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Central-Verein-Zeitung · 1923-11-02 · 44 (2.11.1923) · page 6

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
2 (1923)
Issue
44 (2.11.1923)
Date
1923-11-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
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342 Aus der Aeitungswelt. Der Arbeitsaltsschuft deutscher Verbünde veranstaltete vor einiger Zeit in der F r i-e d r i ch- W i l h e lm s -U n i v e r s i tä t zu Berlin eine Kundgebung. „Das Recht ist Gottes!" Wie wir seinerzeit bereits mitgeteitt hatten, hielt Rabbiner Dr. Baeck (Berlin) bei dieser Gelegenheit eine Ansprache. Diese liegt in einem -i n Bros ch tt r e n f o r m e r s ch i e n e n e n T a g u ll g s b e r i ch t numnehr vor. Eine der schönsten Stellen dieser Rede wollen wir unseren Lesern nicht vorenthalten. Sie bleibt auch post testum von nachhaltiger Wirkung: a „Ein Mann, an den diese Stätte hier uns erinnern kann, Leopold v. Ranke, hat in seiner englischen Geschichte gesagt: Das Größte, waseinem Menschen zuteil werden kann, ist, in der eigenen Sache die allgemeine vertreten. So ist es dem deutschen Volke jetzt Geschieden: in seiner eigenen Sache kämpft es für die allgemeine, der Kampf um sein Recht ist der Kampf -um das Menschheitsrecht, .'der Kampf pro jure pacis et belli. Und das erst gibt das Recht, mit dein, war hier gesprochen wird, den Namen der Religion All -verbinden. Denn das ist doch Religion: nicht an sich nur immer denken, nicht nur an sein Leid und seine Not, sondernimmer in 'allein, was einen bewegt, das große Ganze, das Allgemeine empfinden tut Menschheitsgedanken, im. Menschheitsgewissen, in der Menschheit Hoffnung stets leben. Wer immer nur an seine Not oder auch die Not des Vaterlandes denkt und nurdaran leidet, [(für den wird vielleicht doch eines Tages die Stunde kommen, wo klein und eng wird, mißgestimmt, zweifelnd und verzweifelnd. -Wer es aber weift, daß es sich um eine Menschheitsangelegenheit Handelt in bem, was er trägt und ertrügt, in dem, wofür er -kämpft tmb wofür -er duldet, wer dieses- Bewußtsein in sich trägt, ,der wird alsbald emporgehoben über die Sorgerr des Alltags, der gewinnt den weiten Blick, der ist inriner größer und stärker als sein Schicksal. Dieses Empfinden sollte daher immer wieder gefestigt illnd gepflegt werden — das religiöse Empfinden in dieser Not und in dieser Hoffnung unserer Zeit. ..." '* In der „Frankfupter Zeitung" vom 28. Oktober lesen wir unter jbcr Ueberschrift „D i e Rechtsr a d ikal e n v e r r a t e tt M u ssol i n i ihre Pläne" die Wiedergabe einer Zuschrift des italienischen Politikers Gr ul io Giambelli (Turin) ,ain das „Tagebtlch", die, lote die „Frankfurter Zeitung" schreibt, mit ihren Jnsormationenübereinstimmt: „Benito Mussolini reiste im Sommer 1922 (einige Monate, ehe er : Minister wurde) nach Deutschland. Er hatte in München rmd Berlin »Unterredungen rnit mehreren Führern des deil-tschm Fascismus. Man »-.unterrichtete Mussolini mit vollkommener Aufrichtigkeit über die deutsche jBewegung. Allerdings glaube ich, daß die deutschen Fascisten ihre Bedeutung in diesen Gesprächen etwas übertrieben haben. Mussolini kaut ' .aus Deutschland -mit einem doppelten Eindruck zurück: K 1. daß eine sozialistische Gefahr von Deutschland aus nicht mehr zu befürchten sei; * 2. daß aber die Gefahr einer militärischen Erhebuna gegen die! Friedensverträge bestehe, da dies im Programm der deutschen Faseisten 'liege. Unter diesen Voraussetzungen sind Mussolinis Schritte zu beurteilen, die er — einmal Minister geworden — inbezug aus Deutschland getan 'hat. Von diesetn Augenblick war er nicht wehr nur Führer seiner /Partei, sondern Vollstrecker des Gesamtwillens der italienischen Nation. J Es war deshalb eine seiner ersten Handlungen — auf der -Konferenz ** der interalliierten Minister in Lausanne (Ende Herbst 1922) — alles, was er von den deutschen Faseisten erfahren hatte, sogleich an Raymond Poincarb wi te r zu a ed e n. lieber die Zweckmäßigkeit dieses Schrittes kann es verschiedene Ansichten -geben. Wahrscheinlich hielt Mussolini die deutsche Gefahr -für sehr groß. Es hat sich inzwischen bei den letzten Ereignissen in Badern, wo die Aufhebung des Versailler Vertrages gefordert -wurde, wirklich gezeigt, daß Mussolini recht hatte. Wahrscheinlich auch haben die deutschen Fascisten seitdem verstanden, warum es VoimarL so eilig hatte mit seinem Marsch -an die Ruhr. Wahrscheinlich ferner hat Mussolini, 'Uw der — sonst unvermeidlichen — Gefahr einer deutschen Fascisten-erhobtmg etttgegenzttwirken, «bereits seit dem Frühjahr in Berlin 'loyale Ratschläge zur Aushebung des passiven Widerstandes gegeben. In der Tat war der Ministerpräsident der erste, der — übrigens in Ilebereinstimmung «mit Lord Eurzon — öffentlich (in der Deputiertenkatnmer) «die Einstellung des passiven Widerstandes (im Juni) als eine Vorbedingung für irgendwelche Verhandltmgen forderte. Ilnglücklicherweise hat die deutsche -Regierung diesen Rat m spät befolgt ... Die italienische Regierung hielt die deutsche Gefahr fürio ernst, daß der Ministerpräsident im letzten Monat zweimal eine Warnung veröffentlichen ließ: daß es Italien nicht gleichgültig bleiben könne, wenn in Bayern Ereignisse -einträten, die eine solche S-chwüchuna Deutschlands mit sich brachten, daß -dadurch von -selbst ein kleberaewicht anderer europäischer Mächte über den Rahmen des Versailler Vertrages hinaus sich ergeben würde. Italien besteht daraus', daß Deutschland den Friedensvertrag genau und -pünktlich erfülle. Es erwartet. -daß auch alle anderen -Kontrahenten ihn -erfüllen. „Ereignisse, die sich -so nahe der italienischen Nordgrenze abspielen würden, könnten uns in der Tat nicht gleichgültig fein. Hierüber gibt es bei uns keine Meinungsverschiedenheit." Die „Frankfurter Zeitung" knüpft hieran folgende Bemerkung: „Dümmer kann man nationale Politik gewiß nicht sübren. als mit solchen Renommistereien gegenüber gegnerischen- Imperialisten. Es ergibt sich: die deutschen Rechtsradikalen sprechen dauernd -von der -Gefahr internationalistischer Gesinnung, gegen die sie ankämpften. Insbesondere verdenken sie -den Sozialisten ihre „Internationäle". Dabei pflegen sie mit ausländischen Fascisten eine so innige Seelenverwandischaft. daß sie ihnen, den Feinden aus dem Krieg, ihre tiefsten Geheimnisse auspl-audern und ihnen so den Vorwand für ihre extreme deutschfeindliche -Politik kiefern." Wenn man rückwärts liest. Man muß eZ den Judenhetzern zugest-ehen, daß sie sich die größte Mühe geben, wissenschaftlich und gründlich alle Probleme, die mit der Judenfrage im Zusammenhang stehen, durchzuarbeiten. Sie bedienen sich dabei neuerdings sogar modernster Hilfsmittel, der Experimentalphysik, wie z. B. des Spiegels. So lesen wir im „Amberger Tagblatt" Nr. 189: „Die Zeitung „Times" als „Setnit" enthüllt. Eine merkwürdige Entdeckung machte ich kürzlich durch.einen- Zufall. Ich sah das Bild der grausten -englischen Zeitung „Times" im Spiegel, laS die Ueberschrift im Spiegel und war dass. „Semit" stand da richtig vor meinen- Augen. — Der Hebräer, der feine Muttersprache rückwärts liest, braucht die Ueberschrift des „Weltblattes" bloß rückwärts zu lesen- und «er hat -den „Setnit" in der Hand. — Ich «kenne die Gründer des Blattes, welches zuletzt dem englischen u Juden Lord Northclifs-e (bekanntlich war er urchristlich/ Die i Schriftl.) gehörte, nicht, glaube -aber kaum an Zufall, sondern eher ■an Absicht und Wunsch der Cith-Geldleute. Man «muß die Entdeckung sofort den englischen Judengegnern mitteilen." Man muß außerdem sofort den Zuständigen Irrenarzt benachrichtigen. Der Vorgang ist bezeichnend für die geistige Verwirrung, die die hemmungslose Judenhetze in vielen Köpfen anrichtet. Alleinige Anzei gen-Annalime Rudolf Moase, Anzeigen-Annahme für sämtl. Zeitungen Deutschlands und des Auslands Berlin 8>V 19, Jerusalemer Straße 46-49 / Breslau / Chemnitz / Cöln a. Rh. s Dresden / Düsseldorf / Erfurt / Frankfurt a. M. / Lalle (Saale) Hamburg / Lannover / Leipzig / Magdeburg / Mannheim / München / Nürnberg / Stuttgart / Prag / Wien / Budapest / Warschau / Basel / Zürich. S.Sdjönljeim Sdfytie Weidjetode Land- und Wischtücher Tisch- und Bettwäsche. Ständiges Verkaufs- und Mufterlager: Leipzig, Peters st raße 20, I (Mcßhaus Reichskanzler). 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