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Central-Verein-Zeitung · 1923-12-20 · 51 (20.12.1923) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
2 (1923)
Issue
51 (20.12.1923)
Date
1923-12-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Einzelnummer 10 Golüpfennkg M, unOJuoentum. SerUn, 20. Dezember 1923 II. Jahrgang 9 Nr. 51 MMN Hes lLutralVerüns öerttseker. Staatsvüryer iüüiscden vlauvens?^11^srr^Slr^s Zeitung des Oudeniums Verlag ti. Schriftleitung: Eentral-Verein öeutfcher Staatsbürger jüöifchen Glaubens e.v. Serlin SWöS, Linöenstr. 13 Fernsprecher: Amt Dönhoff 3594, 3595 Telegrammadresse: „Centralglauben Berlin" Postscheckkonto: Berlin 30472 Bankkonto: Dresdner Bank, Wechselstube O, Berlin SW 68, Llndenstr. 7 Monalsabonnement (ein vierteljährliches gibt es vorläufig nicht) 40 Goldpfennig Alleinige Anzeigenannahme: Llnnoncen-O'xpedilwn Rudolf Glosse, Berlin 6W 19, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,60 Goldmark für die 7 gespaltene Leile nach Rudolf BtosseS Normalzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche für Mitglieder des Central-Bereins 0,30 Goldmark, die 90 mm breite Reklamezeite 3 Goldmark. Jüdische Jugend in die politische Arbeit! von De. Julius Eharig (Hannovsr). Immer wieder muß man feststellen, daß weite Kreise, auch der nichtzionistischen jü dischen'Jugend, unserer politischen. Arbeit ablehnend oder aber verständnislos gegen tt b e r st e h e n. Wenn vielleicht in einigen Croßstädten die Dinge besser liegen, so ist es eine Ausnahme. Jedenfalls bedeutet solche Ablehnung eine Gefahr für unsere Zukunft, die nicht unterschützt werden darf. Es muß allerdings zugegeben werden, daß in manchen Ortsgruppen die Schuld nicht an der Jugend liegt. Dort betrachtet man die jungen Menschen, die an sich zur Mitarbeit bereit sind, sehr oft nicht als gleichwertige Mitkämpfer und scheut sich, aus veralteten Anschauungen heraus ihnen die Stellung einzuräumen, die ihnen trotz ihres Alters u n - b e denkli ch zukomrnt. Wo Leute mit ° 19 und 20 Jahren im Politischen Kamps ihren Mann stehen, da soll man sie, wenn sonst keine Gründe dagegen sprechen, ruhig auch in den Vorstand wählen. In den meisten Fällen liegen die Dinge aber so, daß die Jugend — und nicht nur die, welche jüdischen Dingen von vornherein keine Anteilnahme entgegenbringt — in der Front der C. V.-Kämpfer fehlt. Prüft man rein psychologisch den Grund dieser Erscheinung, so findet man eine Erklärung in dem Worte ans Goethes „Faust", das für viele richtunggebend ist: „P o lit isch Lied, p f u i! Ei n garstig Lied'!". Man liest in den Zeitungen und hört es jeden Tag, mit welch vergifteten Waffen der politische Kampf geführt wird.' Die Jungen vermeinen dabei nur Lüge und Verleumdung sowie Persönliche Beschmutzung zu beobachten. Man glaubt diese Art menschlicher Betätigung mit den Idealen der Jugendbewegung nicht in Einklang bringen zu können. Aus dem „Wanderer zwischen beiden Welten" hat man ja das schöne Wort übernommen: Nein bleiben". Es bedarf aber nur der richtigen Worte, um dar-. Zutun, daß dieser Standpunkt gerade unter Berücksichtigung einer idealistischen Lebensanschauung unhaltbar Ist. Wie lautet doch der Nachsatz zu dem oben erwähnten Goethe-Wort: „Dankt Gott mit jedem Morgen, daß Ihr nicht braucht fürs Römisch Reich zu sorgen." Mir bedeutet es immer bedenklichen Mangel an Pflicht gef ü hl'und Gemeinschaftsgeist, der ja mit Worten zur Genüge gepflegt wird, daß man, nur um keinen Schaden an seinen „Grund- ' sätzen" zu nehmen, die anderen die Kastanien aus dem Feuer holen läßt, während man selbst abseits steht. Denn kämpfen wir „Alten", die noch lange nicht die „Dreißig" erreicht haben, nicht auch für euch, damit euere Zukunft einmal eine bessere und schönere ist! Ob ihrs anerkennt oder nicht: Wir erhalte n, w c n n w irdi e C. V. - F a h n e v o r a ntra g e n, a u ch eure Ewigkeitswerte. Ich. weiß, daß in diesem Punkte der Auseinandersetzung das Schlagwort vom „Positiver:" und „Negativen" eine Rolle spielt. Auch darüber ein offenes 'Wort. In Nummer 20 unserer „E. V.-Zeitnng" hat schon Dr. Gottschalk treffend : nachgewiesen, daß die „Abwehr" (besser: die politische Arbeit) durchaus „positiv" ist. Denn man muß doch überlegen, aus welchen Beweggründen wir im E.V. uns ein setzen. Es ist nicht so, daß wir in einem „Verein" Mitglieder sind, wie in jedem anderen beliebigen Verein. Im C. V. sehen wir, wie es unser Dr. Holländer gerade betont, eine „Bewegung", die sich ans reinen Zweckmäßigkeitsgründen der Rechtsform des eingetragenen Vereins bedient. Irr Wahrheit verkörpert sich in uns die g r o ß e I d e e d e r V c r bin - d u n lg v o n D e u t s ch t u m n n d I u denk u m, der Lebensanschaunng, die irr uns den Stolz auf den Elanben und die Treue zur Heimat immer wieder lebendig erhält und die Lauen w eckt und di c Ab seit sste he n d en heran holt. Und wenn die gegnerischen Waffen auch vergiftet sind, so bedauern gerade mx das am allermeisten. Wir gehen nicht so weit, Gleiches mit Gleichem zu vergelten. Aber kann man es uns verargen, -wenn auch wir bemüht sind, unsere Stellung mit allen Kräften zü halten? Als im Weltkrieg die eine Partei anfing, mit Gasgranaten zu schießen, da erforderte es einfach der S'e l b st e r h a l t u n g s t r i eb, gleichfalls sich dieses Mittels zu bedienen. Schließlich noch ein Wort über die rein praktische Seite. 'Wenn ich oben das Wort von Walter Flex anführte, so führte ich es nur zur Hälfte an: es heißt nämlich: „R ein' b l erbe n u n d reis w erde n". Wer 'danach strebt, das merrschliche Leben in allen seinen Eigenarten und die Menschen mit ihren Schicksalen, kennenzulernen — denn erst danach darf man sich mit dem Gedanken der Weltverbefserung beschäftigen —, der wird gerade im politischen ' Kamps feine Lebenserfahrungen ungemein'erhöhen. Nicht, weil es „interessant" ist, sondern weil man seinen Blick weitet für den Dienst in der Allgemeinheit, sollte gerade ein jünger Mensch, der doch so aufnahmefähig für all diese Dinge ist, leichter als jeder andere zur Mitarbeit gewonnen werden. . Deshalb ergeht der Ruf an euch alle, die ihr uns noch E sernsteht: Hinein in die Front!, damit es später ein- I mal heißen kann: Vor die Front?

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