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Central-Verein-Zeitung · 1923-11-30 · 47 (30.11.1923) · page 3

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
2 (1923)
Issue
47 (30.11.1923)
Date
1923-11-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
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vt rffs itnb seines Intimus Hitler, die Schuld an Deutschlands Unglück auf die kleine Minderheit der deutschen Juden abzuwälzen, habe auch in Berlin gewissenlose Menschen nicht schlafen lassen. Nicht nur dem Protest gegen Judenhetze und Judenverfolgung sollte die Einberufung der Versammlung dienen, sondern vor allem auch der Aktivierung der hinter dern Centralvcrein stehenden Mitgliedermassen, die endlich aus ihrer Gleichgültigkeit erwachen und mit Selbstwürde und Entschlossenheit die geistige Abwehr des Centralvereins zu der ihren machen. Nicht aus egoistischem, jüdischem Interesse, sonder n u m des B a t e r l a n d e s w i l l e n , das die Kraft aller Volksgenossen zum Wiederaufball benötigt. Der erste Redner, Rechtsanwalt Dr. Walter Kochmann, schildert die furchtbare Notlage in Deutschland, besonders der breiten Massen, nnd zeigt, wie die allmähliche Verschlimmernng dieser Lage immer mehr den Judenhaß habe anwachsen lassen. Die. gegnerische Agitation arbeite damit, daß es den deutschen Inden besser gehe als der Mehrzahl der übrigen Deutschen. Der Redner wies die Unrichtigkeit dieser Behauptung an einer Reihe von Beispielen nach. Das Gros der delltschen Inden gehöre zum Mittelstand, die zahlreichen mittleren und kleineren Kaufleute, die vielen Akademiker itnb die kaufmännischen Angestellten gehörten diesem zweifellos an. Gehe es also dem Gros der delltschen Inden materiell nicht gilt, so folge aus den traurigen Ereignissen der letzten Zeit, daß cs ihnen auch sozial und leiblich nicht gut gehe. Der zwingende Schluß hieraus sei, daß Deutschlands Wohlergehen auch dasjenige derdeutschen Juden sei. Tie Folgen der Jndeuhetze seien in furchtbarer Weise zunächst in Bayern, daun ill Oberschlesien lind schließlich auch hier in Berlin zutage getreten. Könnte man allch verstehen, daß es in diesen erregten Zeiten hie und da Zll Zusammenstößen kommen könne, so stoße an dieser Hetze luld an der ganzen Bewegung das unglaublich Brutale und Ungeistige ab. EO werde nicht gekämpft., sondern Einzelne ahnnngslwe Menschen würden systematisch von Leuten überfallen' und niedergeschlagen. Mit haltnnd sinnlosen Phrasen wie dem Schlagnoort vom Marxismus werde gearbeitet, lieber die geschichtlichen Vorgänge nnd Entwicklungen herrschte tiefste llnkenntnis. Allerdings sei diese Ungeistigkeit von jeher im Antisemitismus zu Hause gewesen, wie der Redner an einer Aeußerung eines A n t i s e m i t e n - s ü h r e x s ü b e r G o e t h c nachwies, die diesen größten deutschen Dichter zum Semiten mit semitischem Aussehen stempelte. Etwas 'sehnliches sei es, wenn dieselben Kreise eine Ehrung Gerhart Hai: p t ma nn s mit der Begründung abgelehnt hätten, dieser sei nicht Vertreter deutschen Volkstums. Gerade in unseren Tagen sei ein sehr schönes Wort G e r h a r t H a it P t in a n n s Richtschnur: ..Es sei leicht gewesen, Deutschland zu Lieben, so lange es groß und stark gewesen sei, man müsse es doppelt lieben, jetzt, wo es schwach und erniedrigt sei." Dieses Wort unterschreibe er als Deutscher und Jude. Wir müßten unser deutsches Vaterland jetzt doppelt lieben als je und an der A u f r e eh t e r h a l t u n g s einer b ed r o f) t e n E i n h e i t u n d s e i u c r W iedera u s r i ch t u n g nniaroeiten. Einigkeit, die uns selbst Recht und Freiheit verbürge, lgUe auch mit, Deutschland einig und frei zu machen. Redakteur Artur Schweriner I\lonr, uns verließe all mählich die absolute Zielsicherheit, die Grundlage eines arbeitsfrohen Lebens, und wir könnten uns nur noch dazu aufrnfsen, kleinere oder größere Besserungsmöglichkeiten zu erhoffen. Solche Geistesverfassung sei Nährboden für die Verzweiflung. „Wann wird der Netter kommen diesem Lande?" Wir vergessen, baß jeder deutsche Staatsbürger berufen ist, Netter zu iein, nnd die jüdischen Deutschen im besonderen verkennen, daß ihr Schicksal in ihrer eigenen Brust ruht. Ter Eentralverein könnte heute mit viel größerer Schlagkraft nach außen hin austreten, wenn er nicht seit Jahren eine Unsumme von Mühe und Arbeit hätte auswenden müssen, um die deutschen Juden aus ihrer Gleichgültigkeit auszurütteln. Man habe den Führern des Centralvereins immer entgegnet: „Ihr seid Pessimisten von Berus!" und dem Centralverein widerwillig ein „Almosen" gegeben. Redner schildert in längeren Ausführungen die umfassende Tätigkeit des Eentralvereins in den letzten Wochen nnd schließt: „Wir sind auch beute nicht mutlos, wir sind nicht verzweifelt. W i r arbeite n — gewiß nicht sorglos, aber sorgsam nnd pflichtbewußt — im Centralverein, rastlos nnd in Treue, die auch Todesgefahren nicht fürchtet, wie das Beispiel Steinthals zeigt. Stärken Sie uns den Rücken! Setzen Sie alle ideellen und materiellen Kräfte ein, um in letzter Stunde mit einem Höchstmaß konzentrierter Willenskraft dem unversöhnlichen Gegner entgegenzutreten! Lassen Sie uns vor der Geschichte nicht als ein kleines Geschlecht dastehen! Heraus mit dem körperlichen Ghettosiechtum aus unseren Knochen! Frontbund, hier hast du ein großes Betätigungsfeld! Centralverein für die geistige Mobilmachung! Dann werden wir, was auch kommen mag, nicht nur vor unserem staatsbürgerlichen Gewissen bestehen können, wir werden den Sieg des Rechts nnd der Gerechtigkeit vorbereiten Helsen, den Sieg des Grundgedankens unseres jüdischen Glaubens: „M e n s ch e n seid m e n s ch l i ch!"" Nachdem die Resolution einstimmig angenommen wurde, schloß Dr. Werner die Versammlung mit der Aufforderung, das Gehörte im Leben draußen zu nutzen, * Schon um 11 Uhr waren Saal und Galerieeu des viele Tausende fassenden L e h r e r v e r e i n s h a u s e s von Mitgliedern des Zentrums, Nordens nnd Ostens überfüllt, daß ein lebensgefährliches Gedränge herrschte und polizeiliche Schließung erfolgen mußte. Justizrat Hugo Sonnen fe td, der stellvertretende Vorsitzende des Centralvereins, eröffnet die Sitzung und erteilt das Wort Dr. Ludwig Holländer: i Das Bibelwvrt: „Du sollst nicht müßig stehen, wenn I das B l u t deines Nächsten vergossen wird", zwingt j unser Pflichtgefühl zu denken und zu handeln. Hetzen haben immer einen Urgrund in der Verbreitung gewisser falsch gedachter, empfundener und gefaßter Einsichten, die daun vergröbert nnd entstellt im Volke nachwirkten. Der Hamburger Schriftsteller Stapel stellte den Typus für eine Auffassung dar, die in dem Heldeutode des j jüdischen Deutschen auf dem Schlachtfelde eine d o p P eite T r a g i k i sieht, zunächst das Opfer des Krieges, dann aber das Opfer für! eine Sache, in welcher der sich Opfernde geirrt hätte. Während er geglaubt habe, er stürbe für das Vaterland, sei er in Wirklichkeit für etwas gestorben, was er irrige r w e i s e für^das Vaterland hielt. Diese, in den Betrachtungen der Nationaljuden auch häufig vorkommende, auf Fehldenken beruhende, den einzelnen furchtbar erregende Gedankensührung, welche den Juden in Deutschland „h e r a n s e i t e r n" lassen wolle, bedeute die Grundlage zur jetzigen Hetze. In dem .gelehrten and vornehmen Oswald Spengler sei leider ein bei aller seiner Wissenschaftlichkeit philosophischer Phantast erschienen, der, zwar die deutsch- und jüdischvölkischen Gedankengänge ablehnend, doch in der irrig herausgoarbeiteteu Gegensätzlichkeit der s a u st ische n z u r m a g is ch e n K u l t n r ein Bild vom Judenrum zeichne, das zum Judenhaß Anlaß geben müsse, da es ihm eine allerdings auf tönernen Füßen ruhende Unterlage schaffe. Die Anschauung Spenglers bewies in ihrer breiteren Darlegung im Zusammenhang mit den Stapelscheu Gedankengängen, wie alles das gedacht worden, was gewissenlose Politiker vielfach nur aus s e l b ft i s ch e n Gründen in den Tageskampf hätten einfließen lassen. Diese geistigen Triebkräfte s eien dann durch vollkommene Be h e r r s ch u n g der M a s s e n p s y ch o l o g i e zu verderblichster Auswirkung gelangt. Die Masse denke wenig, ihre Gefühlswelt , sei ihr alles. Wenn sie denke, denke sie in Bildern. Darum schon hasse sie denD stju d en, weil sie in ihm einen von ihrer Kulturwelt verschiedenen Menschen zu sehen glaube. Die Führer verständen durch B e h a u Ptung , W iederhol n n g u n d U e b e r - tragung die Gemüter auszureizen. Bei der bekannten Wandelbarkeit der Massen könnten die heute am lautesten nach Gerechtigkeit schreienden Menschen morgen die grellsten Hep-Hepruse ausstoßen. Wir hätten es in der Grenadierstraße mit einer v e r s ch i e d e n z u s n m m e n g e s e tz i e n Masse zu tun gehabt, die nach den Erfahr nagen der Geschichte die wandelbarste, aber auch die grausamste sei. In der französischen Geschichte sei Zwischen 1790 und 1820 die ‘ auch dort bunt gewürfelte Menge erst revolutionär, dann imperialistisch, schließlich monarchistisch gewesen. Das lehre uns, den entscheidenden Kamps zwar mit vornehmen geistigen Waffen zu führen, der nur mit dem größtdentbaren Nachdruck, insbesondere durch Aufklärung, Forschung und ann opferst du für den Ceniral-Vereirr? 7777777##777#i

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