Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1923-12-13 · 50 (13.12.1923) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
2 (1923)
Issue
50 (13.12.1923)
Date
1923-12-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2277379-2277415-2277461--00837-2280007
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

375 Zascismus und AnLifemMsmus. E i n e U n t e r r e d u n g rn i t M u s s o.l i n i. Mussolini war zu Beginn seiner Laufbahn das leuchtende Vorbild unserer deutschvölkischen Diktaturaspivanten, wie er sich zu räuspern und Zu spucken ihre sie völlig aussüllende Tätigkeit. Seit langem ist dem nicht mehr so. Denn die Durchführung des Fascistenprogramms brachte den Juden Italiens keine jener „Segnungen",'die den eisernen Bestand des Beglücknngsplans unserer Helden bilden. Jetzt wird aber auch der letzte Rest von Achtung schwinden, den Mussolini bei den deutschen Möchtegernen besaß. Durch die Presse geht die Meldung von einer Unterredung, die der italienische Premier mit dem Großrabbiner Sacerdoti und dem Rabbiner Colomi hatte. Im Laufe des Gesprächs wies der Großrabbiner darauf hin, daß die antisemitischen Parteien des Auslandes in ihrer Agitation sich ans die angebliche antisemitische Tendenz des von ihnen als Vorbild gepriesenen Fascismus beriefen. Mussolini antwortete in entschiedener Form, daß die italienische Regier ll n g und der F a s c i -Z m u § niemals beabsi ch trgt h a ü e n, antisemitische Politik zu« treiben, und sie auch tatsächlich nicht betreiben. Vielmehr bedauere er, daß die antisemitischen Parteien des Airslandes den moralischen Einfluß, den der Fascismus ausübe, für ihre agitatorischen Zwecke benützten. Wir sehen es schon gedruckt unter LI. in irgendeinem Handbuch der Judenfrage: „Mussolini, Begründer und Führer des italienischen Fascismus, geriet bald unter den Einfluß von Jesuiten und Freimaurern. Ohne Frage vorhandener jüdischer Blnteinschlag kam immer stärker Zinn Durchbruch." Das Ende des Kalles Pommer. Der Angeklagte j r e i g e s P r o ch eit. Vor dem Schöffeng e r i ch t in Gotha fand 'tun -*5. und 6. Dezember die Verhandlung gegen den Kaufmann Pommer ans Arnstadt statt. Wie erinnerlich, war Pommer beschuldigt, den Techniker Strauß v o r s ä tz l i ch getötet zu haben. Pommer befand sich in einem Lokal in Begleitung eines jungen Mädchens. Als er das Lokal verliest wurde von den Technikern, die eine Kneipe im Lokal äbhielten, das H a k e n k r e n z l i e d gesungen. Auf der Straße wurde er von dem Techniker Strauß und zwei anderen angegriffen und zu Boden geschlagen. Die Techniker behaupteten, Pommer habe, als „Deutschland. Deutschland über alles" gesungen wurde, das Lied durch Pfeifen gestört. Pommer hat dies bestritten und auch die an seinem Tisch sitzenden Damen haben seine Anssage bekräftigt. Trotz alledem drangen die Techniker immer weiter aus Pommer ein. bis dieser schließlich einen Revolver zog. erst zwei Schreckschüsse in die Lust und dann einen weiteren Schuß auf Strauß abgab. der tödlich getroffen wurde. Der Angeklagte behauptete, in Notwehr gehandelt zu haben. Die als Zeugen vernommenen Techniker bestritten dies sämtlich und erklärten, daß Pommer bei dem Schüsse völlig frei dagestanden habe, als er auf Strauß gezielt habe, und daß er den Schuß auf mindestens fünf Meter Entfernung abgegeben hätte. Diesen Angaben widersprach das Gutachten des Schießsachverständigen, der bekundete, -daß der Schuß höchstens aus einer Entfernung von fünf Zentimeter abgegeben sein könne. Der Staatsanwalt beantragte, Pommer des Totschlages unter Unterlassung mildernder Umstände für schuldig zu erklären.' Die Verteidiger des Angeklagten, Rechtsanwalt Dr. Christ aus Gotha und Rechtsanwalt Dr. Max K a n t o r o w i e z aus Berlin, wiesen daraus hin, daß es sich um keine patriotische Angelegenheit handle. Es sei entwürdigend, daß einer W e i b e r g e s ch i ch t e ein patriotisches Mäntelchen .umgehängt werden solle. Der ganze Streit sei nur aus dem Grunde entstanden, weil Strauß und seine Kameraden dem Angeklagten das Mädchen ansfpauuen wollten, wie ja auch ein Zeuge bekundet hat. Pommer sei im Felde gewesen, habe das Eiserne Kreuz erworben, wahrend die Techniker, die ihn angepöbelt haben, bisher für das Vaterland noch nichts geleistet hätten. Wer wahrer Patriot sei, der trage, feinen Patriotismus im Herzen und wer dies tue, der verschmähe es, sich dann ganz besonders laut patriotisch zu gebärden, wenn er die gehörige Menge Alkohol zu sich genommen habe. Es sei kein Zweifel, daß Pommer in schwerster Bedrängnis die Schüsse der Notwehr abgegeben habe, um sich vor den Angriffen des Strauß zu retten. Die Geschworenen v e r n e i n t e n f n m 11 i ch c S ch u l d - fragen, worauf der Angeklagte, der 13 Monate in Untersuchungshaft gesessen hatte, freigesprochen wurde. Die Musjchrertungen irr Krepftaöt. Pl-irn'derrrng jüdischer Geschäfte. Von einem Augenzeugen g,cT;t 'UNS erst jci>l der nachstehende Vcrrcht zu, den wir znm Abdruck brirrgen, obwohl die Vorgänge selbst schon einige Zeit Zurückliegen. D i e 6 ch r i f 11 e i t it n g. Am 8. November läuteten in unferm ostpreußi scheu Städtchen die Feuerglocken, während sich eine große Menge aus dem Marktplatz ansammelte. Die' Feuerwehr aber/der die Anftechterhaltung der öffentlichen Ordnung lind die Unterstützung der schwachen Polrzerkraste oblag, erschien' nicht. Mitglieder des Siahth eI mb u ndes, der sich dort, wie in vielen arideren Gegenden stramm völkisch betätigt, sangen das Ghrhardtlied. Danach begab sich die Menge vor die jüdischen Geschäfte, schlug dort die Scheiben ein und ging zu Plünderungen über. Die Geschäfte von'Gebrüder M a r k o w f k y , Nt a r B t e b er F e ld. I. L i t t m rt n n und W i ttko w e r und M a x M o s c s wurdeir recht erheblich in Mitleidenschaft gezogen. Eilt großer Teil^der Waren wurde geraubt. Dann zog' man zu der etwas äGejts gelegenen Dampfmühle von Leo Becker, der ebenfalls Jude ist, plünderte dort Getreide und Mehl, warf.das Getreide zum Teil durch die Fenster und trat es in'den. Schmutz. Der Landrat des 'Kreises Rosenberg (W.-Pr.). Herr Dr. Friede n s b urg. nahm sofort selbst die'polizeiliche Aktion gegen die Plünderer in die Hand. Der Hanpthetzer. S ch l o s s e r m e i ft e r Ko/ lv e r , und eine größere Anzahl anderer Rädelsführer wurdkn sofort verhaftet mb nach Rosen borg abtransportiert. Einer, der Arbeiter Pau [ Schulz, ist leider entkormnen. Aus seine Ergreisttng ist eine Belohnung von 5 Billionen Mark seitens der Stantsa nwalr*chaft ausgesetzt und ein Steckbrief hinter ihm erlassen. Iudstlfemdüches Kasperletheater. V o r st e l l u n g e rt f ft r K i n b e r u rt b Erwa ch s e n o. Unseren Gegnern ist jedes Mittel recht, das Volk gegen die jüdischen Deutschen aufzuwiegeln. Jetzt sind sie glücklich beim Kasperletheater angelangt. Dem „S te tt i ne r Vo I i sb v te n" wird geschrieben: ,.Jm Evangelischen Bereiushanse veranstaltete eine Schainpieler- . trtlppe, die sich „Die neue Schart" betitelt. Vorstellungen für Kinder und Erwachsene. Da der Theaterzettel eine Reihe bekannter Kinder Märchen' auszählte, lvottte ich meinen Kindern die Fronde eines Theaterbesuchs verscharsen. — Zunächst erregte es schon mein Befremden., daß mehrere h a k e n k r e u z gezierte I ü n g l i n g e neben. Wandervögeln des Kronach - Bundes sich als Ordner präsentierten. — Tie Mürchenvorsrellung selbst entbehrte alles, was für Kinder wesentlich ist. — Dann aber kam das Unerhörteste in Form eines „lustigen Kasperletheaters". Dies e s S t ü ck w at wtuf d e nf g e i st l o j e st e n , f r e ch st e n Antisemitismus a u f g e b a u t. Ein auf Geschäfte bedachter, schachernder „Jud" mit entsetzlich abgeschmackter Fratze wird von dem „trencherzigon. braven" Kasperle, dem Typus ' des deutschen Michels, natürlich mit einem großen Stock, kleirr bekommen, gleichsam als Symbol des Sieges der rohen, geistlosen Kraft des Einsaitigen über den zwar körperlich schwachen, aber geistig regen Inden. Natürlich johlte die Menge bei diesen mehr als dummen Späßen, besonders wenn der Jude seine Prügel bekam." Da anznnehmeu ist, daß das antisemitische Kasperletheater große und kleine Kinder in allen Teilen Deutschlands wird erfreuen wollen, seien unsere Leser ans die „Neue Schau" srenndlichst aufmerksam gemacht. mmm SAD In die Hände Tausender christlicher Mitbürger kommt unsere „C. V.-Zeitung”. Wer wünscht, dass diese wichtige Aufklärungsarbeit fortgesetzt und noch, erweitert werden kann, vergesse nicht, welche beträchtlichen Summen dazu erforderlich sind. Er tue das Seine und sende heute noch einen namhaften Betrag an den C. V. auf Postscheckkonto Berlin 30472 oder Dresdner Bank, Berlin SW 68, Lindenstr. 7, Wechselstube G. 6*9iGS9 6SS><3*9 SVMD

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.