Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 2 (1923)
- Issue
- 45-46 (23.11.1923)
- Date
- 1923-11-23
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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346 cVIC0BINE& wird diese Arbeitsleistung nur durch die Geiwitzhoit -ermöglicht, daß wir uns eins mit unseren Freunden wissen-. Wenn wir dies nicht schon an sich wissen würden, würde es uns die freudige Zustimmung zeigen, die täglich und stündlich — auch aus den vom Aerg-sten bedrängten und bedrohten Gebieten — zu uns gelangt. Dies gibt uns die Kraft, unsere Wicht weiter zu erfüllen. So -hoffen wir, daß der stattliche Bau, den wir gottvertrauend errichtet haben, sich auch in der Not der Gegenwart als feste Burg erweisen wird. Klopfe jeder an seine Brust und frage sich, ob er seine Pflicht den Burgleuten gegenüber erfüllt hat. Es gilt auch Hier, die Grenze des Möglichen zu erreichen! Halten wir zusammen, und bringen wir unserer Sache jedes Opfer, das wir bringen k ö n n e n, s 0 w i r d a u ch d i e Hetze der jüngsten Tage a n u n s a b p r -a l l e n. Auch diese Arbeit gilt der Gesundung unseres unglücklichen deutschen Vaterlandes! die Einheitsfront öer Gerechten. Bon Dr. Alfons Steige r. So reizvoll es wäre, die letzten- Politischen Vorgänge in München Politisch nach ihren tiefsten Ursachen und ihrennu letzten Endziel beabsichtigten Wirkungen zu untersuchen, so wenig erfolgreich wäre eine solche Darstellung in diesem Augenblick, wo noch nicht alle Dokumente der Oeffen-tlichkeit vorliegen, die zur Beurteilung unerläßlich sind. Dagegen hat das Unternehmen Hitlers und Ludendorsfs einen äußerst betrüblichen Einblick in die'Geistesrichtung der rechtsradikalen Kreise gewährt. Die Dinge, die sich gerade im Verhältnis der Deutschvölkischen und ihrer Gesinnungsgenossen gezeigt haben, muß man rechtzeitig mit dem richtigen Namen benennen. Man muß — sofern man d av 0 n überzeugt i st, d a st ein moderner Staat, der -in seinen Grenzendie V e rf 0 l g u n g und E nt r e -ch t un g der Bürger bestimmter Reli g io n sb e k-e n n t n i'sis e straflos duldet, d i e S t a a t s a u t 0 r i t ä L s e l b st untergrübt — von alle in Anfang an jenen Strömungen e ntge gentreten, d i e s ich jetzt i n M ü n ch e 11 gezeigt ha b e n. Hinter allem Lärm über den verbesserungsbedür stigen deutschen 'Dtaat, den man mit den Schlagworten „völkisch" und „arisch" in eine bessere wirtschastliche Zukunft hiineinmanöverieren will, verstummt niemals der furchtbare Ruf: „Weg mit aller Religion!" Wenn - man an ein Schlagwort erinnern darf, das vor Jahrzehnten in Schwung kam, so ist es der damals gepflegte Schlachtruf: „Los von Rom!" Heute stehen im Lager der Völkischen jene Leute, die Zion, Rom und Wittenberg, nicht existieren lassen wollen. Die Ausweisungen altangesehener und längst eingesessener jüdischer Staatsangehöriger durch die bayerischen Behörden, die nach der Pfeife des Herrn Generalstaatskommissars v. Kahr tanzen müssen, sind Beweisstücke für die religiöse Intoleranz der augenblicklichen Machthaber in München. Der Kamps gegen- Kirche und Priester, vor allem gegen den Kardinaterzbischof Dr. Faulhaber von München, schließt den Ring. Wir müssen uns allmählich davon überzeugen, daß A n t i f e m t t i s m u s u n d A n t i ch r i st e n t u in v 0 l l - kommen identisch s i n d. Nach dlmean gründlichen Studiunr der verschiedenen! neuhoiidmschen StröwMlgen in^Deutschla-nd glaubte ich. die von mir ernannte Gefahr archdecken und nachweifen, zu' müssen. ' Ich tat dies in einenr- Buch, das niniter dem Titel „K a t h 0 l iz i s m u s un d 111 d e n t u m" im Bevlag der „Germania" (Berlin) erschienen ist. Einer der Kritiker des Buches, der es im „H a. m b u r ge r K or r e s p 0 n d er n t" besprochen Hab, sagt mit Rocht, daß bei der zweiten Auflage der Titel ebenso gut in die Worte „C h r i st e n t u m at, n d> I n d e n t u. in" gefaxt werden könnte. Natürlich ist bei den waschechten Deutfchvöllrfchen auch das vorn Protestan.t-ism.us verttetene Ehristentu.nr nutz t-aLkHibkich für das Ten-tschland der Zukunft. Der' Kamps der Rechtsradikalen richtet sich zunächst gegen die jüdische REgion. Das ist ein in der Weltgesch-chite nrm doch schon so oft sestgestell-tes Verfahren, daß es für diie Kahr,, Hitler, Ludendorfs, Walle u-nd Genossen doch eigentlich recht wenig ehrenvoll sein kann, einen so und so oft schon verübten Recht s t r r t u m noch einmal zu begehen. Ein Fehler wird niemals dadurch gut, daß inan ihn immer wieder aufsneue be.geht. Mit einem wissenschaftLich absolut nichit begründeten Antisemitismus ging man dann ans Werk, um gläubige Christen eiinzusangen. Und sie sind wirklich auf den Leim gekrochen. Das beweist eine Darstellung, die der katholische Kaplan Czeloth in Adersleben (Harz) in der „Germania" vom 18. November 1923 (Nr. 315) ve röste ntlicht, wo er sich zunächst gegen den JunHdeuTchen Orden wendet. Er sagt im Anschluß an eine ÄrtikÄreihe, che der Münchener Pater Dr. E? S ch l u n d in den letzten ßlummmi der „A11 - g e nu c i* n e n R u n d s ch a n" veröffentlicht hm-te, bk alles lvesontliche Material, vor allem das Quellenmaterial, aus meinem oben genannten Buche enthielt, folgendes: „Die nationaliftifche Bewegung, wie sie sich bei uns vor allem im Stahlhelm, Jmngdemfchen Orden cmswirkt, ist ganz durchsetzt von! religiösen Sbeen, allerdings nicht von christlichen, sondier,n< von heidnischen Ideen. . . . Wir konnten ans verfchiiedenen Orten erfahren, daß katholische JrmWnäilMv, die zuerst har'mlos in den Jungdo eintraiten, von seinen Ideen sich ganz haben einnehmen lassen, und sie für aktives katholisches Handeln erlahmt sind." Das Wolsfsche Tdlegraphenburean verbreitete am Sonnabend-, den. 17. November, eine Mitteilung, des Inhalts, daß das Zentr.alkomii.tee der Kathoiliiken Münchens eine Kundgebung erlassen hat, worin die Ereignisse der letzten Tage aufs tiefste beklagt werden. Diese Kundgebung schließt mit den Worten: „Sollte es notwendig werden,, sollte man uns einen neuen Kulturkampf bereiten wollen, so werden wir wissen, was wir zu tun haben." Die Rechtsradikalen, 'die sich selbst ein neu heidnisches Religionsgebäude gezimmert haben, sind tatsächlich die Vorreiter eines ungemein ernst aufzufassenden Kulturkampses. Jeder Rechtgläubige muh daher die deutschvölkische Bewegung bekämpfen, gleichgültig, wie er sich selbst politisch orientiert hat. Jedes monotheistische Glaubensbekenntnis ist zur Verteidigung des eine n Gottes berufen und verpflichtet. Die Wiederkehr Wotans, Baldurs und aller anderen Feld-, Wald- und Wiesengötter einer äußerst primitiven Kulturhöhe der Urbewohner unseres Vaterlandes würde die gewaltsame Zurückdrüngung unserer Zeit, würde den gewollten Verlust wertvoller Güter der Kultur bedeuten. Die Münchener Lehren zeigen sich also darin: Der neudeutsche G e i st, der at n t -e r d e m heidnischen Z e i ch e n des Hakenkreuzes gewaltsam s i ch b u x ch s e tz e n will, i st aus r e l i g i ö s e n Gründen v 0 n Israeliten und Christen bedingungslos a b z u l e h n e n. Die Tatsachen der Ausweisungsbefehle gegen deutsche Juden und der Anpvbeleien unb Beschimpfungen der deutschen Katholiken stehen unbestreitbar fest. Sie zwingen zur gemeinsamen Abwehr. An dieser Abwehr müssen sich alle Deutschen beteiligen, die — anders als rechtsradikale Führer! — aus der Weltgeschichte den Schreckeil des Religionskriege^ kennen. . Wie viel grausamer wird der deutsche Neuheide Vorgehen, der sich im Gebrauch von Handgranate und Maschinengewehr, von Minenwerfer und Flammenwerfer übt, als ein römischer Hauptlnann, der befehlsgemäß eine Christenverfolgung zu unternehmen hat, oder ein mittelalterlicher Stadtschultheiß, der dem Pöbel zu Gesnllell einige Juden ins „Judenbad" schickt? Die E i n h e i t s f r 0 n t d e r G e r e ch t e n , der einheitliche Wille derer, die das Vaterland lieben, muß sich erheben gegen den im katholischen München sich gegenwärtig so brutal auswirkenden Religionshaß! Der Referveleutnant. Der frühere Hofmarschall Wilhelms II., Gras Robert Z e d l i tz - T r ü tz s ch l ex hat eben unter dem Titel „Z w ö l s Iahre a m Deu tsche n K a ise rh 0s" in der Deutschen Berlagslanstalt Auszeichnungen heransgegeben, von denen eine als besonders interessant arich an dieser Stelle wiedergegeben sei. Unter dem 18. Januar 1908 notiert der Verfasser: „Neulich sprach Fürst B ü l 0 w mit meinem Vater über den jetzt in die -diplomatische Karriere aufgenonunenen Goldschmidt- Rothschild und sagte ungefähr folgendes: „Nun haben wir diesen netten und arbeitsamen Menschen in der diplomatischen Karriere. Ich habe ihn nach London geschickt, und er hat immer die besten Jnsorluationen, aber zum Reserveoffizier kann lnan ihn in Deutschland nicht machen." Ter Fürst hat sehr recht mit diesem wirklich krassen Fall, aber wenn man unseren Militärchauvinisten mit dem Vorschlag kommt, dann geraten sie außer sich, daß ein Jude Reserveoffizier werden könnte. Dabei hat es in ernsten Zeiten in Preußen jüdische Offiziere gegeben, die vor dem Feinde mit Auszeichnung gejochten haben. In dieser Beziehung regiert aber heute bei uns der reaktionärste Chauvinismus. Mein Vater hat sich nämlich früher als Oberpräsident von Hessen- Nassaudafür interessiert, daß dieser junge Goldschmidt-Rothschild, da es einer der letzten Repräsentanten des Hauses Rothschild in Deutschland ist, Reserveoffizier' werden' möchte, weil er ein sehr gebildeter, strebsamer, wohlerzogener unft gut aussehender Mensch ist. Daß er Jude geblieben ist, beweist nur Charakter, sowohl von seiner Seite, wie auch von Der seiner Familie. Und wer dies als Hinderungsgrund ansührt und berücksichtigt, wie viele kurz vorher getauste Juden Offiziere geworden sind, der setzt gewissermaßen eine Prämie aus die Charakterlosigkeit. Mein Vater ist gelviß ein. konservativer Mann, aber in der Judenfrage kann er sich der Erwägung.nicht vorschließen, daß nur diese Angelegenheit heute nicht nur in -einseitiger und ungerechter Art behandeln, sondern daß wir auch demoralisierend wirken, daß wir uns selbst schädigen, indem wir viele der vortrefflichsten, unternehmendsten und reichsterr Familien allmählich in das Ausland drängen, und daß wir schließlich sogar eine gefährliche Politik führen, i n dem w'i r die Juden in eine oppositionelle Stellung treibe n. Ja, es ist sogar naheliegend, daß die Juden, da sie.einen wirklichen Fortschritt nur in einer moralischen oder auch tatsächlichen Niederlage unserer Regierung oder unseres Staates erhoffen können-, gewissermaßen daran interessiert.sind, daß wir zum mindesten starke Fehlschtäge erleben." Der in dieser Niederschrift erwähnte Vaterdes Autors war auch prelchischer Kultusmimster und zuletzt Oberpräsident von Schlesien. Fritz Engel.