langsam beleEte, um ein Arbeits-Programm zu schaffen, haben in diesem Winter die politischen Ereignisse für ein schnelleres Tempo gesorgt. Mit Genugtuung kann festgestellt werden, daß Arbeitswille und Arbeitsfreudigkeit invielen Teilen des Landes so groß sind, daß die Hauptgeschäftsstelle in Berlin, durch die Not der Zeit eingeschränkt und abgebaut, selbst die für die dringendsten Geschäfte innerhalb des Zentralbetriebes notwendigen Kräfte ins Land hinaussenden nuißte, um möglichst allen Anforderungen entsprechen zu können-. In Breslau tagte am letzten Sonntag eine mittel- und n i e d e r sch l e s i s ch e Landesverbandsversam in l it n g. Dom Berliner Hauptvorstande waren der erste Vorsitzende, Herr Justizrat Dr. Brodnitz, der stellvertretende Vorsitzende, Herr Ernst W a l l a ch , Frau Justizrat D o r m i tz e r (Nürnberg) und der Direktor des Central-Vereins, Herr Dr. Ludwig Holländer, anwesend. Frau Justizrat Dormitz er schilderte die Zustande in Bayern, die wir in ihrem vollen traurigen Umfang aus Zeitungsberichten naturgemäß nicht erfahren können. Wahre Schreckensbilder aus dem Mittelalter zogen an den Augen der Delegierten vorüber. Der mißlungene Hitler-Putsch habe den unheilvollen Einfluß Hitlers nicht gänzlich beseitigt. Den bayerischen Juden sei nur die Hoffnung geblieben., daß auch, für ihr Land wieder eine Zeit der Vernunft und Gerechtigkeit kommen wird. Landesverbandssyndikus Rechtsanwalt Foerder sprach über die Lage in Schlesien: Wie bisher gehen auch jetzt nach die Fäden von Bayern nach Schlesien» Hier kam der geplante Umsturz nicht zur Durchführung, weil er in Bayern gescheitert war. Die nötigen Vorbereitungsverhandlungen waren aber bereits getroffen. —' Au manchen Orten ist es> zu Ausschreitungen! gekommen. Die Schaufensterscheiben jüdischer Firmen wurden mit großen Hakenkreuzen bemalt; vielfach wurden die H a k e ii kreuze m i t G l a s e r d i a m a n i e n> in die Fenster einner itzt. In manchen Gegenden ist die Verhetzung aus sehr fruchtbaren Boden gefallen, besonders im Kreise Militfch. Tie Deutschsoziale Partei K u n z e s veranstaltet hier in jeder Woche mehrere Versammlungen, die stets großen Zulauf aus der Bevölkerung haben. Woher die Mittel für eine derartig große Agitation kommen, ist noch -unbekannt. Der Central-Verein hat in letzter Zeit eine große Anzahl Flugblüter Herstellen lassen, für deren Verbreitung die einzelnen Ortsgruppen zu sorgen haben. Immer wieder muß betont werden, daß der Kamps sich mit der alten Schärfe nur weiterführen läßt, wenn die nötigen finanziellen Mittel vorhanden sind, und hierin läßt sich noch viel in den Ortsgruppen tun. ' In der Aussprache -ergreift Justizrat Brodnitz das Wort. Er mahnt eindringlich: Wir müssen eine Zentrale haben, die den Mittelpunkt des Abwehrkampfes bildet. Jede Zersplitterung mutz vermieden werden, sie bedeutet eine Versündigung gegen das deutsche Judentum. Wenn die Zionisten jetzt fordern, daß die Gemeinden die Abwehr übernehmen sollen, ist dem unbedingt zu widersprechen. Die Eins e tz u n g v o n K o m i t e e s z u d ist s e in Z wecke i ft d e r S n ch e d u r ch a u s nicht die n l i ch. Sie hemmt^ sogar unsere Arbeit. Sehr wichtig ist es, bemerkte Redner zum Schluß, wenn wir die Jugend für unsere Arbeit heranziehen.. In Berlin hat die deutschjüdische JugendgemeinschafL viel Boden gewonnen. Ihre Ausbreitung -im Lande ist zu begrüßen und muß von allen Ortsgruppen unterstützt werden. Unsere ganze Arbeit kann nur von Erfolg gekrönt sein, lvenn überall die Richtlinien de r Zent ra le innegehalten werden. Dr. Holländer macht kurze vertrauliche Mitteilungen. Unsere politische Arbeit muß darauf gerichtet werden, daß sie in die Poren des Volkslebens eindringt. Die e. i n h e i t l i ch e n Ri ch t - l i n i e n' m ü f f e n hierbei g ewahrt werde n. Darum hat jede Ortsgruppe bei allen Schritten! sich an ihren Landesverband zu wenden, damit nirgends Fehler gemacht werden, die dann nie wieder gutzumachen find. Herr Wallach fordert die Anwesenden auf, um die Beschaffung der finanziellen Mittel bemüht zu sein. Der Landesverbandstagung war am Sonnabend abend eine große öffentliche Versammlung vorausgegangen, zu der der Central-Verein die Mitglieder der Synagoge Breslau emgeladen hatte. Wirren Als erste Reserentiu sprach Frau Justizrat Dormitz er (Nüru. ber) über „D ie La g e i u Ba ye r u". Wir haben die ausgezeichnete Rede, die stürmischen Beisall fand, inhaltlich bereits in dem Bericht über die Landesverbandstaguug kurz skizziert. Justizrat B r o d n i tz weist darauf hin, daß der Kampf nur geführt werden könne in dem Bewußtsein der Verantwortung aller Kreise. Wir sind für einander verantwortlich, wir haben für einander einzustehen. Von unseren Vätern haben wir ein heiliges Erbe übernommen, das wir verteidigen müssen. Fest im Deutschtum; Fest im JrrdstuLum! Das ist die Einstellung. Seit Jahren brennt 'der Boden unter unseren Füßen. Es ist die letzte Minute, uns auf unsere Pflichten zu besinnen. Unser Kamps wird erfolgreich sein, wenn wir uns der heiligen moralischen Ausgabe bewußt werden, die uns in der Welt gestellt wurde als deutsche Juden im deutschen Vaterlande. Der dritte Referent, Syndikus Dr. Holländer, zeigt an den Beispielen, Beuthen und Berlin, daß die Pogromgefahr sich durchaus nicht auf Bayern beschränkt habe. Es heißt die Aufgabe des Centralvereins verkennen, wenn man sie nur unter dem Gesichtspunkte der Abwehr steht. Abwehr fetzt einen Angriff voraus, und es gilt, den Angriff zu verhüten. Das wird aber nur gelingen, lvenn, man sich bemüht, den W a h n s i n n des A u t i s e m i t i s m u s n u d seine s u g - gestive Macht wissenschaftlich zu verstehen. Die ischast lehrt, daß zu Zeiten! .der Hungersnot und politischen n die Menschen der Suggestion besonders zugänglich waren. ßregeln entden tW deshalb wird alles geglaubt, was über ihn in Umlauf Selbst Männer wie Sombart und Spengler übernehmen ohne ihre Wahrheit zu prüfen. Deshalb müssen wir für IK n f k l ä r u n g ü b e r u n s s e l b st s o r g e n, über unsere religiösen Ideale, sie in die weitesten Kreise trägem Mehr denn je sind nur heute auf uns selbst gestellt. Selbst ist der Mann u n d s c I b st ist die Frau! nicht fehlen. Dfe Jullörerschast dankte auch, den beiden letzten Rednern durch lebhaften Beisall. Ihre große Zahl kann als Beweis dafür genommen werden, daß der Ruf „I n. K a m p f u n d N o V ~ unter dieser Parole war die Versammlung einberusen worden in den Kreisen des Central-Vereins und über diese Kreise hinaus nicht mehr uugehört verhallt. Das um den CenLral-Vereiu in seltener Selbstlosigkeit bemühte aptvorstandsmitglied, Herr Ernst W allnch, hatte sich zu einer ise nach D e t in old, M ü n st er, Hagen und A r n s b e r g sowie ins Ruhrgebiet zur Verfügung gestellt. Die Berliner Zentrale entsandte Fräulein Life Stern, die Land und Leute bestens kennt. Dortmund, Duisburg, Essen, Herten, Recklirrgh a u s e n wurden besucht. In allen Ortsgruppen fanden Besprechungen statt, in denen sich Redner und Zuhörer einig waren in dein Gedanken: wir e r l a h m c n n i ch t i m K a m P s e für Deutschi u m u n d I u d e n t u m. In einer ischen ist, und t> wird, rüchte. Dauun wird der Segen Gottes Verbamdsvorstaudssitzuttg irr Kölnin der Fräulein Stern ausführlich über die Arbeit der Zentrale berichtete, waren Vertreter der Ortsgruppen Köln, Aachen, Ho n n e f, D ü reu, K re f e l d, Opladen, Benrath, E u s - k i r ch c n , Soli u g e n und V e u I anwesend. In der Aussprache, au der sich besonders die Herren Rabbiner Dr. Rosenthal und Tr. K ober, sowie die Herren Dr. A l s b e r g und Dr. F rank beteiligten, wurde zum Ausdruck gebracht, daß die Persönlichen Beziehungen zwischen dem rheinischen Landesverband und der Zentrale jetzt mehr denn je gepflegt werden müssen. lieber die äußerst imposante und wirksame La ndes derb a n d s t a g u u g i u N üruberg , an der der stellvertretende Syndikus Dr. Wiener im Aufträge des Hauptvorstande» teilnahm, ist bereits in der letzten „E. B. - Zeitung" berichtet worden. Herr Dr. Wiener benutzte die gute Gelegenheit zu einem Besuche in Regeusburg und Stuttgart, wo in Versammlungen und Besprechungen ^erfolgreiche Arbeit geleistet wurde. Wenn auch manche unserer Mitglieder in Bayern durch die Verhetzungen in der letzten Zeit' verzagt und kleinmütig geworden sind, so hat sicherlich die Nürnberger Tagung alle Teilnehmer innerlich aufgerichtet und in ihrer Entschlossenheit, vor Haß und Verfolgung nicht zurückzuweichen, bestärkt.' In M a o d c b u r g fand am Sonntag, den 9. Dezencher, eine L a n d e s v er b a u d s t a g u n g statt, in der ein genaues Arbeit s p r o g r a m m für diesen Landesverband ausgearbeitet wurde. Am Abend sprach Dr. H o l l ü n der in einer Mitgliederversammlung im Börsensäal, die sehr gut besucht war und dazu beitragen wird, die Winterarbeit in Fluß zu bringen. ArrsklärnNgsversammlurrgLN. vor christlichcu Zuhörern l)akm allüberall, -oo sie in den letzten Wochen abgehalten wurden, aufs neue mit erfreulicher Deutlichkeit gezeigt, wie notwendig und nützlich sie sind. Die o b e r s ch l e s i s ch e n Ausklärun-gsversamwlungen in Oppeln, Beut h cu, Gleiwitz und Ratibor , in denen Dr. Holländer referierte, verliefen ebenso erfolgreich und glücklich, wie die gleichen Veranstaltungen des gleichen Referenten in H a n n o v e r, H a l l e und D r e s d e n. In einer Vorstandsfitzung in Hannover wies Sanitütsrat Dr. Catz-enstein (Hannover) auf die nachhaltige Wirkung des Ausklürungsvortrages hin und einmütig kam zum Ausdruck, daß der Judenhaß in den Kreisen der Jntellek-

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