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Central-Verein-Zeitung · 1923-11-02 · 44 (2.11.1923) · page 5

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
2 (1923)
Issue
44 (2.11.1923)
Date
1923-11-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
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341 dem chavakteristischen Zvüegespräch zwischen. Hua und Rüge zeigle, rvettn 'BlUtsbrüde rschü ft zu Ermordung' von V'vlksaenossen urscht offen WivV, wenn die Atmosphäre der Ausstemmg schwarzen Listen aang und gäbe ist, wenn es technische Ausdrücke wie „umlegen" gibt! Das sind lni-chtige Signale für tieferliegende Schäden. Ich halte m i r d e n Kopf, wenn ich d a t a n d enke, daß in e i n e m Atemzuge vom Deutschtum gesprochen wurde, und im äle ichen A t e m z u g e i n A u s l ä n d e r li ö ch st u n bekannter H e r k u n s t, w e n n e s s i ch u m B e s v i tz e t u n g handelte, die rechte Hand eines Führers eines vaterländisch e n B u n d e s w a r. In all dein liegt eine schwere Schuld der Oessentlichkeit. Wo war die Staatsgewalt ln all diesen Dingen? Es ist in diesem - Prozeß, der nur ein Teilausschnitt der ganzen Bewegung ist. zutage getreten, daß wir ein Freischart um haben, das unabhängia von der Regierung in in Aktion! Zu treten bereit ist." - Ich glaube, damit gibt der Verteidiger die.Stimmung, all derer wieder, die aus vaterländischem Pflichtgefühl daran arbeiten, ausklärend und abwehrendzu wirken. Die jü-ische ErZiehungskonferenz in Dertin. Den vereinten Bemühungen der Z e n t r a l w o h l f a h r isst e l l e d e r d e u t s ch e n I u d e n und des I ü dis ch e n F r a u e n - Hundes verdanken wir, daß trotz der Ungunst der Zeitverhültnisse die Jüdische E r z i e h u n g s k o n f e r e n z vom 8. bis 10. Oktobev in Berlin stattfinden konnte. Der starke Besuch aus allen Gegenden Deutschlands und die besonders rege Teilnahme rechtfertigten delr Versuch, gemeinsam mit allen, bi/ am jüdischen Erziehungswerke Mitarbeiten, nach neuen Formen der Erziehung zu suchen, und andre Stelle eines all qtm einen h u manitä v e n Ide als ein jüdisches Erziehungsideal zu setzen. Der große Leitgedanke der Tagung war: Was müssen wir tun, um die Entwicklung und E n t s a l t u n gj u n s e r e r j ü dis ch e n Jugend z u fördern? - Daß bei der Fülle des Stoffes und der Menge der Beteiligten manche Fragen nur gestreift, Probleme nur ausgerollt werden konnterr, ist selbstverständlich. Die Leitung der Konferenz lag in den Händen von Frau S. Wronski (Berlin) und Frau Bettina Brenner (Leipzig). Die Tagung wurde durch die Ausführungen des Herrn Dr. S e g. a l l eincjeleitet, der den Nachweis führte, daß das jüdische Erziehüngsproblem aus der soziologischen S t ru k t u r d e s I u d e n t u m s heraus zu verstehen ist, und daß alle Umstellungen von soziologischen Veränderungen abhängig sind (Zuzug nach der Stadt, Zunahme der weiblichen Erwerbsärbeit, Spätehe, Geburtenrückgang, Wirtschaftslage). Lebhaften Beifall fand Frau Wronski mit ihren „G r u n dg e d a n k e il über d i e E r z i e h u n g s k o n f e re n z". Herr Rabbiner Dr. B a e ck brachte allen Teilnehmern eine weihevolle Stunde durch seine - feinsinnigen Worte über „Religion u n d E r z i e h n n Die Referate über „Das P t üblem de s schwe r erziehbare n Kindes" (Dr. Stahl, Fräulein C a s p e r), über „E l t e r n Haus und E r z i e h u n g (Frau F r ä n k e l - E h r e n t r e n (Münchens und Frair B e r g e l - G r o n em a n n (Berlins), über „B e r u s s b e r a t u n g" (Frau Sem m und Dr. Erwin Cohn (Berlins), über „Jugendbewegung als E r z r e h u n g s f a k t o r" (Dr. Cora B e r l i n e r und Frau Margarete Mo ses (Berlinj), über „Erzi eh ung" (Fräulein Studienrat Dr. Fr ei mann (Kölns) haben gezeigt, 'wie tief diese Fragen allen jüdischen Erziehern auf dev Seele brennen, und wie notwendig es ist, gemeinsam auf einen Lösungsversuch hinzuarbeiten'. Eine besondere Aufgabe ist die Fraeje der jüdischen Schule. Die Ausführungen der Herren Dr. Michaelis (Berlin), Stern (Berlin) und Steinhardt (Magdeburg), mit anschließender lebhafter Diskussion zeigten, daß man für die Erhaltung der bestehenden Schulen und für die Errichtung von jüdischen Volts- und Mittelschulen eintreten wolle. Das A n st a l t s e r z i e h u ngs P r o b l e m nahm einen großen Raum in den allgemeinen Besprechungen ein. Es zeigte sich, daß man die Frage der jüdischen Anstalten durchaus als ein Sonderproblem aus einer besonderen Tagung behandeln' müsse. Die Referenten Fräulein W e i n r e i ch , Fräulein Dr. M ende £ (Berlin) und Fräulein Edith Cohn (Berlin) Zeigten mit ihren sachlich gründlichen Ausführungen, welche äußeren und inneren Reformen Platz greifen müssen. Nachdem Frau. N a s saue r (Frankfurt a. M.) und Herr Dr. P h i l i p P s b o r n (Berlin) auf die Frage der Reform de r Wirt s ch a f t s s ü h r' u n g eingegangen sind, .behandelte Fräulein Gertrud Benzian (Hamburg) die Reform der Erziehungsiuethoden. Und im Zusammenhang damit sprach Fräulein Benzian den Gedanken aus, die Anstalt als Äusbildungsstätte zu benutzen und hier als Ergänzung einer Spezialausbildung (sozial oder pädagogisch) die dringend erforderlichen hauswirtschaftlichen Kenntnisse zu erwerben. Fräulein L a q u e r (Köln) ergänzte mit ihrer Forderung der besonderen Lehrlingsausbildung die Ausführungen des Fräulein Benzian. Herrn Dr. R e i ch (Berlin) ist die Autorität des Erziehers wichtiger als die Erziehungsgemeinschaft in der Anstalt. Im Anschluß an die lebhaften Diskussionen ergab sich die Notwendigkeit, im engeren Kreise die Beschlüsse, die für die Sozialresorm vori^ größter Bedeutung sein können, durchzuberaten. Es wurde eine Londerkommisston gewählt, die sich auch mit den so wichtigen Besoldnngssragen beschäftigte. V. st. November-Reichshilfe für üie Gemeinöen. Von Dr. Jsinar Freu n d.^ Die Vorarbeiten für den Vollzug von § 60 Absatz 8 des F i n a n za u s g l e ich s g e s e tz e s sind bisher noch nicht zum Abschluß gekommen. Anderseits können die Religionsgesellschafien in ihrer gegenwärtigen Finanznvt auf die Reichshilfe nicht verzichten, wenn sie nicht zusammen'brechen sollen. Mit Rücksicht hierauf haben Verhandlungen mit den zuständigen Stellen des Reiches und P r e u ß e n s statigefunden, um auch für den Monat November in derselben Weise wie für Septeukber und Oktober Vorschußz a h l u n gen d e s R eiche s zu erwirken. Diese Verhanolungen sind in diesen Tagen zu einem Abschluß gekommen. Das Reich "hat sich bereit erklärt, auch für deir M o n a t N o v e in b e r den Ländern darlehnsweise die erforderlichen Beträge zur Verfügung zu stellen und diese auf die spateren Zuschüsse des Reiches aus § 00 Absatz 8 des Finanzausgleichsgesetzes zu verrechnen. Preußen wird dementsprechend auch für den Monat November den Religionsgemeinden zur Besoldung ihrer Beamten und Angestellten Vorschüsse bis zur vollen Hohe des Bedarfs zur Verfügung stellen. V e r p f ü nd un gen der Steuern werden nicht verlangt werden; ebenso wird von einer Vorwegnahme der Zinsen Abstand ejenommen loerden.' Die Gemeinden haben sich zur Rückzahlnug innerhalb sechs Monaten zu verpflichten, doch kominl nach den Erklärungen des Reichsfinanz-' Ministeriums eine A n f w e r t u n g bei der Rückforderurrg in keinem Fall in Frage. Nach der durch den Erlaß vom 5. Oktober getrofsenen Regelung haben die Geineinden glaubhaft zu machen, daß sie aus e i g e n c n M itteln die Ausgaben, für die der Vorschuß gelvührt . loird, nicht leisten können. Sie haben des weiteren eine Liste der Angestellten und Beamten vorzulegen, aus welcher der Ausgabenkreis und die Besoldung eines jeden ersichtlich ist. - ' j Bisher ist noch nicht zu ersehen, in welcher Höhe zum Zweck der Ausführung des § 60 Abs. 8 a. a. O. vom Reiche Mittel zur Verfügung gestellt werden können. In keinem Falb kann damit gerechnet werden, daß dies auch nur enlsernt in gleiche in M a ß e geschehen kann,, lvi-e bei den für September und Oktober bereits geleisteten und für November noch zu leistenden Vorschußzahlungen. Da auf die definitiven Reichsznschüsse die gewährten Vorschüsse nebst Zinsen zur Verrechnung gelangen) kann den Gemeinden nur dringend -empfohlen werden, sich bei ihren Anforderungen ans das u o t w e n d i g st e zu beschränken, damit sie nicht in die Lage kommen, aus Monate hinaus, die ihnen auf Grund' des § 60 Absatz 8 zustehenden Reichsbeihilfen zur Abgeltung der ihnen -gewährten Zuschüsse verwenden lassen zu müssen, und Zuschüsse für diese Zeit nicht erhalten zu können. Bei diesem Anlaß kann ich die folgenden Bemerkungen nicht unterdrücken: In einer Zeit katastrophalen Notstandes eröffnet sich den Gemein- ' den die Aussicht aus unerwartet lverkvolle Hilfe. Dem Wunsche des Reichstages entsprechend geht die Neichsregierung unverzüglich an die Durchführung des Gesetzes heran. Zunr Zweck der Beschaffung des von ihr geforderten statistischen Materials wendet sich der Landesverband unter dem 1. Oktober mit einem Rundschreiben au die Gemeinden, indem er eindringlichst auf die Wichtigkeit und' Schleunigkeit der Sache himoeist. Nichtsdestoweniger haben Hnnderte von Gemeinden bis znm heutigen Tage die ihnen nbersandten Fragebogen nicht znrnckgesandt. Man weiß wirklich nicht, was man zu solch geradezu sträflicher Nachlässigkeit sagen soll. Die Gemeinden wissen, daß sie bei nicht rechtzeitiger Anmeldung Gefahr laufen, unberücksichtigt zu bleiben. Sie Nüssen, daß sie aus Eigenem nicht imstande sind, durchzuhalten. Und trotzdem versagen sie gegenüber der lächerlich geringen Anforderung, die die verlangte rechtzeitige Ausfüllung und Rücksendung des Fragebogens bedeutet. Es muß an die Gemeinden die dringende Bitte gerichtet werden, für die Folge die Arbeit nicht durch derartige Saumseligkeit und Gleichgültigkeit zu erschweren. Sie müssen darän denkeift daß sie selbst die Leidtragenden sind, wenn nicht wieder gutzumachender Schaden dadurch geschieht. Diejenigen Gemeinden, die die Fragebogen noch nicht znrückgesandt haben, mögen dies jetzt noch tun, damit vielleicht irgendwelcher Weise nachträglich Verwertung möglich ist. Nleme Chronik. Der Vorsitzende der indischen Gemeinde 'za Berlin, Herr Geheimer Sanitnis» rat Dr. Julius S t e r n, vollendete am 22. d. M. sein siebzigstes Lebensjahr. Herr Dr. Stern hat sich auf den Gebieten des Kultus, der Ingenderziehung, der Witwen- und Waisenfiirsorge verdienstlich betätigt. Seine reichen Gaben, seine Liebenswürdigkeit und Beredsamkeit haben ihm die allgemeinen Shm- Pathien erworben. — Am gleichen Tage feierte Herr Engen Easpary (Berlin), der Leiter der Zntralwohlfahrtsstelle'der deutschen Juden, seinen sechzigsten Geburtstag. Wir sprechen ihm unsere besten Glückwünsche aus. — Das Ra b b i n e r s e m i n a r in B e r f i n fomtle am 11. vorigen Monats auf 5 0 Jahre seines Bestehens z u r ü ck b l i ck e n. Aus den Lehrzimmern dieser Anstalt, die von dem verstorbeiren Rabbiner Dr. Hildesheimer begründet wurde, findviele hundert Rabbiner und Lehrer hervorgegangcn, die nicht nur iu Deutschland, sondern auch in fast allen Ländern Europas, z.' T. auch in Amerika, tätig sind. — In Bünde (Wests.) starb nach' kurzer .Krankheit der Vorsteher der Synagogengemeinde, Herr Sally B l u m e n a u. Der Verstorbene, der allezeit bereit war, einzutretcn, wenn Abwehr- und Gemeindearbeit es erforderten, und dev in weiten jüdischen und uichtjüdischen Kreisen als geschätzte Persönlichkeit galt, war langjähriger Ventraucnsmann unseres Ccntralvereius.

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