Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 2 (1923)
- Issue
- 45-46 (23.11.1923)
- Date
- 1923-11-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Einzelnummer 10 Solöpfennige Seelin, 23. November 1-23 H. Jahrgang - Nr. 45/46 VMWrfür-eolsrMvmM unvluventum Wtqan des ftntnflVmuts deutscher tStaatsvüryeriödlscden VlauVensLv. Z^U^sr^Siras des dudentums Verlag «»Schriftleitung: Lentral-Verein -eutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens e.v. SerttnSWbS, Linüenftr. 13 Fernsprecher: Amt Dönhoff 3594, 3595 Telegrammadreffe: „Centralglauben Berlin" Postscheckkonto: Berlin 30472 Bankkonto: Dresdner Bank, Wechselstube Q, Berlin SW 68, Linbenstr. 7 Monaisabonnemenk (ein vierieljährliches g lbt es vorläufig nicht) 4V Goldpfennig e Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-Expedition Rudolf Mosse, Berlin SW 19,'ttnb.. beten Filialen. Anzeigenpreise: 0,60 Goldmark für die 7 gespaltene Zeile nach Rudolf Mosses Rormalzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen' und Stellengesuche für Mitglieder des Central-Bereins 0,30 Goldmark, die 90 nun breite Reklamezeile 3 Goldmark. Die Zoröerung -er Stunde. von Justizrat Dr. Julius Sroönitz. Wir haben gebauet ein stattliches Haus, And drin auf Gott vertrauet trotz Wetter, Sturm und Graus. Unserem armen, unglücklichen Vtatevlande bleibt nichts erspart. Zu allem Elend noch die Schmach von Pogromen, geeignet, den bescheidenen Rest von Achtung zu vernichten, der M8 als Erbe unserer Väter noch verblieben ist. Was die nächste Zukunft bringt, liegt im Dunkeln. Bereit sei», ist alles! > Daß in dieser Zeit schrecklichster Not es schwer ist, Ruhe zu bewahren, weiß jeder. Wer aber berufen ist, in anderev Reihe zu kämpfen, hat jetzt nicht nur für sich selbst die Pflicht, Nervosität nicht aüffommen zu lässen, er muß auch mit allen K räfteik die Nervosität der Brüder zu meistern bemicht sein, die ihm Gesolgschast leisten. Wir nn Centvalverein haben dies stets als eine unserer wichtigste Pflichten betrachtet. Wer die Tage von Könitz, die Zeiten von Stöcker, Ahl- . wardt, Pückler miterlebt hat, weiß, wie schwer die Erfüllung dieser Pflicht ist. Sie bedeutet den Verzicht a n f wohlfeile P o p u l a r i >t ä t. Führer aber kann nicht sein, wer dieser Popularität nachjagt. Me „Diktatur der Straße" ist das Gespenst, das zeoem pflichtbewußten Führer vor Angen stehen mutz. s - .• Dis Erfüllung unserer Aufgabe ist uns durch die verständnisvolle Mitarbeit großer Scharen' von jüdischen -'Deutschen in immer wachsendem Maße erleichtert worden. Unsere nie von ihrem Ideal abirrende Arbeit, unsere - jimmer mehr vertiefte Erkenntnis der krckturellen Bedeutung unserer Eigenart, die nicht einer schematischen und unhistorischen Assimilation dienen darf, sondern die berufen ist, die ganz eigenartigen und von uns unlösbaren Grundlagen Mseres.Daseins, Deutschtum und Judentum, zu : stärken und zu fördern, hat uns in allen schweren Zeiten Halt und Richtung gegeben. Don diesem Wege dürfen wir uns auch irr Zeiten ärgster Not nicht ablenken lassen. Wir Juden sind gewrchnt, uns über die Tagesereignisse hinaus unter Einigkeitsgesichtspunkten einzustellen. Ein Jndcnst nm, das seiue große-n Richtli-nten ans Tagesereignissen nimmt, wäre' längstznsanimen - /gebrochen. j», "Unsere Einstellung, wird ihre Kraft auch in der Gegenwart beweisen. Gewiß ist jetzt nicht die Zeit, hierüber mit Andersgesinnten zu streiten. Aber es verlange niemand von uns, Daß wir uns unter Eintagsgesichtspnn'kten einstellen! r. . M ist freilich dairkbar zu begrüßen, daß die Zeit der Not auch in vielen Juden, -die unsrer Arbeit aus ihrer ganz andwen Einstellung heraus kühl gegenübergestanden haben, die Erkenntnis Dämmern läßt, Wß sie sich in Reih und Glied stellen müsse». Ab.erdiese„EinheTt's s ro n t^d ärf n i chk da z u sü hren, nnsere klare Stellungnahme zu verw i s ch e n. D i e F n h - jrn n g im! Kampfe nach >unge h'ind er t ün d, un b eschränkt in den Händen des C, B. bleiben.. Allein, seine Organisation, seine Erfahrungen, seine B er bin dun g mit allen beteiligten' Stellen können die Stützen des gewaltigen Kampfes sein, in welchem wir jetzt stehen. Rede sich niemand ein, jetzt Komitees schassen zu können, die als eine Art Hauptquartier dienen sollen. Sie würden nur geeignet sein, die Entschlußfähigkeit und Entfchlußsrische der erfahrenen Abwehrkräste zu st ö r e n, und damit den Abwehrkampf lahmzulegen. Es ist kein Stolz auf den von uns errichteten Bau, .der aus diesen Worten spricht. Bei uns ist niemals „Prestige"-Pvlitik getrieben worden. Wir waren stets bemüht, nur der Sache zu dienen. Glaubt wirklich jemand, jetzt im Augenblick eine lebendige 'Bewegung aus den, Wink von Männern, die auf diesem .Sondergebiet gänzlich .Dilettanten sind, schaffen zu können? Ist nicht jeder Versuch, die Stoßkraft -unserer Gemeinschaft zu schwächen, ein Verbrechen am gesamten Judentum? Dies muß auch in dieser ernsten Stunde offen einm a l a u s g e s p röche n w erde n , w e n n d a s f ü h r ech d e Organ der Nationaljnden in Deutschland es sür r i ch t i g h ü l t, v o n eine in Bankerott d e r b i s - herigen Äbwehrarb'eik zu sprechen. Die Gefahr des Dilettantismus ist — auch abgesehen von der Entgleisrmg des jüdisch-nationalen Blattes — groß. Es ist ja natürlich, daß so'aufgeregte Zeiten wie die unsrigen in vielen Gemütern eine Geschäfiigkeit auslösen, die große Gefahren in sich schließt. „Es muß etwas geschehen", so lautet gewöhnlich der Ruf. Er ergeht meist von Männern und Frauen die bisher unserer Arbeit ferngestanden haben und sehr erstaunt sind, wenn sie deinnächst von berufener Seite erfahren, daß ihre — sehr gut gemeinten — Vorschläge längst verwirklicht. oder — als ungeeignet oder gar,gefährlich — abgelehnt sind. Bei einem Minderheitskampfe, der.mit größter Vorsicht geführt werden mich, ist es nicht.selten ebenso wichtig, ungeeignete Schritte zu verhindern,'wie richtige Maßnahmen mit aller 'Kraft dnrckMführen. ' Es ist. deWÄb. geböten, eine warnende Stimme gegenl'cher' der' Neigung.' zu', klei nen Ko n v e n t i ke l n zu erheben,'die'den Kämpf'stören und die in vorderster Reihe stehenden'Mitarbeiter "ihrer Arbeit in einer Zeit entziehen, in der ke i n e Mi n u t e d er?lrbe i t entzogen werden darf.' v '• In Ver ^gegenwärtigen Zeit einer an die Grenze-Des. Möglichm gehenden' Jnansprirchnähine aller/unserer Mitarbeiter. Wegen des BnchdruckerstreikS in Berti« konnte die bereits im Satz befindliche Nr. tzö, sowie di« näHstfällige Nummer der ,,<5. V-- Zeitnng" nicht erscheinen. ' - - '