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Central-Verein-Zeitung · 1923-12-13 · 50 (13.12.1923) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
2 (1923)
Issue
50 (13.12.1923)
Date
1923-12-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
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rir»Aelt»ümnler 10 Sol-pfettnig SerUn, 13. Dezember 1-23 II. Jahrgang - Nr. SO Mütter sürSeuhctttmn un-Tuventum vrtzan -es Lutnü-'verüvs deutfckerM Staatsvürser.iüWckenAimvrns'Ä» clss Jriclsr'rtrLri^s erlag u« Schriftleitung: (entral-verein -eutfcher Staatsbürger jüöifchen Glaubens e.v. Gerlin Sü)b§, Linöenftr. 13 ernsprecher: Anit^Dönhoff 3594, 3595 «\ Telegrammadresse: „Centralglauben Berlin" Postscheckkonto: Berlin 30472 Bankkonto: Dresdner Bank, Wechselstube G, Berlin SW 68, Lindenstr. 7 Monatsabonnement (ein viertellShrliches gibt ti vorläufig nicht) 40 Goldpfennlg AVeinifle Anzeigenannahme: Annoncen-Erpedirwn Rudolf Älvsse, Berlin 19, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,60 Goldmark für die 7 gespaltene Keile nach Rudolf Mosfes Normalzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche für »Mitglieder des Central-Vereins 0,30 Goldmark, die 90 mm breite Neklamezeile 3 Goldmark. Das flache Land Am Sonntag, den 2. Dezember, hatten sich im Nürnberger Gemeindesaal ungewöhnlich zahlreiche Vertreter des bayerischen Landesverbandes unseres Centralvereins unter dem Vorsitz von Dr. Fritz Baron (München) und Justizrat Galling er (Nürnberg) zusammengefunden. Die jüngsten ernsten Ereignisse in Bayern sollten in einer Sondertagung besprochen werden. Aufmerksam und teilnahmsvoll wurden die eingehenden Berichte des bayerischen Syndikus Rechtsanwalt L e v i n g e r s und Dr. Ludwig Wassermanns (München) entgegengenommen. Die Worte und Anregungen Rabbiner Dr. F r e u d e n t h a l s wie Dr. W. B e r - lins (Nürnberg) verfehlten ihren Eindruck nicht. Allgemeine Spannung und dann warme Dankesbezeugungen riefen die überaus wichtigen Mitteilungen des Oberlandesgerichtsrats Dr. Neumeyer (München), der den Verband bayerischer Kulturgemeinden vertrat, über die Ausweisungen in München hervor. Aber tiefe Erschütterung und steigende Empörung ergriffen die stattliche Versammlung, als Rabbiner Dr. Stein (Schweinfurt), selbst stark aufgeregt, die Bedrohung e n und Gewalttätigkeiten auszählte, die mangels durchgreifenden staatlichen Schutzes insbesondere die fränkischen Juden in den letzten Wochen über sich ergehen, lassen mußten. ■ Da rollten sich Heldenstücke ab, die einem Rinaldo-Rinaldini 4ind einem Schinderhannes alle Ehre machen. Um Mitternacht dringen Uniformierte in ein Haus, angeblich um Waffen ' zu suchen. Der Hausherr wird mit dem Revolver in Schach gehalten. Waffen werden nicht gefunden. Dafür heißen die Banditen Kleidungsstücke, Zigarren, ein Fahrrad mitgehen. Den Juden eines anderen Dorfes wird am Tage des Hitler- Putsches durch Bewaffnete verwehrt, ihre Häuser zu verlassen. Anderswo werden Todesdrohungen ansgestoßen, die nachts durch Schläge gegen die Fensterläden und Schüsse unterstrichen werden, so daß die verängstigten Bewohner nächtelang nicht wagen, zu Bett zu gehen. Äm tollsten trieb es eine Bande von zwanzig Mann in A n t e n h a u s e n, unweit Koburg. Sie schlugen die Fenster und Tür unter Schießen ein und schleppten zwei wegen ihrer Redlichkeit geachtete jüdische Geschäftsleute auf das freie Feld, Dort berieten sie, wie die Juden töten. Erschießen? Aufhängen? Nein. Schließlich kamen die Mordbuben Übereim, sie zu erschlagen. Und Gummiknüppel und Seitengewehre sausten auf die Armen hernieder, bis sie, anscheinend tot, sich nicht mehr rührten. Beschränken sich solche rohen wie feigen Verbrechen Deutschvölkischer bisber auf Franken, so darf deshalb nicht die ununterbrochene, zügellose Agitation in / von Dr. Mreö Wiener. vielen ländlichen und kleinstädtischen Bezirken des Reiches unterschätzt werden. Von der Brandrede bis zum Fenstereinwurf, zur Mißhandlung, zum Totschlag ist der Weg nicht weit. Man braucht nicht den Rachedurst aus den „Weisen von Zion" gezogen zu haben, um einen Rathenau zu ermorden. Wie geschickt bläst der Landbund in Pommern, in Mecklenburg, in Brandenburg, in Schlesien zur frisch-fröhlichen Judenhetze! In jedem Mitteilungsblatt des Bundes wird Juda eins ausgewischt. Und vom pommerschen Greifenhagen und vom märkischen Neuruppin flattern jetzt — immer auf der Höhe! — Roggenschecks in die Landbevölkerung, die laut Aufdruck „ungültig sind, wenn sie in die Hand von Juden gelangen". Plünderungen und Ruhestörungen sind keine Seltenheit. Geht es mit eingeworfenen Fensterscheiben ab — oft müssen die hohen Synagogensenster daran glauben —, so macht man nicht viel Aufhebens. Demnach ist es ein zweifelhaftes Vergnügen, heute als jüdischer Geschäftsmann in Kleinstädten gewisser Bezirke des lieben Vaterlandes sein Brot verdienen zu müssen; ein noch zweifelhafteres für die in Dörfern einzeln lebenden jüdischen Familien. Da ist kein Rabbiner, kein Lehrer, kein Anwalt, bei dem Rat und Hilfe zu holen wäre. Die nächste jüdische Gemeinde ist vielleicht erst durch mehrere Stunden Bahnfahrt zu erreichen. Die Behörden sind zuweilen — manche Klage an uns spricht eine beredte Sprache — recht unzugänglich, auffällig langsam, wenn es heißt, sofort Abhilfe schassen. Gerechtigkeit erfordert allerdings, festzustellen, daß sie bei den Verhältnissen aus dem Lande manchmal auch nicht so schnell zu beschaffen ist. Hier und da möchten christliche getreue Nachbarn gern eingreifen, aber sie fürchten Rache und Terror. Der Hanptvorstand des Eentralverein s hat es stets als Ehrenpflicht angesehen, für die Verlassenen auf dem flachen Lande, für die Brüder in den kleinen Städten vorzugsweise e i n z u t r e t e n. Wenn unsere Arbeit oft nicht die Früchte gezeitigt hat, die billig erwartet werden dursten, so liegt das an Verschiedenem. Die einen wollen, solange es ruhig zugeht, keine aufklärende Tätigkeit; es könnte sonst schlimmer werden. Die andern freuen sich über jeden Brief ihres Landesverbandes und vergessen vor lauter Freude dre Antwort. Wieder andere glauben, im Landesverband und in der Zentrale können die Angestellten ohne Gehälter auskommen und deshalb unterlassen sie sorglich die Ueberweisung von Beitrag und Spende. Bedauerlich und schädlich ist es aber, wenn so häufig aus Bequemlichkeit oder aus Mangel an Mut wichtige Vorkommnisse nicht berichtet, ja absichtlnh BC Breslauer Miiglieder! Geiie 3T9 ist für Euch wichtig. "WG

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