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Central-Verein-Zeitung · 1923-12-13 · 50 (13.12.1923) · page 2

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
2 (1923)
Issue
50 (13.12.1923)
Date
1923-12-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
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374 totgeschwiegen werden. Die Zustände in Deutschland vertragen keine Vogel-Strauß-Politik mehr. Vorbeugen, rechtzeitig sür AuMäruug sorgen, sich deshalb an die benachbarte Ortsgruppe, au den zuständigen Landesverband, notfalls an die Zentrale wenden, ist ein Gebot der Klugheit und der Selbsterhaltung. Hauptvovstaird und Landesverbände haben sich in letzter Zeit auss neue eingehend mit Plänen für die Aufklärungsarbeit auf dem flachen Lande und in der Kleinstadt befaßt. Es wird und muß gelingen, sie üurchzusetzen. Unter der Engherzigkeit, dein Geize, der Behäbigkeit darf die gute, große Sache nicht leiden. Wir wollen, wir werden uns alle für unsere vereinsamten Brüder im Reiche mit ganzer Kraft einfetzen! Der Rampf „gegen Iuöa unö Rom". Wichtige Aussätze eines katholischen G e i st l i ch e n. Wenn nach, einem alten Sprichwort, „In vino veritas", beim Weine die Wahrheit ans Licht kommt, so gilt das gleiche bei tiefen Erregungen der Volksmenge. Dabei wird die wahre Gesi n n u n g an die Oberfläche geschleudert. Der Hitler-Putsch offenbarte neben dem stets in den Vordergrund gestellten maßlosen Judenhasse die stets verleugnete Katholikenseinds ch a f t vieler nationalsozialistischer Parteigänger. In Versammlungen, Zeitungsaufsätzen, Flugblättern, Predigten, vor allem aber aus der Straße tobte er sich aus. Die katholischen Teile unseres Volkes haben dadurch die klare Erkenntnis gewonnen, daß letzten Endes der Kamps gegen das Judentum in einen Kamps gegen das Christentum umschlagt. In einer Reihe von Aufsätzen der katholischen Presse bricht sich diese Erkenntnis Bahn. Besonders bemerkenswert sind drei Aussätze „von einem katholischen Geistlichen" in der Berliner „Germania" (Nr. 325, 330, 335), betitelt: „Die völkische Bewegung als Abfall vom Christentum", die wir hier im Auszuge wiedergeben: „Daß der Krieg und die Nachkriegszeit in Europa alle seelischen Grundlagen der Gemeinschaft aufs schwerste erschüttert hat, liegt leider allzu handgreiflich vor Augen. Weniger aber scheint man sich darüber klar zu sein, daß seelische Erschütterungen wie im Einzelso auch im Völkerleben auch intellektuelle Wirkungen haben, daß das Denken der «vom Kriege betroffenen Volker aufs schwerste verändert und in falsche Bahnen gelenkt ist. Zeiten seelischen Druckes sind zugleich Zeiten, in denen die Massensuggestion sich ungehindert nustobt und die Volksmassen in Anschauungen hineintreibt, die einem ruhigen Denken unmöglich sind. Unsere Zeit hat auch die Weltanschauung der Massen so beeinflußt, daß wir auf dem besten Wege sind, das Christentum Europas zu Grabe zu tragen und in völliges Heidentum zurückzuversinken, in ein Heidentum, das a n Stelle des einen Gottes nationale Götter, an Stelle des Brudertums aller Menschen die nationale Absperrung, an Stelle der Liebe den Haß setzt. Wir stehen mitten in einer Bewegung, die den schon lange in allen Staaten vorhandenen Nationalismus zur Weltanschauung, ja, zur „Religion" erhebt. Eine neue furchtbare Wahnidee im Völkerleben, nicht minder verwerflich als die des Hexenwahns, und wer weiß — in ihren.letzten Auswirkungen vielleicht noch viel schrecklicher, erhebt sich über Europa und über, unserem Vaterlande... An der Hand vieler Zitate, die meist dem hier schon erwähnten Buche Dr. AlphonsSteigers: „Katholizismus und Judentum" (Berlin 1923, Verlag der „Germania") entnommen sind, wird der deutschvölkische rücksichtslose Kamps gegen die Grundlagen der christlichen Kirche vorgeführt: gegen die Persönlichkeit des Heilands, gegen den Gottesbegriff, gegen das Alte und das Neue Testament, lieber die Formen der Verbreitung wird gesagt: „Dieses Phrasenhafte und das zeremonielle Brimborium, das sowohl die „Religion" der Völkischen (völkische Taufe, Eheschließung, Konfirmation usw.) wie auch ihr an die Formen des Freimaurertums angelehntes Korporationswesen hat, sind nun nicht etwa ein Hindernis sür ihre Verbreitung, sondern bei unserer geistig zerrütteten Volksmasse ein Moment sür ihre Verbreitung, daß auch zahlreiche Katholiken in ihren Bann gezogen hat. Die völkische Bewegung strebt aber auch danach, auf dem Wege der Schule und der popularisierteil Wissenschaft ihre Gedanken- oder vielmehr Gefühlsgemengsel vor allem an die jüngere Menschheit heranzubringen. So sucht in der Schule H. Wolfs „A n g e w a n d t e Geschichte, Eine Erziehung zum politischen D e n k e u", die .1920 bereits in über 30 000 Exemplaren verbreitet war, ein Buch, triefend von Haß gegen den Katholizismus und „Jesuitisnms", die dünnen völkischen Gedanken zu verbreiten. Zu der populärwissenschaftlichen Beeinflussung gehört zum Beispiel eine völlig Zustimmende und warm empfehlende Besprechung von Günthers „R a s s e n t u n d e des deutschen Volke s" in der Augustnummer 1923 der Zeitschrift des Keplerbundes „Unsere Welt", die zum Schlüsse das Wort des Buches zitiert: „Deutschheit soll sür uns fortan nichts anderes mehr bedeuten als Streben nach nordischer Art." (S. 153.) Von dem genannten Buche sagt der bekannte Biologe Dr. G r a ß l im „Lit. Handw." Nr. 3, 1923, S. 158: .„Während er . . .als Repräsentanten der nordischen Rasse fast ausnahmslos die - geistigen Führer nimmt, wählt er als Typen namentlich der ostischen Rasse Angehörige der niedrigsten sozialen Stufe... Er ist so gnädig, den Katholizismus dieses nach Günther asiatischen Stammes nicht als Beweis der Minderwertigkeit anzuführen, aber er hält ben Protestantismus für die ureigene Religion des Nordischen.... Es liegt in. diesem und ähnlichem ein absichtliches Streben, das dem ganzen Habitus der völkischen Bewegung entspricht, die ein Gemisch aus rassisch-biologischen, historischen und „religiösen" Elementen ist, die alle zusammen politischen Zielen dienen sotten . . . Ein Blick ans diese Gruppen kann nur dazu beitragen, die Ueberzeugung zu bestärken, daß es sich um eine absichtlich modifizierte für Ungläubige, halbgläübige „Christen", und sür solche noch überzeugte Christen und Katholiken angelegte Bewegung handelt, die sür die völkische Phrase enipfänglich, aber von ihrem Glauben noch nicht genügend gelöst find." Es folgen wichtige Aussührungcn über die Teilnahme deutscher Katholiken an der de utschv öl tischen Bewegung, die in diesen Worten au Min gen: „Katholiken, die sich hierzu bekennen, die deutschvölkische Sonnwendfeiern mitmachen, die das „größte Gebot" des Christentums, das der Liebe ausgeben wollen, die den Staat, die Nation über Gott und sein Gebot setzen oder sich solchen Organisationen anschließen, die das tun, die an politischer Verleumdung und gar an Morden sich beteiligen oder sie billiger!, die der gesetzmäßigen Obrigkeit nicht nur den Gehorsam verweigern, sondern ihr sogar mit Genullt enkge gentreten, die den Meineid von Beamten und Soldaten und die Verleitung zum Meineid durch ihre Zugehörigkeit zu gewissen Organisationen billigen, solche Katholiken mögen immerhin den zweifelhaften Entschuldignngsgrund für sich haben, daß sie ihren Katechismus nicht genügend kennen, jedenfalls sich über seine Konsequenzen nld'jt klar sind; sie gehören aber jedenfalls zu jenen, die Leo XIII. mit den Worten charakterisiert: „Ob solche Leute eigentlich für oder gegen die Kirche seien, ist nicht ausgemacht. Manchmal versichern sie, die katholische Lehre fei ihr Bekenntnis, nur hätten sie den Wunsch, die Kirche möchte g e wi ss e von ihrer Lehre abweichende Meinungen ungestraft verbreiten lassen." (Sav. Ghristianae. S. 40, Herder.)" Nachdem die warnende, streng ablehnende Haltung der katholischen Kirche zur deuLschvölkischen Bewegung dar gestellt wird, schließt die Aussatzreih e also: „Die Verwirrung der Geister ist groß, und das ist bei der ganzen Zei klage nicht zu verwundern. Das religiöse Empfinden ist zwar in manchen Schichterl lebendiger geworden, in anderen aber auch zurückgegangen. Die völkische Absallbewegung findet darum auch in katholischen Kreisen immer weitere Nahrung, wenn nicht eine umfassende Aufklärung., wie sie P. Dr. S chlu n d in dem leider nur beschränkten Kreise der „Allgemeinen Rundschau" in Angriff genommen hat, überall einsetzt. Es ist die höchste Zeit, und es geht hier nicht um politisch frei e Meinungen, s o n - d e r n um das C h r i st e n t u m." Tie Angriffe, die sich gegen den Reichskanzler Dr. Marx wegen seiner „judenfreundlichen" Einstellung richteten, haben die Zentrumskorrespondenz veranlaßt, den Brief, den Dr. Marx vor einigen Monaten an den C. V. richtete, übzudrucken. Es sei erinnert, daß es auch in diesem Briefe heißt: „Es ist eine vielfach beobachtete Erscheinung, daß der Antisemitismus sich fast immer auch als eine Gegner schüft gegen das Christentum, speziell gegen die katholische Konfession, entwickelt. Daß die starke Betonung des deutschen Volkstums in ihrer Anlehnung an den altdeutschen Götterkult immer mehr als eine antichristliche Bewegung hervortritt, kann ernstlich nicht mehr geleugnet werden."

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