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Central-Verein-Zeitung · 1923-11-30 · 47 (30.11.1923) · page 4

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
2 (1923)
Issue
47 (30.11.1923)
Date
1923-11-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
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60 Zugänglichmachung der Forschinigsergebnisse an bie 9)kflen der Bevölkerung. Dem Judenhaß sei man früher nie scharf genug entgegengetreten, man Hube das Schußfeld seinen Gegnern frei gegeben. Kenne man den Weg, den die Volksverführer zur Masse gefunden hätten, dann fei es nicht schwer, der Wirkung eine Gegenwirkung entgegenzustellen. Dafür wären mit Ausnahme der Völkische n die a n st n n dige n M e n s ch e n i n a l l e n P a r t e i e n zu haben. Die Arbeit dürfe sich darum niemals parteipolitisch einseitig binden. Rechts und-links gibt es gerecht denkende Männer und Frauen, besonders allerdings in den Kreisen, die auf der Schattenseite des Lebens ständen, wie bei den Arbeitern. Der Weg in die Zukunft lveist aus Tatbereitschast. Schon die Bibel lehre, daß die Aeltesten und 'Priester nach einem Morde auszusprechen hätten: Wir sind unschuldig an dem vergossenen Blute. Damit fei eine Aufforderung enthalten zur Selbstprüfung nach der Richtung, ob sie auch alles getan hätten, um die Untaten zu verhüten. Die jüdischen Deutschen tiuuiteu diese Frage nicht mit gutem Gewissen bejahen. Die Zukunft hänge allein, 0011 der Antwort aus dies e l e tz t e Frage ab. Ter Genius des Deutschen, verbunden mit der gell) a l t i g e n sittliche n G r u n d l a g e d e s I u d e u , io e r - den V a t e r t a li d n n d I u d e u t u nt ü b er bi e S ch iv e r e der T a g e h i n a u s t r a g e n. Ter ziverte Redner, Rabbiner Dr. Meier Hildesheimer, wies auf die ethischen Tendenzen! im Judentum hin, die höheres erstreben als Schacher und Wucher, schrankenlose Profitgier und rücksichtsloseste Ausnutzung unserer Mitmenschen, wie esso oft von feindlicher Seite fälschlicherweise behauptet wird. Ueberall, wo solche Eigenschaften anstreten, ganz gleich, ob bei Glänbensgenossen oder Andersgläubigen, muß der aufrechte Jude sie als Schande empsindeu iuib aufs schärfste bekämpfen. Gerade die Inden müssen in der heutigen Zeit Selbstzucht üben mib sich vor Ueberheblichkeit und Protzentum hüten. Aber denjenigen, die aus blinder Gehässigkeit imb Mangel an kritischer Objektivität diese Eigenschaften als typisch jüdisch hinstellen, wollen wir die Frage vorlegen, ob es denn bei ihnen anders ist. Aber leider trifft dieser Borwurf, den man in nuberechtiger Verallgemeinerung nnT allein zu.machen beliebt, weite Kreise des deutschen Volkes. Imdeutschen Volke, das h e ut e s ch w e r u m seine E x i st e u z b a n g t, k ö n n e n w i r das S ch i ck s a l der j n d if ch e n G l a u b ens gem ei nsch a f t als B e i f p i e l h i n st e l l e n. Ermutigend könnenwir ihnen zurusen: Sieh auf uns! Das Land hat man uns genommen, unsere Kultur hat man zerschlagen, aber wir sind nicht unter gegen gen. E rm a un e d i ch , reiße dich e m Po r z u> s i k k l i ch e r u n d g e i st i g e r H ö h e — u n d d n w i r st e w i g s e i n! . . In einem ausführlichen Schlußwort gab . Jttstizrat Hugo Sormenfelb seinen Eingangsworten entsprechend ein>'- a.uss ü h r l -i ch e D a r - st e l l u n g der Tätig f c i t d e s E. B. i n d e n .k r i^ t i sch e it Tagen i n Berlin. Er wies einerseits darauf hin, daß alle Mittel erschöpft worden seieir, um in großzügigstem- Umfang Ausschreitungen zu verhindern, und sie abzudämpfen, soweit sie wirksam geworden waren. In eiugehender Schilderung der Einzelheiten legte er dar, wie der E. B. zivar stets nach dem Gesichtspunkt des Politischen Anstandes und se-lbstverstündlich der .gesetzlichen Zulässigkeit der von ihm ergriffenen Mittel arbeite, daß er' aber innerhalb dieser Grenzen nichts unversucht lasse, uait zu helfen-, wo zu Helsen sei. H ä 11 c e r it i ch t e i n g e w i r 11, w ä r e v i e l e s , m i c!o o n n e n f e I d b e \v res, v -i e l -[■ chl i m m e r g e k o -m in e n. Ebenso wichtig aber, wie diese politische Arbeit sei die persönliche Tätigkeit jedes einzelnen- Richt nur in bezug auf das, was er -Persönl'ich -im- Zuscmunenhn-ng mit uus leiste, sondern was er für die Ne be r w in d u n g de r A r mu. t gerade -in- .diesempolitisch -und wirtschaftlich so unendlich harten Winker tue. Weit über das Maß dessenhinaus, was nicht der selbstverständlichsten Nächstenliebe sei, urüsse jeder jüdische Deutsche seinen Nachbarn Helsen, die Ar.men und Dürftigen unterstützen uru> dafür sorgen, -daß keiner ungesätttgt an. zeiuer Türe vo-rbeigehe. Von dom Ausmaße dieser Liebestätigkeit werde es abhänge-n, wie der Winter verlause. Und wenn die alte jüdische Forderung noch Höchst sie i ge rnng wohltätiger Werke nicht erfüllt werde, so ivürde unser und dies Vaterlandes Schicksal überaus trübe sein. Auch -die, welche zuverkaufen haben, an sie sei der Ruf gerichtet, in dieser schweren Zeit das GM-eingeftrhL wa-lten zu lassen-. 'Noch lauge seinach dieser Richtung hin nicht das Nötige geschehen, und es sei Pflicht, des C. D., ni-cht nur z u x p o f il i s ch e n , s on der n >m in d e st e n im s e l b e n M aß e z u x so z i a!e w Äl r b ei t aufz ur u-fe n. Nachdem den Mitgliedern so ausführlich die allgemeine Tütigikeit des C. V. anseinandergesetzt würden sei-, nachdem sie die sozialsn Forder-ung-en des Haup-Lvorstlrndes gehört hätten, sei es jetzt anZi-hnen', ihre ZustimkN'UNg zu den en'tuücketten Gru'ndsätzen in der Resolution zu. geben. Nachdem sich der -di-e-senr Schlußworten folgende stürmische Beifall gelegt hat, wird über die Enkschlreßn-ng' äbgestinnnt, die einmütige Annahme findet. Im F r i e d r i ch -W e r d e r s ch e n Real g y m n a s i u m geben sich die Ortsgruppen des Nordwestens ein Stelldichein. Die große Aula war überfüllt Oscar Heimana begrüßte die Erschienenen. In kurzen Worten lveist er aus Ziel und Zweck dev Veranstältnng hin. Es gelte, den Mitgliedern Rechenschaft zu geben über das Getane, aber auch aus der engen Berührung mit ihnen das Bewußtsein zu erhalten, daß altes, was wir leisten, geboren werde ans dem gemeinsamen Wollen von Führung- und . Mitgliedern-. Das Wort erhält zunächst Rechtsanwalt Ferdinand Samoje, der hervorhebt: Spätere jüdische Geschlechter werden unsere Zeit, die wir beklagen, als Beginn einer Renaissance des deutschen Ingeniums ansehen. Diese Wiederbelebung verdanken wir dem Judenhaß. Er hat die arterhaltenden Kräfte im Judentum geweckt, hat unserer Jugend eine gefestigte Liebe zum Judentum gegeben, sie empfänglich gemacht für die vom C. V. stets geförderten Gedanken der Selbstzucht und körperlichen Ertüchtigung, dem besten, wenn nicht einzigen Mittel zur Minderung der Abneigung des Nichtjuden gegen den Inden. Für die Zukunft -des deutschen Judentums brauchen nur nicht zu fürchten. I n S o r g e s i n d iv i r a b e r, d a ß d i e d e n t s ch e u Juden, die vier Jahre lang für Deutschland gef äm P f t u n d g e l i t t e n h a b e n , i n i h r e r m a ß l os e n Be r - b i 11 e x u n g ii bei* d i e a n t i s e m i t i s ch e Hetze irre w e r - d e nk ö n nt e ni n> i h x e r L i e b e z u m V a t e r l a n d. Darüber zu wachen, daß niemand - auch nur in Gedanken — das Vaterland entgettenlasse, ivas Verirrte unter seinen- Söhnen gegen uns sündigen, ist. Hauptaufgabe und Bestreben des Eentralvereins. Arnold Stein führte ans: In ganz Deutschland' herrschen chaotische Zustände. Separatisten und Nationalisten suchen im Trüben zu fischen. Als Ableukung dient der Judenhaß. Wir erheben Protest, daß in dev Zeit der Not man uns als Sündenbock nneder einmal hinstellt. Wir haben unsere Pflicht erfüllt während des Krieges und stehen auch jetzt in schicksalsschwerer Zeit treu zu unserem Baterlande und der Einheit des Reiches. Die Lage ist entsetzlich. In Bayern versucht man, alteingesessene jüdische Familien von ihrem Boden zu vertreiben. Schwerste Atihhandluugen und Verleumdungen machen sich überall" bemerkbar. Aehnlich sieht es auch in anderen Teilen Deutschlands ans. Tie Ausschreitungen in der Grenadierstraße waren nur ein kleiner Aufmarsch von irregeleiteten Menschen, die, von rvüsten Demagogen, geführt, Deutschlands und Berlins Ansehen vernichten Helsen. M e h r a l s je i st d er Cent r a l -Verein die N e r v e n st ü r k n n g f ü r d ie d e u t s ch e u I n d e n , das Rückgrat fü.-r all die Elemente, welche im Kamps u in s R echt s ü r M e n s ch e n t n m n n d I.u d e n t u m e i n - trete n. Körperliche Ertüchtigung, ideales Berufsleben, einfache, schlichte Lebensweise müssen unsere Leitmotive sein. Durch nustr Borbild können wir viel Gutes stiften und Zweifelnde in unserer Umgebung ans den rechten Weg bringen. Das Judentum, baut seine ganze Glaubenssphäre ans die Nächstenliebe ans. Diese Nächstenliebe müssen auch wir wahren und ausübeu, trotz der gemeinsten Anschuldigungen. Der Reichsbnnd jüdischer Frontsoldaten, mit dem wir in frenudschaftlichem Verhältnis stehen, verkörpert die tatkräftige -Abwehr. Wir liefern das Rüstzeug für die geistige Aufklärung. Der Eentral-Verein steht seit über dreißig Jahren gerüstet im Abwehrtampf, und er ruft jetzt alle Glaubensgenossen ans, nicht nur in der Zeit .der Gefahr für ihn zu stehen, sondern auch dann, wenn einmal bessere Tage uns beschieden sein mögen. Von jeher ivar es unser Ziel, alle diejenigen, die um ihres Glaubens willen zurückgesetzt iverden, zu verteidigen und für Staatsbürgerrechte einzntreten, unsere RUtglieder Politisch zu erziehen, damit jeder in seiner Partei gegen den Judenhaß arbeite. Was wir unternehmen, braucht das L i ch t d e r O e f f e n t l i ch k e i t n i ch t z u s ch e u e n , und -wir haben uns immer bemüht, nuftlärend in großen Versammlungen zu wirken. Allen unseren Freunden rufen wir zu, in dieser bitteren Schicksalszeit unseres Vaterlandes nicht z>u verzweifeln, mutig und entschlossen die Wahrung unserer Interessen zu fordern und vereint am Wiederaufbau der-Heimat'sich zu betätigen. I u ö e sein, f) eißt K it in p f e x sein! Der Kampf stählt und stärkt und .erziehtcharaktervolle Menschen. Wenn wir so unsere Ausgabe erfassen, dami ' brauchen mir vor der Zukunft nicht zu bangen, dann iverden auch diese schiveren Stürme über uns hinweggehen, und wenn auch wir nicht, so werden doch unsere Nachkommen bessere Tage erleben.- Der Vorsitzende Oscar Hei mann brachte zum Schluß die Entschließung zur Verlesung und A b st i m mm n g. Es erfolgte einstimmige Annahme. Mit begeisternden Worten entließ Herr Heimann die Versammlung.

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