Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 2 (1923)
- Issue
- 45-46 (23.11.1923)
- Date
- 1923-11-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- 348 . . . 2U§ deutsche und bayerische Staatsangehörige sind wir?,n de-'.n V erl an-.q e n berechtigt, in- '-d eu d-urch die Ve r-fafs«n-g, de 8 Reiches, wie des Landes Bayern gewährlei ft e t e n Grundrechten geschützt zu werden." Nach eirrem rntä unter -dem 14. November zu gegangenen. Bericht aus N ü r n b e r g dauern die j u d e n f e i n d l i ch e m A u % 1 ch rei - titnqen d i> r t du. So wurde am Freitag, den 9. November, nachts gegen % 11 Uhr ein Nürnberger Arzt jüdischen Glaubens von vier Burschen verfolgt. Als sie ihn erreicht hatten. Packten sie ihn, riefen: „Hände hoch!" und setzten ihm den Dolch auf die Brust mit den höhnischen Zurufen, jetzt sei der Tag der Rache da. Der Herr wurde beraubt und schwer verletzt. Als er noch nachts der Polizeiwache Mitteilung von dem Ueversall machte, sagte man* ihm, er solle am anderen Vormittag Anzeige erstatten. Am 11. November wurde ein 65jähriger Jude in der Königstraße bedroht, hinter dem ein Mann mit Nauteu Christian Hertlein herschrie: „D a s i st der Jude, s ch lagt ihn tot." Aur gleichen Tage wurde ein k r i e g s b e s ch ü d i g t e v I n d e am hellen> Nachmittag von einer Horde verfolgt und bedroht. Die Menge hieb ans! ihn ein, daß er das Bewußtsein/ verlor. Wie ärztlich sestgestellt wurde, erhiel-tder Kr i e g s be s ch ädigte zwei Ale s se r st i che i u d e n Kopf. Der Vorfall spielte sich in einer der b e I-c bte fte n> Str a ß e n ab. Aehu-liche traurige Vorfälle sind in Nürnberg an der Tagesordnung. In. der Nacht vom 3. zum 4. November gegen. %V1 Uhr umstellte eine Bande von etwa 20 Mann die nebeneinander gelegenen Hänser zweier jüdischer Bewohner von Antenhanserr in Ober fragten. Rufe: „Aufmachen!" ertönten, und als dcis nicht schnell gegug ging, stieß man die Türe ein, feuerte einen schuft in. die Wohnung und drang von der Hofseite in diese ein. Acht bis zehn Jnngdolente, mit Mütze, Windjacke, Seitengelvehr und Revolver ausgerüstet, verlangten' von. den nur notdürftig gekleideten Männern. Geld mit der Drohung: „W i r s i n d D e u t s ch v ö l t i s ch e , w i r bra u ch e u Geld f ü r n n s e r e S a che." In der Nachbarschaft wurde das Kommando „Fenster zu" gegeben-, wo sich ein Licht zeigte oder ein Fenster geöffnet wurde. Im Haus mußte bei der Suche nack, dem Geld der Getdschrank geöffnet werden-. Nachdem Geld, goldene Uhr nnv Kette geraubt waren, wurden die beiden Herren gezwungen, mitzngrhen und vor das Dorf geführt. Dort wurde in einer Art Standgericht beraten, was mit ihnen zu machen sei. Cs entwickelte sich folgendes Zwiegespräch: „Erschieße n? Sind Spaten da?" Antwort: „Nein." „A it s h ä n - gen?" „Cs sind keine Stricke da." Schließlich wurde bcfchlossen, die Herren zu erschlagen und ihnen besohlen, sich hinznlcgeu. Es wurde mit Stöcken, Gummiknüppeln und Seitengewehren in rohester Weise auf sie eingcschlagen, bis sie tot schienen. Dann! entfernte sich der Trupp in der Richtung nach- Gmünd. Die schwerverletzten, und aus Kopfwunden' blutenden/ Männer schleppten sich nach, einer Weile mühsam nach Hause. In dem Meiningischeu Ummer st ad t und später in dem bei Hildburghausen gelegenen' Gle ich. er wi esen fanden sie Schutz und Obdach. Die beiden jüdischen Herren, liegen.- noch heute schwer f x* a n f barniebe r. Liest man die völkische P r o v i n zp v e \\ s c i n B a y e r n, so muß man erkennen, daß auch hier die intellektuellen Urheber der Gewalttat jene Leute sind, die durch ihre maßlose Hetze schuld an dem fluchwürdigen Verbrechen an Rathenan und anderen Politikern gewesen sind. Im „M a r k tb r e i t e r W c> ch e nb l a t t" finden wir in der Nr. 126 einen Artikel: „Ratschläge für Herrn v. Kahr. Unter dem Titel: „Erwachendes Christentum" erscheint unter Leitung des Obersten Stanies ein neues Matt in Rumänien. das utr Lösung der Judensrage folgendes empfiehlt: 1. Es ist unbedingt nötia. die Inder: m töten und die Muselmanen Zu> taufen! Sonst sind die BAtrobungen des Christentums vergeblich. 2. Es ist unbedingt nötig, das Gesetz über Namensänderung auszuheben. damit keiner sich von seiner Nationalität entfernen könn^. 3. EL ist unbedingt notwendig, das Gesetz über die Gleichberechtigung der Juden außer Kraft zu ätzen. 4. Es ist unbedingt notwendig, die Synagogen und die jüdischen Schulen niederzubrennen, und was nach dem Brande von den Mauern noch übrig bleibt, soll man mit Erde bedecken, damit kein Stein sichtbar bleibe. 5. Es ist unbedingt notwendig, den. Juden alle Gebetbücher und T-almude wegzunehmen. weit sie daraus die Flüche und Lügen lernen." Der I u n g d e u k s ch e O r .d e n i n B a y e r n, mit dem Sitz in Koburg, erläßt im Aufträge von 10 060 Ordensbrüdern in über 150 Ortsgruppen eine Kundgebung, -in der als die Ursache alles Glends im Lande der -unheilvolle Einfluß des Judentums bezeichnet wird. Bis zu seinem letzten Bruder sei der Jungdeutscke Orden in Bayern bereit, sich mit Gut und Blu t für die Hochziele des Ordens einzusetzen. Man schreckt vor dem unbarmherzigsten Terror nicht zurück, um dieses Hochziel auch aus Nebenwegen zu erreichen. In der „Koburger W arte" vom 18. Oktober 1923 heißt es i$ einen: „Befehl": „Mit Bedauern *habe ich Kenntnis genommen, das; mehrere „Brüder" in dieser Notzeit größere Mengen Lebensmittel (Kartoffeln) an Juden geliefert haben. Ich habe bereits mehrere Brüder wegen dieses undeutfchen Verhaltens aus der Organisation ansschließen müssen. Weitere werden folgen. gez. Johnsen. Leiter: Hctmnth Johnsen, Pfarrer, Gauerstadt b. Koburg." In T h ü ringe n versucht die detckschvölkische „La ndeszei - tung" feit Monaten, ganz shstenrntisch eine Pogromstimmung zu schaffen. Den, Dollar kn r s verössentlicht sie stets mit dem Zusatz: „U wd Iitd a t r i u nxpH i e r t". Diese Hetze ist natürlich nickst ohne Folgengeblieben. In Gotha prangten an verschiedenen öffentlichen Gebäuden größere Hakenkreuze mit der Unterschrift: „Nieder mit den Inden!" In der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag der vergangenen Woche wurden zwei Fenster der Synagoge mit Backsteinen ei nge w or se n. Daß der Centralverein geeignete Schritte unternommen hat, um Ehre und Lebender thüringischen, Juden 31tschützen, ist selbstverständlich. Dem Judenhaß ist jedes Mittel reckst, um seine Ziele zu verwirklichen. In recht s r h t inis ch e n B l ä t t e r n ist ein Artikel überdie s ep a xa t -i fti s che n B 0r gän ge in der Ps-alz veröffentlicht worden, in -der unser bekannter Freund, das Vorsta-ndsmit-glied des Centralvereins, Recksts-anwalt Dr. Erich Kehr (Kaiserslautern), als der Vorsitzende der Ortsgruppe der Separatisten in Kaiserslautern genannt lonrde. Wir brauchen! nicht hervorzuheben, daß diese Behauptung in jeder Beziehung frei erfunden ist. Wer Dr. Kohr kennt, weiß das. Tranri'g genug, daß solche n i ch t s' \v ii x d i g e n Nerd ä ch, t i g u ng e n> u n d G e ur, e i n - heit e n i 111 ö f f e n t l i chl e n L e b e n, s 0 g a r von Blätter n ve rb re i te t w er d e n k0 nn t e n, die a nge b li ch auf A!t - st a n d h a l t e n. Die bedrohliche Lage der Inden in Ostpreußen und Den bei Deutschland verbliebenen Teilen Westpreußens, die Politisch nun zu- Ostpreußen! gehören', spitzt sich iunner wehr zu. t a h l h e l m b u n d , W e rlv 0 lf, der Bund „A l t P r e u ß e n" und die übelst bekannten „Ammoniter" treiben überall eine recht bedrohliche Hetze. In letzter Zeit hat sich eine neue Organisation gebildet, die besonders in Königsberg stark arbeitet, die' „F x e i c D e n t sch e W e r k s ch a.f t", die fast alle zlvei Tage eine össentliche Bersammlltng abhält, irr. der bekanute deutschvöUische Redner, wie Gr af R e v e n t l 0 lv und andere, sprechen. Diese Organisation stellt sich besonders ar beiter freundlich und .antikapitalistisch. ein. Es ist aber nicht zlveifelhaft, daß hiilter ihr, deren Angehörige meistens ans dentschnationaleu HalldLungsgehilfell und Studenten bestehen, recht kapitalkrästige Kreise lvirkeu rnüssen. Di e Be r ansta L kunge n che r f ch l i n g e nit 11 g e h e it e r e Su tu ut e n f u r R ekla in e, S a a l m i etc, Reis e s P e s e n für die Redner. Das Programnr der „Freieil Werksehaft" ist nichts loeiter als eine Fort-, sehung der verbotenen! natioualsozialistischen, ArbeiLerpartei und der völkischen Freiheitspartei. Wenn bisher «L-chliumres verhütet worden ist, so ist das in erster Linie der Eutgistungsnktion des Centralvereins zltdanken-. Im Freistaat Bremen standen die Bürgerschafts- Wahlen völlig im Zeichen der völkischen Hetze. Juden wurderlvon den Ver-sanvlntu.n-gen ausgeschloffen. In der.Stadt Bremeitl. lonrde aus dltrchsichtigen Gründelidas Gerüwt verbreitet, die jüdischen Fr 0 n t s o t d a ke n hätten, die deutschvötkischen Kampstruppen mit Totschlägerlü und Waffen angegrissen. Mit Recht wies der Fvontbund in einem, -Flugblatt da rauf, hin: „Wer ist naiv genug, die Dichtung für Wahrheit zu halten, die imtfüriuierieu und bewaffneten, nati onalsozialtstischon Skosztrupps hätten, sich die Gmmniknüppel erst Volt den jüdischen Frontsoldaten nach heldenhaftem Kampf erobert. In allen Teilen Deutschlands sind in den völkischen Bersamiltlungen' Plaumäßig' blutige Zusamlnenstöße auch mit nichtjüdischen Gegnern, an der Tagesordnung'!" Wie lvir uns an Ort und Stelle überzeugen konnten, war die Wahlkampsa rbe i t des Cen 1 ra FDerein s unter Leit u n g des Vorsitzenden der Ortsgruppe gerade z n nr ir st e r g ü 11 i g. Die dort gesammelten! Erfahrungen werden uns für die künftigen Wahltärnpfe int Reick)e' und in den Ländern; zugute komllten. Ansgezeichuete^ Wirkung hatte ein Flugblatt, das mn Vorabend der Wahlen in die Massen geworfen lonrde: „Nicht nur im Gerichtssaali — überall im vrivaten und ös-äutbichen Leben ist das Recht ans Verteidigung sittliches Grundgesetz.' Eene Rede is keene Rede.. Man mott se hören alle deede. Wie sollcher Wahrheit suchende Bürger in einer önelltüchen Versalltmlung sich ein Urteil über ein Programnr bilden, wenn nur -der ,zu Worte kommt, der seine eigene Ansicht in allen Tonarten lobt' und preist? Wie sollen Angriffe auf die Gegner richtig eingeschähtwerden, wenn der Angegriffene aus der Versanmckung ausgeschlossen wird? Durch den Ausschluß des Verteidigungsrechtes wird der Verleumdung naturgemäß Tür und Tor geöffnet. Auut erstenunck.in der Geschichte der WähltänM-e unterer Stadt ist Brelner Staatsbürgern jüdischen- Maudens der Zutritt Möffentlichen Volksversam-mlungen verboten worden. Welch Armutszeugnis für die „Freiheitspartei"! Welch niedrige Einschätzima der Geiffesverfassung derer, die die dentschvöbkisäten Bersammlunaen betuchen! Wie nndentsch und unfrei, ist die Mundtotlnachung der Anaeariffenen! -blas wie schwachen Füßen -muß das deutschvölkische Programm stehen, wenn, es nach stundenlangen Referaten „großer Berliner Führer" einige Minuten Gegenrede -eines jüdischen- Bremer Bürgers nicht vertragen kann. Wir haben in beit Wahlkampf trotz der schweren- Ehrenkränkung, die in dem Ausschluß von. Juden liegt, nicht emgegriffen. weil die vornehme Zurückhaltung .maßgebender Parteien uns willkonunenes Dorbi-ld gewesert ist. In Deutschlands schwersten L-ckicksalMunden haben' wir, die Vertreter der größten Organisation des deutschen Judentums, es für unsere felöftverständjiche Wicht geha-lteu, nichts zu